Inhalt
1 Einleitung 2
2 Begriffsklärung 3
3 Gegenwärtige Situation in Österreich 6
4 Kritik am Schulmanagement 9
4.1 Unfähigkeit zur Selbstkritik 10
4.2 Modeabhängigkeit, Widersprüchlichkeit 11
4.3 Unverständliche Sprache 12
4.4 Widerspruch zum gesunden Menschenverstand 13
4.5 Mangelnde Anpassung zur gegenwärtigen Jugendsituation 14
4.6 Unterschiedliche Zielvorstellungen der Beteiligten 16
5 Resümee und zentrale Gedanken für ein erfolgreiches
Schulmanagement 18
6 Literaturverzeichnis 22
7 Erklärung 24
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1 Einleitung
Das Vorhandensein von Schulmanagementideen und entsprechender Aktivitäten an einer Schule wird seit einigen Jahren von einer breiten Bevölkerungsschicht, von vielen Lehrpersonen und nicht zuletzt von der Schulaufsicht als eine der wichtigen Vo rraussetzungen für einen erfolgversprechenden Schulbetrieb und effiziente Lernleistungen angesehen. Ein gewichtiger Grund dafür ist wohl auch die Tatsache, dass seit 1990 eine entsprechende gesetzliche Basis für einen größeren standortbezogenen Entscheidungsspielraum in Schulfragen gewährt wurde.
Der gesamte Schulbetrieb trägt zu derartigem Management bei oder ist zumindest von dessen Entscheidungen betroffen. Entscheidungen, die früher für alle Schulen bundesweit gleich waren, werden jetzt in verschiedenen Bereichen autonom getroffen und sollen aus der Sicht der Beteiligten vordefinierte Verbesserungen in verschiedenen mehr oder weniger wichtigen Bereichen bringen.
Dabei handelt es sich sowohl um Managemententscheidungen, die von den Beteiligten kaum wahrgenommen werden und an den jeweiligen Standorten unbedingt sinnvoll erscheinen, als auch um Entscheidungen, die tiefgreifend sind oder durchaus kritisch betrachtet werden können und damit auch ein gewisses Konfliktpotential in sich bergen.
Mit der Möglichkeit Schule schulautonom zu strukturieren, wurde natürlich auch ein Konkurrenzdenken zwischen den einzelnen Schulen aktiviert, was sowohl positive als auch negative Begleiterscheinungen mit sich bringt.
Die vorliegende Hausarbeit soll Schulmanagement definieren und zeigen, ob der Be griff Management in der Schule in seiner gegenwärtigen Verwendung seine Berechtigung hat. Außerdem soll die Arbeit den gegenwärtigen Stand in Österreich aufzeigen, verschiedene Fakten kritisch beleuchten und einen grundlegenden Denkanstoss für ein erfolgreiches Schulmanagement geben. Um den Umfang der Arbeit zu begrenzen, möchte ich mich dabei auf die Bedingungen der öffentlichen Hauptschulen in Österreich beschränken.
2
2 Begriffsklärung Schulmanagement
In der relevanten Literatur steht eine Vielzahl von Artikeln und eine Fülle von Bede utungen des Begriffes einem Mangel an Definitionen und verbindlichen Theorien gegenüber. Deswegen ist es wohl notwendig, bei der Definition etwas weiter auszuholen. Der Begriff des Schulmanagements ist in keinem der mir bekannten Lexika definiert und wurde in den letzten Jahren sicherlich in unterschiedlichen Zusammenhängen mit mannigfachen Bedeutungen belegt. Zwar sind Management und Schule als getrennte Begriffe längst Gegenstand wissenschaftlicher Arbeiten und Untersuchungen, die Ve rknüpfung dieser beiden Begriffsdefinitionen scheint aber bisher nicht von besonderem Interesse zu sein.
