Inhaltsverzeichnis
I Inhaltsverzeichnis S 1
II Einleitung S 2
III Biographie S 3
IV Wir alle spielen Theater S 3
1. Einleitung S 3
2. Darstellungen S 4
2.1 Der Glaube an die eigene Rolle S 4
2.2 Fassade S 4
2.3 Dramatische Gestaltung S 5
2.4 Idealisierung S 5
2.5 Ausdruckskontrolle S 5
2.6 Unwahre Darstellungen S 6
2.7 Mystifikation S 7
2.8 Dichtung und Wahrheit S 7
3. Das Ensemble S 8
4. Ort und ortsbestimmtes Verhalten S 8
5. Sonderrollen S 10
6. Kommunikation außerhalb der Rolle S 11
6.1 Behandlung der Abwesenden S 12
6.2 Regieanweisungen und Inszenierungsgespräche S 12
6.3 Ensemble-Verschwörung S 12
6.4 Neugruppierungen S 12
7. Die Technik der Eindrucksmanipulation S 13
7.1 Eigenschaften und Maßnahmen der Verteidigung S 14
7.1.1 Dramaturgische Loyalität S 14
7.1.2 Dramaturgische Disziplin S 14
7.1.3 Dramaturgische Sorgfalt S 14
7.2 Schutzmaßnahmen S 15
7.3 Takt und seine Erwiderung S 15
V Fazit S 16
VI Literaturverzeichnis S 21
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II. Einleitung Erving Goffmans Werk „The Presentation of Self in Everyday Life“ („Wir alle spielen Theater - Die Selbstdarstellung im Alltag“) ist Grundlage dieser Vordiplomshausarbeit. Es thematisiert die Interaktion, setzt also die Kopräsenz von mindestens zwei Anwesenden voraus, wobei „die Selbstdarstellung die primäre Informationsquelle ist. Die Anwesenden sind auf Selbstdarstellungen angewiesen, um wechselseitig in Erfahrung zu bringen, wer der Andere ist.“ (Lenz 2001, 246). Der Einzelne möchte sich möglichst vorteilhaft darstellen und benutzt hierfür verschiedene Darstellungsmittel, wie sie laut Goffman auch in der Theaterwelt zum Einsatz kommen. Dieses „Buch über Theorie der Gesellschaft verwendet ausgiebig empirisches Material, das Goffman durch beobachtende Teilnahme während eines Forschungsaufenthalts auf den Shetland-Inseln sammelte.“ (Gerhardt 2001, 189). Deshalb sind auch häufig Beispiele aus dem so genannten „Shetland-Hotel“ aufgeführt. Allerdings werde ich eher selten auf diese eingehen, sondern mich mehr auf die weiter erwähnten Beispiele beziehen, um über die Shetland-Situation hinaus die weitreichende, vielleicht sogar allgemeingültige Bedeutung Goffmans Aussagen hervorzuheben.
Wesentlich an Goffmans Werk ist, dass seine soziologischen Beschreibungen auf der Metapher des „Theatrum mundi“ basieren. Er schildert also die Selbstdarstellung im Alltag in Analogie zum Bühnenschauspiel und bedient sich einer der Theaterwelt entlehnten Sprache.
In dieser Hausarbeit werde ich Kernaussagen aus „Wir alle spielen Theater“ festhalten, mich ferner einzelnen sich ergebenen Gesichtpunkten kritisch widmen und abschließend zu Goffmans Theatermetapher einige Überlegungen anstellen. Meine Hausarbeit ist nach folgendem Konzept aufgebaut.
Um dem Leser einen Eindruck von Goffman selbst zu vermitteln, werde ich im Rahmen der vorliegenden Hausarbeit mit einer Biographie des Autors beginnen, bei der auch kleine, für seine Arbeiten bedeutungsvolle Hinweise zu seinem Charakter zu finden sind. Allerdings verzichte ich auf eine chronologische Aufzählung seiner Werke, dies würde hier den Rahmen sprengen. Anschließend fasse ich Goffmans Grundgedanken zu seinen sieben Kapiteln mit ihren Unterpunkten synchron zu seinem eigenen Inhaltsverzeichnis unter dem Abschnitt „Wir alle spielen Theater“ zusammen und gebe dezente Stellungnahmen. Auf die „Vorworte“ von Lord Ralf Dahrendorff sowie von Goffman selbst beziehe ich mich erst im Fazit, weil diese Hintergründe sowie weiterführende Fragestellungen thematisieren und für den eigentlichen Inhalt des Buches sowie an dieser Stelle der Hausarbeit weniger relevant sind. Ferner ignoriere ich hier das achte Kapitel „Zusammenfassung“, da ich mich mit diesem Aspekt selbst im Abschnitt „IV.
