Inhaltsverzeichnis:
0. Einleitung Seite 1
1. Technische Entwicklung des Fernsehens bis 1930 Seite 2
2. Ökonomie des deutschen Fernsehens bis 1945 Seite 4
3. Fernsehen unterm Nationalsozialismus Seite 5
3.1 Fernsehbetrieb und Propaganda Seite 7
4. Was ist ein Programm ? Seite 8
4.1 Das Fernsehprogramm Seite 9
5. Fazit Seite 13
6. Literaturverzeichnis Seite 16
II
0.Einleitung
Dem Medium Fernsehen bescheinigten die Philosophen Max Horkheimer und Theodor Adorno schon zu seiner Entstehungszeit eine wichtige Rolle, obwohl zu diesem Zeitpunkt die Veränderungen des gesellschaftlichen Lebens durch das Medium noch nicht abzusehen waren.
Ich nehme an, dass den meisten Menschen nicht geläufig ist, dass es auch schon vor 1945 ein Fernsehprogramm gab, da der Fernseher seinen großen Einzug in die Haushalte der BRD erst zur Zeit des Wirtschaftswunders der Sechziger Jahre hielt. Diese Ausarbeitung soll sich mit den Einwirkungen des nationalsozialistischen Fernsehens auf die Gesellschaft befassen und den Inhalt des Fernsehprogramms erlä utern. Es soll geklärt werden, welche Ziele die Nationalsozialisten mit dem Medium Fernsehen verfolgten.
Zusätzlich wird ein Einblick in die technische und ökonomische Entwicklung des Fernsehen gegeben, um die Zusammenhänge transparenter darzustellen. Eine inhaltliche Analyse des Fernsehens gestaltet sich sehr beschwerlich, denn elektronische Produktionen existieren nur im Augenblick der Aufnahme und der damit zeitidentischen Ausstrahlung, weiterhin sind Drehbücher bzw. Produktionsunterlagen kaum vorhanden und Programmzeitschriften gab es seit Mitte Mai 1941 nicht mehr. Die Befragung von Personen, welche in dieser Zeit aktiv im Fernsehbetrieb mitgewirkt haben war deshalb häufig die einzige Quelle für Informationen, welche zur Erstellung der untersuchten Literatur verwendet worden sind.
Zugunsten der Darstellung wesentlicher Aspekte des Fernsehprogramms wird auf eine Analyse aller Sendungen verzichtet.
1
1.Technische Entwicklung des Fernsehens bis 1930
Die ersten wissenschaftlichen Fernsehversuche wurden in der Mitte des 19.Jahrhunderts begonnen. Der Engländer Alexander Bain entwickelte 1843 einen Kopiertelegraphen, der schon zwei wesentliche Merkmale der elektrischen Fernseheinrichtung enthielt.
Dieses war zum einen die Zeilenabtastung der Bildvorlage und der Gleichlauf zwischen Bildgeber und Bildschreiber(Bildempfänger). 1
Diese Technik wird heute jedoch eher als der Vorgänger des heutigen Telefax angesehen, welches ebenfalls ermöglicht, Bildvorlagen via Kabel anderenorts zu reproduzieren.
Im Jahre 1873 war dem Engländer Willoughby Smith aufgefallen, dass bei höherer Intensität der Lichteinstrahlung auf Selen-Stäbe deren elektrische Leitfähigkeit größer wurde. Diese Entdeckung nutzte der Portugiese Adriano de Pavia für seine Vision vom Fernsehen. Auf der Bildgeberseite verwand er eine mit Selen bedeckte Metallplatte und projizierte ein Bild auf dieselbe, wobei die Plattenoberfläche etwa 10 mal pro Sekunde mit einer Metallspitze abgetastet werden sollte.
Die Platte und die Spitze waren über eine Batterie und eine Doppelleitung mit einem Relais auf der Wiedergabeseite verbunden, welches jeweils bei der Abtastung der hellen Bildpunkte den Stromkreis, einer synchron mit der Abtastspitze bewegten Glühlampe, schließen sollte.
Dieses Konzept wurde nie verwirklicht, dennoch war Selen von diesem Zeitpunkt an nicht mehr aus der Fernsehforschung wegzudenken, daher nannte der ungarische Fernsehpionier Denes von Mihaly die Idee, „... den ersten realen Schritt zur Lösung des Fernsehproblems“. 2
1 Vgl. Behrens, Tobias : Die Entstehung der Massenmedien in Deutschland. Ein Vergleich von Film, Hörfunk und Fernsehen und ein Ausblick auf die Neuen Medien. Frankfurt am Main: Verlag Peter Lang, 1986, S. 215.
2 ebenda, S.216.
