Inhaltsverzeichnis
Seite
Abkürzungsverzeichnis
Abbildungsverzeichnis
Anlagenverzeichnis
1 Einleitung 1
2 Gesellschaftliche und wirtschaftliche Rahmenbedingungen
des Tourismus 5
2.1 Geschichtliche Zusammenhänge und politische Verhältnisse 5
2.2 Gesellschaftliche Aspekte 11
2.2.1 Bevölkerung Südafrikas als Voraussetzung für einen
Kulturtourismus 11
2.2.2 Ausmaß der Kriminalität 14
2.3 Rolle des Tourismus im Rahmen der wirtschaftlichen
Entwicklung 20
3 Reisemarkt Südafrika 22
3.1 Touristisches Angebot 22
3.1.1 Natürliches Angebot 22
3.1.2 Sehenswürdigkeiten und touristische Attraktionen 26
3.1.3 Touristische Infrastruktur 32
3.2 Touristische Nachfrage 39
3.2.1 Klassifizierung der Nachfrage 39
3.2.1.1 Quellländer 39
3.2.1.2 Reisearten und -formen 41
3.2.1.3 Reisemotive und Reisetypen 45
3.2.1.4 Reisedauer und Saisonalität 53
3.2.1.5 Ausgaben und Verteilung der Touristen auf die
Provinzen 59
3.2.2 Entwicklung der Nachfrage 65
3.3 Indirekter Vertriebsweg touristischer Leistungen 76
3.3.1 Auswahl deutscher Outgoing-Reiseveranstalter
und ihrer Angebote 76
3.3.2 Geschäftstätigkeit des Incoming-Reiseveranstalters
African Elephant Tours (Pty) Ltd 81
4 Organisationsstruktur des Incoming-Tourismus in Südafrika 86
5 Auswirkungen des Tourismus 95
5.1 Ökonomische Auswirkungen 95
5.2 Ökologische Auswirkungen 98
5.3 Gesellschaftliche Auswirkungen 100
6 Tourismuspolitik auf nationaler Ebene 103
6.1 Ziele des Tourismus 103
6.2 Strategien und Maßnahmen 106
6.2.1 Strategie des Verantwortungsbewussten Tourismus 106
6.2.2 Personalentwicklung im Tourismus 110
6.3 Ausgewählte Marketing-Aktivitäten der nationalen
Tourismusorganisation 114
6.3.1 Binnenmarketing 114
6.3.2 Tourismuswachstumsstrategie 117
6.3.3 Maßnahmen in der Distributionspolitik 126
7 Zusammenfassende Einschätzung der Zukunftsaussichten 128
Anlagen
Literaturverzeichnis
Abkürzungsverzeichnis
ANC -African National Congress BIP -Bruttoinlandsprodukt DERTOUR -DERTOUR GmbH & Co. KG GDP -Gross Domestic Product Jhd. -Jahrhundert LTU - Lufttransport-UnternehmenGmbH MICE -Meetings, Incentives, Congresses, Exhibitions REWE -Revisionsverband der Westkauf-Genossenschaften PR -Public Relations (Pty) Ltd. -Limited Partnership SA -South Africa SAA -South African Airways SAT -South African Tourism SATI -South African Tourism Institute SMME -Small, Micro and Medium Enterprises TUI -Touristik Union International UN -United Nations UNESCO -United Nations Educational, Scientific and Cultural Organization v.Chr. -vor Christus VFR -Visit Friends/Relatives WTO -Welttourismusorganisation WTTC - World Travel & Tourism Council
Abbildungsverzeichnis
Seite
Abb. 1 : Entwicklung der Kriminalität in den einzelnen Provinzen 16
Abb. 2 : Sorgen von Touristen vor der Reise nach Südafrika 2003 19
Abb. 3 : Erfahrene Probleme von Touristen in Südafrika 2003 19
Abb. 4 : Top 10 Attraktionen von Touristen (mit Fluganreise) 1999 u. 2000 32
Abb. 5 : Top 20 Quellmärkte Südafrikas 2002 und 2003 40
Abb. 6 : Top 20 Übersee-Quellmärkte Südafrikas 2002 und 2003 41
Abb. 7 : Anreiseart ausländischer Touristen in Südafrika Januar bis
Dezember 2003 45
Abb. 8 : Reisemotive ausländischer Touristen in Südafrika 2002 /2003 46
Abb. 9 : Reisemotive ausländischer Touristen Oktober bis Dezember 2003 47
Abb. 10 : Aktivitäten während einem Aufenthalt in Südafrika 2003 51
Abb. 11 : Höhepunkte einer Südafrika-Reise 2002 51
Abb. 12 : Aufenthaltsdauer ausländischer Touristen in Südafrika 2002 /2003 54
Abb. 13 : Aufenthaltsdauer in Abhängigkeit von der Anreiseart und des
Reisemotives 2003 55
Abb. 14 : Zyklus saisonaler Schwankungen der Ankünfte ausländischer
Touristen 1998 2002 57
Abb. 15 : Ausgaben ausländischer Touristen in Südafrika 2003 nach
Quartalen 58
Abb. 16 : Saisonalität internationaler Ankünfte nach Reisemotiven
1998 59
Abb. 17 : Verteilung der ausländischen Touristen auf die Provinzen
Südafrikas 2003 61
Abb. 18 : Touristische Einnahmen pro Provinz 2002 und 2003 62
Abb. 19 : Prozentualer Anteil der Ausgaben afrikanischer Touristen in
Südafrika 2003 64
Abb. 20 : Prozentualer Anteil der Ausgaben von Überseetouristen in
Südafrika 2003 65
Abb. 21 : Entwicklung der ausländischen Ankünfte/Ausreisen 1970 bis 2002 69
Abb. 22 : Entwicklung der Ankünfte afrikanischer - und Überseetouristen
Januar - März 1993 2003 72
Abb. 23 : Entwicklung ausländischer Ankünfte 1998 2003 in Südafrika
Abb. 24 : Vergleich ausländischer Ankünfte 2002 und 2003
Abb. 25 : Vergleich der Entwicklung internationaler Ankünfte verschiedener
Destinationen von 2002 zu 2003
Abb. 26 : Voraussichtliche Entwicklung der Nachfrage im Bereich Reisen
und Tourismus in Südafrika
Abb. 27 : Varianten des indirekten Vertriebsweges touristischer Leistungen
Abb. 28 : Logo der nationalen Tourismusorganisation SAT
Abb. 29 : Übersichtliche Darstellung der Organisationsstruktur
Abb. 30 : Entwicklung der Ankünfte, der Anzahl der Jobs im Tourismus und
des Anteils am BIP
Abb. 31 : Logo des Tourismusmonats
Abb. 32 : Einschätzung der Quellmärkte Südafrikas durch SAT
Abb. 33 : Beispiel eines Marktsegments/einer Zielgruppe innerhalb eines
Absatzmarktes
Abb. 34 : Auf Wachstum ausgerichtete Marktsegmente
Abb. 35 : Stabil zu haltende Marktsegmente
Abb. 36 : Passende Marken für die Marktsegmente
Anlagenverzeichnis
Anlage 1: Reiseformen ausländischer Touristen in Südafrika 2003 Anlage 2: Genutzte Unterkünfte ausländischer Touristen 2003 Anlage 3: Reisemotive ausländischer Touristen in Südafrika 2003 Anlage 4: Alter der ausländischen Touristen in Südafrika 2003 Anlage 5: Ausgaben ausländischer Touristen in Südafrika 2003 nach Quellländern Anlage 6: (Blatt 1-5) Angebot inkl. Reisebeschreibung und inkludierten Leistungen Anlage 7: (Blatt 1-2) Blanko-Vertrag zwischen AET und Reiseveranstalter im Quellland
Einleitung 1
1 Einleitung
Tourismus bzw. Fremdenverkehr 1 "... umfasst alle Erscheinungen, die mit dem
Verlassen des gewöhnlichen Aufenthaltsortes und dem Aufenthalt am anderen Ort verbunden sind." 2
Incoming-Tourismus im Besonderen beinhaltet den "... Empfang und Aufenthalt von Touristen, Reisenden, Gästen in einer bestimmten Destination, d.h. an einem Bestimmungsort oder in einer Zielregion .. ." 3 Dabei wird der hereinkommende
oder ankommende Tourismus aus Sicht einer Destination betrachtet. Dies können Reisende aus dem Ausland als auch aus dem Inland sein. Unter Destination ist ein "Geographischer Raum (Ort, Region, Weiler) [zu verstehen], den der jeweilige Gast ... als Reiseziel auswählt." 4 Dieser geographische Raum wird in seiner Grö-
ße vom Gast selbst bestimmt und kann demzufolge ein Ort, eine Region oder hier am Beispiel Südafrika - ein Land sein. 5
Eine Destination beinhaltet eine Vielzahl von Einrichtungen, wie Unterkunft, Restaurants und Unterhaltungsangebote, die vom Gast als Leistungsbündel konsumiert werden. Die einzelnen Serviceeinrichtungen bilden eine Dienstleistungskette, die kundenorientiert gestaltet sein muss. Jede einzelne Leistung dieser Kette entscheidet über Erfolg oder Misserfolg des Gesamtproduktes. Der Reisende wählt anhand seiner individuellen Bedürfnisse eine bestimmte Destination aus, deren Leistungen seinen Nutzen der Reise am besten erfüllt und welche als Produkt seinen Erwartungen am meisten entspricht. Damit stellt die Destination die Wettbewerbseinheit im Incoming-Tourismus dar. 6
Für den Incoming-Tourismus sind zwei verschiedene Nachfragegruppen interessant. Die Gruppe der Touristen verbringt "... mindestens 24 Stunden außerhalb ihres Wohnortes zu beruflichen, vergnüglichen oder anderen Zwecken ...“ in einer Destination. 7 Die andere Gruppe bilden die Tagesausflügler, welche weniger als
