Im Zeitraum gegen Ende des 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts, die durch starkes industrielles und kapitalistisches Wachstum geprägt ist, treten verschiedene Personen ins Rampenlicht der öffentlichen Diskussion, die vor allem die schon länger vorherrschenden Missstände in den überfüllten Städten als inakzeptabel betrachten. Aus ihrer Sicht ist diese Fehlentwicklung, die sozialer, gesundheitlicher, stadtplanerischer oder ähnlicher Art ist, zu reformieren. Aus der Überlegung, das für Körper, Geist und Seele ungesunde zeitgenössische Stadtbild durch ein neues Siedlungsgebilde abzulösen, entsteht die Idee der Gartenstadt. Wie bereits das einleitende Zitat Clara Viebigs verdeutlicht, war man der Meinung, die Nation, bzw. die Wirtschaft, die Leistungsfähigkeit der Arbeiter und Soldaten, die Lebensfreude und allgemeine Gesundheit aller Bürger, würde durch die Großstadt geschwächt und könnte nur auf dem Land, in der Natur o.ä. wieder gestärkt werden.
Der erste Teil meiner Ausführung befasst sich demnach mit der urbanen und sozialen Ausgangssituation um die Jahrhundertwende und die Reaktion der deutschen Reformer auf die englische Vorlage durch Ebenezer Howard mit der Gründung der Deutschen Gartenstadtgesellschaft.
Der zweite Teil behandelt die erste in Deutschland verwirklichte Gartenstadt Hellerau bei Dresden. Hierbei soll neben der Entstehung, Planung und Architektur auch ein Augenmerk auf die organisatorische Struktur und den reformerischen Geist in dieser Siedlung gelegt werden. Zudem ist es der Versuch die Frage, ob Hellerau eine Gartenstadt im ordentlichen Sinne ist, zumindest teilweise zu beantworten.
Inhaltsverzeichnis
1. Die Utopie Gartenstadt
1.1. Die Situation um 1900 und Howards Utopie
1.2. Der Gartenstadtgedanke in Deutschland
1.3. Die Deutsche Gartenstadtgesellschaft und Ihre Ziele
2. Hellerau – Gartenstadt oder Gartenvorstadt?
2.1. Vorbilder und Vergleiche
2.2. Hellerau im geschichtlichen Überblick
2.3. Die Baugenossenschaft und andere Organisationsstrukturen
2.4. Bauvorschriften in Hellerau
2.5. Gesamtplan
2.6. Städtebauliche Schwerpunkte:
2.6.1. Der Wohnungsbau
2.6.2. Deutsche Werkstätten
2.6.3. Marktplatz
2.6.4. Bildungsanstalt für rhythmische Erziehung
3. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die historische Entstehung und städtebauliche Konzeption der Gartenstadt Hellerau bei Dresden vor dem Hintergrund der allgemeinen Gartenstadtbewegung und der Utopie Ebenezer Howards. Dabei wird insbesondere der Frage nachgegangen, inwiefern Hellerau als "Gartenstadt" im Sinne ihrer reformerischen Zielsetzungen oder eher als "Gartenvorstadt" zu klassifizieren ist.
- Soziale und urbane Missstände um 1900 als Auslöser der Gartenstadtidee
- Die Rolle der Deutschen Gartenstadtgesellschaft bei der Umsetzung von Reformzielen
- Planungsgeschichte, Architektur und soziale Organisationsformen in Hellerau
- Der Einfluss namhafter Architekten wie Riemerschmid, Muthesius und Tessenow
- Die kritische Auseinandersetzung mit dem Gartenstadt-Begriff am Beispiel Hellerau
Auszug aus dem Buch
2.6.2) Deutsche Werkstätten
Der Komplex, der zu den ersten fertiggestellten Gebäuden gehörte und von den Deutschen Werkstätten 1909 / 1910 bezogen wurde, befindet sich in einer eher peripheren Lage Helleraus. In dem Unternehmen von Karl Schmidt arbeiteten zu dieser Zeit ungefähr 700 Personen, es musste also eine entsprechend große Anlage errichtet werden.
