INHALTSVERZEICHNIS
1. Einleitung. 1
2. Begründung der ausgewählten Thematik. 2
2.1 Aufgaben der Schule 2
2.1.1 Aussagen der Richtlinien und Lehrpläne für die Grundschule. 3
2.1.2 Rechtliche Grundlagen 4
2.2 Zur derzeitigen Situation an der St. Marienschule Appelhülsen 5
3. Erste Hilfe an der St. Marienschule Appelhülsen. 8
3.1 Zum Begriff Erste Hilfe im Hinblick auf die Thematisierung in der
Grundschule - Versuch einer näheren Bestimmung 8
3.2 Grundsätze und Zielsetzungen des Themenkoffers Erste Hilfe in der
Grundschule. 9
4. Verschiedene Aspekte der Zusammenstellung des Themenkoffers
„Erste Hilfe“ an der St. Marienschule Appelhülsen. 10
4.1 Allgemeine Überlegungen zu dem Einsatz und Aufbau des Themenkoffers
Erste Hilfe. 11
4.2 Inhalte des Koffers. 12
4.2.1 Die Arbeitsmappe für den Lehrer 12
4.2.2 Medien 13
4.2.3 Reale Materialien. 15
4.3 Überlegungen und Konsequenzen für den Themenkoffer Erste Hilfe 15
4.4 Mögliche Schwierigkeiten und Grenzen bei der Verwirklichung an der St.
Marienschule 16
4.5 Möglichkeiten zur Beschaffung der Materialien 17
5. Einsatzmöglichkeiten des Themenkoffers „Erste Hilfe“ in Form einer
spiralcurricularen Vorgehensweise 19
5.1 Ermöglichung unterschiedlicher Arbeitsformen. 19
5.2 Ausgewählte Aspekte und Möglichkeiten für die Jahrgangsstufe 1/2. 21
5.3 Ausgewählte Aspekte und Möglichkeiten zur Weiterführung für die
Jahrgangsstufe 3/4 25
5.4 Außerschulische Hilfen und Lernorte. 27
5.5 Elternarbeit 28
6. Schlussbetrachtung / Retrospektive 29
7. Anhang 31
8. Quellenverzeichnis 33
Einleitung 1
1. Einleitung
„Je
früher ein Kind mit dem Begriff „Helfen“ konfrontiert wird, umso eher wird es als He-
Durch meine abgeschlossene Berufsausbildung zur Arzthelferin habe ich mich schon seit langer Zeit für medizinische Sachverhalte und Erste Hilfe interessiert. Da es in den Schulpausen häufig zu kleinen „Notfällen“ kommt, die von den Schülern 1 oftmals falsch bewertet werden, kam die Idee, einen „Themenkoffer Erste Hilfe“ zusammenzustellen. Zudem existieren bereits unterschiedliche Themenboxen in der Schule, die von den Lehrern positiv aufgenommen und häufig eingesetzt werden.
Eine Vorüberlegung war, dass dieser Koffer mit unterschiedlichsten Gegenständen, Materialien und Medien ausgestattet sein soll, die sowohl die Bereitschaft zum Helfen bei den Kindern wecken, als auch ihre Handlungskompetenzen in Erste Hilfe Situationen erweitern sollen. Grundvoraussetzung für eine erfolgreiche Rettungskette in einem Notfall ist sowohl die Bereitwilligkeit zum Handeln, als auch ein ausreichendes Wissen der Beteiligten. Daher soll bereits bei den Kindern in der Grundschule ein Bewusstsein für diese Aspekte schrittweise aufgebaut werden (vgl. KLEIN 2001). Da in Notfällen häufig wertvolle Sekunden entscheidend sind, sollte jedermann Grundkenntnisse in Erster Hilfe erwerben und zum Helfen bereit sein, um möglichst schnell und effektiv handeln zu können.
In der nachfolgenden Arbeit soll daher aufgezeigt werden, wie die o. g. Gesichtspunkte mit Hilfe eines solchen „Themenkoffers Erste Hilfe“ insbesondere an der St. Marienschule Appelhülsen gefördert werden können.
Dazu werde ich in Kapitel 2 zunächst anhand theoretischer Vorgaben die Notwendigkeit der Förderung dieses Themenkomplexes in Grundschulen darstellen. Besonders in den Blick geraten hier die Forderungen der Richtlinien und der Lehrpläne für den Sach- und Sportunterricht. Zusätzlich werden verschiedene rechtliche Grundlagen genauer betrachtet, um den Themenkoffer u. a. darauf aufbauend zu gestalten.