Ich möchte daher im Folgenden versuchen, mich vom traditionellen Managementbegriff an den Begriff des Schulmanagements heranzutasten und anschließend entsprechende Parallelen zum Management an Schulen aufzeigen.
Das Management oder auch die Geschäftsführung wird als Person oder Personengruppe im Unternehmen definiert, welcher Entscheidungskompetenzen übertragen wurden und deren Aufgabe darin besteht, die Leistungsfähigkeit des Unternehmens sicherzustellen. Dazu stehen dem Management sowohl die Anpassung von Produkten und der Produktivität an die Kräfte des Marktes als auch die Führung und Motivation der Mitarbeiter zur Verfügung. Weiter wird bei der Definition von Managern darauf hingewiesen, dass es sich dabei um leitende Angestellte ohne eigenen Kapitalbesitz handelt, welchen Aufgaben des Eigentümer-Unternehmers übertragen werden um dessen Interessen wahrzunehmen. Als Begründung für diese Trennung von Produktionsmittelbesitzern und Unternehmensleitern wird die Entstehung von Großunternehmen (Kapitalgesellschaften) angegeben, welche wohl mit zunehmender Größe immer weniger zentral verwaltbar sind (vgl. Reinhold 1997, S. 415).
Es wird bei der genaueren Definition von Management aber durchaus den verschiedenen Ebenen des Managements Rechnung getragen. So wird in diesem Zusammenhang von einem top management und einem middle management gesprochen, wobei das Erste sich eher mit politischen, langfristigen und grundlegenden Entscheidungen beschäftigt und das Zweite die Durchsetzung dieser Entscheidungen in der Organisation zum Ziel hat (vgl. Werner Fuchs-Heinritz u. a., 1994, S 413f). Da nun verschiedene Entscheidungskompetenzen auf die Schule übertragen wurden, und die Aufgabe darin besteht, die Leistungsfähigkeit des Unternehmens Schule sicherzustellen, kann der Begriff Management wohl auch für die Schule angewendet werden. Dem Schulmanagement steht dabei genauso eine Anpassung des Produkts „Unterricht“ und der „Schule“ als Ganzes zur Verfügung, um sich den „Kräften des Marktes“ anzupassen. Diese „Kräfte des Marktes“ sind im Kontext Schule eben die Kräfte des Bildungsmarktes, wobei mit den Anforderungen der Wirtschaft bzw. we iterführender Bildungseinrichtungen und der Konkurrenz zu anderen Schulen nur die Wichtigsten genannt seien.
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Die Führung und Motivation der Mitarbeiter stellt für das Management einer Schule einen besonders wichtigen Punkt dar, da das Engagement der Beteiligten in vielen Bereichen von Freiwilligkeit und Konsens abhängt. Auch damit kommt das Schulmanagement zu einer Übereinstimmung mit der bereits angeführten Definition von Management nach Reinhold.
Eine weitere Parallele lässt sich auch in der Begründung für den Einsatz eines Managers finden. Die Entstehung von Großunternehmen wurde als Grund für den Einsatz von Managern in Wirtschaftsunternehmen definiert. Die Schulverwaltung sah sich, wie unter Punkt 3 angeführt wird, mit einer ganz ähnlichen Situation konfrontiert, weswegen dezentralisierende Gesetze erlassen wurden und auch sie der Schulleitung Entscheidungsfreiheiten gewährte (vgl. Bundesministerium für Unterricht und kulturelle Angelegenheiten 1996, S. 25f).
Auch die Tatsache, dass Entscheidungsträger in Schulen keinesfalls Besitzer der Schule und somit der Produktionsmittel sind und Entscheidungskompetenzen von dem Eigentümer-Unternehmer, welcher hier wohl der Staat, die Gesellschaft bzw. bestimmte Stiftungen oder Vereine sind, übergeben wurden, stellt einen Zusammenhang zum definierten Managementbegriff aus der Wirtschaft dar.
