Inhaltsverzeichnis
Thema Seite
1. E i n l e i t u n g 1
2. D i e A u s g a n g s l a g e 2
3. Kindheit und Jugend 3
4. Reformen zur Selbstherrschaft 4
5. Die Opriþi n a 9
6. D a s E n d e 1 1
7. S c h l u s s 1 2
8. L i t e r a t u r v e r z e i c h n i s 1 3
1. Einleitung
„Von heute an werde ich sein, wie ihr mich nennt, zum Fürchten streng werde ich sein.“ 1
Ivan IV. Vassileviþ Groznyj ist den meisten von uns unter dem Namen Ivan der Schreckliche bekannt.
Schaut man jedoch ins Wörterbuch und vergleicht den Beinamen, den das russische Volk seinem Herrscher gab, -groznyj-, so wird doch deutlich, dass die Übersetzung „der Schreckliche“ nicht das aussagt, was es aussagen sollte:
eine zutreffendere Übersetzung wäre eher drohend, bedrohlich, streng, fürchterlich. -Groznaja opas’nost’- wird mit drohender Gefahr, -groza- mit Gewitter bzw. Schrecken übersetzt, veraltet steht es für ein strenges Gericht. 2 Richtigerweise sollten wir nun groznyj in Anlehnung an –groza- verstehen, denn ein stürmisches und egozentrisches Temperament hatte er unabweisbar. Die westliche Übertragung des „Schrecklichen“ resultiert vielmehr aus Ivans Ruf, den er während seiner Herrschaft vor allem durch seine Feinde im Ausland erhielt; die Geschichtsschreibung hat ihn bis heute beibehalten. 3 Ivan IV. war nicht von niedriger Intelligenz, er war gebildet sowie literarisch veranlagt; die Heilige Schrift muss er zu genüge studiert haben, da er Passagen dieser sogar in seinem Testamentsentwurf von 1572 aus dem Gedächtnis zitiert. 4 Diese positiven Eigenschaften wurden jedoch von Jähzorn und Argwohn überschattet; zu seinem Lebensende litt er sogar unter Verfolgungswahn. Diese beiden Extremata lassen sein Bild in der Geschichte zwiespältig erscheinen.
Trotz der zweifellos überwiegend negativen Eigenschaften sahen viele folgende Herrscher in ihm ihr Vorbild: so meinte Peter I., der erste russische Zar habe doch den Beinamen „der Große“ verdient:
„Ivan Vassileviþ ist mein Vorgänger und mein Muster. Ich habe ihn mir allzeit zum Modell meiner Regierung in Klugheit und Tapferkeit vorgestellt. Nur die dummen Köpfe, die die Umstände seiner Zeit, seine Nation und seine großen Verdienste für dieselbe nicht verstehen, nennen ihn einen Tyrannen.“ 5
1 Überlieferte Worte Ivan des IV.
2 MultiLex, 1998 3 Grey, 1964, S. 13 4 Hellmann, 1966, S. 73 5 Stählin, von, 1968, S 164
1
Die folgende Arbeit soll aufzeigen, welche kulturellen und geschichtlichen Entwicklungen sowie Neuerungen Russland in der Regierungsperiode des Ivan IV. erfahren hat. In Anlehnung an das Leben Ivans des IV. soll ein kurzer Überblick gegeben werden.
2. Die Ausgangslage
Schon seit 988 6 schaute man in Russland auf Byzanz, welches in damaliger Zeit ein Inbegriff hoher und geistlicher Kultur darstellte. Die Erziehung des Volkes dagegen wurde von Unmündigkeit und Unduldsamkeit geprägt, man setzte sich in Moskau gegen alles, was aus dem Westen kam: so kam es 1054 zum gegenseitigen Kirchenbann, welcher die endgültige Trennung der katholischen von der orthodoxen Kirche vollzog.
Zur gleichen Zeit häuften sich in der Kiever Rus’ die inneren Krisen; ein Zerfall in zahlreiche Fürstentümer war nicht mehr zu verhindern. Unter der Mongolenherrschaft erhob sich Moskau zu einem neuen und starken Zentrum; nachdem das Tatarenjoch fiel, traten die Vorgänger Ivans IV. an die Macht.
