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1. Einleitung 1
2. Sucht 2
2.1 Was ist Sucht? 2
2.2 Ursachen von Sucht 3
2.2.1 Kindheit 3
2.2.2 Der entfremdete Mensch 3
2.2.3 Orientierungslosigkeit 4
2.2.4 Wechselbeziehung zwischen Person und Umwelt 5
2.3 Stoffgebundene / stoffungebundene Sucht 6
3. Magersucht 8
3.1 „Anorexia nervosa“ 8
3.2 Ursachen 9
3.2.1 Gesellschaftliches Ideal 10
3.2.2 Bedür fnis nach Zuwendung 11
3.2.3 Erwachsenwerden und Ablösung 11
3.2.4 Macht 12
3.2.5 Missbrauch 13
3.3 Folgeschäden der Anorexie 13
3.4 Behandlung der Anorexie 14
4. Suchtprävention 15
4.1.1 Bisherige Methoden 15
4.1.2 Neue Methoden 15
4.2 Schulische Suchtprävention 16
4.3 Suchtprävention im Religionsunterricht 17
4.3.1 Vorüberlegungen zum Religionsunterricht 17
4.3.2 Unterrichtsvorschlag zur Primärprävention im 18
Religionsunterricht
5. Schlussbetrachtung 21
6. Literaturverzeichnis 23
II
1. Einleitung
11 jährige, die regelmäßig rauchen,12 jährige, die von ihrem ersten Vollrausch zu berichten wissen und 13 jährige, die in den Schulpausen kiffen.
In unserer westlichen Wohlstandsgesellschaft fällt auf, dass immer mehr Jugendliche und sogar Kinder irgendeiner Art von Sucht verfallen, sei es Drogensucht, Spielsucht oder z. B. Esssucht. Welche Arten von Sucht gibt es, wer ist anfällig dafür und welches Thema sollte „Sucht“ in der Schule spielen? Als angehende Religionslehrerin halte ich es für sehr wichtig, sich mit diesen Fragen zu beschäftigen. Zum einen, weil Lehrer umfassend darüber informiert sein sollten, welche Schüler gefährdet sind, um eine Sucht zu erkennen und entsprechend zu agieren; zum anderen, weil es speziell im Religionsunterricht nicht nur um die reine Stoffvermittlung, sondern auch um persönliche Fragen (z. B. Sinn des Lebens) geht und die Aufgabe eines Religionslehrers meiner Meinung nach u. a. darin besteht, den Schülern Lebensperspektiven fern ab von Süchten aufzuzeigen.
In meiner Hausarbeit werde ich mich zuerst mit den verschiedenen Formen von Sucht und deren Ursachen befassen und dies in einem weiteren Schritt spezifizieren, indem ich genauer auf die Magersucht als eine Entwicklungsstörung bei Kindern und Jugendlichen eingehe. Als nächstes werde ich mich mit der Frage beschäftigen, in welcher Weise (Religions-)Lehrer einer Sucht präventiv begegnen können und abschließend einen Unterrichtsvorschlag zur Primärprävention im Religionsunterricht entwerfen.
1
2. Sucht
2.1 Was ist Sucht?
Um sich mit dem Thema Sucht auseinander zu setzen, halte ich es für wichtig, zunächst den Begriff in seiner ursprünglichen Bedeutung zu klären, da in der heutigen Zeit ständig von „Sucht“ und „Abhängigkeit“ gesprochen wird, ohne dass man darüber nachdenkt, wie diese Begriffe genau charakterisiert sind. Aus diesem Grund werde ich im Folgenden die Bedeutung der beiden - heute meist synonym gebrauchten - Wörter klären. „Sucht“ stammt von dem mittelalterlichen Wort „Siechtum“ und bedeutet „krank sein“, „schwer leidend“.
„Abhängigkeit“ dagegen beschreibt im ursprünglichen Sinn keine Krankheit oder kein krankhaftes Verhalten, sondern ein „soziales Beziehungsverhältnis ... oder den Sachverhalt, dass der Mensch nur in Abhängigkeiten - die positiv oder negativ empfunden werden können - existieren kann.“ 1 .