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Der Deutsche Paul Nipkow meldete am 6.01.1884 ein „elektronisches Teleskop“ als Patent an. Das wesentliche Merkmal dieser Apparatur war eine rotierende Spirallochscheibe zur Abtastung eines viereckigen Bildfeldes. Die Löcher auf der Scheibe lasen das Bild Zeile für Zeile ab. Das durch die Löcher fallende Licht wurde auf einer Fotozelle, die hinter der Lochscheibe angebracht war, in elektrische Impulse umgewandelt und über Kabel zum Empfänger weitergeleitet. 3 Dieses Prinzip bildete für ein halbes Jahrhundert die Grundlage der Fernsehtechnik, obwohl es als mechanisch-optisches Übertragungsverfahren einen Rückschritt gegenüber dem elektronischen Übertragungsverfahren, wie von Pavia skizziert, darstellte. 4
Als der Deutsche Ferdinand Braun 1897 die Kathodenstrahlröhre entwickelte, welche später Braunsche Röhre genannt wurde, schien diese nichts mit der Idee des Fernsehens gemein zu haben. Erst neun Jahre nach der Erfindung, im Jahr 1906, reichten Max Dieckmann, ein Assistent Brauns, und Gustav Glage ein Patent ein, welches die Nutzung der Braunschen Röhre und der Nipkow-Scheibe für Fernsehzwecke beschrieb. 5
In den USA entwickelte bereits 1923 der russischstämmige V.K. Zworykin einen rein elektronischen Bildabtaster , welcher ab 1934 gefertigt wurde und den er „Ikonoskop“ nannte. 6
In Deutschland wurde die weitere Entwicklung des Fernsehens hauptsächlich von Denes von Mihaly und A. Karolus vorangetrieben. 1930 entwickelte der Deutsche Manfred von Ardenne ein elektronisches Fernsehsystem, indem er sowohl auf der Bildgeberseite, als auch a uf der Bildempfängerseite die Braunsche Röhre einsetzte. Er erzielte mit diesem System 100 Zeilen bei 20 Bildwechseln pro Sekunde. Dies zeigte, dass sich das elektronische Fernsehen gegenüber dem mechanischem Fernsehen, mittels Nipkow-Scheibe, durchgesetzt hatte, denn mit der mechanischen Bildzerlegung war, technisch bedingt, nur eine Wiedergabe von Bildern mit maximal 90 Zeilen zu liefern.
3 ebenda, S.218.
4 Vgl. Zeutschner, Heiko : Die braune Mattscheibe. Fernsehen im Nationalsozialismus. Hamburg : Rotbuch Verlag, 1995, S.14f
5 Vgl. Behrens, Tobias : Die Entstehung der Massenmedien in Deutschland......., a.a.O., S.218
6 Vgl. Zeutschner, Heiko : Die braune Mattscheibe,....., a.a.O, S.19.
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Die Schärfe der Bilder des elektronischen Fernsehens ließ jedoch im Vergleich zum mechanischen Fernsehen zu wünschen übrig. 7
Der evolutionäre Schritt, der dieses Problem beseitigen sollte, war das Zeilensprungverfahren 8 , welches der Deutsche Fritz Schröter im gleichen Jahr entwickelte. Dieses Verfahren verbesserte die Bildschärfe erheblich und trug zu einer „flimmerfreien“ Bildwiedergabe bei.
Im Zusammenhang mit der von V.K. Zworykin entwickelten ersten Kameraröhre („Ikonoskop“) waren alle Grundlagen für die Fernsehtechnik bereits 1930, also vor der Machtergreifung der Nationalsozialisten, entwickelt. Es konnten Bilder aufgenommen, übertragen und wiedergegeben werden, lediglich die Qualität der wiedergegebenen Bilder ließ zu wünschen übrig. Von nun an gab es nur Verbesserungen der Fernsehtechnik, aber keine technische Revolution mehr, zumindest bis zum Ende der NS - Herrschaft.
2. Ökonomie des deutschen Fernsehens bis 1945
Anfang der zwanziger Jahre des 20. Jahrhunderts begann die Funk- und Elektroindustrie die Entwicklung des Fernsehens zu fördern, dies waren vor allem AEG, Siemens, Telefunken und Lorenz.
Kleine Unterne hmen schlossen sich zusammen, um bei der Entwicklung und Vermarktung etwas gegen die grossen Konzerne ausrichten zu können. Die Robert-Bosch AG, Zeiss-Ikon-Werke, Loewe AG und Baird - Television bildeten ab 1929 zusammen die Fernseh AG.
Für die gesamte deutsche Fernsehindustrie war eine gute Zusammenarbeit mit der Post notwendig, da diese für alle telegraphischen und drahtlosen Übertragungen das Hoheitsrecht besaß. Die Post sendete täglich zu bestimmten Zeiten bewegungslose Bilder, um der Industrie die Fernsehforschung zu ermöglichen. Fernsehforschung war
7 Vgl. Bruch, Walter : Kleine Geschichte des deutschen Fernsehens.Berlin : Haude & Spenersche Verlagsbuchhandlung, 1969 S. 29ff
8 Zeilensprungverfahren: Nach diesem Verfahren wird nur noch jede zweite Bildzeile, im Wechsel, übertragen.
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Ulrich Schulte, 2002, Analyse der Geschichte des Fernsehens im nationalsozialistischen Deutschland, im Hinblick auf dessen Funktion als Propagandamedium, Munich, GRIN Publishing GmbH
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