Abstract
Im Rahmen dieser Seminararbeit soll der Frage nachgegangen werden, ob für die New Economy eine neue Wirtschaftswissenschaft benötigt wird. In Kapitel 3 zeigt sich zunächst, daß die gängigen makro- und mikroökonomischen Erklärungsmuster ausreichen, um die wichtigsten Merkmale der New Economy zu beschreiben. Einem durch digitale Güter verursachten Marktversagen liegen vergleichbare Mechanismen zugrunde wie dem auf einem neoklassischen Markt. Die Strategien der Marktakteure der New Economy basieren auf bekannten Marketingstrategien wie One-to-one-Marketing und Marktsegmentierung. Auch die Politik, so wird in Kapitel 4 gezeigt, agiert mit bekannten Rezepten, so daß unter dem Strich keine Erfordernis für neue theoretische Konzepte zu erkennen ist.
2
1 Vorgehensweise.und Abgrenzung der Begriffe 5
2 Die „New-Economy"-Diskussion. 6
3 Was ist neu an der New Economy bzw. welche Effekte werden wichtiger ? 7
3.1 Technologische Voraussetzungen der New Economy. 7
3.2 Makroökonomische Diskussion. 8
3.3 Mikroökonomische Diskussion. 11
3.3.1 Ökonomie der Informationsgüter und der Netzwerke im Vergleich zur Ökonomie der
physischen Güter. 11
3.3.1.1 Charakteristika von Informationsgüter. 11
3.3.1.2 Die Preisstruktur von Informationsgütern. 13
3.3.1.3 Netzwerkeffekte und Feedback-Effekte. 15
3.3.2 Die Bedeutung von Transaktionskosten. 19
3.3.3 Wechselkosten und Lock-in-Effekte. 20
3.3.4 Das Verhalten von Firmen auf Informationsgütermärkten 21
3.3.5 Marktversagen durch digitale Güter 24
4. Die Rolle der Politik. 29
5. Fazit: Braucht die New Economy eine neue Wirtschaftswissenschaft ? 31
3
I. Abbildungsverzeichnis Seite
Abbildung 1: Abbildung 1: Zeitliche Entwicklung der Transistordichte............................................8 Abbildung 2: Arbeitslosenquote und Inflation in den USA 1990-1998............................................10 Abbildung 3: Wirkungen eines Angebotsschocks auf Preisniveau, Inflation,
Produktionsniveau und Arbeitslosenquote.........................................................................................11 Abbildung 4: Kostenstruktur der Produktion bei klassischen Gütern bzw.
Informationsgütern. ...........................................................................................................................14 Abbildung 5: Marktgleichgewichte in Anwesenheit von Netzwerkeffekten....................................16 Abbildung 6: Zusammenwirken von Skalen-, Netzwerk-, und
Lock-in-Effekten zum Feedback-Effekt ............................................................................................18 Abbildung 7: Die Wirkung positiver externer Effekte auf das Marktgleichgewicht........................27
II. Tabellenverzeichnis
Tabelle 1: Gegenüberstellung der New Economy und Old Economy.................................................5 Tabelle 2: Klassifizierung von Gütern anhand der Rivalität und der
Exklusivität bei der Nutzung .............................................................................................................12
4
1 Vorgehensweise und Abgrenzung der Begriffe
Die Diskussion soll im folgenden sowohl auf der makro- als auch auf der mikroökonomischen Ebene geführt werden. In der Literatur findet man zu beiden volkswirtschaftlichen Bereichen eine breite Palette an Meinungen darüber, ob völlig neue Gesetzte gelten oder nicht. Zum Zwecke der Analyse wird zunächst ein der Old Economy (im Sinne der Neoklassik) diametraler Sektor konstruiert. Die der Tabelle 1 zugrunde liegenden Gegenüberstellungen sind als Arbeitshypothesen zu betrachten, die in der folgenden Diskussion kritisch hinterfragt werden sollen.
