I
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 1
2. Wesen und Begriffsdefinition 2
2.1. Loss Aversion 2
2.1.1. Erklärung/Beschreibung 2
2.1.2. Empirische Evidenz 4
2.2. Endowment Effect und Willingness to Accept/Willingness to Pay 5
2.2.1. Erklärung/Beschreibung 5
2.2.2. Merkmale und Empirische Evidenz 7
3. Relevanz und Implikationen 11
3.1. Aus Sicht des Käufer 11
3.2. Aus Sicht des Marketings 15
4. Schluss 17
5. Literaturverzeic hnis 19
1 Einleitung
Loss Aversion und Endowment Effect sind zwei Phänomene, die interdependent mit-einander verwoben sind und in den letzten Jahren für reichlich Aufsehen in der wirtschaftswissenscha ftlichen Forschung gesorgt haben, stellen sie doch seit ihrer erstmaligen Beschreibung im Jahre 1979 bzw. 1980 das traditionelle neoklassische Modell der rationalen Entscheidung deutlich in Frage. Bis zu diesem Zeitpunkt galt es quasi als unumstritten, dass ein Individuum seine Entscheidung unter Unsicherheit gemäß der objektiv erwarteten Nutzenmaximierung treffen sollte und vor allem in der Realität auch trifft. Das neoklassische Modell, dem sowohl positivistische als auch normative Ableitungen attribuiert wurden, geht dabei vom homo oeconomicus als zentrales Menschenbild aus.
Die folgende Arbeit soll einen umfassenden Überblick auf das Wesen und die Relevanz zum Thema Endowment Effect und Loss Aversion geben. Ziel ist es, diese nachweisbaren Phänomene in ihrer Wirkungsweise zu beschreiben, anhand von Experimenten zu erklären und anwendbare Implikationen für die Praxis vorzustellen. Einleitend wird dazu im Kapitel 2 die Entstehung der Loss Aversion durch die Prospect Theory dargestellt und der Begriff in seiner Bedeutung definiert. Im nächsten Schritt werden die angeführten theoretischen Annahmen durch eine empirische Beweisführung untermauert und im Anschluss daran folgt die Beschreibung des Endowment Effects, der ebenfalls zunächst begriffstechnisch abgegrenzt und dann hinsichtlich seiner einzelnen Facetten näher untersucht und zugleich empirisch belegt wird.
Nachdem das Wesen der Loss Aversion und des Endowment Effects dargestellt wurde, folgen im Kapitel 3 die verschiedenen Implikationen, die beide Phänomene für den Käufer und für das Marketing mit sich bringen. Im abschließenden Fazit werden aktuelle Forschungsansätze diskutiert und es wird auf ein Grundproblem verwiesen, welches die Forschung zum Endowment Effect schon seit längerer Zeit und auch aktuell wieder regelmäßig tangiert: Ist das Konzept eine eigenständige Theorie oder doch nur eine Anomalie?
2 Wesen und Begriffsdefinition
2.1. Loss Aversion
In ihrer Prospect Theory widerlegen Kahneman und Tversky (1979) die neoklassische Theorie des rationa len Entscheidungsverhalten sowie das damit verbundene Menschenbild vom homo oeconomicus und diskutieren das Konzept der Loss Aversion, anhand derer später der Endowment Effect erklärt wird. Thaler (1980) unterstützt in seiner Arbeit zur Prospect Theory die sen Ansatz und argumentiert, dass eine ausschließliche Fokussierung auf die neoklassische Entscheidungstheorie zu systematischen Fehlern führt, die eine wahrheitsgemäße Vorhersage der Konsumentenentscheidung in einem erheblichen Maße erschweren. Er stützt seine Kritik auf der Einschätzung, dass das neoklassische Modell der rationalen Nutzenmaximierung mit dem homo oeconomicus einen roboter-ähnlichen Menschen unterstellt und nicht in der Lage ist, die unterschiedlichen real existierenden Typen der Konsumenten adäquat zu erfassen und deren teilweise irrationalen Handlungen wahrheitsgemäß vorherzusagen. „This is not because the average consumer is dumb, but rather that he does not spend all of his time thinking about how to make decisions.“ (Thaler, 1980, S. 58).