24 Stunden, also ohne Übernachtung, das Land aus denselben oben genannten
1 Die Begriffe Tourismus und Fremdenverkehr werden im folgenden als Synonyme verwendet.
2 Freyer, W.: Tourismus, 2001, S. 399
3 Althof, W.: Incoming-Tourismus, 1996, S. 7
4 Bieger, T.: Management von Destinationen, 2002, S. 56
5 Vgl. Bieger, T.: Management von Destinationen, 2002, S. 57
6 Vgl. Bieger, T.: Management von Destinationen, 2002, S. 55ff
7 Althof, W.: Incoming-Tourismus, 1996, S. 37
Einleitung 2
Gründen besuchen bzw. Inlandstouristen, die Tagestrips innerhalb Südafrikas unternehmen. 8
Incoming-Tourismus in Südafrika beschäftigt sich mit Reisenden aus dem Ausland als auch mit Inlandsreisenden, die eine andere als ihre Heimatregion besuchen. Im Jahr 2003 wurden 47 Billionen Südafrikanische Rand im Inlandstourismus gegenüber 53,9 Billionen Rand von ausländischen Touristen in Südafrika ausgegeben. Dies zeigt die anteilsmäßig relativ hohe Bedeutung des Inlandstourismus am Incoming-Tourismus in Südafrika. 9
Um mich auf einen Schwerpunkt zu beschränken, werde ich in dieser Arbeit in meinen Untersuchungen jedoch nur auf den aus dem Ausland hereinkommenden Tourismus, und damit den dominierenden Anteil innerhalb des Incoming-Tourismus in Südafrika, eingehen.
Laut dem Welttourismusrat ist der Tourismus der weltgrößte Generator für Wohl-stand und die Schaffung von Arbeitsplätzen, was die große Bedeutung des Tourismus für die Weltwirtschaft allgemein und speziell hier am Beispiel für die Wirtschaft Südafrikas verdeutlicht. 10
Die Zahl der internationalen Ankünfte in Südafrika stieg von 1991 mit 2.375.408 11 bis 2003 auf 6.504.890 12 Touristen. Dies bedeutet ein Wachstum der internationa-
len Ankünfte innerhalb von 12 Jahren um das 2,7-fache. Laut dem Statistischen Amt Südafrikas ("Statistics South Africa") betrugen die internationalen Ankünfte zwischen 1970 und 1986 jährlich nur etwa 500.000 Touristen, was sogar einen noch größeren Wandel in der Entwicklung der Anzahl der Ankünfte bis zur Gegenwart bedeutet. 13 Betrachtet man die Historie des Landes, stellt man fest, dass ab
ca. 1990 das politisch umstrittene System der Apartheid sein Ende fand und damit ein bedeutender politischer Umbruch das Land prägte. Die darauf einsetzende und bis zur Gegenwart anhaltende starke Veränderung der Bedeutung Südafrikas als Destination im internationalen Tourismus war An- 8 Vgl.Althof, W.: Incoming-Tourismus, 1996, S. 37
9 Vgl. South African Tourism: 2003 Annual Tourism Report, 2004, S. 1; URL 17
10 Vgl. World Travel & Tourism Council: The impact of Travel & Tourism, 2002, S. 10; URL 33
11 Statistics South Africa: Tourism and Migration April 1992, 1992, S. 5; URL 27
12 South African Tourism: 2003 Annual Tourism Report, 2004, S. 14, URL 17
13 Vgl. Statistics South Africa: Tourism 2002 Report, 2003, Einleitung, URL 28. Es ist zu beachten, dass bis 1990 die Einreisenden aus Botswana, Lesotho, Swasiland und Namibia nicht in die Anzahl der Ankünfte eingerechnet wurden.
Einleitung 3
lass, den Incoming-Tourismus dieses Landes im Rahmen meiner Diplomarbeit zu untersuchen.
Mit Hilfe der Untersuchung folgender ausgewählter Aspekte soll geklärt werden, ob die Voraussetzungen für den Incoming-Tourismus generell sowie dessen positive Entwicklung in Hinsicht auf quantitative und qualitative Merkmale gegeben sind, um Südafrika in der Zukunft zu einer der führenden touristischen Destinationen der Welt zu machen.
Im Zusammenhang damit soll der historische Hintergrund des Landes beleuchtet werden, welcher das Land heute noch prägt und das Tourismusangebot formt. Die politische Stabilität und Sicherheit eines Landes sind Grundbedingungen für den Incoming-Tourismus, weshalb die politischen Verhältnisse sowie das Ausmaß der Kriminalität und ihre Auswirkungen auf den Tourismus betrachtet werden sollen. Ebenso beschäftigt sich die Arbeit mit der Bevölkerung und den Kulturen Südafrikas, welche als die Einwohner und somit Gastgeber Einfluss auf das touristische Angebot der Destination haben. Weiterhin werden sowohl die vorhandene touristische Infrastruktur als grundsätzliche Basis für den Incoming-Tourismus als auch die natürlichen Gegebenheiten und Sehenswürdigkeiten betrachtet, welche in ihrer Summe das touristische Angebot der Destination bilden.
Desweiteren soll die Nachfrage analysiert, in einzelne Segmente untergliedert und deren qualitative Bedeutung für den Incoming-Tourismus Südafrikas untersucht werden, was die Basis für die Marktbearbeitung im Rahmen des Destinationsmarketings bildet. Die quantitative Entwicklung der Nachfrage soll nachfolgend im Zeitverlauf untersucht werden.
Angebot und Nachfrage treffen auf dem Markt in Form von verschiedenen Verkaufswegen zusammen. Beispielhaft soll der indirekte Vertriebskanal allgemein erläutert sowie Outgoing-Reiseveranstalter auf dem deutschen Quellmarkt vorgestellt werden, welche die von der Incoming-Agentur gebündelten touristischen Leistungen an den Endverbraucher verkaufen. Ergänzend sollen die Angebotsgestaltung und Vertriebswege einer Incoming-Agentur vorgestellt werden, um einzuschätzen, ob ihre Art der Produktgestaltung zum Wachstum der Tourismusnach- frage im Land insgesamt beiträgt.
