Inhaltsverzeichnis Seite
1. Einleitung 1
2. Hauptteil 2
2.1 Bismarcks Politik des Gleichgewichts der Kräfte 2
2.1.1 Die „Krieg - in - Sicht“ - Krise 2
2.1.2 Zweibund / Dreibund / Rückversicherungsvertrag 3
2.1.3 Die Drei - Kaiser - Allianz 4
2.2 Politikwende nach dem Ausscheiden Bismarcks 4
2.2.1 Die Reaktionen des Auslandes auf die aggressive Außenpolitik 4
2.2.1.1 Das russisch - französische Bündnis als Gegenpol zum
Dreibund 4
2.2.1.2 Die Entente cordiale 5
2.3 Das Zeitalter des Imperialismus 6
2.4 Unmittelbare Vorkriegskrisen 6
2.4.1 Die erste Marokkokrise 6
2.4.2 Die Bosnische Annexionskrise 8
2.4.3 Die zweite Marokkokrise 9
2.4.4 Die Balkankriege 10
2.4.5 Die Liman von Sanders - Krise 11
2.4.6 Die Julikrise 11
3. Schlußbetrachtung 12
4. Literaturverzeichnis / Anhang 13
1. Einleitung
„Die Urkatastrophe des 20. Jahrhunderts“ 1 - mit dieser Metapher bedachte der amerikanische Diplomat und Historiker George Frost Kennan den Ersten Weltkrieg. Wie treffend dieser Ausdruck im Laufe des 20. Jahrhunderts war, zeigte sich in seinen Konsequenzen. Der Zweite Weltkrieg war eine unmittelbare Folge dieses ersten. Die schwierige wirtschaftliche Lage, hervorgerufen durch die Reparationszahlungen und die große Depression in den USA am Ende der 1920er Jahre, und die zum Teil mißglückte Weimarer Verfassung, lieferte den Nationalsozialisten den Nährboden für ihre verheerende Propaganda. Am Ende des Zweiten Weltkrieges erwuchs der Interessen - und Ideologieenkonflikt zwischen den USA und der Sowjetunion zum Kalten Krieg, der die Welt mehr als vierzig Jahre lang in zwei Lager spaltete. Dieser drohte einige Male zu einem noch verheerenderem Krieg als beide Weltkriege zuvor zu eskalieren. Der Erste Weltkrieg wurde in Deutschland laut Niall Ferguson lange Zeit als ein unterschätztes Phänomen im 20. Jahrhundert gesehen: „In Deutschland erscheint er als Ereignis, das von seinen eigenen Konsequenzen überschattet wird, und es hat daher seine historische Identität fast vollständig verloren.“ 2
Die Literaturlage zu diesem Thema ist exzellent. Nur wenige zeithistorische Ereignisse können als so umfangreich erforscht gelten wie der Erste Weltkrieg. „Schuld“ daran trägt nicht zuletzt eine bereits seit dem Ende des Krieges währende Historikerdebatte über die Kriegsschuld. Als Träger dieser Debatte sind Fritz Fischer, der mit seinem Werk „Griff nach der Weltmacht“ 1961 den Streit entemotionalisierte, sowie Wolfgang J. Mommsen, Karl -Dietrich Erdmann, Heinrich - August Winkler und Imanuel Geiss zu nennen, um nur einige wenige wichtige Historiker vorzustellen, die bedeutende Publikationen zu diesem Thema veröffentlichten.
Diese Hausarbeit setzt sich zum Ziel, die unmittelbaren Ursachen des Ersten Weltkrieges darzustellen, nicht die Kriegsschuld zu ermitteln. Der Schwerpunkt liegt dabei auf der Betrachtung der deutschen Außenpolitik und den internationalen Beziehungen ab dem Jahr 1871.
1 zitiert nach Mommsen, Wolfgang J. (Hrsg.): Die ungleichen Partner: deutsch - britische Beziehungen im 19.
und 20. Jahrhundert. Stuttgart 1999, S. 82.
2 Ferguson, Niall: Der falsche Krieg. Der Erste Weltkrieg und das 20. Jahrhundert. München 2001, S. 8.
Die Darstellung aller Ursachen, die zum Ausbruch dieses Krieges führten, kann in dieser im Umfang sehr begrenzten Hausarbeit nicht erfolgen. Dazu bedürfte es mindestens eines Buches.
2. Hauptteil
2.1 Bismarcks Politik des Gleichgewichts der Kräfte
Bismarcks Bemühungen als Reichskanzler zielten schon seit der Reichsgründung 1871 darauf ab, Frankreich außenpolitisch zu isolieren und den jungen deutschen Nationalstaat in ein wirksames Bündnissystem zu integrieren.