2.1.1. Erklärung/Beschreibung
Loss Aversion selbst beschreibt das Phänomen, dass ein Individuum einen Verlust asymmetrisch, nämlich höher bewertet als einen identischen Gewinn. Strahilevitz und Loewenstein (1998) bringen es prägnant auf den Punkt, indem sie Loss Aversion wie folgt charakterisieren: “Most people will have no interest in a gamble that offers a 50 percent chance of gaining or losing $100.“ (ebd., 1998, S. 277). Mit anderen Worten: der mögliche Verlust von $100 wird tendenziell als weitaus negativer eingestuft, als die mögliche Aussicht $100 zu gewinnen, obwohl die Chancen mit einer Wahrscheinlichkeit von 50:50 vollkommen ausgeglichen sind und die Gewinn/Verlustsumme identisch ist. Dieses Phänomen widerspricht der neoklassischen Ent-scheidungstheorie und hat seinen theoretischen Ursprung in der Prospect Theory (vgl. Kahneman/Tversky, 1979). Um mithilfe der Prospect Theory das Phänomen der Loss Aversion beschreiben und erklären zu können, bedarf es an dieser Stelle
einer graphischen Veranschaulichung der Wertfunktion „v(x)“ als zentraler Kernpunkt der Prospect Theory und Indikator für die Loss Aversion:
Abbildung 1: Value Function (Strahilevitz/Loewenstein, 1998, S.277)
In Abbildung 1 sind zwei Graphen eingezeichnet, die jeweils die gleiche Wertfunktion v(x) an verschiedenen R eferenzpunkten repräsentieren. Die linke Wertfunktion visualisiert den Referenzpunkt eines Individuums ohne das Gut x, der sich ergo auf der Abszisse an der Stelle 0 befindet. Erhält das Individuum im Zuge eines Gewinns das Gut x, so nimmt es einen Wertzuwachs von v(x) wahr. Des weiteren verschiebt sich der neue Referenzpunkt vom linken zum rechten Graph, also von 0 à x, von Nicht-Besitz zu Besitz, wobei die Wertfunktion des Individuums weiterhin unverändert bleibt. Die Verschiebung wird auch als Adaptionsprozess verstanden. Wenn dem Individuum nun genau dieses gewo nnene Gut weggenommen wird, so perzipiert es einen Wertverlust von v(-x), der trotz identischen Gutes x größer ist, als der vorhergegangene Wertzuwachs. Es gilt: v(x) < v(-x) (Kahneman/Tversky, 1979; Strahilewitz/Loewenstein, 1998).
Genau dieses beobachtbare Phänomen beschreibt das Konzept der Loss Ave rsion basierend auf der Prospect Theory. Die Wertfunktion muss dabei laut Kahneman und Tversky (1979) folgende drei Charakteristika aufweisen:
1) Die Gewinne/Verluste werden in Bezug auf einen aktuellen Referenzpunkt wahrgenommen. Eine Veränderung dieses Referenzpunktes kann auch zu einem veränderten Entscheidungsverhalten führen.
2) Die Funktion ist oberhalb der Abszisse konkav für Gewinne und unterhalb dergleichen konvex für Verlus te. Diese Eigenschaft impliziert, dass der zu- sätzliche marginale Wertzuwachs mit zunehmender Höhe des G e-
winns/Verlustes abnimmt. Ferner erklärt diese spezielle Form der Wertfunktion auch die beobachtbare Risikofreudigkeit bei Verlusten (bspw. Glücksspiel) und die Risikoaversion bei Gewinnen. Menschen tendieren eher dazu ein größeres Risiko auf sich zu nehmen, um Verluste zu vermeiden als um Gewinne zu realisieren.
3) Die Funktion ist für Gewinne flacher als für Verluste, eine Eigenschaft, die implizit auf die Tatsache hinweist, dass der Verlust von Geld als gravierender wahrgenommen wird, als der Gewinn der gleichen Menge.
In einer Verfeinerung ihrer Theorie von 1979 präsentieren Tversky und Kahneman 1991 eine Arbeit, die den Bezug der Loss Aversion zum Referenzpunkt noch deutlicher hervorhebt (vgl. ebd., 1991).
