Inhalt
1. Einleitung. 3
2. Das Wort „Tabloid“ 4
3. Zeitungsformate im Überblick. 5
3.1 Das „Tabloid-Format“ 6
4. Vom Broadsheet zum Tabloid. 7
4.1 Das Tabloid-Format breitet sich aus. 7
4.2 Tabloids in Deutschland. 9
4.2.1 Boulevard Würzburg. 10
4.2.2 20 Cent. 10
4.2.3 Welt Kompakt. 11
4.2.4 News. 13
4.2.5 Direkt. 14
5. Ausblick. 15
6. Fazit. 16
7. Literaturverzeichnis. 17
2
1. Einleitung
Das Ende der gedruckten Zeitung ist zwar nicht in Sicht, die Zeitungskrise wird sich aber in den nächsten Jahren noch weiter verschärfen. Seit Beginn der Wirtschafts- und Werbeflaute im Jahr 2001 haben die Tageszeitungen mit einem Minus von 2,1 Milliarden Euro fast ein Drittel ihrer Netto-Werbeeinnahmen verloren. 1 Hinzu kommt die seit Jahren langsam und stetig abnehmende Zahl der Abonnementen und Zeitungskäufer, die den Zeitungen schwer zu schaffen machen. So waren die meisten Verlage zunächst ausschließlich mit Kostenbegrenzungen b eschäftigt, um sich der neuen Situation anzupassen. Etliche Lokalausgaben wurden eingestellt und immer mehr Verlagsunternehmen haben sich zusammengeschlo ssen. 2
Doch Besserung ist in Sicht. Prognosen zufolge werden bis im Jahr 2008 die Werbeeinnahem der deutschen Tageszeitungen gegenüber 2003 wieder um 16 Prozent steigen und sich somit auch die Investitionsspielräume wieder vergrößern. 3 Jetzt müssen die Verlage die richtigen Pri-oritäten setzen, um der Marke Zeitung zu neuem Glanz zu verhelfen und aus der Medienkr ise zu kommen.
Tabloid könnte das Zauberwort heißen - ein neuer Trend zur kleinformatigen Tageszeitung, bei der Papierformat, Text und Kosten reduziert werden, während der Leseranteil und damit die Werbeeinnahmen zunehmen sollen. Seit der britische „Independent“ im Kompaktformat Auflagensteigerungen von bis zu 30 Prozent feierte 4 , breiten sich die Tabloid-Zeitungen wie eine Seuche in ganz Europa aus. In Schweden sind bereits alle großen Blätter wie „Dagens Nyheter“ oder „Svenska Dagbladet“ aufs Kleinformat umgestiegen. In der Schweiz stellte der „Blick“ um und vor einem Jahr hat das Tabloid-Fieber auch Deutschland erfasst. 5 Mitte Mai 2004 brachte der Axel-Springer-Verlag „Welt Kompakt“ auf den Markt und seither kämpfen in Deutschland verschiedene Tabloid-Formate um die Gunst der Leser. Wie es derzeit aussieht, sin d die kleinen Ableger der Großen Zeitungen mehr als Eintagsfliegen. Sie werden gefeiert als Rettung der traditionellen Tageszeitungen.
1 Vgl. http://www.prognos-mediareports.com, Zugriff am 15.02.2005
2 Vgl. Röper, Horst: Bewegung im Zeitungsmarkt 2004. In: Media Perspektiven, 6/2004, Seite 268.
3 Vgl. http://www.prognos-mediareports.com, Zugriff am 15.02.2005
4 Vgl. Jakobs, Hans-Jürgen: Englands Sonne. In: Süddeutsche Zeitung vom 30.09.2004, Medien S. 19.
5 Vgl. Stahr, Volker S.: Kurz und billig, Tabloids als Zauberwort gebeutelter Pressehäuser. In: Neue Zürcher Ze i-
tung vom 19.11.2004
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In der folgenden Seminararbeit soll herausgestellt werden, ob das Tabloid -Format ein sinnvoller Weg ist, um aus der Zeitungskrise herauszukommen oder ob es nur ein Trend ist, dem Ve rlagsmanager Millionen Euro opfern, um ihn in einigen Monaten wieder zu Grabe zu tragen.