Einleitung 4
Voraussetzung für die erfolgreiche Tourismusentwicklung in einem Land ist die effektive Organisation des Incoming-Tourismus und seiner Entwicklung durch die Regierung, die staatlichen Einrichtungen und die Privatwirtschaft, weshalb die Organisationsstruktur betrachtet und bewertet werden soll. Um zu ermitteln, ob eine positive Entwicklung des Incoming-Tourismus in Südafrika gegeben ist, sollen seine wirtschaftlichen, ökologischen und sozialen Effekte untersucht werden, um die dadurch entstehenden Chancen und Risiken für das Land zu ermitteln. Ausgehend davon soll erarbeitet werden, inwieweit die Regierung an der Tourismusentwicklung teil hat und welche Ziele im Rahmen der Tourismuspolitik im Zusammenhang mit den Auswirkungen des Tourismus angestrebt werden. Zur Erreichung dieser Ziele ist die Aufstellung von Konzepten und Strategien sowie deren Umsetzung mit Hilfe geeigneter Maßnahmen erforderlich, weshalb sowohl Tourismusstrategien der Regierung u.a. im Rahmen der Personalentwicklung als auch ausgewählte Marketingaktionen der nationalen Tourismus- organisation erläutert werden sollen.
Gesellschaftliche und wirtschaftliche Rahmenbedingungen des Tourismus 5
2 Gesellschaftliche und wirtschaftliche Rahmenbedingungen des Tourismus
2.1 Geschichtliche Zusammenhänge und politische Verhältnisse
Geschichtliche Zusammenhänge
Die frühe als auch zeitlich näherliegende Geschichte eines Landes prägt den Incoming-Tourismus als auch allgemein den Tourismus der Gegenwart sehr. Historische Vorgänge, also z.B. Besiedlungen und Eroberungen in der Vergangenheit beeinflussten die Kultur und teilweise Architektur und Natur des Landes nachhaltig, was u.a. Gegenstand des heutigen Tourismus ist. Aufgrund dessen werde ich die geschichtlichen Prozesse, welche die Destination Südafrika, ihr touristisches Angebot und die Nachfrage noch heute prägen, im Folgenden erläutern.
Ausgrabungen von ca. 100.000 Jahre alten Überresten der Homo Sapiens belegen, dass die Entstehung und Verbreitung des Menschen wahrscheinlich von Afrika ausging. Die ersten bekannten Bewohner des südlichen Afrikas waren die Khoikhoi, oder Hottentotten genannt, und die San, auch als Buschmänner bekannt. Die San hinterließen seit 28.000 Jahren v.Chr. zahlreiche Felsmalereien in Höhlen sowie Ritzzeichnungen auf Feldern in den heutigen Provinzen des Ost-Kaps, West-Kaps und in den Drakensbergen, wobei ca. 20.000 bis zu 2.000 Jahre alte Bilder heute noch in den Drakensbergen zu finden sind. 14 Besonders anziehend ist die große Anzahl von historischen Malereien für Kunstliebhaber und archäologisch interessierte Touristen, die sich auf die Spuren der ersten Funde von Zeugnissen der Menschheit begeben wollen.
Die Bantu bilden die größte einheimische Volksgruppe Afrikas und bestehen aus einer Vielzahl ethnischer Gruppen. Sie wanderten seit ca. 1.000 v.Chr. aus dem nordwestlichen Teil des Kontinents ein und verdrängten gleichzeitig die San und Khoikhoi. Zwischen dem 2. und 5. Jahrhundert (Jhd.) erreichten die Bantu das heutige Kwazulu/Natal und im 11. Jhd. drangen sie immer weiter nach Süden vor. Die Nguni sind die erste Hauptgruppe der Bantu und spalten sich u.a. in die Untergruppen der Zulu, Xhosa und Ndebele. Diese Stämme wanderten entlang der Ostküste nach Süden, so dass die Zulus heute vor allem im heutigen KwaZulu/Natal,
14 Vgl. Baedeker Allianz Reiseführer Südafrika, 2000, S. 170ff
Gesellschaftliche und wirtschaftliche Rahmenbedingungen des Tourismus 6
die Xhosa in der Region des Ost-Kaps und die Ndebele in Mpumalanga anzutreffen sind. Die zweite Hauptgruppe bilden die Sotho, welche nach Westen vordrangen, wobei die Nordsotho in der Kapprovinz und in Mpumalanga, die Südsotho im Freistaat und im Land Lesotho angesiedelt sind. Die Hauptgruppe der Venda lebt heute vor allem in der Nordprovinz und die Tsonga im Nordosten Südafrikas. 15 Diese ethnologische Vielfalt ist eine sehr gute Ausgangsbasis für die Entwicklung eines Kulturtourismus in Südafrika.
1486 umsegelt der Portugiese Bartolomeu Diaz als erster Europäer das Kap auf dem Weg nach Indien und kurz darauf wurde das südliche Afrika das erste Mal von Weißen betreten. Seit 1652 diente die erste Siedlung Kapstadt unter Jan van Riebeeck als Verpflegungsstützpunkt der Schiffe der Holländisch-Ostindischen Kompanie. In den folgenden Jahrzehnten wanderten Holländer, Deutsche und Franzosen ein, unter letzteren vor allem flüchtende Hugenotten. Diese Einwanderer wuchsen zur Volksgruppe der Buren zusammen, was auf Niederländisch mit "Freie Bürger" übersetzt wird. 1743 befanden sich ca. 4.000 Europäer im südlichen Afrika. Es wurden Sklaven aus West-, Ostafrika und Madagaskar eingeführt und die einheimische Bevölkerung zunehmend vertrieben oder als Zwangsarbeitskräfte verpflichtet. Auf der Suche nach neuem Weideland drangen die Buren weiter Richtung Osten vor, wo sie ab 1779 während 100 Jahren neun Kriege gegen die einheimischen Xhosa führten, die sich gegen die Landnahme der Weißen wehrten. Die Führung am Kap ging zeitweise in britische Hände über, während die Buren mehr und mehr die Oberhand über die schwarze Bevölkerung gewannen. Die Bantustämme, vor allem ausgehend vom kriegerischen Zulukönig Shaka, bekämpften sich gegenseitig, was letztendlich zu ihrer Unterwerfung führte. Mit der zweiten britischen Besetzung des Kaps 1806 landeten 4.000 englische, irische und schottige Einwanderer, welche sich u.a. zwischen den Buren und Xhosa im heutigen Ost-Kap ansiedelten. Mit der 1833 durch die Briten veranlassten Aufhebung der Sklaverei wuchs die Unzufriedenheit der Buren, deren schwierige Lebensbedingungen als Farmer dadurch noch verschlechtert wurden. Infolgedessen wanderten zwischen 1835 und 1841 ca. 6.000 Buren, auch bekannt als Voortrekker, gen Norden und Osten bis ins Zululand. Dort folgten zahlreiche blutige Kriege gegen die geschwächten Zulus, die mit der Schlacht am Blood River 1838 für die
15 Vgl. Baedeker Allianz Reiseführer Südafrika, 2000, S. 51
Gesellschaftliche und wirtschaftliche Rahmenbedingungen des Tourismus 7
Buren entschieden wurden. 16
Diese Kriege bilden den Hintergrund für heute angebotene Ausflüge und Touren zu den damaligen Schlachtfeldern. Z.B. ist bei Ulundi das Blood River Monument als Mahnmal für die damals ausgetragene Schlacht zu besuchen. Andere Anlaufpunkte sind Rorke’s Drift und Isandhlwana. 17
Die Buren gründeten die unabhängigen Burenrepubliken Natal, Transvaal und den Oranje-Freistaat, wobei Natal kurz darauf von den Briten übernommen und somit Teil der britischen Kronkolonie wurde. Im Gebiet des heutigen Ost-Kaps wurden später 4.000 deutsche Einwanderer und Veteranen des Krimkrieges angesiedelt. 1860 wanderten Inder in Natal für die Arbeit auf den Zuckerrohrplantagen ein, deren Anzahl bis 1904 auf über 100.000 anwuchs. 1869 wurden Diamantenfelder am Oranje im gleichnamigen Burenstaat gefunden, welche kurze Zeit später gegen eine geringe Entschädigung von den Briten besetzt wurden. Ehemalige Diamantenminen, wie z.B. die Diamantenmine bei Cullinan, sind heutzutage touristisch sehr interessant. Für Besucher attraktiv ist u.a. auch das beim Diamantenabbau größte jemals von Menschenhand geschaffene Loch, das ”Big Hole“ bei Kimberley. 18 1886 wurde Gold in der Burenrepublik Transvaal gefunden, was Grund für den Nachbau der historischen Goldgräbersiedling „Gold Reef City“ war und heute zahlreiche Touristen anzieht. 19