2.1.2. Empirische Evidenz
Um ihre theoretische Arbeit empirisch zu fundieren, haben Kahneman und Tversky (1979) zahlreiche hypothetische Befragungen durchgeführt, die einer Entscheidung seitens der teilnehmenden Studenten/Fakultätsmitglieder bedurften. Die Problemstellungen hatten dabei im Allgemeinen folgendes Design:
Von den 70 Teilnehmern entschieden sich 16% für die Alternative A und 84% für die Alternative B. Die Mehrheit der Teilnehmer bewertete also das Risiko eines mö glichen ‚Verlustes’ von $1,000 bei Option A weitaus höher als den möglichen Gewinn der gleichen Summe, so dass auf Grundlage der bereits erhaltenden und daher sicheren $1,000 tendenziell risikoavers gehandelt und Alternative B gegenüber Alternative A präferiert wurde. Die Aussage dieses Experiments deckt sich mit den theoretischen Annahmen hinsichtlich der Loss Aversion, die unter 2.1. postuliert wurden. An dieser Stelle sei abschließend angemerkt, dass es weitere Experimente zum Konzept der Loss Aversion gibt, die jedoch überwiegend den Endowment Effect in Verbin-
Arbeit zitieren:
Diplom Kaufmann Shamsey Oloko, 2005, Loss Aversion und Endowment Effect - Wesen und Relevanz für Käufer und Marketing, München, GRIN Verlag GmbH
Dieser Text kann über folgende URL aufgerufen und zitiert werden:
Einbetten
DOI
Entwicklungen des Parteiensystems der BRD
Politik - Politische Systeme - Politisches System Deutschlands
Referat (Ausarbeitung), 14 Seiten
Geowissenschaften / Geographie - Geographie als Schulfach
Referat / Aufsatz (Schule), 12 Seiten
Wie oder was ist Politik? Wie ist ein idealer Politiker? - Einstellung...
Soziologie - Politische Soziologie, Majoritäten, Minoritäten
Seminararbeit, 37 Seiten
Optimal Pricing against a simple learning rule
VWL - Wettbewerbstheorie, Wettbewerbspolitik
Seminararbeit, 20 Seiten
Mobbing - Einwirkungsmöglichkeiten der Personalführung
BWL - Personal und Organisation
Seminararbeit, 16 Seiten
Abgeordnete zwischen Fraktionsdisziplin und freiem Mandat
Politik - Politische Systeme - Politisches System Deutschlands
Hausarbeit, 24 Seiten
That is, does one or more mark...
Essay, 9 Seiten
Erwachsenenbildung: Weiterbildung und Weiterbildungspolitik
Pädagogik - Berufserziehung, Berufsbildung, Weiterbildung
Hausarbeit (Hauptseminar), 18 Seiten
Mutter Courage im Konflikt zwischen Handel und Menschlichkeit
aufgezeigt durch textanalytisc...
Examensarbeit, 77 Seiten
Marketing Plan - BMW 1-series in Germany
BWL - Marketing, Unternehmenskommunikation, CRM, Marktforschung
Seminararbeit, 32 Seiten
Wozu Politikwissenschaft - Sinn und Nutzen einer Disziplin
Politik - Didaktik, politische Bildung
Seminararbeit, 18 Seiten
Ernst Cassirers Sprachphilosophie
Philosophie - Philosophie des 20. Jahrhunderts / Gegenwart
Hausarbeit, 14 Seiten
Regelsetzung und Regelanwendung: Der Policy-Ansatz
Seminararbeit, 50 Seiten
Shamsey Oloko hat den Text Loss Aversion und Endowment Effect - Wesen und Relevanz für Käufer und Marketing veröffentlicht
Shamsey Oloko hat einen neuen Text hochgeladen
The Effects of Globalization on National Labor Markets: Diagnosis and ...
Dennis J. Snower, Rainer Winkelmann, Klaus F. Zimmermann
Effectiveness of an Interactive Marketing Platform in Taipei
where practise leads theory
John Bagge, Kristoffer Schou
Just Take a Bite: Easy, Effective Answers to Food Aversions and Eating...
Lori Ernsperger, Tania Stegen-Hanson, Temple Grandin
0 Kommentare