Inhaltsangabe
Einleitung 1
1 Umriss einer Diskussion rund um den Begriff „Geschlecht“ 1
2 Geschlecht als biologische oder soziokulturelle Kategorie? 3
2.1 Die Entdeckung der Differenz 3
2.2 Der Prozess der Geschlechtsentwicklung aus biologischer Sicht. 4
2.3 Die Rolle der Gene im Spannungsfeld zwischen Anlage und Umwelt 5
3 Geschlechtsunterschiede und ihre Sozialisation. 7
3.1 Geschlechtsbezogenes Handeln 7
3.2 Körpersozialisation. 8
3.3 Emotionale Sozialisation 9
3.4 Der Einfluss von Peers 9
3.5 Medien 10
4 Geschlecht als soziale Konstruktion 12
5 Fazit und Forschungsperspektive 15
Literaturverzeichnis 17
Einleitung
In dieser Seminararbeit möchte ich mich mit dem Zusammenhang von Gesellschaft und der geschlechtsspezifischen Subjektwerdung des Individuums beschäftigen. Als Basisliteratur verwende ich dazu den Artikel „Sozialisationstheorien“ von Klaus-Jürgen Tillmann, Sekundarliteratur stellen die Texte „Geschlechtsspezifische Sozialisation“ von Helga Bilden und „Die Auflösung der Geschlechterdifferenz“ von Bettina Heintz dar.
1 Umriss einer Diskussion rund um den Begriff „Geschlecht“
Zu Beginn setze ich mich mit einem Terminus auseinander, der mittlerweile häufig in Medien wie Fernsehen oder Zeitung zu finden ist und in einer Arbeit dieses Inhalts nicht umgangen werden kann. „Gender“, ist dieser oft gebrauchte Begriff - im Rahmen der Diskussionen innerhalb der Vereinten Nationen der breiten
Bevölkerung bekannt gemacht - zurzeit gerade in kirchlichen Kreisen (in Form eines vatikanischen Dokuments über die Rolle der Frau in der modernen Gesellschaft) heiß umstritten. 1
„Gender“ (engl.) bedeutet soviel wie „Geschlecht“, allerdings im kulturellen, nicht biologischen Sinne. Während im Englischen auch das Wort „sex“ für Geschlecht steht - jetzt aber im biologischen Zusammenhang - gibt es im Deutschen keine ähnliche Differenzierungsmöglichkeit dafür. Diese Unterscheidung zwischen „sex“, dem sichtbaren biologischen Geschlecht, und „gender“, dem sozialen Geschlecht mit spezifischen Rollenerwartungen, bildete lange Zeit die theoretische Leitdifferenz in der Frauenforschung der 60er Jahre. Man nahm an, hier eine saubere Trennlinie ziehen zu können. Unterschiede in den Verhaltensweisen, den Fähigkeiten und
1 vgl.: Gabbe, B. „Frau ist nicht die Feindin des Mannes“, in: „Kleine Zeitung“, S.7
1
psychischen Merkmalen seien ein kulturelles Artefakt und haben mit der differenten Physiologie von Mann und Frau nichts zu tun. 2
Konkret setzte man voraus, dass, um eine soziale Gleichheit zwischen den Geschlechtern zu erlangen, die Geschlechter auch im biologischen Sinne, also von Natur aus, gleich sein mussten. Dieses Modell der Gleichberechtigung wurde jedoch in den 70er Jahren vermehrt in Frage gestellt, da es die faktisch bestehende Differenz übersähe, sich stets an der männlichen Lebenswelt als Bezugsnorm orientierte und die weiblichen Ausgangspunkte oft vergäße. 3
Als Gegenpol wurde das Differenzmodell mit dem mittlerweile zu Schlüsselbegriffen avancierten Worten „weiblicher Lebenszusammenhang“ und „weiblicher
Sozialcharakter“ entgegengesetzt. Nun rückte die Differenz der Körper auf einmal in den Mittelpunkt des Geschlechter - Diskurses. Man nannte es auch die „Naturalisierung der geschlechtlichen Differenz“.
Doch beide dieser Grundpositionen des Feminismus zogen im Bestreben, Frauen aus ihrer unheilvollen Verstrickung mit dem Reich des Natürlichen zu befreien, scharfe Trennlinien zwischen dem biologischen und dem sozialem Geschlecht. Gerade diese Trennung, in der der Körper, das biologische Geschlecht (sex) als außerkultureller Tatbestand behandelt wird, stellt Heintz (1993) in Frage: „Lässt sich Geschlechtszugehörigkeit (sex) tatsächlich unabhängig von „gender“ denken? Ist der Körper - und damit auch: die körperliche Differenz zwischen den Geschlechternder Kultur tatsächlich vorgelagert, oder sollten wie ihn nicht eher als Ergebnis, als Effekt kultureller Praktiken betrachten? Ist die Vorstellung eines gewissermaßen „natürlichen Körpers, der frei ist von kulturellen Prägungen und Verformungen, theoretisch tatsächlich haltbar?“ 4
2 vgl.:Heintz, B.: Die Auflösung der Geschlechterdifferenz, S.19
3 vgl. ebd., S.21
4 s.. ebd., S.21
2
2 Geschlecht als biologische oder soziokulturelle Kategorie?
Im Folgenden widme ich mich dem höchst spannendem Thema - welches sich für mich schon in der Lehrveranstaltung als Anlass kontroverser Debatten entpupptenämlich, der Bedeutung biologischer und soziokultureller Faktoren bei der Subjektwerdung von Mann und Frau.
