Inhaltsverzeichnis
I. Kinder- und Jugendliteratur - Mehr als nur Unterhaltung? 3
II. Die Kinder- und Jugendliteratur
a. Definition 4
b. Die historische Entwicklung in Deutschland 5
III. Der didaktische Wert von Kinder- und Jugendliteratur 7
IV. Beispiel: Gudrun Pausewangs „Angstliteratur“
a. Die Autorin und ihre Intention 10
b. „Die Wolke“ (Ravensburger Buchverlag, 1987) 10
c. „Reise im August“ (Ravensburger Buchverlag, 1995) 12
d. „Der Schlund“ (Ravensburger Buchverlag, 1995) 14
V. Die Rolle der Kinder- und Jugendliteratur in der Politischen Bildung 15
VI. Literaturverzeichnis 17
2
I. Kinder- und Jugendliteratur - Mehr als nur Unterhaltung?
Ein politisches System wie die Bundesrepublik Deutschland, das sich als Demokratie versteht und beschreibt, ist
„auf die aktive Beteiligung politisch kompetenter, d.h. interessierter, informierter und urteilsfähiger Bürger und Bürgerinnen angewiesen. Folglich ist es erforderlich, Jugendliche durch Erziehung und Bildung nicht nur für den Arbeitsmarkt auszubilden, sondern sie auch zur qualifizierten politischen Teilhabe zu motivieren und zu befähigen.“ 1
Die politische Sozialisation eines Menschen beginnt schon in der Familie. Hier spielen die persönlichen Beziehungen zu Eltern und Geschwistern und die soziale Zuverlässigkeit, Sicherheit und Geborgenheit im Familienkreis eine Rolle. Aus d ieser Situation heraus entsteht in Kindern ein grundlegendes Vertrauen gegenüber ihrer außerfamiliären Umwelt. Der nächster Schritt der politischen Sozialisation ist dann die Schule als Institution. Durch die Auswechselbarkeit der Lehrer lernt der Schüler, eine pädagogische, professionelle Beziehung aufzubauen, sein Verhältnis zu Schule ist nicht ganzheitlich, wie zu den Eltern, sondern partikular. Das politische Weltbild eines Kindes oder Jugendlichen wird zudem spätestens ab dem Schulalter auch stark durch die Gleichaltrigenszene, die Massenmedien und das Freizeit - und Konsumsystem geprägt. 2
Einer dieser Einflüsse ist sicherlich das Lesen, denn Bücherlesen gehört zu den klassischen bildenden Freizeitaktivitäten. 3 In einer Studie über die politische Bildung in Sachsen-Anhalt wurde auch das Freizeitverhalten der Jugendlichen untersucht: 20,2% lesen mehrmals pro Woche, 14,7 % einmal pro Woche, 23,2 % alle paar Wochen, 41,9 % selten oder nie. 4 Trotz dem gegenüber dem Lesen zunehmenden Fernsehkonsum und der Beschäftigung mit dem Internet nimmt das Lesen also immer noch eine nicht zu unterschätzende Stellung im Leben der Jugendlichen ein. Warum sollte man diesen Zustand also nicht nutzen, um auch in
1 Scherr, Albert: Außerschulische Jugendbildung: Aspekte einer Bilanz und Hinweise auf Perspektiven. In: Gesellschaft für Politikdidaktik und politische Jugend- und Erwachsenenbildung (GPJE) (Hrsg.): Politische Bildung als Wissenschaft: Bilanz und Perspektiven. Schwalbach/Ts.: Wochenschau-Verlag, 2002. S. 69
2 vgl. Giesecke, Hermann: Politische Bildung. Didaktik und Methodik für Schule und Jugend arbeit. Weinheim und München: Juventa Verlag. 2. überarbeitete und erweiterte Auflage. 2000. S. 59ff
3 vgl. Pfaff, Nicole: Jugend-Freizeit - politische Bildung am Nachmittag? In: Krüger, Hans-Hermann und Sibylle Reinhardt, Catrin Kötters-König, Nicolle Pfaff, Ralf Schmidt, Adrienne Krappidel, Frank Tillmann: Jugend und Demokratie - Politische Bildung auf dem Prüfstand. Eine quantitative und qualitative Studie in Sachsen-Anhalt. Opladen: Leske + Budrich, 2002. S. 163
4 vgl. Pfaff, S. 164
3
der Freizeit die Jugendlichen politisch zu bilden? Eine Möglichkeit dazu bietet die Kinder- und Jugendliteratur (KJL):
„Kinderbücher machen ihren Lesern und Betrachtern etwas vor. Sie bieten sich als Medien der Unterhaltung an und sind doch zugleich auch Mittel der Sozialisation. Sie wollen nur spannend oder lustig od er bunt sein und vermitteln doch zugleich eine bestimmte Welt-Anschauung und Welt-Einstellung. [...] Was Kinderbücher zu lehren vorgeben und was sie in Wahrheit lehren, ist also nicht identisch. Sie sind heimliche Erzieher.“ 5
Auch das „Taschenbuch der Kinder- und Jugendliteratur“ ist von dieser Möglichkeit überzeugt, im folgenden geht es um KJL über den Nationalsozialismus:
„Nicht nur der Geschichtsunterricht kann zeitgeschichtliches Denken und Bewusstsein in Gang setzen, beeinflussen und steuern; in besonderem Maße ist dazu die Literatur und vor allem die KJL in der Lage. Sie vermag mit Hilfe anschaulich-erlebnishafter Darstellungen und durch ihre Identifikationsangebote eine Vorstellung der Nazi-Zeit zu wecken, ein Hineinversetzen in die damalige Situation und ihre Probleme erleichtern und eine emotionale wie kognitive Auseinandersetzung in Gang zu setzen.“ 6
Ziel der vorliegenden Arbeit soll es sein, zu untersuchen, inwieweit die grundlegenden Ansprüche von politischer Bildung, nach Vesper also Gewissensbildung (Wissen vermitteln, Wertemuster implementieren) und Handlungsorientierung (zu veränderter Praxis motivieren) 7 , durch die KJL verwirklicht werden können.