Da der Begriff der Ersten Hilfe in der Literatur sehr komplex und umfangreich formuliert ist, wird im 3. Kapitel eine Eingrenzung des Begriffs vorgenommen. Diese bezieht sich ausschließlich auf die Behandlung des Themenkomplexes „Erste Hilfe“ in der Grundschule. Da-
1 ZurVereinfachung benenne ich die Gruppe der Schülerinnen und Schüler in dieser Arbeit geschlechtsneutral als Schüler. Dies geschieht auch im Hinblick auf die Gruppe der Lehrer.
Einleitung 2
durch ergeben sich unterschiedliche Zielsetzungen, die durch den Themenkoffer verfolgt und realisiert werden sollen.
Im anschließenden Abschnitt werden verschiedene Aspekte der Zusammenstellung des Koffers aufgezeigt. Dazu wird zunächst kurz dargestellt, welche Medien, Materialien und Gegenstände Inhalt des Themenkoffers geworden sind und welche Möglichkeiten zur Beschaffung derselben bestehen. Zusätzlich werden hier (Kapitel 4) Schwierigkeiten und Grenzen des Themenkoffers dargestellt.
Abschließend werden einige Ideen für den unterrichtlichen Einsatz des Themenkoffers Erste Hilfe dargestellt und thematisiert (Kapitel 5).
2. Begründung der ausgewählten Thematik
Im Folgenden wird eine generelle Begründung für die Notwendigkeit der Förderung der Bereitschaft zum Helfen sowie einer Erweiterung der Handlungskompetenzen der Kinder an der St. Marienschule Appelhülsen gegeben. Dazu wird kurz dargestellt, warum die Thematik Erste Hilfe integraler Bestandteil der Schule sein sollte. Der erste Abschnitt beschäftigt sich daher mit den Aufgaben der Grundschule, die sich vor allem aus den Richtlinien und Lehrplänen für die Grundschule ergeben. Bedeutsam sind hier auch die verschiedenen Rechtsvorschriften, die die Bearbeitung des Themas in der Grundschule festlegen. Anschließend wird insbesondere die derzeitige Situation an der St. Marienschule dargestellt.
2.1 Aufgaben der Schule
Aktuelle Unfallzahlen des Gemeindeunfallversicherungsverbandes Westfalen-Lippe (GUVV W-L) belegen, dass jedes elfte Schulkind einen Unfall erleidet. Dem GUVV wurden im Jahr 2004 rund 164.000 Unfälle gemeldet, wovon cirka 150.000 auf den Bereich der Schülerunfallversicherung fielen (vgl. http://www.guvv-wl.de/news-archiv/archiv.cfm?meldung=68, 08.03.2005).
Auf den Bereich Westfalen Lippe fallen hierbei ungefähr 4000 gemeldete Fälle (vgl. http://www.westline.de/nachrichten/lokal/index_nachricht.php?file_name=32b1afa.nit&newsl ine=lokal&catchline=ms/%/ln&szm_flag=1, 30.05.2005). Diese Zahlen verdeutlichen die Aktualität des Themas und zeigen, dass dringender Handlungsbedarf besteht. Daher sollte auch die Schule vermehrt auf eine verantwortungs- und bereitschaftsfördernde Erziehung Wert legen. Eine solche Erziehung macht vor allem in der Grundschule Sinn, da Kinder in diesem Alter Einstellungen und Verhaltensweisen entwickeln, die bestimmend auf ihren wei- teren Lebensverlauf wirken (vgl. BUNDESZENTRALE für gesundheitliche Aufklärung, 2000, 5).
Begründung der ausgewählten Thematik 3
Die Schule steht damit vor der Aufgabe, seinem Bildungs- und Erziehungsauftrag nachzukommen. Dies beinhaltet die Vermittlung grundlegender Fähigkeiten und Kenntnisse, die den individuellen Lernmöglichkeiten und Erfahrungen der Kinder angepasst sind (vgl. MINISTERIUM für Schule und Weiterbildung, Wissenschaft und Forschung des Landes Nordrhein-Westfalen, 1999, IX).
In Bezug auf das Thema Erste Hilfe in der Grundschule bedeutet dies, dass den Schülern bewusst werden muss, dass in einer akuten Notfallsituation eine rechtzeitige und sachgerechte Hilfe von besonderer Bedeutung sein kann, da hierdurch die Verletzungsfolgen beim Opfer wesentlich gemindert werden können. Dafür ist es notwendig, mit den Schülern das Verhalten in solchen Situationen einzuüben und regelmäßig zu wiederholen. Sie sollen durch die in der Schule aufgebauten Kompetenzen befähigt werden, sich an Hilfsmaßnahmen zu beteiligen, um so nach einem Unfall die Versorgung des verletzten Schülers gewährleisten zu können.