2. Das Wort „tabloid“
Das Wort „tabloid“ kommt ursprünglich aus der Medizin:
Die amerikanischen Apotheker Henry Wellcome und Silas Burroughs gründeten 1880 in London die „Burroughs Wellcome & Company“ und ließen vier Jahre später „Tabloid“ als Warenzeichen für gepresste Tabletten eintragen. So gab es damals zum Beispiel die Tablette „Tabloid Aspirin“. 6
Der englische Journalist Alfred Harmsworth (1865 bis 1922) - seit seiner Erhebung in den A-delsstand im Jahre 1905 besser bekannt als Lord Northcliffe - war es dann, der das Wort „Tabloid“ erstmals mit der Zeitung in Zusammenhang brachte. 7 Harmsworth wollte eine erfolgreiche nationale Tageszeitung schaffen, die „erklären, aufklären und vereinfachen“ sollte, und das in jedem einzelnen Absatz. So schuf er eine neue Spezies im Journalismus: den Reda kteur. 8 Redakteure sollten die oft langatmigen Stücke der Reporter in kompakte Nachrichtenstücke verwandeln. Gleichzeitig baute sich Harmsworth ein weltweites Netz von Ko rrespondenten auf, kaufte die neuesten Druckmaschinen, entwickelte ein Distributionssystem, das die lande sweite Lieferung auf den Frühstückstisch garantieren sollte und lies die Zeitung auf besserem Papier drucken, um die Qualität von Fotografien, Illustrationen und Landkarten zu verbessern. Am Morgen des 4. Mai 1896 war es dann soweit: Das erste Exemplar der „Daily Mail“ kam aus der Druckpresse. 9 Die Zeitung war so erfolgreich, dass am Erscheinungstag gleich 397.215 Exemplare verkauft wurden. Drei Jahre später überschritt die Auflage die Millione ngrenze, 1920 war die Zweimillionenmarke erreicht. 10
Angespornt durch den Erfolg brachte Harmsworth im Jahre 1903 den „Daily Mirror“ auf den Markt, die erste Tageszeitung für die Frau. Der „Daily Mirror“ erschien in einem kleineren Fo rmat, das Harmsworth „Tabloid“ nannte 11 und als „the daily time saver“ bezeichnete. 12 Somit war der „Daily Mirror“ die erste Zeitung, die im Tabloid-Format erschien. 13
6 Vgl. http://www.glaxosmithkline.de/gskinternational/intfirmengeschichte.php , Zugriff am 15.02.2005
7 Vgl. Örnebring, Henrik/ Jönsson Anna Maria: Tabloid Journalism and the Public Sphere. In: Journalism Studies 5
2004, Nr. 3, S. 283.