Tabelle 1: Gegenüberstellung der New Economy und Old Economy
5
Dabei wird das neoklassische Modell gewissermaßen als Referenz-Modell herangezogen und hinsichtlich seiner Gültigkeit für die New Economy überprüft. Auf dem hier definierten Markt der New Economy sollen Informationen gehandelt werden, die sich leicht vervielfältigen und modifizieren lassen. Dabei soll dem Informationsbegriff von Shapiro und Varian 1 gefolgt werden, die alles, was sich digitalisieren läßt, als Information
bezeichnen. Das Objekt des Sektors New Economy sind also digitale Güter, wobei damit Softwareprogramme ebenso gemeint sind wie Dienstleistungen (z.B. eine Bahnauskunft über das Internet). Auch die digitale Version eines CD-Musik-Albums stellt ein solches Gut dar. Hardware soll nicht zum Sektor New Economy gerechnet werden, sie stellt die Infrastruktur für diesen Sektor zur Verfügung.
Folgende Akteure sollen zum „Sektor“ New Economy gezählt werden: Zum einen sind das Produzenten von Software wie etwa Microsoft , elektronische Inhaltenabieter wie z.B. Reuters, aber auch Internetprovider wie etwa AOL. Hersteller von Hardware wie z.B. Intel spielen bei der Diskussion zwar eine wichtige Rolle, werden aber nicht zu den eigentlichen Akteuren der New Economy gerechnet. Als Akteure der Old Economy gelten klassische Anbieter von Waren und Dienstleistungen. Der „Old Ecomomy“ oder der „klassischen Ökonomie“ soll das Modell der Neoklassik zugrunde liegen.
Als Synonyme für den Begriff „New Economy werden in der vorliegenden Arbeit folgende Begriffe und Termine verwendet: „Neue Ökonomie“, „Digitale Ökonomie“,
„Informationsökonomie“, und „Internetökonomie“. Die in diesem Sektor gehandelten Produkte werden „Digitale Güter“, „Informationsgüter“ oder „Netzwerkgüter“ genannt, die Produkte der Old Econmy sind „Physische Güter“ oder „Klassische Güter“.
2 Die „New-Economy" - Diskussion
Seit Mitte der achtziger Jahre beobachten wir das Auftreten immer neuer Akteure auf dem Markt, die neben Informations- und Medienprodukten wie Büchern, Zeitschriften und Zeitungen auch Informations-intensive Leistungen wie Finanzdienstleitungen oder Reisen anbieten. Neue Wertschöpfungsmodelle auf Basis von vernetzten Medien- und Kommunikationssektoren erodieren die alten Modelle. Das Internet spielt hier zunehmend eine Rolle und erfaßt immer mehr Bereiche der Volkswirtschaft. Physische Leistungsprozesse und auch der Handel werden von diesen
1 Vgl. C. Shapiro, H. R. Varian: Information Rules: A Strategic Guide to the Network Economy, Boston, MA, 1998. , S.3.
6
Umwälzungen erfaßt 2 . Dieser tiefgreifende Wandel hat erst vor etwa einem Jahrzehnt begonnen und
die Dynamik ist noch nicht erschöpft.
Das Schlagwort „New Economy“, das in diesem Zusammenhang benutzt wird, ist mittlerweile weltweit zu einem geflügelten Wort geworden und beschreibt gemeinhin eine Volkswirtschaft, die durch vermehrten Einsatz von Informationstechnologie und im Rahmen einer immer weiter voranschreitenden Globalisierung ihre Gestalt so sehr verändert hat, daß viele grundlegende ökonomische Annahmen für ihre Beschreibung überholt scheinen. Die Diskussion um eine „New Economy“ hat vornehmlich in den USA seit Mitte der neunziger Jahre weite Kreise gezogen. Zahllose Artikel sind in der Wirtschaftspresse zu diesem Thema veröffentlicht worden, wobei sich die Diskussion um die Konsequenzen des Wandels der Wirtschaft durch die scheinbar immer schneller voranschreitende Technologieentwicklung und Phänomene wie das Internet zunächst in zwei Gruppen einteilen läßt. In die erste fallen all die Diskussionsbeiträge, die sich auf makroökonomische Faktoren wie Wirtschaftswachstum sowie Arbeitslosigkeit und Preisniveaustabilität beziehen. Dem gegenüber stehen die Beiträge, deren besonderes Augenmerk auf mikroökonomischen und betriebswirtschaftlichen Aspekten der New Economy liegt.