Die Bedrängung Byzanz’ durch die Türken ließ sie auf Hilfe des Papstes hoffen, als Preis für diesen Verrat sahen die Russen die Eroberung Konstantinopels durch die Türken 1453. Von nun an erhob sich in Russland immer mehr das Gefühl des Erben von Byzanz zu sein, Herrscher sahen sich als Hüter der Orthodoxie. Ivan III., Großvater Ivans des IV., übernahm durch seine Heirat mit der Nichte des letzten byzantinischen Kaisers, Sofija Palaiologos, das Wappentier der Byzantiner, den doppelköpfigen Adler. Diesem Symbol fügte er die Figur des aufsteigenden moskowitischen Staatswesens hinzu: einen siegenden Drachentöter 7 . Moskau entwickelte sich nunmehr zum Mittelpunkt des Russischen Reiches. Ivan III., zu seiner Zeit als streng und ehrgeizig charakterisiert, folgte seiner Systematik von Moskau aus, er unterwarf Novgorod und stellte die Tributzahlungen an den Kahn der Goldenen Horde ein. 1480 endete die Mongolenherrschaft in Russland. 8
6 Neumann-Hoditz, 1990, S. 11 : Annahme des Christenglaubens im Russischen Reich durch den Fürsten von
Kiev, V. Cvjatoslaviþ
7 Neumann-Hoditz, 1990, S. 14
8 Grey, 1964, S. 24
2
3. Kindheit und Jugend
Die Gemahlin des Großfürsten Vasilij III. brachte ihren ersten Sohn, Ivan Vasilijeviþ 9 , am
25. August 1530 im Moskauer Kreml’ zur Welt. Den Überlieferungen zu folge erbebte bei
seiner Geburt die ganze Stadt unter einem gewaltigen Sturm, Donner und Blitze erschreckten die Gemüter. Prophezeiungen sagten bereits zuvor folgendes voraus: das Kind wird ein Knabe sein, ausersehen zu einem großen Monarchen, der Kazan’ erobern wird. Schon bei seiner Geburt waren an Ivan IV. große Erwartungen gestellt. 10 Vassilij III. starb am 03. Dezember 1533; sein Testament sah voraus, dass seine Frau Helena bis zur Volljährigkeit Ivans die Regentschaft übernehmen sollte. Mit seinem Tod. begann jedoch der Machtkampf in Moskau. Helena war eine starke und tatkräftige Frau. Menschen, die der Regentin im Wege standen, ließ sie in den Kerker werfen, mitunter ihren eigenen Onkel, Michail Glinskij. Sie legte sich einen Liebhaber zu, den sie zum Oberstallmeister und Mitglied des Bojarenrates beförderte: Fürst Ivan Obolenskij. Seine Schwester avancierte zu Ivans Kindermädchen. Völlig unverhofft starb jedoch Helena am 3. April 1538, es folgte die Zeit der Bojarenherrschaft, gekennzeichnet durch Feindschaften und Intrigen. 11 Von nun an wurde Ivans Ruf geprägt: nach dem Tod der Mutter ward Ivan mit seinem jüngeren, behinderten Bruder sogar körperlich vernachlässigt.
Die Bojaren spielten zwischenzeitlich ein doppeltes Spiel: so küssten sie ihm bei öffentlichen Anlässen die Hand, sorgten jedoch nicht einmal für genügend Kleidung sowie Speis und Trank. Es waren in dieser Zeit vor allem zwei Familien, die um die Macht kämpften: die Šujskijs auf der einen Seite und die Bjelskijs auf der anderen. Schlägereien sowie Gewalt waren in seinen Gemächern an der Tagesordnung; niemanden schien es zu interessieren, wenn der kleine Ivan Tiere quälte. Die Machtkämpfe der beiden verfeindeten Familien bekam Ivan mehr als genug zu spüren: so erwachte er eines Nachts von großem Lärm geweckt, und der Moskauer Metropolit stürzte in sein Zimmer. Jener hatte die Bjelskijs unterstützt, doch nun waren wieder die Šujskijs an der Macht und waren ihm auf der Spur. Ivan musste um dessen Leben betteln, diese Todesangst verfolgte in sein Leben lang.
Den ersten Mord befahl Ivan bereits mit 13 Jahren: auf einer Tagung des Bojarenrates warfen sich die Šujskijs auf den Fürsten Voroncov, mit welchem Ivan ein gutes Verhältnis hatte. Dieses missfiel ihnen, somit wollten sie ihn ausschalten. Ivan nutzte die erste Gelegenheit, um
9 benannt nach dem Namen Johannes des Täufers
10 Grey, 1964, S 37
11 Neumann-Hoditz. 1990, S. 25
3
Arbeit zitieren:
Natalie Webbeler, 2003, Ivan der Schreckliche, München, GRIN Verlag GmbH
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