2.1 Die Entdeckung der Differenz
Bis Ende des 18. Jahrhunderts gab es eine einheitliche, menschliche Sicht des Körperbaus, der Anatomie des Menschen - nicht differenzierend zwischen männlich und weiblich. Männer und Frauen unterschieden sich zwar äußerlich und in ihren reproduk tiven Organen, sonst aber wären sie gleich. Erst 1797 veröffentlichte der deutsche Anatom Samuel Thomas Sömmering eine Darstellung eines weiblichen Skeletts. Nun begannen Forscher überall dort, wo man bislang Menschliches gesehen hatte, Unterschiede - also Geschlechtliches - festzustellen. 5
Wie man erkennen kann, hat auch der Körper - und mit ihm die körperlichen Differenzen zwischen den Geschlechtern - eine Geschichte.
Heute scheint man sich im Klaren, dass es „ […] sichtbare Unterschiede zwischen den Geschlechtern im Körperbau und in der Anatomie der Geschlechtsorgane sowie Mittelwertunterschiede bezüglich körperlicher Merkmale (z.B. Körpergröße)“ 6 gibt, auch wenn Heintz dem wiederum hinzufügt, dass es keine theorie- und kulturfreie Beobachtung gibt: „Welche körperlichen Merkmale zu Zeichen für den Unterschied von Mann und Frau werden, ist im Prinzip kulturell variabel.“ 7 Das Geschlecht liege somit im Auge des Betrachters. Aber auch die Zeichen, an denen andere uns als
5 vgl.: Heintz, B.: Die Auflösung der Geschlechterdifferenz, S.30 f.
6 s.: Tillmann, K.J.: Sozialisationstheorien, S.44
7 s.: Heintz, B.: Die Auflösung der Geschlechterdifferenz, S.31
3
Mann oder Frau erkennen, sind nicht von Beginn an in unseren Körper eingeschrieben, sondern werden von uns produziert. Auf diesen Ansatz möchte ich jedoch etwas später, in Kapitel 4, noch eingehen.
Auch die psychologische Forschung hat darauf hingewiesen, dass es einige, wenn auch wenige, p sychische Merkmale gibt (z.B. Aggressivität, räumliches Orientierungs- und Erinnerungsvermögen, verbale Fähigkeiten), bei denen zwischen den Geschlechtern - auch in verschiedenen Kulturen - regelhaft Mittelwertunterschiede auftreten.
Es stellen sich daher zwei zentrale Fragen:
1. Gibt es Identitätsmuster, Persönlichkeitseigenschaft und Verhaltensmuster, in denen sich männliche bzw. weibliche Individuen widerspiegeln?
2. und wenn dies so ist, in welchen Anteilen lässt sich dies dann auf den biologischen oder auf den kulturellen Teil von Geschlecht zurückführen? 8
Auf diese Fragen nehme ich zunächst aus biologischer Sicht Stellung, ziehe in Punkt 2.3 aber auch das Zusammenspiel von Anlage- und Umweltfaktoren in Betracht.
2.2 Der Prozess der Geschlechtsentwicklung aus biologischer
Sicht
In der Entwicklung des menschlichen Embryos gibt es bis zur siebenten Schwangerschaftswoche keine geschlechtstypischen Unterschiede. Erst ab diesem Zeitpunkt beginnen sich die inneren weiblichen und die äußeren männlichen Genitalien zu formen und es kommt zu einer ersten Unterscheidung zwischen männlich und weiblich. Der Grundplan der Geschlechtsdifferenzierung ist ursprünglicherweise weiblich angelegt, erst die Entstehung der Hoden ist für die Entwicklung des männlichen Hormons Testosteron verantwortlich. Dieses wiederum bewirkt eine Differenzierung des Gehirns nach männlichem Muster.
Wie sich diese Ausdifferenzierung des Gehirns nach geschlechtsspezifischen Mustern vollzieht, ist zum derzeitigen Forschungsstand noch nicht endgültig geklärt.
8 vgl.: Tillmann, K.J.: Sozialisationstheorien, S.43
4
Arbeit zitieren:
Karl Sommer, 2004, Geschlecht als soziale Konstruktion - Geschlecht als gesellschaftliche Strukturkategorie, München, GRIN Verlag GmbH
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