Anlaß für einen ersten Erfolg Bismarcks gab die Bedrohung der gr oßen konservativen europäischen Monarchien Rußland, Deutsches Reich und Österreich - Ungarn durch die sozialistische Bewegung, obwohl er diese nur als Vorwand benutzt haben soll, um die zum Teil von entgegengesetzten Interessen geleiteten Staaten einander näher zu bringen:
„Man wird schwerlich davon ausgehen dürfen, daß Bismarck die Gefahr der sozialistischen Bewegung [...]wirklich in vollem Maße ernst genommen hat; aber der Aufstand der Commune und die Solidaritätserklärungen der internationalen sozialistischen Gruppen [...] kamen ihm gerade recht, um die beiden östlichen Monarchien trotz ihrer Interessengegensätze in den Fragen der großen Politik auf einen gemeinsamen Kurs zu
bringen.“ 3
Ergebnis dieser Bemühungen war zunächst das Schönbrunner Bündnis zwischen Österreich-Ungarn und Rußland vom Juni 1873, dem das Deutsche Reich im Oktober 1873 beitrat. Dieses Bündnis wurde bekannt als Drei-Kaiser-Abkommen. Es war jedoch kaum mehr als eine Geste des guten Willens, da es weder Bündnistreue zum Inhalt hatte, noch die Teilnehmerstaaten daran hinderte, mit den opponierenden Staaten Frankreich und England engere Kontakte zu knüpfen. 4
2.1.1 Die „Krieg-in-Sicht“-Krise
Daß dies durchaus möglich sein könnte, zeigte eine außenpolitische Krise im Jahr 1875: Nachdem am 12. März in Frankreich ein neues Cadre-Gesetz verabschiedet wurde, das augenscheinlich eine abrupte Aufstockung der französischen Armee um 25 Prozent zum Inhalt hatte, reagierte die Reichsregierung mit einer aggressiven Drohpolititk gegenüber Frankreich. Sie lancierte zunächst einige Artikel in regierungsnahen Zeitungen und ließ
3 Mommsen, Wolfgang J.: Grossmachtstellung und We ltpolitik. Die Außenpolitik des Deutschen Reiches 1870 -
1914. Frankfurt a.M.; Berlin 1993, S. 19.
4 s. dazu Mommsen: Grossmachtstellung..., S. 20.
Frankreich so als Aggressor auftreten. Das Reich stellte sich selbst in der Rolle des Verteidigers dar, der sich gezwungen sieht einzuschreiten, bevor Frankreich vollständig zum Krieg gerüstet ist. Bismarck rechnete allerdings nicht damit, daß die anderen europäischen Großmächte, allen voran Großbritannien, diesen Schlagabtausch zwischen dem deutschen Reich und Frankreich als ernst zu nehmende Bedrohung des europäischen Gleichgewi chts ansehen und dagegen opponieren würden. 5 Ihm blieb in dieser Angelegenheit nur die Möglichkeit des politischen Rückzugs und die Einsicht, in Zukunft außenpolitisch etwas vorsichtiger zu handeln.
„Die Strategie der Marginalisierung Frankreichs war vollständig fehlgeschlagen, und die von Bismarck so gefürchtete Koalition der europäischen Mächte gegen das Reich unter halbherziger Beteiligung selbst Rußlands hatte sich als reale Möglichkeit erwiesen, auch wenn sie zu großen Teilen erst durch seine eigene unbesonnene Politik heraufbeschworen worden war.“ 6
2.1.2 Zweibund / Dreibund / Rückversicherungsvertrag
Wichtig für die russische Außenpolitik Bismarcks war der am 15.10.1879 ratifizierte Zweibundvertrag des Deutschen Reiches mit Österreich - Ungarn. Dessen Hauptinhaltspunkt war der gegenseitige militärische Beistand bei einem Angriff Rußlands auf eines der beiden Länder. Er sollte die russische Balkanpolitik entschärfen, die nach wie vor darauf abzielte, den Einfluß Rußlands als Schutzmacht der Balkanvölker auszudehnen und so einen Zugang zum Mittelmeer für die russische Flotte zu erhalten. Mit dem Zweibund wurden die panslawistischen Interessen Rußlands zunichte gemacht, da es sich militärisch nicht erlauben konnte, gleich gegen zwei europäische Mächte vorzugehen.
Zugleich erlaubte der Vertrag dem Deutschen Reich, die österreichisch - ungarische Vorgehensweise auf dem Balkan zu kontrollieren und beschwichtigend auf die Habsburger -Monarchie einzuwirken, um so einem Krieg mit Rußland aus dem Weg zu gehen . 7 Das deutsch - österreichische Bündnis wurde 1882 durch den Beitritt Italiens zum Dreibund erweitert. Dieses Bündnis zwang Rußland dazu, sich um bessere Beziehungen mit Deutschland zu bemühen. Rußland kam dem nach und schloß am 18.06.1887 einen Rückversicherungsvertrag mit dem Deutschen Reich ab. Dieser Geheimvertrag sicherte beiden Staaten wohl wollende Neutralität im Kriegsfall zu. Ausgenommen waren ein Angriffskrieg des Deutschen Reiches gegen Frankreich und Rußlands gegen Österreich -Ungarn.
5 vgl. Mommsen: Grossmachtstellung..., S. 22 - 24.
6 Mommsen: Grossmachtstellung..., S. 25.
7 Joll, James: Die Ursprünge des Ersten Weltkrieges. München 1988, S. 66f.
Arbeit zitieren:
Thorsten Mohr, 2001, Der Erste Weltkrieg und seine Ursachen. Ein Darstellungsversuch, München, GRIN Verlag GmbH
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