1 Inhaltsverzeichnis und Gliederung
1 Inhaltsverzeichnis und Gliederung 3
2 Problemstellung 4
3 Theoretische Grundlagen 5
3.1 Terminologie 5
3.1.1 Bildungsexpansion 5
3.1.2 Bildungserträge 6
3.1.3 Bildungsbeteiligung 7
3.1.4 Life-Long-Learning 7
3.2 Zugänge zu Bildung 8
3.2.1 Bildung als Konsum - und Investitionsgut 8
3.2.2 Bildung als positionales Gut 8
3.3 Mechanismen zwischen Bildungsexpansion und Bildungserträgen 10
3.3.1 Vorüberlegungen 10
3.3.2 Hypothesen 13
4 Datenbasis, statistische Verfahren, Variablendefinition 14
4.1 Daten 14
4.2 Verfahren 14
4.3 Variablendefinition und Operationalisierung 15
4.3.1 Bildungsexpansion 15
4.3.2 Bildungserträge 16
5 Ergebnisse 17
5.1 Hypothesenbatterie Inflation 17
5.1.1 Modell 17
5.1.2 Koeffizienten 18
5.1.3 Hypothesentest 19
5.2 Hypothesenbatterie Exklusion 20
5.2.1 Modell 20
5.2.2 Koeffizienten 21
5.2.3 Hypothesen 21
5.3 Erweiterung des Modells Exklusion 22
5.3.1 Datenerweiterung und Datenreduktion 22
5.3.2 Modell 24
5.3.3 Koeffizienten 24
6 Interpretation und Ausblick 25
7 Literaturverzeichnis 27
8 Abbildungsverzeichnis 28
3
Problemstellung
2 Problemstellung
Bildungsexpansion, Life-Long -Learning und Wissensgesellschaft. Diese Schlagwörter zwischen Feuilleton und bildungssoziologischer Fachdebatte haben in den letzten Jahren eine politische Dimension (zurück)gewonnen, die sie erneut ins Rampenlicht einer akademischen Betrachtung rückt. Dabei gilt es, von einer stark programmatischen Diskussion über Bildungsexpansion als Allheilmittel für soziale Ungleichheit zu einer empirisch fundierten Kenntnis ihrer Mechanismen und Folgen zu gelangen und ihre Wechselwirkung mit anderen sozialen Bereichen, etwa dem Arbeitsmarkt oder Institutionen der politischen Teilhabe zu e rgründen.
In dieser Arbeit möchte ich Bildungsexpansion als das Ergebnis einer faktisch verbreiterten Bildungsteilhabe (im Unterschied zu einer Erweiterung der Bildungschancen) und als zentrales Merkmal einer Wissensgesellschaft verstehen. Es ist zu fragen, welche Auswirkung diese Verbreiterung auf die Bildungsrenditen und die Platzierung im Erwerbssystem hat. Wächst mit der allgemeinen Bildung auch der allgemeine Wohlstand und die Beschäftigungssicherheit oder führt Expansion letztlich zu Inflation, frisst die Wissensgesellschaft also ihre Kinder ?
So leicht eine solche Frage gestellt ist, verweist sie doch gleichsam en passant auf zwei sehr unterschiedliche Verständnisse von Bildung. Diese möchte ich im Theorieteil einleitend diskutieren, um von dort aus eine Sichtung einschlägiger theoretischer Modelle zu untenehmen (II). Der Schritt zur Empirie führt über eine Besprechung der Daten und Methoden (III) zu den Ergebnissen der Datenanalyse (IV). Eine zusammenfassende Auswertung (V) schließt die Arbeit ab.
4
Theoretische Grundlagen
3 Theoretische Grundlagen
3.1 Terminologie
3.1.1 Bildungsexpansion
Bildungsexpansion wird hier als ein Prozess verstanden, der (auf der Makroebene) durch eine Zunahme der gesellschaftlichen Teilhabe an Bildung und (auf der Mikroebene) durch eine Zunahme der Bedeutung von Bildung in Lebensverlauf und Lebensplanung des Einzelnen charakterisiert ist. Reinberg u.a. sehen entsprechend Indikatoren für Bildungsexpansion „[...] in steigenden alters- und geschlechtsspezifischen Quoten der Bildungsbeteiligung [...], in steigenden Zu- oder Abgangsquoten eines Altersjahrgangs oder einer Altersgruppe, in einer Verlä ngerung der individuellen und gesellschaftlichen Verbleibdauer im gesamten Bildungs- und Ausbildungssystem und damit in einem Anstieg des durchschnittlichen oder spezifischen Abgangsalters [...], verbunden mit einem steigenden Zugangsalter in Erwerbs- oder Nichterwerbssystem“ 1 . Mit Müller u.a. 1997 lassen sich drei historische Phasen der Bildungsexpansion in Westeuropa unterscheiden:
Die erste Phase zwischen 1870 und 1914 ist gekennzeichnet durch eine Emanzipation national-säkularer Bildungseinrichtungen von dem klerikalen Bildungsmonopol. Diese Entwicklung ging einher mit der Entstehung einer staatlichen Schulbürokratie und einer Schulpflicht, was zeigt, dass Bildung zune hmend als hoheitliche Aufgabe verstanden wurde. Bildungspolitische Ziele waren zunächst die flächendeckende Gewährleistung von Elementarbildung und die Überwindung des Ana lphabetismus.