Bei dem folgenden 2. Burenkrieg siegten die Briten 1899 nach einem zwei Jahre dauernden Guerillakrieg gegen die viel kleinere Armee der Buren. Damit fiel Transvaal ebenso unter britische Herrschaft. 1910 wurde die Südafrikanische Union gegründet, welche aus vier Kolonien bestand, dem Kap, Natal, Oranje und Transvaal. Es war ein politisch und wirtschaftlich vereinigter Staat innerhalb des Britischen Empires, in dem nur der weißen Minderheit das Wahlrecht gewährt wurde. 1913 entstanden die ersten Rassentrennungsgesetze, wonach Schwarze nur in be-stimmten Gebieten Land kaufen durften, was vorwiegend unfruchtbaren Boden ohne Bodenschätze betraf. Nach dem 1. Weltkrieg wurde die Rassentrennungspolitik fortgesetzt, indem u.a. ab 1923 Townships als Stadtteile für die schwarze Bevölkerung entstanden. Außerdem wurden Passgesetze eingeführt, die alle Schwarzen zur ständigen Mitnahme ihres Passes zwang. Nach dem
16 Vgl. Baedeker Allianz Reiseführer Südafrika, 2000, S. 56
17 Vgl. Baedeker Allianz Reiseführer Südafrika, 2000, S. 175
18 Vgl. Baedeker Allianz Reiseführer Südafrika, 2000, S. 282 f
19 Vgl. Baedeker Allianz Reiseführer Südafrika, 2000, S. 59 u. 236
Gesellschaftliche und wirtschaftliche Rahmenbedingungen des Tourismus 8
2. Weltkrieg begann die sog. Apartheid-Politik, nachdem die Pfeiler dafür schon errichtet waren. Schon seit dem 19. Jhd. traf die Politik der Weißen auf Wider-stand der farbigen Bevölkerung. Die mächtigste Widerstandsbewegung war der African National Congress (ANC), dem auch Nelson Mandela angehörte. Der als junger Rechtsanwalt aus Indien eingewanderte Mahatma Gandhi führte 1913 einen Marsch von Indern von Natal nach Transvaal und konnte so zur Verbesserung der Lebenslage der indischen Bevölkerung beitragen. Aus Sicht der Regierung waren Weiße den anderen Bevölkerungsgruppen überlegen, so dass die Vorherrschaft der Weißen für immer gesichert werden sollte. Im Rahmen der Home-landpolitik sollte die schwarze Bantubevölkerung in ihre traditionellen Siedlungsgebiete zurückgeführt werden. Es wurden zehn Homelands mit einer Gesamtfläche von 13% des Landes errichtet, das durch Zwangsumsiedlungen die Heimat von 75% der Einwohner wurde. Die sehr zersplittert angelegten Homelands befanden sich im nördlichen und östlichen Transvaal, im östlichen Kap und in Natal. Sie waren wirtschaftlich nicht selbständig überlebensfähig. Die durch die Regierung angebotene Unabhängigkeit wurde nur von vier Homelands angenommen, der Ciskei und Transkei im Gebiet des heutigen Ost-Kaps sowie Bophuthatswana und Venda in der Region Transvaals. Kwazulu stimmte nicht zu. International wurden die ausgegliederten Staaten nicht als eigenständig anerkannt. Die Rassentrennung im Land betraf inzwischen auch den Alltag, so dass u.a. getrennte Schulen mit geringerer Bildung für die nichtweiße Bevölkerung eingerichtet wurden, wobei diese Entwicklung sich heute noch in der Bildung der verschiedenen Bevölkerungsgruppen widerspiegelt. 20 Seit Ende der vierziger Jahre wuchs der Wider-stand der unterdrückten Bevölkerung, der ANC organisierte Streiks - aus gewaltlosem Protest wurde Gewalt. Bei Demonstrationen starben zahlreiche Menschen. Der Widerstand schloss sich zunehmend zusammen. Es folgte der Ausnahmezu-stand und Notstandsgesetze, was zunehmend die internationale Verurteilung der Apartheid hervorruf. 1961 trat Südafrika aus dem Commonwealth aus. In zwanzig Jahren wurden 20 Millionen Menschen umgesiedelt, vier Millionen verhaftet und mehr als 7.000 politische Gefangene inhaftiert. Der durch den untergetauchten Nelson Mandela geführte ANC gewann Einfluss. Da die Homelands keine Überle-bensgrundlage für die schwarze Bevölkerung boten, zogen 10 Millionen und da-
20 Siehedazu Punkt 2.2.1 dieser Arbeit, S. 11
Gesellschaftliche und wirtschaftliche Rahmenbedingungen des Tourismus 9
mit über die Hälfte der Menschen aus den Homelands in die Elendsviertel der Großstädte. Mit dem Waffenembargo, das die Vereinten Nationen 1977 über Südafrika verhängten, wuchs der internationale Druck. Schweden erließ 1979 als erstes Land ein Gesetz gegen Investitionen in Südafrika. Daraufhin machten südafrikanische Firmen Druck auf die Regierung, wodurch es zur Genehmigung schwarzer Gewerkschaften kam. Botha als neuer Premierminister gab das Wahlrecht 1984 an Mischlinge (Farbige) und Inder, worauf es zu blutigen Unruhen der schwarzen Bevölkerung kam. Zunehmend wurden Rassentrennungsgesetze aufgehoben. Es folgte eine Zeit im Aufruhr und gegenseitigen Kämpfen der Wider-standsorganisationen. Erst 1989 kam mit der Wahl de Klerks zum Präsidenten die Wende. Das Verbot der Widerstandsparteien wurde aufgehoben, der Ausnahme-zustand gelockert, sowie Nelson Mandela nach 27 Jahren politischer Gefangenschaft entlassen. Die restlichen Rassentrennungsgesetze wurden aufgehoben. 1993 erhielten de Klerk und Mandela den Friedensnobelpreis und 1994 wurde Mandela bei den ersten allgemeinen Wahlen als ANC-Führer zum Präsidenten Südafrikas gewählt. Daraufhin hoben die Vereinten Nationen die Sanktionen auf, das Land kehrte in die Völkergemeinschaft und den Commonwealth zurück. 1998 beendete die Wahrheitskommission die Aufarbeitung der Zeit des Apartheid-Regimes. Es wird nun eine Versöhnung zwischen den Volksgruppen angesteuert. 21
Nicht zuletzt dieser geschichtliche Hintergrund des Landes zieht viele historisch und politisch interessierte Touristen nach Südafrika, wobei dies im Besonderen auf Besucher der Länder zutrifft, deren Vorfahren Südafrika einst politisch formten. Das betrifft u.a. Besucher aus Großbritannien, Niederlande, Deutschland, Frankreich und auch Indien. Vor allem in den Jahren nach Ende der Apartheid spielte der Zulauf politisch interessierter Besucher eine große Bedeutung für den Incoming-Tourismus, da Reisende selbst vor Ort die stattgefundenen Veränderungen beobachten wollten.
Da die Einwohner Südafrikas mit europäischer Herkunft teilweise Verwandte in diesen Ländern haben, spielt auch der Besuchstourismus bzw. Visit Friends and Relatives-Tourismus (VFR) 22 eine Rolle.
21 Vgl. Baedeker Allianz Reiseführer Südafrika, 2000, S. 49ff
22 Der Begriff Besuchstourismus wird im folgenden synonym zum Begriff VFR-Tourismus verwendet.
Gesellschaftliche und wirtschaftliche Rahmenbedingungen des Tourismus 10
Politische Verhältnisse
Wichtig als Voraussetzung für den Tourismus in einem Land ist die dauerhafte politische Stabilität. Um u.a. diese zu gewährleisten wurden folgende Schritte zum Ende der Apartheid eingeleitet.
