Im Rahmen dieser Seminararbeit soll der Frage nachgegangen werden, ob für die New Economy eine neue Wirtschaftswissenschaft benötigt wird. In Kapitel 3 zeigt sich zunächst, daß die gängigen makro- und mikroökonomischen Erklärungsmuster ausreichen, um die wichtigsten Merkmale der New Economy zu beschreiben. Einem durch digitale Güter verursachten Marktversagen liegen vergleichbare Mechanismen zugrunde wie dem auf einem neoklassischen Markt. Die Strategien der Marktakteure der New Economy basieren auf bekannten Marketingstrategien wie One-to-one-Marketing und Marktsegmentierung. Auch die Politik, so wird in Kapitel 4 gezeigt, agiert mit bekannten Rezepten, so daß unter dem Strich keine Erfordernis für neue theoretische Konzepte zu erkennen ist.
Inhaltsverzeichnis
1 Vorgehensweise.und Abgrenzung der Begriffe
2 Die „New-Economy"-Diskussion
3 Was ist neu an der New Economy bzw. welche Effekte werden wichtiger ?
3.1 Technologische Voraussetzungen der New Economy
3.2 Makroökonomische Diskussion
3.3 Mikroökonomische Diskussion
3.3.1 Ökonomie der Informationsgüter und der Netzwerke im Vergleich zur Ökonomie der physischen Güter
3.3.1.1 Charakteristika von Informationsgüter
3.3.1.2 Die Preisstruktur von Informationsgütern
3.3.1.3 Netzwerkeffekte und Feedback-Effekte
3.3.2 Die Bedeutung von Transaktionskosten
3.3.3 Wechselkosten und Lock-in-Effekte
3.3.4 Das Verhalten von Firmen auf Informationsgütermärkten
3.3.5 Marktversagen durch digitale Güter
4. Die Rolle der Politik
5. Fazit: Braucht die New Economy eine neue Wirtschaftswissenschaft ?
Zielsetzung & Themen
Das Hauptziel dieser Seminararbeit ist es, kritisch zu untersuchen, ob die Phänomene der sogenannten „New Economy“ tatsächlich neue theoretische Konzepte in der Wirtschaftswissenschaft erfordern oder ob sich diese durch bestehende makro- und mikroökonomische Modelle der „Old Economy“ hinreichend erklären lassen.
- Analyse der makroökonomischen Auswirkungen und der Gültigkeit klassischer Konzepte wie der Philips-Kurve.
- Untersuchung mikroökonomischer Besonderheiten von Informationsgütern, insbesondere deren Kostenstruktur und Netzwerkeffekte.
- Evaluierung von Firmenstrategien in der New Economy wie Versioning, Standardisierung und Kooperationen.
- Diskussion über Marktversagen bei digitalen Gütern und die Rolle staatlicher Eingriffe.
- Vergleich zwischen den Mechanismen der New Economy und den Modellen der klassischen Ökonomie.
Auszug aus dem Buch
3.3.1.2 Die Preisstruktur von Informationsgütern
Die Entwicklungskosten eines digitalen Produkts sind in der Regel sehr viel höher als die Produktions- und Absatzkosten. So hat z.B. das Betriebssystem Microsoft Windows 3.1 in der Entwicklung 50 Millionen US-Dollar gekostet, die Produktionskosten (Produktion, Verpackung, Versand) betrugen dagegen nur 3 US-Dollar pro Stück 20; bei einer vollständigen Digitalisierung des Vertriebs gehen die Produktionskosten sogar gegen null. Auf jeden Fall sind die Fixkosten deutlich höher als die variablen Kosten. Je größer das Verhältnis von fixen Kosten zu variablen Kosten ist, desto stärker sinken die Stückkosten bei steigender Absatzmenge21. Die Skaleneffekte bei Informationsgütern sind nicht limitiert, sondern nehmen mit steigender Zahl der abgesetzten Produkte immer weiter zu. Zusammen mit den bei null liegenden Grenzkosten ergeben sich mächtige Skaleneffekte, die bei null liegende Grenzkosten und endlos fallende Durchschnittskosten zur Folge haben. Die Ausschöpfung der economies of scale erfährt bei Informationsgütern somit eine zusätzliche Hebelwirkung22.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Vorgehensweise.und Abgrenzung der Begriffe: Es werden die Ziele der Arbeit definiert und die Sektoren „New Economy“ sowie „Old Economy“ zur theoretischen Analyse voneinander abgegrenzt.
2 Die „New-Economy"-Diskussion: Dieses Kapitel gibt einen Überblick über den aktuellen Diskurs um die technologischen und wirtschaftlichen Veränderungen seit den 1980er Jahren.
3 Was ist neu an der New Economy bzw. welche Effekte werden wichtiger ?: Hier werden die technologischen Voraussetzungen, makroökonomische Phänomene und mikroökonomische Besonderheiten wie Kostenstrukturen und Netzwerkeffekte im Detail analysiert.
4. Die Rolle der Politik: Das Kapitel untersucht, ob die bestehenden staatlichen Handlungsmuster ausreichen, um auf Marktversagen in der New Economy zu reagieren.
5. Fazit: Braucht die New Economy eine neue Wirtschaftswissenschaft ?: Abschließend wird festgehalten, dass die bestehenden ökonomischen Erklärungsmodelle ausreichen, um die Phänomene der New Economy zu verstehen.
Schlüsselwörter
New Economy, Old Economy, Informationsgüter, Neoklassik, Netzwerkeffekte, Marktversagen, Transaktionskosten, Lock-in-Effekte, Skaleneffekte, Preisstruktur, Wirtschaftspolitik, Informationstechnologie, Produktivitätsparadoxon, Versioning, NAIRU.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die Forschungsfrage, ob die wirtschaftlichen Phänomene der New Economy den Aufbau einer neuen Wirtschaftswissenschaft erfordern oder ob die klassischen ökonomischen Modelle ausreichen.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Arbeit fokussiert auf mikroökonomische Aspekte wie digitale Güter, Kostenstrukturen und Netzwerkeffekte sowie auf makroökonomische Debatten, etwa zur Inflations- und Arbeitslosenentwicklung.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist die kritische Hinterfragung der These, dass für die New Economy grundlegend neue Gesetze gelten müssen, indem sie diese mit Modellen der Neoklassik vergleicht.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit verwendet eine analytische Methode, bei der ein theoretischer Sektor der New Economy mit einem neoklassischen Referenzmodell verglichen wird.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert technologische Voraussetzungen, die Kostenstruktur und Preisbildung von digitalen Gütern, Netzwerkeffekte, Firmenstrategien und die Rolle staatlicher Politik.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zu den wichtigsten Begriffen gehören Netzwerkeffekte, Informationsgüter, Marktversagen, Lock-in-Effekte und die klassische Produktionstheorie.
Inwiefern beeinflusst das „Wintel“-Gespann die Argumentation zur Bedeutung von Kooperationen?
Das Beispiel verdeutlicht, dass Allianzen zwischen Herstellern komplementärer Produkte (Hardware und Software) für einen langfristigen Markterfolg entscheidend sind, da sie Netzwerkeffekte stabilisieren.
Warum schlussfolgert die Arbeit, dass keine neuen theoretischen Konzepte nötig sind?
Da fast alle identifizierten Phänomene der New Economy wie Skaleneffekte, Netzwerkeffekte oder Monopolbildung bereits durch klassische mikroökonomische Erklärungsmodelle abgedeckt werden können.
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- Thomas Rühle (Author), 2001, Braucht die New Economy eine neue Wirtschaftswissenschaft?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/4255