1964 definierte die Weltgesundheitsorganisation (WHO) „Sucht“ als „Zustand psychischer oder physischer und psychischer Abhängigkeit von einer Substanz mit zentralnervöser Wirkung, die zeitweise oder fortgesetzt eingenommen wird.“ 2 .
Da sich diese Beschreibung auf eine Substanz bezieht, Sucht aber sowohl stoffgebunden als auch stoffungebunden sein kann, ziehe ich noch eine weitere und umfangreichere Definition heran. Dabei ist zu beachten, dass diese Merkmale auf „Sucht“ und „Abhängigkeit“ zutreffend sind, sofern man sie synonym verwendet.
Der Süchtige hat das zwanghafte Verlangen, unangenehmen Gefühlen auszuweichen und bestimmte Lustzustände herbeizuführen, oft mit Hilfe eines Wirkstoffes wie z. B. Rauschmittel. Er ist derart abhängig von eben diesen Mitteln oder von bestimmten herbeigeführten Situationen, dass diese zu seinem Lebensinhalt geworden sind (seelische Abhängigkeit) und er an Entzugserscheinungen leidet, wenn er nicht in ihrem „Besitz“ ist (körperliche Abhängigkeit). Der Süchtige erfährt eine starke körperliche und / oder psychische Abhängigkeit, die bis zum Verlust der Selbstkontrolle führen kann. In den
1 Hess. Kultusminister (Hrsg.), Unterrichtshilfen für die Sekundarstufe I, S. 23
2 Küsters,/Meyers, Süchte, S. 17
2
allermeisten Fällen ist der Süchtige nicht in der Lage, sich selbst von der Sucht zu befreien und ist auf professionelle Hilfe angewiesen 3 .
2.2 Ursachen von Sucht
Weswegen ein Mensch süchtig wird, hängt von verschiedenen Faktoren ab. Sicher ist aber, dass ein Mensch, der ein negatives Welt- und Selbstbild hat, anfälliger ist als einer, der zufrieden mit sich ist und dem Leben positiv und neugierig gegenübersteht.
2.2.1 Kindheit
Der Grundstein für diese Lebenseinstellung wird schon in den ersten Lebensjahren eines Kindes gelegt. Wenn es anstatt Liebe, Beachtung, Verständnis und Freiraum nur Vernachlässigung, Intoleranz und Ablehnung erfährt, entwickelt sich schnell eine depressive Charakterstruktur, die das Risiko, später Drogen zu konsumieren oder einer anderen Sucht zu verfallen, fördert. Dieter Ladewig vermutet, dass das Risiko, süchtig zu werden, darin begründet ist, dass wir als Kinder nicht gelernt haben, aus uns selbst zu schöpfen, uns den Anforderungen des Lebens zu stellen und Belastungen standzuhalten 4 . Körperliche Schmerzen betäuben wir sofort mit Medikamenten, ohne darüber nachzudenken, ob sie vielleicht eine seelische Ursache haben könnten. Stattdessen meiden wir unangenehme Situationen und lenken uns selbst durch Außenorientierung von unseren Problemen ab.
2.2.2 Der entfremdete Mensch
Ständige Reizüberflutung und künstliche Bedürfnisweckung durch die Medien verstellen uns den Blick für tatsächliche innere Wünsche und Sehnsüchte und suggerierte Bedürfnisse. Daraus resultiert eine immer größer werdende und oft unbestimmte Unzufriedenheit. Ist es wirklich das neue Auto, das duftende Shampoo, der Job in einer angesehenen Firma, was uns glücklich macht? Ist es nicht eher so, dass das wirkliche Glück, die tatsächliche Bedürfnisbefriedigung nicht käuflich zu erwerben ist? Doch diese Erkenntnis hat zur Konsequenz, dass sich der Mensch ernsthaft mit sich selbst und seiner Umwelt auseinander