Seit 1994 ist das Land in neun Provinzen aufgeteilt, dem West-Kap mit der Hauptstadt Kapstadt, dem Nord-Kap, dem Ost-Kap, dem Freistaat im Zentrum, der Nord-West-Provinz, Kwazulu/Natal im Osten, Mpumalanga im Nordosten, der Nord-Provinz bzw. Limpopo sowie Gauteng mit Johannesburg als Hauptstadt. 1996 trat die neue Verfassung in Kraft, wobei demokratische Werte, soziale Gerechtigkeit und Menschenrechte in den Vordergrund rückten. Die Verfassung ist eine der modernsten der Welt und baut auf der Gewaltenteilung, einer förderalen Struktur und umfangreichen Grundrechten auf. Es erfolgte die Wende vom britischen hin zum kontinentaleuropäisch geprägten Rechtssystem. Die Todesstrafe wurde abgeschafft. 23
Mit den zweiten allgemeinen Wahlen 1999 und dem erneuten Sieg des ANC wurde Thabo Mbeki zum Präsidenten und damit gleichzeitig zum Regierungschef gewählt. Damit bestimmt er seine Vertreter, die Minister und deren Funktionen. Die Regierung besteht ähnlich wie in Deutschland aus der Nationalversammlung, die durch allgemeine, direkte und geheime Wahlen alle fünf Jahre 400 Abgeordnete ermittelt. Außerdem besteht ein Nationalrat der Provinzen aus je zehn Delegierten aus jeder der neun Provinzen. Jede Provinz hat ihre eigene Regierung und fakultativ eine eigene Verfassung. Die unterste Verwaltungsebene bilden die Kommunen mit exekutiver und legislativer Kraft. Es erfolgt die Zusammenarbeit der Zentralregierung, Provinzen und der Kommunalverwaltung. In Südafrika gibt es außerdem in sechs Provinzen “Houses of traditional leaders”, da die traditionellen Stammesführer durchaus noch eine große Rolle im sozialen Leben der ländlichen Gebiete spielen. Diese vertreten die Interessen der verschiedenen ethnischen Gruppen auf allen drei Regierungsebenen. Die Gerichte in Südafrika sind unabhängig. 24
Der ANC bildet die größte Partei des Landes und ist die Organisation der schwar-
23 Vgl.Baedeker Allianz Reiseführer Südafrika, 2000, S. 74
24 Vgl. Baedeker Allianz Reiseführer Südafrika, 2000, S. 26
Gesellschaftliche und wirtschaftliche Rahmenbedingungen des Tourismus 11
zen Bevölkerung. Größte Oppositionspartei ist die Democratic Party. Die drittgrößte Partei ist die Kulturorganisation der Zulus. Aus der burischen National Party wurde die New National Party. Einen wirtschaftlichen Kurs ohne Beachtung verschiedener Rassen strebt die Partei United Democratic Movement an. 25 Damit ist die Interessenvertretung aller Gruppierungen in Südafrika gesichert und somit die Basis für einen demokratischen Staat gegeben. Zusammenfassend kann festgestellt werden, dass die Voraussetzung einer dauerhaften politischen Stabilität für die Tourismusentwicklung im Land gegeben ist.
2.2 Gesellschaftliche Aspekte
2.2.1 Bevölkerung Südafrikas als Voraussetzung für einen Kulturtourismus
Touristisch von großer Bedeutung ist die kulturelle Vielfalt der südafrikanischen Bevölkerung. Es leben hier vier ethnische Hauptgruppen, Weiße, Farbige, Asiaten und Schwarze.
Die weiße Bevölkerung bildet 11%, wobei 90% in Kleinstädten und mittelgroßen Städten leben. Die übrigen 10% sind Farmer. 56% der Weißen bildet die Volksgruppe der afrikaanssprachigen Buren. 37% stammen von den britischen Einwanderern ab und sind englischsprachig. Die restliche weiße Bevölkerung ist zu 1% deutscher Abstammung, sowie u.a. französischer, portugiesischer und italienischer Abstammung. 26
Die Farbigen bzw. Coloureds bilden 9% der Gesamtbevölkerung und sind Nachkommen aus Beziehungen zwischen Weißen und der kapholländischen Urbevölkerung (Khoikhoi und San), malayischen Sklaven und der Bantuvölker. Sie leben vor allem im Raum Kapstadt und im Süden des Landes. Sie sind Christen, sprechen afrikaans und sind kulturell der weißen Bevölkerung nahe. Auch die ca. 200.000 Kapmalaien gehören zu dieser Gruppierung, die sich jedoch zum Islam bekennen. Eine eigenständige Gruppe bilden die Griqua als Nachkommen der Europäer und Khoikoi, welche ein abgewandeltes Afrikaans sprechen. 27 2,5% der Gesamtbevölkerung sind Asiaten mit überwiegend indischer Abstam-
25 Vgl.Baedeker Allianz Reiseführer Südafrika, 2000, S. 28
26 Vgl. Baedeker Allianz Reiseführer Südafrika, 2000, S. 35 f
27 Vgl. Baedeker Allianz Reiseführer Südafrika, 2000, S. 36
Gesellschaftliche und wirtschaftliche Rahmenbedingungen des Tourismus 12
mung. Sie leben vorwiegend als Händler im Raum Durban und sind meist englischsprachig. Teils werden noch indische Sprachen verwendet. Nachdem um 1910 Chinesen für den Bergbau ins Land geholt wurden und zum großen Teil wieder ausreisten, wanderten 1920 andere Chinesen nach Südafrika ein. Sie siedelten im Raum Johannesburg, sind vorwiegend Kaufleute und sprechen neben Englisch und Afrikaans auch eine chinesische Sprache. 70% der Asiaten sind Hinduisten, 20% Muslime und 10% Christen. Weiße, Inder und Mischlinge führen eine europäische Lebensweise. 28
Nur noch 55.000 der verdrängten, schwarzen Völker der San und Khoikhoi leben in entlegenen Gebieten des Nord-Kaps. Die schwarze Bantu-Bevölkerung bildet 77% der Gesamtbevölkerung und besteht aus einer Vielzahl von ethnischen Gruppen. 29 Die schwarze Bevölkerung führt überwiegend eine ländliche Lebensweise im Stammesverband und mit traditionellen Dorfstrukturen, vor allem in den ehemaligen Gebieten der Homelands, aber teils auch in den ehemaligen Townships. In Städten lebt die schwarze Bevölkerung teils in stammesmäßig gegliederten Vierteln mit größerer Europäisierung. Die Wanderarbeiter und Pendler bilden dabei oft ein Bindeglied zwischen den verschiedenen Lebensweisen. 30 Für den Tourismus wertvoll ist das Kunsthandwerk der Bantubevölkerung, was gleichzeitig eine Erwerbsquelle für diese Volksgruppen darstellt. Die Vielfalt der ethnischen Gruppen fördert ein großes Angebot an verschiedensten Souvenirartikeln. Kunsthandwerk wird in Städten in Souvenirläden angeboten, auf Straßenmärkten im ganzen Land, sowie an kleinen Ständen in der Nähe von Touristenattraktionen. Das Volk der Ndebele ist z.B. für die Herstellung bunter Perlenstickereien, Kupfermessingreifen und buntgestalteten Puppen bekannt. Ebenso bieten die Zulus Perlenschmuck und u.a. mit Perlen bestickte Stoffpuppen sowie Tierschnitzereien an. Die Xhosa sind bekannt für die Fertigung von traditionellen Taschen mit Perlen- und Knopfverzierungen, sowie kunstvollen Tischdecken und traditioneller Kleidung. Die Volksgruppe der Venda bietet vor allem bunte Tontöpfe an, während die Tsonga auf das Knüpfen bunter Matten spezialisiert sind. Für Touristen preislich günstig ist auch der Kauf von handgewebten Teppichen und
28 Vgl. Baedeker Allianz Reiseführer Südafrika, 2000, S. 36
29 Die Zulus bilden mit 9,2 Mio, die Xhosa mit 7,2 Mio und die Sothos mit insg. 6,8 Mio die größten Völker. Weiterhin gibt es 3,3 Mio Tswana, 1,8 Mio Tsonga, 0,9 Mio Venda und 0,6 Mio Ndebele.