II. Die Kinder- und Jugendliteratur
a. Definition
Als „Jugendbuch“ werden gemeinhin Bücher angeseh en, die für Leser ab 12 Jahren gedacht sind. Im Vergleich zum „Kinderbuch“ sind sie realistischer (Es gibt mehr
5 Richter, Dieter und Jochen Vogt (Hrsg.): Die heimlichen Erzieher. Kinderbücher und politisches Lernen. Erfahrungen, Analysen, Vorschläge. Reinbek bei Hamburg: Rowohlt Taschenbuch Verlag. 1974. S. 10
6 Lange, Günter (Hrsg.): Taschenbuch der Kinder- und Jugendliteratur. Bd. 1, Grundlagen - Gattungen. Hohengehren: Schneider-Verlag. 2000.S. 485
7 Vesper, Stefan: Außerschulische Politische Bildung und Erwachsenenbildung. In: Engelland, Reinhard (Hrsg.): Utopien, Realpolitik und Politische Bildung. Über die Aufgaben Politischer B ildung angesichts der politischen Herausforderungen am Ende des Jahrhunderts. Opladen: Leske + Budrich. 1997. S. 174
4
realistische als fantastische Geschichten). 8 Für diese Arbeit wird der Begriff Kinder-und Jugendliteratur (KJL) benutzt, der auch bei den meisten Autoren zu diesem Thema Verwendung findet. Er meint vor allem (aber nicht ausschließlich) die sogenannten „problemorientierten Jugendbücher“, deren Themen und Motive sich aus der spezifischen Lebenssituation der Jugendlichen speisen und deren Bedeutung für die Erziehung der Jugendlichen unbestritten ist. 9 KJL bereitet individuelle und gesellschaftliche Konflikte und Problemlagen jugendgemäß auf und bieten damit eine brauchbare Hilfe zur Lebensbewältigung. Sie vermittelt vielfältige und zum Teil vielschichtige Informationen und kann nach Marquardt auch den Aufbau von Einstellungen und Haltungen fördern. 10 Ein Hauptmerkmal der KJL ist, dass ihre Charaktere solche Personen einschließen, mit denen sich der Leser identifiziert, und solche, von denen er sich distanziert. Sie bietet jedoch keine Rezepte zur Lösung der Konflikte des Lesers, sondern man wird herausgefordert,
„sein eigenes Verhältnis zu seiner sozialen Umwelt neu zu überdenken und aus seinem persönlichen Erlebnishorizont heraus Gegenperspektiven z u seinen Realitätserfahrungen zu gewinnen.“ 11
b. Die historische Entwicklung in Deutschland
Schon vor langer Zeit wurde die pädagogische Dimension der KJL erkannt, man denke nur an den „Struwwelpeter“, der kleinen Kindern beibringen soll, was sie zu tun und was zu lassen haben. Die politische Bildung und Erziehung durch KJL begann im 19. Jahrhundert. Das Ziel war, die Kinder auf die Veränderungen infolge von wissenschaftlichen Entdeckungen und Industrialisierung vorzubereiten und sie zum bürgerlichen Leben zu erziehen. Um die Jahrhundertwende wurde die KJL dann eher realitätsfern. Sie sollte „Kunst“ sein und als solche von politischen und klerikalen Tendenzen gereinigt werden. Da sie aber stattdessen auf die Heimat und folkloristische Elemente spezialisiert w ar, war sie immer noch ein Mittel der politischen Indoktrination, in diesem Fall für nationalistische Tendenzen.
8 Marquardt, Dr. Manfred: Einführung in die Kinder- und Jugendliteratur. Köln: Stam Verlag. 1995. S. 114
9 ebenda
10 ebenda, S. 124
11 ebenda.
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Arbeit zitieren:
Susanne Opel, 2004, Politische Bildung durch Kinder- und Jugendliteratur, München, GRIN Verlag GmbH
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