8 Vgl. Chipp, David: Momente der Entscheidung. Informationen fürs Volk. In: Die Zeit, Nr. 45 vom 30.10.2003
9 Vgl. http://www.absoluteastronomy.com/encyclopedia/D/Da/Daily_Mail.htm, Zugriff am 23.03.2005
10 Vgl. Chipp 2003, a.a.O., Nr. 45 vom 30.10.2003
11 Vgl. http://www.spartacus.schoolnet.co.uk/BUharmsworth.htm, Zugriff am 15.02.2005
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3. Zeitungsformate im Überblick
Mit zwei Zeitungsjährgängen von 1609 - dem „Aviso“ aus Wolfenbüttel und der Straßburger „Relation“ - gilt Deutschland als Ursprungsland der Zeitung. 14 Das Erscheinungsbild der frühen Zeitungen war von einfacher Machart. Die „Relation“ hatte einen Umfang von vier Se iten, der „Aviso“ acht. Beide Zeitungen erschienen im Quartformat. Das Quartformat ist eine vera ltete Format-Bezeichnung für einen zweimal gefalzten Papierbogen, der dadurch vier Blä tter oder acht Seiten erhält. Der Begriff ist jedoch als Größenbezeichnung nicht exakt, er gibt nur das Teilungsverhältnis an, wobei das endgültige Format letztendlich von der Größe des verwend eten Papierbogens abhängig war. 15
Der Leipziger Drucker und Buchhändler Timotheus Ritzsch brachte dann im Jahr 1650 die erste Tageszeitung der Welt mit dem Titel „Einkommende Zeitungen“ heraus. Jede Ausgabe hatte vier Seiten im Format von zirka 13,5 mal 17 Zentimetern. 16 Als die Blätter wuchsen, gab es höchsten Protest. Doch die Vergrößerung sei „aus dem Wunsch entstanden, das Geld und die Zeit der Lesenden in größeren Anspruch zu nehmen“, sagte König Friedrich Wilhelm III. anno 1836. 17
Heute entsprechen Zeitungsformate grundsätzlich keinen DIN-Normen und beschreiben die Größe (Breite x Höhe) einer Zeitung, wenn sie nicht aufgeschlagen ist. Die wichtigsten Ze i-tungsformate in Deutschland sind das Rheinische Format mit 5 - 6 Grundspalten, das Halbe Rheinische Format mit 4 Grundspalten, das Berliner Format mit 5 Grundspalten und das Norddeutsche Format auch Nordisches Format genannt. 18 Im Allgemeinen lassen sich folgende Formate unterscheiden:
12 Vgl. Örnebring, Henrik/ Jönsson Anna Maria 2004, a.a.O., S. 283
13 Vgl. http://www.wan-press.org/article2822.html , Zugriff am 15.02.2005
14 Vgl. Wilke, Jürgen: Pressegeschichte. In Noelle-Neumann, Elisabeth/ Schulz, Winfried/ Wilke, Jürgen (Hg.):
Fischerlexikon Publizistik/ Massenkommunikation. Frankfurt am Main 2002, S. 463.
15 Vgl. http://virtuelleschuledeutsch.at/dachs_gutenberg/q.html#Quart, Zugriff am 03.04.2005
16 http://www.papyrus-germany.com/deutsch/wissen/geschi2.htm, Zugriff am 03.04.2005
17 Vgl. Seitz, Josef: LdH - lies die Hälfte!. In: Focus, H. 24 vom 07.06.2004, S. 182.
18 Vgl. Walenski, Wolfgang: Der Rollenoffsetdruck. Fellbach 1995, S. 83.
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3.1 Das „Tabloid-Format“
Je nach Land und Verlag variiert die Größe des Tabloid -Formats etwas. Im Schnitt umfasst es etwa 23 mal 32 Zentimeter. Tabloid steht aber schon lange nicht mehr nur für ein Format, so ndern für eine Art, wie bestimmte Zeitungen ihre Nachrichten auswählen und präsentieren. So kam es, dass das Tabloid-Format im Laufe der Zeit einen schlechten Ruf bekommen hat. Sogar Lexika definieren das Tabloid übereinstimmend mit einem negativen Ton als „Boulevardpresse im Zeitschriftenformat“. 19
In Großbritannien gilt das Tabloid-Format deshalb traditionell als Format der Revolverblätter 20 wie „Sun“ „Daily Mirror“ oder „Daily Star“. Kritiker werfen diesen Blättern vor, nur auf Sens ationen und Emotionen auszusein, komplizierte Sachverha lte viel zu vereinfacht darzustellen
19 Vgl. http://www.wissen.de, Zugriff am 23.03.2005
20 Vgl. Thalheimer, Christian: Halbe Portionen, leicht verdaulich. In: BJVreport 5/2004, S. 46-47.
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Arbeit zitieren:
Alexander Göbel, 2005, Tabloid-Format. Ein Weg aus der Zeitungskrise?, München, GRIN Verlag GmbH
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