30 Vgl. Baedeker Allianz Reiseführer Südafrika, 2000, S. 37 f
Gesellschaftliche und wirtschaftliche Rahmenbedingungen des Tourismus 13 Flechtkörben. 31
In Südafrika gibt es elf offizielle Landessprachen. 32 Der Großteil der Menschen ist zweisprachig oder spricht Englisch, Afrikaans und eine Sprache der Schwarzen. 33 80% der Bevölkerung sind Christen, darunter gehören ein Drittel zu den unabhängigen Kirchen der Schwarzen, 14% zur holländisch-reformierten Kirche, ca. 10% sind Katholiken, andere sind Anglikaner, Methodisten oder Lutheraner. 34
Die Vielfalt der Bevölkerung, der Sprachen und Religionen, welche in Südafrika anzutreffen sind, fördert die Entwicklung eines Kulturtourismus. Der Kulturtourismus stellt eine spezielle Art des Reisens dar, die sich im Reisemotiv von anderen Reiseformen unterscheidet. Das Reisemotiv besteht im Erleben kultureller Erscheinungen, wobei der Begriff Kultur dabei unterschiedlich definiert werden kann. 35 Grundsätzlich beinhaltet der Begriff Kultur “... das Ganze der sozialen Einrichtungen, Gebräuche und Lebensordnungen ...” 36 “Tourismuswirtschaftlich werden alle Aktivitäten als kulturell bezeichnet, die der Reisende als solche empfindet.” 37 Gemäß JÄTZOLD ist ein Hauptbereich des Kulturtourismus der Fern-Kultur-Tourismus. Er beinhaltet das Kennenlernen anderer Kulturen als der des Quelllandes und findet auf Fernreisen in Form des Ethno- und Sozio-Kulturtourismus statt. Oft handelt es sich bei der besuchten Kultur um sehr naturnah lebende Kulturen, wie es bei der ländlichen Bantubevölkerung und den nomadischen Khoikhoi teilweise noch aufzufinden ist, was den Ethno-Kulturtourismus auszeichnet. Eine bedeutende touristische Reiseform, welche je nach Reisethema dem Ethno- und Sozio-Kulturtourismus entsprechen kann, sind Studienreisen. Laut DIETSCH stellen Studienreisen eine typische Form des Kulturtourismus dar. 38
Die Arbeitsgemeinschaft Studienreisen definiert eine Studienreise als “... eine Reise mit begrenzter Teilnehmerzahl (in der Regel 10-30 Teilnehmer), festgeleg-
31 Vgl.Baedeker Allianz Reiseführer Südafrika, 2000, S. 424
32 Diese Sprachen sind Zulu, Xhosa, Afrikaans, Englisch, Nort-Sotho, Tswana, Süd-Sotho, Tsonga, Swati, Venda und Ndebele.
33 Deutsch wird von 0,9% der Bevölkerung gesprochen, 1,2% sprechen Portugiesisch, andere niederländisch, griechisch, italienisch, französisch sowie indische Sprachen.
34 Vgl. Baedeker Allianz Reiseführer Südafrika, 2000, S. 39ff
35 Vgl. Freyer, W.: Ganzheitlicher Tourismus, 2000, S. 477
36 Wissen.de Lexikon, URL 32
37 Dreyer, A.: Kulturtourismus, 1996, S. 27
38 Vgl. Freyer, W.: Ganzheitlicher Tourismus, 2000, S. 479 f
Gesellschaftliche und wirtschaftliche Rahmenbedingungen des Tourismus 14
tem Reisethema und Reiseverlauf und .. fachlich qualifizierter Reiseleitung.” 39 Demzufolge können geführte Gruppenrundreisen mit dem Motiv des Kennenlernens Südafrikas und seiner Kulturen und entsprechend qualifizierter Reiseleitung in die Kategorie Studienreisen gezählt und somit den Kulturreisen zugeordnet werden.
Aufgrund eines Trends von Kulturreisen, auch besonders in das südliche Afrika, hat die Destination Südafrika gute Aussichten durch einen Ausbau der Angebote im kulturellen Bereich die touristische Nachfrage zu steigern, wie z.B. durch vermehrte Reiseangebote mit eingeschlossenen Besuchen der noch traditionell lebenden Bantu-Bevölkerung. 40
2.2.2 Ausmaß der Kriminalität
Neben der politischen Stabilität eines Reiselandes ist die Gewährleistung von Sicherheit für die Besucher eine weitere wichtige Voraussetzung für den Tourismus in einer Destination. Deshalb soll an dieser Stelle das Ausmaß der Kriminalität in Südafrika als wichtiger Einflussfaktor auf die Tourismusentwicklung untersucht werden.
Um die Relevanz dieses Themas in Verbindung mit dem Reiseziel Südafrika her-vorzuheben, zitiere ich hiermit eine Sicherheitsaufforderung an Touristen im Südafrika-Reiseführer: "Generell gilt absolute Vorsicht. Vor allem in Großstädten, insbesondere in Johannesburg, sollten Touristen bestimmte Sicherheitsvorkehrungen unbedingt einhalten. Bargelds, Schecks und Wertsachen sind im Hotelsafe aufzubewahren. Im Dunkeln nicht zu Fuß gehen (für die Innenstadt von Johannesburg gilt dies auch tagsüber). Bei Autofahrten alle Gegenstände im Kofferraum verstauen, Fenster schließen, Türen verriegeln. Mit Einbruch der Dämmerung sollte man an roten Ampeln nicht mehr unbedingt halten.“ 41 Eine andere Quelle offenbart folgendes: “21 000 (twenty one thousand) people were murdered in South Africa last year. According to Rape Crisis, a woman is raped every 23 seconds in
39 Klingenstein, M., Mundt, J.: Reiseveranstaltung, 2000, S.258
40 Vgl. Dietsch, K., Dreyer, A.: Kulturtourismus, 1996, S. 86
41 Baedeker Allianz Reiseführer Südafrika, 2000, S. 458
Gesellschaftliche und wirtschaftliche Rahmenbedingungen des Tourismus 15
South Africa.” 42 Eine weitere Quelle verrät, dass Südafrika 2000 die meisten bewaffneten Morde weltweit aufwies, sowie auf Rang zwei bei der Anzahl von Vergewaltigungen stand, auf Rang vier bei der Anzahl von Einbrüchen und auf Platz fünf bei kriminellen Taten insgesamt. 43 Dies zeigt, dass Südafrika durchaus eine hohe Kriminalität im Vergleich zu anderen Ländern vorzuweisen hat, was sich negativ auf die Tourismusnachfrage auswirkt, wenn diese Tatsachen den potentiellen Reisenden näher gebracht wird. Mit der kurzen Sicherheitswarnung im Reiseführer wird zwar eindringlich vor Übergriffen vor allem hinsichtlich Raub gewarnt, die konkreten Ausmaße der Kriminalität werden jedoch nicht bekannt gegeben. Wie Abb. 1 zeigt, stiegen die Zahlen von Raubüberfällen zwischen 1994 und 2002 sogar um insgesamt 211,2% an, von Vergewaltigungen um 20,6%. “Carjacking“ bzw. "Hijacking", d.h. die gewaltsame Übernahme eines Fahrzeuges, stieg insgesamt prozentual um 18,9% an, wobei regionale Unterschiede in der Entwicklung bestehen. Dieser Anstieg der Kriminalität wird im folgenden Ausschnitt eines Artikel wie folgt erklärt: “Security analysts point out that some of the increases [of crime between 1994 and 2002] can be put down to the fact that more crimes are reported in democratic South Africa.” 44
Die Anzahl von Morden fiel im Zeitraum von 1994 bis 2000 um insgesamt 19%, außer in der Provinz West-Kap wo sie als Ausnahme mit 36% stark anstieg. Es ist festzustellen, dass besonders unterentwickelte Provinzen wie z.B. das Ost-Kap, was früher zum Großteil aus Homelands bestand, einen hohen Anstieg bei Raubüberfällen aufweisen, was mit der großen Armut der meisten dort lebenden Menschen in Zusammenhang gebracht werden kann. Das West-Kap als eine touristisch sehr gefragte Region weist besonders beim Carjacking als auch bei der Mordrate große Steigerungsraten auf. Die steigenden Kriminalitätsraten im West-Kap beschränkt der folgende Beitrag vor allem auf die Townships um Kapstadt: “In the Western Cape, police resources have been strained by continuing gang conflicts and vigilante violence in the townships near Cape Town.” 45
42 O.V.: South African Crime Pages, URL 12
43 Nationmaster.com, URL 11
44 Travel Telegraph, URL 29
45 Drakensberg Tourism, URL 9
Gesellschaftliche und wirtschaftliche Rahmenbedingungen des Tourismus 16