Wenn man sich in diesem Zusammenhang mit der Einteilung von top management und middle management befasst, wäre es wohl richtig zu folgern, dass Management auf Schulebenen eher dem middle management und Schulpolitik auf Landes oder Bundesebene eher dem top management zuzuordnen ist.
Eine marxistische Sichtweise würde hier auch eine Analogie zulassen. So unterliegt das Kapital, welches in unserem Fall die Bildung ist, in unserer Gesellschaft ve rgleichbar mit dem Kapital aus einem marxistischen Blickwinkel sehr wohl dem Zwang zur Mehrwertproduktion und Konzentration, was die Vielzahl von Bildungseinrichtungen und der hohe gesellschaftliche und finanzielle Aufwand für deren Betrieb durchaus beweisen. Diesem Zwang kann die Bildung logischerweise nur dann gerecht werden, wenn sie die Kontrolle über den „Arbeitsprozess“ erlangt, womit wir wieder beim Schulmanagement wären (vgl. Braverman 1977, S. 51, S. 54, S. 197). Nun ist also Schulmanagement nicht gleichzusetzen mit der gesetzlich bestimmten Schulautonomie, sondern umfasst wohl insgesamt alle jene Bereiche, in denen in entscheidungstragenden Positionen stehende Personen Entscheidungen treffen, welche die Rahmenbedingungen des Bildungsprozesses beeinflussen.
Es ist hierbei aber sicherlich eine scharfe Grenze zu Unterrichtsplanung und Schülerbeurteilung zu ziehen. Diese Punkte könnten zwar auf Umwegen einen Einfluss auf die Struktur einer Schule haben, dies wäre aber sicherlich eine Art von falsch verstandenem Management und in jedem Fall nicht im Sinne des Erfinders. Umgekehrt ist es aber sicherlich so, dass Strukturen, die das Schulmanagement vorgibt, Rahmenbedi ngungen für bestimmte pädagogische Methoden (Projektunterricht, Teamteaching, . . . ) schaffen kann (vgl. Bundesministerium für Unterricht und kulturelle Angelegenheiten 1996, S. 29).
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Bei der Beschäftigung mit dem Thema erkennt man sehr rasch, dass der Begriff Schulmanagement einen sehr umfangreichen Bereich von sozialen Prozessen und auch eine ebenso umfangreiche soziale Gruppe umfasst. Sämtliche Bereiche der Schulentwicklung, Schulkultur, der Schaffung von Rahmenbedingungen, der Schulpartnerschaft, der Motivation der Beteiligten, der Beschaffung von Ressourcen und auch der Qualitätssicherung und Kontrolle all dieser Aktivitäten finden einen Platz unter dem Namen Schulmanagement. Ebenso übernehmen Personen, die nicht unbedingt der Schulleitung angehören, Managementaufgaben. So ist es durchaus üblich, dass Schülersprecher, Elternvertreter und insbesondere Lehrperson im Rahmen von Projektgruppen Entscheidungsträger werden, die Schulmanagementaufgaben übernehmen. Somit ist also auch festgelegt, dass Schulmanagement nicht lediglich mit den Tätigkeiten von als Schulmanagern bezeichneten Personen gleichzusetzen ist. Diese Tatsache findet auch eine Parallele in der Definition von Management aus wirtschaftlicher Sicht (vgl. Schienstock 1993, S. 8).
In der arbeitssoziologischen Literatur findet sich eine klare Abgrenzung zwischen Management und Betriebsorganisation, auf welche auch in der Schule sicher nicht ve rzichtet werden darf. Dabei findet das Management in diesem Zusammenhang seine Legitimation in erster Linie in den Innenbeziehungen innerhalb der Betriebsorganisation, um die Kontrolle über die Leistungsbereitschaft der Belegschaft zu erlangen (vgl. Migl-Horke 2000, S. 226). Damit wird aber auch die Verwendung des Begriffes Schulmanagement in der Literatur vielerorts in Frage gestellt, weil dieser in allen mö glichen Sinneszusammenhängen verwendet wird (Schulwerbung, Pressearbeit, Fundraising, . . . ). Mit diesem Hinweis sei der Bogen zu der anfänglich erwähnten Tatsache gezogen, dass es in der Literatur offensichtlich an einer verbindlichen Definition fehlt.
