1 Inhaltsverzeichnis und Gliederung
1 Inhaltsverzeichnis und Gliederung. 2
2 Problemstellung 3
3 Diagnose/Diagnostik - Vorüberlegung 4
3.1 Verstärkter Diagnosebedarf als Befund. 4
3.2 Wissenschaftstheoretische Einordnung. 6
3.2.1 Etymologie 6
3.2.2 Theorie 7
4 Wissenschaftstheorie zur Zeit Webers 8
4.1 Die Krise des Historismus 9
4.1.1 Die ältere historische Schule. 9
4.1.2 Die jüngere historische Schule 9
4.1.2.1 Beobachtung und Beschreibung der Erscheinungen 10
4.1.2.2 System von Definitionen und Klassifikationen. 10
4.1.2.3 Ursachenerklärung 10
4.2 Hiatus Irrationalis 11
4.3 Natur vs. Kultur 11
4.4 Werte und Wirklichkeit 12
4.5 Werturteilsfreiheit. 13
5 Werteverfall als Beispieldiagnose. 15
5.1 Wertbegriff. 15
5.2 Diagnosebegriff. 16
5.3 Soziologische Diagnosen. 16
5.4 Die Diagnose vom Werteverfall und ihre Kritik. 17
5.4.1 Konzeptionelle Kritik 17
5.4.2 Empirische Kritik 17
5.4.3 Theoretische Kritik 19
5.5 Zwischenergebnis. 19
6 Fazit 20
7 Literaturverzeichnis 22
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Problemstellung
2 Problemstellung
Während die Soziologie auf die Gesellschaft als ihren Gegenstand in prinzipieller Weise angewiesen ist, stellt sich die Frage umgekehrt nicht mit gleicher Selbstverständlichkeit: bedarf die Gesellschaft der Soziologie ? - Während klassische Handlungswissenschaften wie die Ökonomie, die Pädagogik oder die Jurisprudenz ihre Praxisrelevanz gleichsam in sich tragen, sind Grundlagenwissenschaften darauf verwiesen, ihre diesbezüglichen Kompetenzen zu erkunden und zu vermarkten. Rasch fällt das Augenmerk hier auf die Diagnose- und Prognosefähigkeit dieser Disziplinen. Vermag etwa die Soziologie eine Gesellschaftsdiagnose zu stellen, die ihrerseits unmittelbar in Therapiemaßnahmen (etwa gesellschaftspolitischer Art) mündet ? Vermag sie es eigentlich nicht, ist aber im Wettbewerb mit anderen, weniger zauderhaften, sozialwissenschaftlichen Fächern aufgerufen, sich als diagnosefähig anzudienen ?
Diese Arbeit behandelt das Problem der Diagnosefähigkeit der Soziologie auf zwei Ebenen: auf einer allgemeineren Ebene wird zunächst die Frage nach den wissenschaftstheoretischen Implikationen von Diagnose bzw. Diagnostik zu klären sein. Fraglich ist ferner, ob und inwiefern der Diskurs über die diagnostische Kompetenz der Soziologie durch (u.U. problematische) Annahmen aus der Gründerzeit des Faches vorstrukturiert ist. diese Kontextualisierung der Diagnostik-Debatte soll an-hand einer fachgeschichtlichen Betrachtung unternommen werden.
Vor dem Hintergrund dieser Grundlegung befasst sich der zweite Teil der Arbeit mit »angewandter Diagnostik« im Bereich der soziologischen Werteforschung. Hier wird es v.a. um die konkrete Diagnose des Werteverfalls gehen, verbunden mit der Frage nach ihrer Pragmatik und theoretischen Einbettung.
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Diagnose/Diagnostik - Vorüberlegung
3 Diagnose/Diagnostik - Vorüberlegung
3.1 Verstärkter Diagnosebedarf als Befund
Meulemann versucht, anhand einer Recherche in der sozialwissenschaftlichen Fachdatenbank SOLIS zu erheben, inwieweit im Zeitraum von 1970 bis 1997 eine interessierte Öffentlichkeit Bedarf für soziologische Diagnosen zum Thema Wertewandel artikulierte und die Fachvertreter dem nachkamen. Er übernimmt dabei die Einordnung der Arbeiten als empirische, theoretische oder beschreibende. Während empirische und theoretische Arbeiten ein Indikator für die Reaktion der Wi ssenschaft seien,, stellten die deskriptiven Arbeiten einen Indikator für den Bedarf der Öffentlichkeit dar 1 .