Free State 171.6% - 18.5% 1.8% -27.8% Gauteng 175.8% 23.9% 9.8% -20.7% KwaZulu-Natal 254.8% 0.6% 31.6% -32.6% Mpumalanga 194.8% - 12.2% 40.2% - 4.2% North West 286.6% 3.0% 31.7% - 8.9% Northern Cape 173.8% 7.1% 7.1% -23.2% Western Cape 194.2% 209.7% 16.8% 36.0%
Entwicklung der Kriminalität in den einzelnen Provinzen 46 Abb. 1:
Nicht angegeben in diesen Quellen ist allerdings der Anteil an Touristen, der von diesen kriminellen Akten betroffen war. Das britische Auslandsamt veröffentlichte folgende Infomationen dazu: “It [South Africa] does have a high level of crime, but most occurs in the townships and isolated areas away from the normal tourist destinations. … The risk to visitors travelling to the main destinations is low.” 47 Cheryl Carolus, die Geschäftsführerin von South African Tourism, bemerkt dazu: "South Africa remains no more dangerous a destination for the average tourist than anywhere else in the world…” 48
Im Hinblick auf die hohe Rate an Vergewaltigungen wird folgendes erwähnt: “Most incidents occur in the townships and isolated areas, and the risk to tourists travelling to the main destinations is not so high." 49 Außerdem wird in einer anderen Quelle folgendes festgestellt: “… foreigners are not specifically targeted, although foreigners have been raped on rare occasions.” 50 Auf Gebiete, in denen kriminelle
46 Vgl. South African Police Service, URL 15
47 Foreign and Commonwealth Office, URL 10
48 Rainbow Tours, URL 13
49 Rainbow Tours, URL 13
Gesellschaftliche und wirtschaftliche Rahmenbedingungen des Tourismus 17
Übergriffe auf Touristen vorkommen, wird im folgenden hingewiesen: “Criminal activity, such as assault and armed robbery, is particularly high in areas surrounding many hotels and public transportation centers, especially in major cities. Tourists should exercise particular caution in these areas. Notwithstanding government anti-crime efforts, violent crimes such as carjackings, muggings, "smash and grab" attacks on vehicles and other incidents are regularly reported by visitors.” Zur Warnung von Reisen in spezielle Gebiete des Landes wird im selben Artikel folgende Auskunft erteilt: “Travelers should … use caution when driving in the former ‘independent homelands’ of Transkei and Ciskei, which have been incorporated into the provinces of Eastern Cape and KwaZulu-Natal. Some areas, such as the "wild coast" in the former Transkei, have significant levels of crime.” Andere Gebiete, welche für Touristen ein höheres Risiko beim Reisen bieten bzw. als besonders gefährlich gelten, sind “... the central business district in Johannesburg, Durban's city centre and northern Kwazulu-Natal and Zululand ...”. 51 Eine große Rolle bei der Eindämmung der Kriminalität im Land spielt die Polizei. Der South African Police Service wurde seit Ende der Apartheid umstrukturiert und zu einer Einheit zusammengefasst und wird vom Secretary for Safety and Security geleitet. Wegen der hohen Kriminalitätsrate wurde eine zusätzliche Spezialeinheit gebildet, die gegen das organisierte Verbrechen kämpft. Die Polizei ist unterbesetzt und wird nur schlecht bezahlt, was zu einer unzureichenden Bekämpfung der hohen Kriminalität im Lande führt und somit auch für den Tourismus hemmende Auswirkung hat. 52
Das bestätigt der folgende Artikel: „Philip Grierson of Cox & Kings, which takes 2,000 people to South Africa each year, …, [said, that] in the past when there have been attacks on tourists, there has been a dip in bookings.” Auch der World Travel & Tourism Council stellt fest, dass “[the] Travel & Tourism demand has been negatively impacted by incidents affecting the country’s overall perceived safety and security. ... No matter how distorted media reports of these incidents are, they clearly discourage visitors who have a plethora of alternative travel destination options.“ 53
50 Drakensberg Tourism, URL 9
51 Drakensberg Tourism, URL 9
52 Vgl. Baedeker Allianz Reiseführer Südafrika, 2000, S. 28
53 Vgl. World Travel & Tourism Council: The impact of Travel & Tourism, 2002, S. 10; URL 33
Gesellschaftliche und wirtschaftliche Rahmenbedingungen des Tourismus 18
Um diesen Rückgang der Tourismusnachfrage wegen vorgefallener krimineller Übergriffe auf Touristen zu verhindern, werden folgende Bemühungen unternommen: “The South African government has given high priority to protecting tourists. Recent initiatives include the deployment of tourist police in large towns and a number of urban regeneration projects.” 54
Wie Abb. 2 zeigt, reisen ca. die Hälfte der Touristen ohne jede Sicherheitssorgen nach Südafrika. Immerhin 14,2% befürchten Hijacking während ihrer Reise und 13,8% denken, dass die Sicherheit in Südafrika nicht ausreichend sein könnte. 9,2% haben Sorgen, während ihres Aufenthaltes ausgeraubt zu werden, während 2,6% Gewaltangriffe befürchten. Nur 1% der Reisenden haben Angst vergewaltigt zu werden. 55
Insgesamt betrachtet haben etwa 40% Sicherheitsbedenken vor ihrer Einreise. Diese relativ hohe Zahl rührt voraussichtlich von den Presseberichten über die hohe Kriminalität in Südafrika her.
Entgegen diesen Befürchtungen, hatten laut Abb. 3 92,3% keine Probleme hinsichtlich fehlender Sicherheit während ihrer Reise in Südafrika 2003. Dies zeigt, dass nur eine Minderheit der Touristen von der Kriminalität im Land betroffen ist. Negativ für das Image Südafrikas als sicheres Reiseland ist, daß 31,6% der Befragten sich während ihrer Reise nicht ausreichend sicher gefühlt haben, was wegen der noch zu geringen Polizeipräsenz verständlich ist. Bei 5,7% der Reisenden wurde versucht, die Geldkarte zu entwenden. 2,7% der Befragten schätzten die Arbeit der Polizei als unzureichend ein, während 2,4% Bestechlichkeit der Polizei feststellte, was mit der unzureichenden Besetzung und Bezahlung der Polizei in Verbindung gebracht werden kann.
54 Vgl. Travel Telegraph; URL 29
55 Vgl. South African Tourism: 2003 Annual Tourism Report, 2004, S. 39; URL 17
Gesellschaftliche und wirtschaftliche Rahmenbedingungen des Tourismus 19
Sorgen von Touristen vor der Reise nach Südafrika 2003 56
Abb. 2 :
Erfahrene Probleme von Touristen in Südafrika 2003 57
Abb. 3 :
56 South African Tourism: 2003 Annual Tourism Report, 2004 , S. 40 URL 17
57 South African Tourism: 2003 Annual Tourism Report, 2004 , S. 40 URL 17
Gesellschaftliche und wirtschaftliche Rahmenbedingungen des Tourismus 20
Zusammengefasst kann festgestellt werden, dass Südafrika durchaus über eine hohe Kriminalitätsrate verfügt, wobei Übergriffe vorwiegend abseits der touristischen Routen und auf Nichttouristen stattfinden. Wenn die genannten verschärften Sicherheitsvorkehrungen durch Reisende befolgt werden, besteht kein größeres Risiko als in anderen Reiseländern. Es ist wichtig, dass die südafrikanische Regierung weitere Maßnahmen zur Eindämmung der Kriminalität ergreift, auch im Hinblick auf eine stärker besetzte und besser bezahlte Polizeikraft und somit tatkräftigere Verfolgung von Kriminellen, damit das Reisen im Land sorgloser verlaufen kann. Nur dann kann schlechte Mundpropaganda durch Touristen mit schlechten Erfahrungen verhindert werden sowie Presseberichte positiver über die Sicherheitslage im Land ausfallen, wodurch die Tourismusnachfrage ungehemmt steigen kann.