2.1.1 Aussagen der Richtlinien und Lehrpläne für die Grundschule
Bedeutend und leitend für das Leben und Lernen in der Schule sind die Richtlinien und Lehrpläne der einzelnen Bundesländer. Auch sie nehmen auf das Themengebiet Erste Hilfe Bezug. Hier sind insbesondere der Lehrplan für den Sachunterricht als auch für den Sportunterricht zu berücksichtigen.
So wird beispielsweise in den Richtlinien und Lehrplänen für die Grundschule für das Land Nordrhein-Westfalen 2 gefordert, dass die Kinder grundlegende Kompetenzen entwickeln sollen, die die Teilhabe am gesellschaftlichen Leben ermöglichen. Dazu gehören unter anderem die Herausbildung von Urteils- und Handlungsfähigkeit. Darüber hinaus sollen sie Schlüsselqualifikationen, die sich aus dem Zusammenspiel von fachlichen, sozialen und personalen Kompetenzen wie Zuverlässigkeit, Selbstständigkeit, Verantwortungsbereitschaft und Einfühlungsvermögen sowie Lern- und Leistungsbereitschaft ergeben, entfalten. (vgl. MINISTERIUM für Schule, Jugend und Kinder des Landes Nordrhein-Westfalen 2003, 17). Der Lehrer trägt somit die Verantwortung, diese Aspekte in den Unterricht mit einzubeziehen und seinen Unterricht auch zu einem erziehenden zu machen.
So hat die Grundschule die Aufgabe, die Kinder zu selbstständigem und verantwortungsbewusstem Handeln hinzuführen und bei den Kindern Einstellungen und Haltungen aufzubauen, die für ihre weitere Persönlichkeitsentwicklung und für die mündige Teilnahme am gesellschaftlichen Leben erforderlich sind (vgl. MINISTERIUM für Schule und Weiterbildung, Wissenschaft und Forschung des Landes Nordrhein-Westfalen 1999, XII).
2 Es wird ausschließlich auf die neuen Richtlinien und Lehrpläne Bezug genommen.
Begründung der ausgewählten Thematik 4
Das Schulleben, der Unterricht und die Erziehung sollen dabei verbindliche, gemeinsame Lern- und Lebensbezüge schaffen.
In dem Fach Sachunterricht findet die Thematisierung der Ersten Hilfe besondere Beachtung. Dort wird angesprochen, dass die Kinder zur Übernahme von Verantwortung und aktiver Teilnahme an der Gestaltung der Lebenswirklichkeit befähigt werden sollen (vgl. MINISTERIUM für Schule, Jugend und Kinder des Landes Nordrhein-Westfalen 2003, 56). Konkret bedeutet dies, dass sie grundlegende Kenntnisse bezüglich der Leistungen der Sin-nesorgane feststellen und die Körperfunktionen erklären und beobachten können sollen. Weiterhin stellt das Erlernen und Anwenden von Erste Hilfe Maßnahmen und von Unfallverhütungsmaßnahmen eine Aufgabe des Faches Sachunterricht dar (vgl. ebd., 60). Des Weiteren sollen laut der verbindlichen Anforderungen nach Klasse 4 ein Verantwortungsbewusstsein sowohl für den eigenen Körper als auch für andere Menschen entwickelt worden sein (vgl. ebd.).
2.1.2 Rechtliche Grundlagen
Laut § 323 Strafgesetzbuch (StGB) besteht eine gesetzliche Pflicht zur Erste Hilfe Leistung für alle Menschen (vgl. BUNDESVERBAND der Unfallkassen 2003b, 6).
Die rechtlichen Grundlagen für die praktische Arbeit in der Schule lassen sich vor allem in der Allgemeinen Schulordnung (ASchO), in der Bereinigten Amtlichen Sammlung der Schul-vorschriften (BASS) als auch in den Rechtsgrundlagen der Sicherheitsförderung im Schul-sport finden.