Es bleibt indes zweifelhaft, ob ein starker Output überwiegend deskriptiver Studien i nnerhalb sozialwissenschaftlicher Publikationen, die sich ja in erster Linie an eine Fachöffentlichkeit richten, im Sinne von Meulemanns Vorstellung einer Konjunktur als Reaktion einer (akademischen) supply-side auf eine (nichtakademische) demand-side deuten lässt. Es ergibt sich folgender Befund:
1 Meulemann, S. 257.
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Meulemann stellt fest, dass die Konjunktur einer soziologischen Diagnostik des Wertewandels in den späteren 70er-Jahren als ein Epiphänomen der 68er-Unruhen angelaufen sei, um schließlich 1990 ihren Höhepunkt zu erreichen (vgl. Tabelle 1). Zur gleichen Zeit hat der Anteil der rein deskriptiven Studien (zu Beginn mehr als zwei Drittel aller Studien) abgenommen, während der Anteil der empirischen (und theoretischen) Studien (leicht) zunahm 4 . Als Erklärung für die Konsolidierung
2 Abbildung nach Daten von Meulemann, S. 258.
3 Abbildung nach Daten von Meulemann, S. 258.
4 Meulemann, S. 257f.
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Diagnose/Diagnostik - Vorüberlegung
ab 1990 führt Meulemann an, dass die Wiedervereinigung wieder „härtere Themen“ auf die Tagesordnung gebracht habe. Insgesamt zeige der Befund, dass „[...] die Öffentlichkeit das Thema der Wissenschaft zugespielt [...]“ habe, in Erwartung einer Diagnose. In der Variation der inhaltlichen Schwerpunkte werde deutlich, dass zunächst der Bedarf der Öffentlichkeit (deskrpitiv), dann die Reaktion der Wissenschaft (em- pirisch) dominiere.Diese Deutung ist aus o.g. Gründen allerdings fraglich 5 .
3.2 Wissenschaftstheoretische Einordnung
3.2.1 Etymologie
Der Begriff Diagnose leitet sich direkt vom griechischen διαγινοσκειν (= »entscheiden«) ab. Damit wird einerseits deutlich, dass es sich um einen selektiven Vorgang handelt 6 , andererseits setzen therapeutische Entscheidungen an Diagnosen an ( θεραπευειν = »behandeln, heilen, gesund machen«). Eine andere Dimension ergibt sich, wenn man das Verb auf seine Bestandteile zurüc kführt: δια ( = modales/kausales »durch«) + γινοσκειν ( = »erkennen«). Diagnose ist hier ein voraussetzungsreicher Erkenntnisprozess, bspw. auf der Grundlage von Gesetzeswissen.
Ein Alltagsverständnis von Diagnose wird zunächst auf den medizinischen Bereich abstellen. Diagnostiziert werden Krankheiten durch M ediziner als autorisierte und approbierte Spezialisten, die auch für die Behandlung verantwortlich sind. In direkter Analogie hätte soziologische Diagnostik also die Aufgabe, soziale Pathologien festzustellen (etwa: soziale Ungleichheit durch fehlende oder unwirksame Transferzahlungen) und eine geeignete Behandlung einzuleiten (hier: Erarbeitung und Institutionalisierung neuer Umverteilungsmechanismen) 7 .
5 Ebendort.
6 Die Autoren der Einleitung zu dem Sonderheft Diagnosefähigkeit der Soziologie der
Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie sprechen in diesem Zusam-
menhang von selektiver Generalisierung als spezifischer Gefahr der Diagnose. Vgl.
Friedrich u.a., S. 17f.
7 zurückhaltend bis ablehnend gegen die Übertragung eines medizinischen Diagnose-
begriffes in die Soziologie Friedrichs u.a., S. 18ff.
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Arbeit zitieren:
Alexander-Kenneth Nagel, 2003, Die Diagnosefähigkeit der Soziologie im Lichte der Wissenschaftstheorie Max Webers, München, GRIN Verlag GmbH
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