Richard Riemerschmid erhielt die Aufgabe, ein Gebäude zu entwerfen, das den höchsten arbeitshygienischen Anforderungen entsprach. Die Gesamtanlage ist in Form einer fast schon monumentalen Schraubzwinge angelegt, was sicherlich durch die funktionale Gliederung der Gebäude begründet ist, aber natürlich auch eine Anspielung auf ein charakteristisches Werkzeug der Möbelherstellung und des Handwerks ist. Der Bau ähnelt rein optisch einem großen, bäuerlich-ländlichen Gutshof mit angrenzenden Wirtschaftsgebäuden, was durchaus der regionalen Umgebung entsprechen wird.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Die Utopie Gartenstadt: Beleuchtung der sozialen Missstände der Industrialisierung und Einführung des Gartenstadtmodells von Ebenezer Howard als reformorientierte Antwort.
2. Hellerau – Gartenstadt oder Gartenvorstadt?: Detaillierte Analyse der Entstehungsgeschichte, der Organisationsstrukturen, der Bauvorschriften sowie der städtebaulichen und architektonischen Besonderheiten von Hellerau.
3. Fazit: Kritische Reflexion, in der das Fazit gezogen wird, dass Hellerau eher eine Gartenvorstadt mit Beispielcharakter ist, die reformerische Ideen mit wirtschaftlichen Zielen verband.
Schlüsselwörter
Gartenstadt, Hellerau, Urbanisierung, Stadtplanung, Deutsche Werkstätten, Wohnungsbau, Sozialreform, Richard Riemerschmid, Heinrich Tessenow, Genossenschaftswesen, Architektur, Industriegeschichte, Jahrhundertwende, Ebenezer Howard, Gartenvorstadt
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die Gartenstadt Hellerau als ein bedeutendes Projekt des frühen 20. Jahrhunderts und ordnet sie in den Kontext der internationalen Gartenstadtbewegung ein.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Arbeit befasst sich mit den Ursprüngen der Gartenstadtbewegung, der spezifischen Planungsgeschichte von Hellerau sowie der architektonischen und sozialen Gestaltung dieser Siedlung.
Was ist die primäre Forschungsfrage?
Die zentrale Forschungsfrage ist, ob Hellerau als eine "Gartenstadt" im ursprünglichen utopischen Sinne oder eher als "Gartenvorstadt" einzustufen ist.
Welche wissenschaftliche Methode wurde verwendet?
Der Autor führt eine historische Analyse anhand von zeitgenössischen Quellen, Satzungsentwürfen, Bebauungsplänen und architektonischen Dokumentationen durch.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil werden die theoretischen Grundlagen des Gartenstadtgedankens, die organisatorischen Strukturen (Baugenossenschaft), die Architektur unterschiedlicher Entwerfer sowie städtebauliche Schwerpunkte wie die Werkstätten und die Bildungsanstalt untersucht.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die wichtigsten Begriffe sind Gartenstadt, Hellerau, Stadtplanung, Sozialreform, genossenschaftliches Wohnen und Architektur.
Wie war die Rolle von Heinrich Tessenow für Hellerau?
Tessenow vertrat einen sachlich-schlichten, beinahe puritanischen Architekturstil, der im Kontrast zur idyllisch-historisierenden Auffassung anderer Beteiligter stand und zu einer intensiven fachlichen Diskussion führte.
Warum wird Hellerau im Fazit eher als Gartenvorstadt bezeichnet?
Da Hellerau eng mit Dresden verbunden ist, keine strenge geometrische Form aufweist und nicht als unabhängiges Zentrum mit eigenem landwirtschaftlichen Gürtel fungierte, was den ursprünglichen Idealen Howards widerspricht.
- Quote paper
- Andreas Priesters (Author), 2003, Die Gartenstadt Hellerau, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/42498