3 Vgl. Jahn, Jugend und Sucht, S. 25f.
4 Vgl. Ladewig, Sucht fällt nicht vom Himmel, S. 318
3
setzen muss und nach Abzug des außenorientierten Glücks eine erschreckende Leere in sich konstatiert. „Glücklich sein heißt, ohne Schrecken seiner selbst innewerden zu können“ (Walter Benjamin). Doch wer traut sich noch, innezuhalten und in sich hineinzuschauen? Macht nicht vielen diese tödliche Stille Angst? Und so übt man sich in Zerstreuung und gibt sich dem unendlichen Erlebnismarkt hin, um sein vermeintliches Glück in „Kicks“ zu suchen. Diese findet der Suchende entweder in stoffgebundener Form (legale/illegale Drogen) oder in erlebnisorientierten Praktiken, die in der heutigen Zeit eine Konjunktur erleben, wie beispielsweise Computerspielen, Einkaufen, Arbeiten, Fernsehen, ... Die Befriedigung verschaffende Handlung wird wiederholt und als persönliches Glück angesehen; die tödliche Ruhe wird übertönt. Der Mensch wird süchtig, weil er seine tatsächlichen Wünsche nicht mehr wahrnimmt.
„So kann in all den heute gängigen Suchtformen ... letztendlich der fatale Wunsch nach Einswerdung des entfremdeten Menschen mit sich und der Natur gesehen werden.“ 5 .
2.2.3 Orientierungslosigkeit
„Alles kann, nichts muss!“ - eine charakteristische Aussage für unsere westliche Wohlstandsgesellschaft, in der der Mensch frei entscheiden kann, wie er sein Leben führen will. Wir haben die freie Wahl, ob wir Christen, Buddhisten oder Atheisten sein wollen, ob wir uns für andere einsetzen und / oder Einzelkämpfer sein wollen. Während früher die ganze Familie über mehrere Generationen zusammen unter einem Dach gewohnt hat, sind heute viele Eltern geschieden und neu verheiratet, man studiert oder macht eine Lehre, geht ins Ausland oder bleibt in der Heimat, aber selten bei den Eltern wohnen. In der Schule können die Kinder wählen zwischen Religion und Ethik und bekommen Religionen, Philosophien und Weltbilder vorgestellt, von denen jede den absoluten Anspruch stellt, die einzig wahre zu sein. Fehlende allgeme in gültige Werte und die totale Orientierungslosigkeit bieten den besten Nährboden für Süchte. Ein Mensch, der nicht weiß, wer er ist und was er will, ist extrem anfällig für jedes Angebot, das seinem Leben einen Sinn zu geben scheint 6 .
5 Kemper/Sonnenschein (Hrsg.), Sucht und Sehnsucht, S. 14
6 Vgl. Gross, Die „Versüchtelung“ grassiert, S. 324
4
2.2.4 Wechselbe ziehung zwischen Person und Umwelt
„Sucht ist eine Beziehungskrankheit, deren Ausbruch auf das Zusammenspiel von Anlage, Umwelt und Persönlichkeit zurückzuführen ist ...“ 7 . Diese These lässt sich mit einem Schaubild verdeutlichen:
Dieses Schaubild zeigt deutlich zwei wesentliche Sucht auslösende und begünstigende Faktoren auf. Zum einen liegt - wie schon beschrieben - ein gewisses Suchtpotenzial in der Person selber, wenn sie z. B. aus verschiedenen Gründen nicht in der Lage ist, ihre Wünsche und Bedürfnisse wahrzunehmen und zu befriedigen. Die daraus resultierende Unzufriedenheit macht die Person anfällig für Glück versprechende Substanzen oder Handlungen, die jedoch nicht das eigentliche Problem aufdecken und bekämpfen.
Ein weiterer - möglicherweise Sucht fördernder - Faktor ist die Umwelt. Ein Mensch, der in sozialer Isolation lebt oder ständig Misserfolge im beruflichen und zwischenmenschlichen Bereich erfährt, leidet häufig auch an einem geringen Selbstwertgefühl, so dass beide Kreise ineinander greifen und sich gegenseitig bedingen und verstärken. Den Teufelskreis zu
7 Mack/Schneider/Wäschle, Sucht im Schulalltag, S. 39
5
Arbeit zitieren:
Birte Hundhammer, 2004, Ursachen und Folgen von Sucht am Beispiel der Magersucht und mögliche Suchtprävention im Religionsunterricht, München, GRIN Verlag GmbH
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