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„Wir alle spielen Theater““ beschäftige. Durch diese Zusammenfassung von Goffmans Leitgedanken zur Selbstdarstellung im Alltag kann sich der Leser nun einen Überblick über Goffmans Buch verschaffen. Daraufhin werden im letzten Gliederungspunkt dem „Fazit“ einige wesentliche Aspekte des Werkes aus soziologischer Sicht konkludiert. Hier setzte ich mich unter anderem mit der von Goffman gewählten „Theatermetapher“ kritisch auseinander.
III. Biographie Erving Goffman wurde als Sohn einer jüdischen Familie 1922 in Manville (Kanada) geboren. Zunächst studierte er in Toronto Soziologie und beendete es 1949 in Chicago mit einem „Master“. (vgl. Hettlage / Lenz 1991, 10). Zwischen 1949-1951 führte er auf den Shetland-Inseln Feldforschungen durch. 1951 kehrte er nach Chicago zurück, um über die Ergebnisse jener „Studie des Alltagslebens von Bewohnern einer Shetland-Insel“ (Knoblauch 2001, 18) seine Dissertation zu schreiben. 1953 erwarb er den Doktortitel und arbeitete an der Chicago University weiter. „The presentation of Self in Everyday Life“ ist die erste und wohl populärste Buchpublikation von ihm und erschien „zunächst als Monographie an der Universität Edinburgh (1956) und drei Jahre später in erweiterter und überarbeiteter Fassung“ (Lenz 2001, 246). Allgemein betrachtet, enthüllt Goffman in seinen „elf Büchern, zehn davon ins Deutsche übersetzt, einen schreibbesessenen Soziologen, dessen hervorstechendeste Eigenschaft darin besteht, sich mit dem Vertrautesten, Alltäglichsten und Banalsten zu beschäftigen und darin Ungewöhnlichstes, Abenteuerlichstes und Erregendstes zu entdecken.“ (Oswald 1984, 211). Bis 1969 lehrte er an der University of California und nahm dann eine Professur für Psychologie und Anthropologie an der University of Pennsylvania an. 1981 wurde er Präsident der Amerikanischen Gesellschaft für Soziologie. Jedoch konnte er seine Antrittsrede nicht mehr halten. Er starb am 19.11.1982 in Philadelphia. (vgl. Hettlage / Lenz 1991, 15).
IV. „Wir alle spielen Theater“
1. Einleitung
Goffman beginnt dieses Werk mit folgender These. Trifft ein Einzelner mit anderen zusammen, versuchen diese Informationen über ihn zu erlangen. Sie verfolgen hierbei den Zweck „die Situation zu definieren, so daß die anderen im voraus ermitteln, was er (der Einzelne) von ihnen erwarten wird und was sie von ihm erwarten können.“ (Goffman 2004, 5). Die Handlungen des Einzelnen beeinflussen die anderen bei der Deutung der Situation, bei der ihnen frühere Erfahrungen mit ähnlichen Personen behilflich sind.
Goffman definiert hier „Interaktion“. Sie ist ein wechselseitiger Einfluss von Individuen untereinander bezüglich ihrer Handlungen. Die „Rolle“ bezeichnet vorherbestimmte
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Handlungsmuster während einer Darstellung. (vgl. 2004, 18). Die „Darstellung“ wird im nächsten Kapitel erörtert.
2. Darstellungen
Goffman definiert den Begriff „Darstellung“ als das „Gesamtverhalten eines Einzelnen (…), das er in Gegenwart einer bestimmten Gruppe von Zuschauern zeigt, und das Einfluss auf diese Zuschauer hat.“ (2004, 23). Dieses Kapitel gliedert sich in folgende acht Unterpunkte:
2.1 Der Glaube an die eigene Rolle
Es wird bei einer Darstellung des Einzelnen davon ausgegangen, dass die Zuschauer den hervorgerufenen Eindruck ernst nehmen. Nun stellt sich die Frage, in „wieweit der Einzelne selbst an den Anschein der Wirklichkeit glaubt, den er bei seiner Umgebung hervorzurufen trachtet.“ (Goffman 2004, 19). Goffman skizziert zwei Extreme: einmal denjenigen Darsteller, der komplett von seinem eigenen Spiel gefangen genommen wird und von diesem getäuscht werden kann sowie denjenigen, der an seiner eigenen Rolle zweifelt und der nicht wirklich sein Publikum überzeugen vermag. Dieser gilt somit als zynisch.
Die Entwicklung vom Unglauben, also vom Mangel an innerer Überzeugung an die eigene Rolle, hin zum Glauben, bezogen auf die eigene Rolle, lässt Goffman durch ein Zitat des amerikanischen Soziologen Robert Ezra Park (1864-1944) beschreiben: „Es ist wohl kein historischer Zufall, daß das Wort Person in seiner ursprünglichen Bedeutung eine Maske bezeichnet. Daher liegt eher die Anerkennung der Tatsache, daß jedermann überall und immer mehr oder weniger bewusst eine Rolle spielt. (…) Die Rolle, die wir zu erfüllen trachten -, ist die Maske unser(es) wahr(en) Selbst (s): das Selbst, das wir sein möchten. Schließlich wird die Vorstellung unserer Rolle zu unserer zweiten Natur (…). Wir kommen als Individuen zur Welt, bauen einen Charakter auf und werden Personen. “ (Goffman 2004, 21).