Die zweite Phase zwischen 1918 und 1940 zeichnete sich durch eine Verbreiterung der weiterführenden Bildung aus. Die bis dahin starke Stratifizierung in Form des parallelen Verlaufs von Volksschulen und höheren Schulen wurden durch die institutionelle Vorschaltung der Volksschule als Voraussetzung zur Erlangung höherer Bildung aufgebrochen.
1 Reinberg/Fischer/Tessaring 1995, S. 301.
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Theoretische Grundlagen
In der dritten Phase ab 1945 schließlich wurde höhere Sekundarbildung für breite Bevölkerungsschichten selbstverständlich zugänglich und auch die Teilhabe an Tertiärbildung verlor ihren exklusiven Charakter. Dieser Wandel führte auch zu einer Veränderung des Hochschulsystems, i.S. einer disziplinären Differenzierung und einer Gewichtsverlagerung 2 zwischen den Fakultäten 3 .
Im folgenden möchte ich Bildungsexpansion jedoch nicht als Prozess, sondern als formative Kraft auffassen, welche die Bildungssysteme Westeuropas bereits geprägt hat. Dabei wird unterstellt, dass eine hohe Bildungsbeteiligung (etwa in Form hö herer Abschlussquoten auf dem Niveau von Sekundar- oder Tertiärbildung) und eine längere Verweildauer im Bildungssystem 4 in erster Linie das Ergebnis des skizzierten Expansionsprozesses sind.
3.1.2 Bildungserträge
Mit dem Konzept der Bildungserträge knüpfe ich an eine Annahme der sog. Humankapitaltheorie an, nach der Bildung nicht um ihrer selbst willen, sondern als Mittel etwa zur Erhöhung der Arbeitsproduktivität nachgefragt wird (s. II.2.a). Auf der Individualebene besteht der Ertrag von Bildung i.d.R. in der Erlangung oder Innehaltung einer Statusposition, mit der ein bestimmtes Maß ökonomischen (Einkommen) und sozialen Kapitals (Prestige) verbunden ist. Auf der Makroebene können Bildungserträge bspw. in der Verbesserung der Wettbewerbsposition eines Landes bestehen 5 . Im folgenden möchte ich mich auf die mikrosoziologische und hier die ökonomische Dimension von Bildungserträgen beschränken, dabei lege ich Wert auf folgende Unterscheidung: Quantitative Bildungserträge seien der Mehrverdienst aufgrund zusätzlicher Bildungszertifikate, mithin
2 Es wäre jedoch verfehlt, im heutigen Hochschulsystem lediglich den Ausdruck eines
bildungssystemimmanenten Wandels zu sehen. So zeigt Coestner am Beispiel des Lehr-
amtsstudiums zwischen 1975 und 1985, wie sehr die Nachfrage der Studierenden von
Verwertungsentscheidungen geprägt ist, das Erwerbssystem also in das Bildungssystem
hineinwirkt: Coestner 1987, S. 58ff.
3 Müller/Steinmann/Schneider 1997, S. 178.
4 Reinberg u.a. machen bei der individuellen Verweildauer im Bildungssystem die Kaute-
le, dass sie nur ein Indikator für Bildungsexpansion sei, insoweit sie institutionell verur-
sacht sei (etwa: Verlängerung der Schulpflicht). Eine solche institutionelle Rahmung lässt
sich allerdings für Deutschland, etwa in Form der Verlängerung der Hauptschuldauer
ohne weiteres nachweisen. Vgl. Reinberg u.a. 1995, S. 301.
5 Vgl. Becker 1964, zit. nach Müller u.a. 1997, S. 180f.
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Theoretische Grundlagen
also ihr Grenznutzen als die zusätzliche Nutzenstiftung jedes Bildungsgutes abgetragen gegen seine zusätzlichen Kosten (Transaktions- und Op-portunitätskosten). Unter Qualitativen Bildungserträgen möchte ich hingegen die Chance verstehen, überhaupt Zugang zum Erwerbssystem zu erhalten 6 .
