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Inhaltsverzeichnis:
Einleitung Seite 3
I. Maurice Halbwachs: Das kollektive Gedächtnis Seite 4
I. 1. Biographie Seite 4
I. 2. Der Begriff des kollektiven Gedächtnisses Seite 4
I. 3. Erinnern und Vergessen Seite 5
I. 5. Kollektives Gedächtnis und Geschichte Seite 6
I. 6. Gedächtnisrahmen: soziale Zeit und sozialer Raum Seite 7
II. Élie Wiesel: L´oublié Seite 8
II.1. Biographie Seite 8
II. 2. Der Inhalt des Romans Seite 9
II. 3. Das kollektive Gedächtnis im Roman Seite 9
Res ümee Seite 11
Bibliographie Seite 12
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Einleitung:
Die Diskussion über „Vergangenheitsbewältigung“ und politische bzw. gesellschaftliche Auseinandersetzung mit traumatischen Erlebnissen der Vergangenheit ist eine aktuelle und brisante Diskussion, die nicht nur von verschiedenen Wissenschaftszweigen, sondern auch von Politik und Gesellschaft geführt wird und, man denke nur an die erst vor Kurzem geführten Debatten im österreichischen Nationalrat ü ber „das Nachtrauern des Nationalsozialismus“ und „Pogromstimmung“, nicht selten zu Kontroversen und heftigen Auseinandersetzungen führen kann. Besonders im deutschsprachigen Raum bleibt dieser Diskurs voll von Emotionen. Seit dem Ende des Nationalsozialismus gewann die sogenannte „Vergangenheitsbewältigung“ an Wichtigkeit und wird seither nicht nur in Deutschland und Österreich als Aufarbeitung betrieben, sondern erfährt in der jüngeren Geschichte international immer mehr Beachtung in demokratischen Ländern, in denen während der vorhergehenden Diktaturen (oder wie im Falle Südafrikas oder Peru auch Demokratien) Menschenrechtsverletzungen begangen wurden.
Der wissenschaftliche Diskurs über Geschichte, Gedächtnis und Erinnerung ist jedoch älter als die Frage der „Vergangenheitsbewältigung“, und Maurice Halbwachs lieferte durch sein Konzept des kollektiven Gedächtnisses einen wichtigen theoretischen Beitrag dazu. Für mich war dieses Thema aus folgenden Gründen besonders interessant: Ich gehöre der zweiten Generation nach dem Nationalsozialismus an, wurde aber im Laufe meines Lebens immer wieder mit dem Thema dieser menschenverachteten Vergangenheit, die die Nazis hinterlassen haben, konfrontiert, sei es in der Familie, der Schule, der Universität, im Freundeskreis und, obwohl ich keinerlei persönliche Erinnerungen mit der Zeit des Dritten Reiches besitze, scheint es Teil meines Gedächtnisses zu sein. Ist dies die Idee des kollektiven Gedächtnisses, wie es sich Halbwachs vorstellte? Diese Frage erweckte meine Neugier, mich näher mit seiner Theorie auseinander zu setzen, und im Folgenden soll versucht werden, seine Gedankengänge kurz darzustellen.
Im zweiten Teil der Arbeit stelle ich kurz das Werk Élie Wiesels „L´oublié“ vor und versuche anhand diesen Romans, der sich mit dem Holocaust auseinandersetzt und in dem die Erinnerung und das Gedächtnis eine große Rolle spielen, das theoretische Konzept von Halbwachs anhand von konkreten Beispielen des Buches zu verdeutlichen.
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I. Maurice Halbwachs: Das kollektive Gedächtnis
I. 1. Biographie:
Der französische Soziologe Maurice Halbwachs wurde am 11. März 1877 in Reims geboren. Nach Studien in Paris, wo er sowohl Schüler Henri Bergsons und Emile Durkheims war, wurde er 1918 auf einen Lehrstuhl für Soziologie und Pädago gik der Universität von Straßburg berufen. Dort machte er Bekanntschaft mit den beiden Historikern Lucien Febvre und Marc Bloch, den Gründungsvätern der Schule der Annales. 1930 besuchte er die USA im Rahmen seiner Gastprofessur an der Universität von Chicago und wurde 1935 als Professor der Soziologie an der Sorbonne nominiert, wo er seine soziologischen Forschungen bis zu seiner Deportation im Jahre 1944 weiterführte. Halbwachs starb am 16. März 1945 in Buchenwald.
Zu seinen wichtigsten Werken, die sich mit dem kollektiven Gedächtnis beschäftigen, gehören: Les cadres sociaux de la mémoire (1925), La topographie légendaire des Evangiles en Terre sainte (1941) und La mémoire collective, das 1949 posthum publiziert wurde. 1
I. 2. Der Begriff des kollektiven Gedächtnisses:
Halbwachs schließt mit seinen Überlegungen an die Theorien seines Lehrers, dem französischen Soziologen Emile Durkheim an. Dieser entwickelte zu seiner Hauptthese, dass alle individuellen Handlungen und Regeln letztlich auf eine überindividuelle soziale Wirklichkeit zurückzuführen seien, die er im Begriff „kollektives Bewusstsein“ ansprach. Halbwachs führte diese These in das geschichtstheoretische Denken ein und prägte ab den 20er Jahren des vergangenen Jahrhunderts den Begriff des kollektiven Gedächtnisses, den er zum ersten Mal in seinem 1925 erschienenen Werk Les cadres sociaux de la mémoire verwendete. 2
Dabei stellt sich die Frage, wie das Gedächtnis, das im Kopf jedes Einzelnen existiert, kollektiv sein kann:
Halbwachs interpretierte das Gedächtnis als soziales Phänomen, das der Mensch erst im Prozess seiner Sozialisation erwirbt, also nicht als die biologische Basis des Gedächtnisses.
1 Halbwachs 1994, S. 8-10
2 WISCHERMANN, Clemens: http://www.uni-konstanz.de/FuF/Philo/Geschichte/Tutorium/Themenkomplexe/ Grundlagen/Was_ist_Geschichte/Kollektivitat/kollektivitat.html; 8.4.2004
Arbeit zitieren:
Birgit Hittenberger, 2004, Das kollektive Gedächtnis laut Maurice Halbwachs anhand des Romans von Élie Wiesel "L'oublié", München, GRIN Verlag GmbH
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