2.2 Fassade
Jener Part der Darstellung, der das „standardisierte Ausdrucksrepertoire, das der Einzelne im Verlauf seiner Vorstellung bewusst oder unbewusst anwendet“ (Goffman 2004, 23), präsentiert, bezeichnet Goffman als „Fassade“. Diese Fassade enthält die Elemente des Bühnenbildes sowie die der persönlichen und sozialen Fassade. Die szenischen Komponenten wie Möbelstücke und Dekorationselemente gehören in das „Bühnenbild“, das ein gestalteter Raum ist, in dem z.B. das Individuum auftritt. Jener Raum kann eine Wohnung o.Ä. sein.
Als „persönliche Fassade“ bezeichnet man die Ausdrucksmittel, „die wir am stärksten mit dem Darsteller identifizieren und von denen wir erwarten, daß er sie mit sich herumträgt.“ (Goffman 2004, 25). Solche Fassaden beinhalten Merkmale wie Kleidung, Alter, Größe etc.. Die „soziale Fassade“ umfasst soziale Erwartungsmuster bezogen auf eine entsprechende Rolle; z.B. wie sich ein Pfarrer in der Gesellschaft verhalten sollte.
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Für verschiedene Rollen können die gleichen Fassaden gewählt werden. Die abstrakten stereotypen Erwartungen an solche Fassaden können zur Folge haben, dass die soziale Fassade institutionalisiert wird. „Die Fassade wird zu einer „kollektiven Darstellung“ und zum Selbstzweck“ (Goffman 2004, 28). Somit nimmt der Darsteller nicht nur eine soziale Rolle an, sondern auch die zur „dramatischen Gestaltung“ zählende entsprechende Fassade.
2.3 Dramatische Gestaltung
Die Tätigkeit eines Individuums soll während einer Interaktion das ausdrücken, was auch wirklich ausgedrückt werden soll. Deshalb ist diese Handlung mit relevanten Hinweisen für das Publikum versehen. Um die Signifikanz solcher Tätigkeiten zu betonen, werden „unsichtbare Kosten in sichtbare“ (Goffman 2004, 32) transformiert. So können die Kunden des Leichenbestatters seine laufenden Kosten wie Versicherungen nicht „sehen“. Deshalb muss dieser Dienstleister, um seine Kosten zu decken, die Preise für seine „sichtbaren“ Leistungen wie bspw. für einen Sarg hinreichend erhöhen.
Insgesamt gesehen, soll die dramatische Gestaltung das Besondere an einer Rolle betonen.
2.4 Idealisierung
Die dramatische Gestaltung ist hier eine „Methode, durch die eine Darstellung „sozialisiert“, das heißt dem Verständnis und den Erwartungen der Gesellschaft, vor der sie stattfindet, angepasst wird.“ (Goffman 2004, 35).
Bei der Selbstdarstellung sollte der Einzelne die offiziell anerkannten Werte der Gesellschaft verkörpern und somit ein Ideal darstellen. Eine angemessene Selbstdarstellung ist unter anderem bei sozialem Aufstieg ausschlaggebend. Einer der relevantesten „Bedeutungsträger innerhalb der sozialen Klassen sind die Statussymbole“ (Goffman 2004, 36).
Der Darsteller neigt dazu Handlungen, die mit seinen eigentlichen Idealen nicht kongruieren, zu verbergen wie den „geheimen Konsum“ z.B. von Alkohol. Möchte ein Darsteller erfolgreich sein, so muss er den „extremsten Klischeevorstellungen des Publikums“ (Goffman 2004, 40) entsprechen. Goffman führt das Beispiel eines Straßenbettlers vor der Jahrhundertwende auf. Dieser müsste sich, um „Erfolg“ zu erreichen, extrem verhalten; er müsste z.B. verlumpt an einer Brotkruste nagend am Straßenrand sitzen. Zu beachten ist ebenso die gewollte negative Darstellung, um sich absichtlich in ein ungünstiges Licht zu rücken.
Idealisierung bedeutet auch, dass der Einzelne der momentanen Darstellung seiner Rolle sowie dem Publikum „etwas Besonderes und Einmaliges“ (Goffman 2004, 47) verleiht. Dies illustriert das enttäuschte Verhalten von Patienten, wenn sie sich der Routine des Arztes und seiner eventuellen Vergesslichkeit z.B. auf die Fakten der letzten Visite bezogen, bewusst werden.
2.5 Ausdruckskontrolle
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Melanie Schmidt, 2005, Wir alle spielen Theater, Munich, GRIN Publishing GmbH
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