3.1.3 Bildungsbeteiligung
In der Bildungsreformdebatte der 60er und 70er Jahre bezeichnete der politische Begriff der Bildungsbeteiligung die Proportion, zu der Kinder aus bestimmten (als benachteiligt angesehenen) Gruppen weiterführende Schulstufen besuchen 7 . Ich möchte Bildungsbeteiligung ausdrücklich weiter und stärker resultativ verstehen als: Teilhabe an höheren Bildungszertifikaten, etwa in Form der Sekundar- oder Tertiärabschlussquoten eines Landes.
3.1.4 Life-Long-Learning
Auch Life-Long-Learning war und ist eher ein politischer als ein akademischer Begriff. Fuchs-Heinritz lokalisiert ihn abermals in den politisierten Bildungsdiskursen der 60er und 70er Jahre 8 . Während Bildungsbeteiligung jedoch offenbar aus dem politischen ins akademische Vokabular (und damit Interesse) gesickert ist, erlebt die Rede von Life-Long-Learning im Zuge einer Europäisierung von Bildungspolitik derzeit eine neue Blüte. Ich möchte Life-Long-Learning verstehen als: eine Erweiterung der Ausbildungsphase über den gesamten Lebensverlauf, welcher nunmehr durch kontinuierliche Übergänge zwischen Erwerbs-, Nichterwerbs- und Weiterbildungsphasen gekennzeichnet ist.
6 So einleuchtend es zunächst sein mag, nicht nur das »Wie«, sondern auch das »Ob«
einer Platzierung im Erwerbssystem als Bildungserträge anzusehen, so problematisch ist
die zweite Dimension, da sie in besonderer Weise von der Struktur des Erwerbssystem
abhängt. Näheres unter II.3.
7 Fuchs-Heinritz, Werner 1995, S. 104.
8 Derselbe, S. 401.
7
Theoretische Grundlagen
3.2 Zugänge zu Bildung
3.2.1 Bildung als Konsum- und Investitionsgut
Auf einer mikroökonomischen Ebene werden Konsum- und Kosten-Ertragskonzepte von Bildung unterschieden 9 . Nach der Konsumtheorie ist Bildung ein Eigenwert, der um seiner selbst willen erstrebt wird. Ihr Genuss dient zur Befriedigung von Bildungsbedürfnissen. Insoweit führen steigende Realeinkommen nach Saturierung der materiellen Lebensbedürfnisse auch zu einer Ausweitung des Bildungskonsums. Kosten-Ertragskonzepte verstehen Bildung hingegen als Investitionsgut, dessen Erwerb durch Renditeerwartungen motiviert ist. Dahinter steht die Anna hme, dass höhere Bildung zu höheren Statuspositionen im Erwerbssystem und damit zu höherem Einkommen und Prestige führt. Nach einer Modellierung der Wert-Erwartungs-Theorie wird solange in Bildung (als Humankapital) investiert, wie die erwarteten Ertragszuwächse die angenommenen zusätzlichen Bildungskosten überwiegen. An diesem Punkt knüpfen zahlreiche Überlegungen zur egalisierenden Funktion der Bildungsexpansion an. Mit Boudon wird etwa angenommen, dass Angehörige unterer sozialer Klassen zu einer Unterschätzung der zukünftigen Erträge von Bildung und zu einer Überschätzung der gegenwärtigen Kosten und Risiken der Bildungsinvestition neigen (Gegenwartspräferenz) 10 . Die Gemeinsamkeit von Konsum - und Kosten-Ertrags-Konzepten von Bildung besteht in der Annahme, dass nach Maßgabe der Grenznutzentheorie mit steigender Bildung stets auch ein absoluter Anstieg der Bedürfnisbefriedigung (Kon-sumtheorie) bzw. der Bildungserträge (Kosten-Ertrags-Konzept) einhergehe.
3.2.2 Bildung als positionales Gut
Gegen die Vorstellung von Bildung als Konsum- und Investitionsgut we nden sich die Signaltheorie von Thurow und konflikttheoretische Ansätze der Soziologie (Bourdieu / Schelsky). Aus ihrer Sicht haben Bildungsinstitutionen nicht die Funktion der Produktion (vo n Bildung), sondern der Selektion (qua Bildung). Schelsky betrachtet polemisch die Schule als „[...]
9 Müller u.a. 1997, S. 180f.
10 Boudon 1980, S. 177 (Zusammenfassung). Die Debatte lässt sich über Goldthorpe
1996, S. 489ff. hin zu Becker 2000, S. 450ff. verfolgen.
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Arbeit zitieren:
Alexander-Kenneth Nagel, 2003, Bildungsexpansion und Bildungserträge im Ländervergleich, München, GRIN Verlag GmbH
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