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3 Gegenwärtige Situation in Österreich
Mit der 14. SchOG-Novelle im Jahre 1990 wurden den österreichischen Schulen unter anderem autonome Entscheidungskompetenzen in verschiedenen Bereichen übertragen, welche primär durch die Schulleitung aber in gewissen Bereichen auch durch Lehrerschaft, Schüler und Elternvertreter wahrgenommen werden können. Nun war es plötzlich möglich, über Stundentafeln, Schulprofil, Kontingentsverteilungen und andere wichtige Schulfragen im Rahmen dieser Schul autonomie zu entscheiden und damit Schulentwicklung, Schulorganisation und nicht zuletzt Qualitätssicherung zu betreiben.
Die politische Argumentationsbasis für eine derartige dezentralisierende Entscheidung war, im Hinblick auf die Grenzen der zentralen Regelbarkeit zunehmend komplexer Systeme, zu einem Teil systemtheoretischer Natur. Zu einem aber mindestens ebenso großen Anteil kam die Motivation für ein derartiges Gesetzt vor dem Hintergrund gesellschaftlicher Veränderungen zustande. So wurden von der Basis längst die institutionalisierten Interessensvertretungen und entsprechende politische Machtpositionen in Frage gestellt. Dieser keineswegs abgeschlossene Bewegung wird mit mehr Bürger-und Bürgerinnenbeteiligung auf allen Ebenen durch Autonomiebestrebungen sicherlich Rechnung getragen (vgl. Bundesministerium für Bildung und kulturelle Angelegenheiten 1996, S. 25f).
Diesem bildungspolitischen Umdenken folgten weitere gleichgerichtete Gesetzesänderungen, welche heute ein wesentlich umfassenderes Schul management zulassen wie noch vor wenigen Jahren. Damit machte die Schulleitung einen großen Schritt in Richtung Management im Sinne von einer reinen Verwaltung zur aktiven Gestaltung. Die Schulen sehen sich wie andere öffentliche Einrichtungen seit Jahren dem Vorwurf ausgesetzt, schlecht organisiert zu sein. Es scheint, als wollen sie sich nicht an den für die Wirtschaft selbstverständlich gewordenen gehobenen Leistungsansprüchen anpassen. Da das Management für die Wirtschaft das geeignete Mittel für diese Anpassung ist wird dessen Einsatz natürlich auch für Non-Profit Unternehmungen wie Schulen zum geforderten Instrument, weswegen diese neuen Möglichkeiten von der Gesellschaft gefordert und den Schulen unter kritischen Blicken der Öffentlichkeit gerne angenommen wurden (vgl. Nigsch 1997, S. 417f).
Im Folgenden seien einige der Gestaltungsspielräume von Schulmanagement kurz angeführt und erklärt.
Die Möglichkeit zur Schaffung eines eigenen Schulprofils ist sicherlich die wichtigste Grundlage der Schulautonomie in Österreich und damit eine wichtige Frage für Managemententscheidungen an einer Schule. Mit diesem Punkt kann die jeweilige Bildungseinrichtung besonders auf die standortspezifischen und personellen Gegebenheiten eingehen. Sowohl die Interessen und Fähigkeiten von Lehrpersonen und Schülern als auch Aspekte des Raumangebotes, der regionalen Bedürfnisse und Besonderheiten und der finanziellen Umstände können dabei eine Rolle spielen.
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Arbeit zitieren:
Thomas Schroffenegger, 2001, Soziologische Aspekte des Schulmanagements an österreichischen Hauptschulen, München, GRIN Verlag GmbH
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