Es werden unzählige Begriffe als vermeintliche Synonyme verwendet, wie z.B. „Netzwerkökonomie“, „“Informationswirtschaft“ u.v.m., die letztendlich für jeden etwas anderes bedeuten. In die detaillierte Diskussion der verschiedenen Begriffe, die in diesem Zusammenhang fallen, soll daher gar nicht eingestiegen werden, sondern die in Abschnitt 1 festgelegte Definition der New Econmy zugrunde gelegt werden. Auch wenn diese Vorgehensweise nicht einer gewissen Willkür entbehrt, so schafft sie doch Klarheit bei der Diskussion.
3 Was ist neu an der New Economy bzw. welche Effekt e werden wichtiger ?
3.1 Technologische Voraussetzungen der New Economy
Wie die Erfindung der Dampfmaschine im 18. Jahrhundert und des Verbrennungsmotors im 19. Jahrhundert für die damalige Wirtschaft spielen technologische Innovationen auch im Bereich der New Economy eine wichtige Rolle bei der wirtschaftlichen Entwicklung. Zerdick et al 3 sehen als
die zentralen technologischen Triebfedern der Informations- und Kommunikationstechnologie folgende Entwicklungen an:
2 Vgl. A. Zerdick, A. Picot, K. Schrape, A. Artopé, K. Goldhammer, U.T.Lange, E. Vierkant, E. López-Escobar, R. Silverstone: Die Internet-Ökonomie - Strategien für die digitale Wirtschaft. Berlin, Heidelberg, New York 1999. S. 15.
3 Vgl. A. Zerdick et al, a.a.O., S. 140 ff.
7
• Digitalisierung: Der Wechsel von Atomen zu Bits erlaubt die kostengünstige Bearbeitung,
Duplizierung, Aufbewahrung sowie einen Transport dieser Informationen über große Entfernungen.
• Leistungssteigerung im Preis-Leistungs-Verhältnis: Ein Motor der gegenwärtigen digitalen
Revolution ist ganz sicher die immer weiter fortschreitende Entwicklung der Computerchips. Schon Gordon Moore, einer der Mitbegründer von Intel, hat festgestellt, daß sich die Dichte der Transistoren auf einem Chip und damit die Leistung dieses Chips ca. alle 18 Monate verdoppelt 4 .
(siehe Abbildung 1). Ein Computer, der heute 1000 Dollar kostet, hat die Leistung einer 5 Jahre alten und 20000 Dollar teuren Workstation 5 .
Abbildung 1: Zeitliche Entwicklung der Transistordichte
(Quelle: Intel Corporation, „Processor Hall of Fame“, Intel Online Museum; Internet: http://www.intel.com/intel/museum/25anniv/hof/moore.htm (Download am 20.04.2001))
• Miniaturisierung: Treibende Kraft ist die zunehmende Anzahl von Transistoren auf einem Chip.
Der erste Mikroprozessor von Intel aus dem Jahre 1971 enthielt 2300 Transistoren, der Pentium II Prozessor von 1997 rund 7,5 Millionen Transistoren. Es gibt zwar z.B. aufgrund von Wärmeentwicklung natürliche Grenzen der Miniaturisierung, dennoch entstehen aufgrund dieser Entwicklung immer mehr Einsatzmöglichkeiten.
• Standardisierung: Sie ist die Voraussetzung dafür, daß die Komponenten eines Systems
reibungslos zusammen funktionieren.
3.2 Makroökonomische Diskussion
Cohen et al 6 konstatieren, daß die Informationstechnologie nicht nur in einem kleinen Teil der
Wirtschaft zu Produktivitätsschüben führt, sondern die ganze Wirtschaft transformiert wird. Doch
4 Vgl. Intel Corporation, „Processor Hall of Fame“, Intel Online Museum; http://www.intel.com/intel/museum/25anniv/hof/moore.htm (Download am 20.04.2001)
5 Vgl. http://cnn.com/TECH/computing/9909/17/g4.idg/index.html (Download am 20.04.2001)
6 Vgl. S. Cohen, B. Delong, J. Zysman: Tools for Thought: What is New and Important About the E-conomy. BRIE Working Paper #138, 2000. Internet: http://www.j-bradford-delong.net/virtual/technet/Tools_for_Thought.pdf
8
Arbeit zitieren:
Thomas Rühle, 2001, Braucht die New Economy eine neue Wirtschaftswissenschaft?, München, GRIN Verlag GmbH
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