Unter § 46 der ASchO wird betont, dass die Schule mit geeigneten Mitteln für die Verhütung von Unfällen als auch für eine wirksame Erste Hilfe zu sorgen hat (vgl. ASCHO, 184). Diese Forderung bezieht sich vor allem auf das Wecken des Sicherheitsbewusstseins der Schüler in allen Unterrichtsfächern und bezieht hier das Verhalten in Pausen und auf dem Schulweg ein (vgl. ebd.). An jeder Schule sollten möglichst viele Lehrkräfte und auch Schüler für die Erste Hilfe Leistung sachgemäß vorgebildet sein. Diese Bildung erfolgt für die Schüler im Rahmen oder in Ergänzung des Unterrichts (vgl. ebd., 190). Zur Ausbildung der Lehrkräfte und der Schüler in Erster Hilfe wird auf den Runderlass des Kultusministeriums vom 24. 5. 1976 hingewiesen. Dieser Runderlass schreibt jedoch die Ausbildung in Erster Hilfe für die Lehrkräfte nicht vor, sondern eine Teilnahme wird lediglich empfohlen (vgl. BASS 18 - 24 Nr. 1). Besondere Bedeutung im Hinblick auf die Erste Hilfe kommt auch dem Sportunterricht zu. In den Rechtsgrundlagen der Sicherheitsförderung im Schulsport heißt es, dass das Verhalten in Unfallsituationen mit den Schülern einzuüben und regelmäßig zu wiederholen ist (vgl.
Begründung der ausgewählten Thematik 5
MINISTERIUM für Schule, Jugend und Kinder des Landes Nordrhein-Westfalen 2002, 42). Das macht das zusätzliche Vorhandensein eines Sanitätsraums in der Sporthalle notwendig. Der dort und auch in der Schule befindliche Verbandkasten sollte den Vorschriften entsprechen (DIN 13157) 3 und regelmäßig überprüft werden. Darüber hinaus sollte eine Notrufeinrichtung und eine Liste mit den Telefonnummern der in Betracht kommenden Ärzte und der Rettungsleitstelle vorhanden sein (vgl. ebd.). Die sachlichen Voraussetzungen hierzu müssen vom Schulträger zur Verfügung gestellt werden.
2.2 Zur derzeitigen Situation an der St. Marienschule Appelhülsen
Die St. Marienschule in Appelhülsen ist eine katholische Grundschule mit gegenwärtig 248 Schülern.
Der Sachunterricht wird durch die Klassenlehrer erteilt und orientiert sich an dem aktuellen Lehrplan (vgl. Kap. 2.1.1).
Im Hinblick auf die Kenntnisse bezüglich der Ersten Hilfe sind m. E. die Lehrkräfte für den Sportunterricht besonders qualifiziert. Für den Sportunterricht stehen momentan eine Sportlehrerin, die gleichzeitig auch die Sicherheitsbeauftragte der Schule ist, und ich als Lehramtsanwärterin zur Verfügung. Durch diesen personellen Engpass an ausgebildeten Sportlehrern an der Schule ist es nicht möglich, alle Klassen im Sportunterricht durch einen Fachlehrer zu betreuen.
Die weiteren Lehrkräfte der Schule verfügen leider nur über geringe und teilweise veraltete Kenntnisse im Bereich Erste Hilfe. Dies scheint unter anderem daran zu liegen, dass keine rechtlichen Grundlagen existieren, die den Nachweis einer aktuellen Bescheinigung über das Wissen auf diesem Themengebiet fordern (vgl. Kap. 2.1.2).
Aktuelle Zahlen aus den Unfallberichten der Jahre 2003 bis Ende 2004 der Schule zeigen, dass es durchaus nötig ist, ein Grundwissen bezüglich der Ersten Hilfe zu besitzen. 4
3 Der vorgeschriebene Inhalt des genannten Verbandkastens kann entnommen werden aus: BUNDESVERBAND der Unfallkassen (Hrsg.): Erste-Hilfe-Material. Verlag von Fachpublikationen, München, 1998
4 Die Daten zum Erstellen der Abbildungen (Abb. 1-3) habe ich aus den Unfallanzeigen der Jahren 2003 bis 2004 für den GUVV entnommen. Diese Zahlen spiegeln nur die zu meldenden Unfallzahlen wieder. Dazu kommen jedoch unzählige kleine Unfälle, die oft eine Erste Hilfe erfordern. Weitere Grafiken über die Verletzungs- arten sowie der verletzten Körperteile finden sich im Anhang auf der beigefügten CD-Rom dieser Arbeit.
Arbeit zitieren:
Astrid van Reine, 2005, Der Themenkoffer „Erste Hilfe“ als Möglichkeit zur Förderung der Bereitschaft zum Helfen, München, GRIN Verlag GmbH
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