2.3 Rolle des Tourismus im Rahmen der wirtschaftlichen Entwicklung
Südafrika ist im Hinblick auf die Siedlungs- und Wirtschaftsräume der weißen Bevölkerung ein industriell geprägtes Schwellenland. In den Gebieten der ehemaligen Homelands ist jedoch eher von einem agrarwirtschaftlich und -gesellschaftlich geprägten Entwicklungsland zu sprechen. Südafrika ist nach Libyen das zweitwohlhabendste Land Afrikas mit einem 1998 höheren Pro-Kopf-Einkommen als die Ost- und Südeuropäischen Staaten. Dabei leben jedoch die Hälfte der schwarzen Südafrikaner unter der Armutsgrenze und ein Viertel sogar in absoluter Armut. Während für die weiße Bevölkerungsschicht Wohnung, Wasser, Strom und Schulen eine Selbstverständlichkeit darstellen, fehlen Häuser für die Schwarzen und fast die Hälfte der Haushalte hat keinen Wasser- und Stromanschluss. 58 Eines der Hauptprobleme des Landes ist die hohe Arbeitslosigkeit. 1999 herrschte eine Arbeitslosenrate von etwa 30%, wovon 42% der schwarzen, nur 5% der weißen, 12% der indischen und 20% der farbigen Bevölkerung betroffen war. Die auch dadurch entstehende hohe Kriminalität verringert wiederum die internationale Investitionsbereitschaft im Land, was die Arbeitslosenrate gleichfalls erhöht. 59 Haupterwerbsquelle des Landes ist seit Ende des 19. Jhd. der Bergbau, welcher
58 Vgl. Baedeker Allianz Reiseführer Südafrika, 2000, S. 42 f
59 Vgl. Baedeker Allianz Reiseführer Südafrika, 2000, S. 43
Gesellschaftliche und wirtschaftliche Rahmenbedingungen des Tourismus 21
60% der Devisen einbringt und 8% des Bruttoinlandsproduktes (BIP) bildet. Südafrika ist eines der am reichsten mit Bodenschätzen ausgestatteten Länder der Erde. Eine halbe Million Menschen sind im Bergbau beschäftigt. Obwohl der Gold-und Diamantenanteil des Bergbaus seit 1940 bis 1990 von 90% auf 30% fiel, hält das Land nach wie vor eine marktbeherrschende Stellung als Exporteur von Bodenschätzen inne. Da noch ausreichende Vorräte vorhanden sind, wird sich die Bedeutung des Bergbaus auch weiterhin nicht verändern. 60 Die Industrie ist ein wichtiger Wirtschaftssektor des Landes und bildet mit dem Bergbau 40% des BIP. Die Hälfte aller Beschäftigten arbeitet in diesem Sektor, der sich zum Großteil auch der Verarbeitung von Bodenschätzen widmet und vor allem in Großstädten angesiedelt ist. 61
Die Landwirtschaft hat einen Anteil von 4% am BIP. Dies betrifft zu einem hohen Anteil die schwarze Bantu-Bevölkerung, die vor allem in kleinbäuerlichen, traditionellen Selbstversorgungsbetrieben in den ehemaligen Homelands Acker-, Gartenbau und Viehzucht betreibt. Teilweise gibt es auch hochmechanisierte Farmen, die auf den Im- und Export ausgerichtet sind. 62
Eine immer größere Bedeutung für die Wirtschaft Südafrikas spielt der Tourismus, der 2002 bereits einen Anteil von 7,1% am BIP betrug (einschließlich indirekt durch den Tourismus begünstigter Unternehmen) und damit beinahe den Anteil des Bergbaus erreichte. Damit ist der Tourismus die zurzeit am schnellsten wachsende Branche Südafrikas 63 und damit auch ein großer Hoffnungsträger für die Wirtschaftsentwicklung des Landes.
Denn es ist zu beachten, dass das BIP Südafrikas seit 1998 jährlich sinkt. 1998 wurden noch 137.644 Millionen US$ erreicht gegenüber 2002 113.493 Millionen US$. 64 Diese negative Entwicklung kann u.a. auf den sinkenden Goldexport infolge des Verfalls des Goldwertes zurückgeführt werden. Deshalb ist es besonders wichtig, dass der Tourismus steigenden Einfluss auf das BIP des Landes hat, um die Wirtschaft insgesamt zu stärken.
60 Vgl. Baedeker Allianz Reiseführer Südafrika, 2000, S. 43 f
61 Vgl. Baedeker Allianz Reiseführer Südafrika, 2000, S. 43 f
62 Vgl. Baedeker Allianz Reiseführer Südafrika, 2000, S. 45
63 Vgl. South African Tourism: 2002 Annual Tourism Report, 2003, S. 1; URL 16
64 Vgl. Welttourismusorganisation: South Africa, URL 31
Reisemarkt Südafrika 22
3 Reisemarkt Südafrika
3.1 Touristisches Angebot
3.1.1 Natürliches Angebot
Die natürlichen Bedingungen - Geländeformen, Gewässer, Flora, Fauna, Klima, Wetter, Luft - werden allgemein als Grundkapital des Tourismus bezeichnet.“ 65 Diese Aussage verdeutlicht wie wichtig die natürlichen Ressourcen einer Destination für den Tourismus sind. Die Natur und das Klima bilden u.a. die Basis für die Entwicklung des Tourismus in einem Land. Das natürliche Angebot spielt für die Charakterisierung einer touristischen Destination eine bedeutende Rolle, da das Zusammenspiel der verschiedenen natürlichen Komponenten einzigartige geographische Räume, wie Südafrika als den Südzipfel Afrikas, bildet, und dadurch Touristen anzieht.
Geographische Einordnung
Südafrika wird im Südwesten vom Atlantik und im Süden und Südosten vom Indischen Ozean umgeben. Die Küstenlänge beträgt fast 3.000 Kilometer, was eine günstige Voraussetzung für den Tourismus darstellt. Im Norden grenzt das Land an Namibia, Botswana und Simbabwe, im Nordosten an Mosambik und Swasi-land, was Möglichkeiten eines grenzüberschreitenden Tourismus bietet. Der südlichste Punkt Südafrikas und gleichzeitig des Kontinents ist Kap Agulhas, auch Nadelkap genannt. Bekannter ist das westlich in der Nähe Kapstadts gelegene Kap der Guten Hoffnung, welches jährlich eine Vielzahl von Besuchern anzieht. Südafrika umfasst 1.224 Millionen km², was ungefähr der dreieinhalbfachen Größe Deutschlands entspricht. Die maximale West-Ost-Ausdehnung beträgt 1.500 km, die Nord-Süd-Ausdehnung 1.100 km. Die Bevölkerung von 43 Millionen verteilt sich auf diese Gebiete relativ ungleichmäßig. Größte Gegensätze zeigt Gauteng mit 415,1 Einwohnern pro km² gegenüber dem Nord-Kap mit nur 2,4 Einwohnern pro km². 66
65 Althof, W.: Incoming-Tourismus, 1996, S. 97
66 Vgl. Baedeker Allianz Reiseführer Südafrika, 2000, S. 29
Reisemarkt Südafrika 23
Landschaftsräume
Südafrika zeichnet sich besonders durch seine landschaftliche Vielseitigkeit aus. Nicht umsonst wird es oft als "... eine Welt in einem Land" bezeichnet. 67 Es lassen sich sechs markante Landschaftsräume unterscheiden. Das zentrale flachwellige Hochplateau, auch Highveld 68 genannt, dehnt sich über den Freistaat, Gauteng und das Nord-Kap aus und erreicht Höhen zwischen 1.200 und 1.500 Metern. Typische Vegetationsformen sind die Savanne, Strauch- und Grassteppe. Die ursprüngliche Natur wurde vielerorts durch den hier angesiedelten Bergbau umgestaltet, z.B. beim Diamantenabbau in Kimberley 69 . Richtung Norden senkt sich das Plateau zum Kalaharibecken ab, wobei die Landschaft zur Wüstensteppe und Halbwüste wechselt. Im Nordwesten befindet sich der 120 km breite Küstenstreifen der Namibwüste. 70
Im Nordosten grenzen die Drakensberge in Gauteng und Mpumalanga mit Höhen bis 2.300 Metern, sowie in Kwazulu/Natal mit über 3.000 Metern an, was besonders für Wandertouristen sehr anziehend ist. Diese Hochgebirgsregion zeichnet sich durch steile Felswände, Schluchten und hohe Wasserfälle aus und wird zunehmend durch den Tourismus erschlossen. Weiter östlich geht die Hochebene (Afrikaans: Highveld) über das Middelveld 71 mit 600 bis 1.200 Metern ins feuchtere Lowveld bzw. Bushveld 72 über. Die dort typische Vegetationsform der Savanne ist Standort des weltweit größten Nationalparkes der Erde, des Krüger National Parkes. Im Süden des Landes im Gebiet des West- und Ost-Kaps befinden sich mehrere parallele Gebirgsketten, die durch Faltungen und Verwerfungen gekennzeichnet sind und eine Höhe von 1.500 bis 2.000 Metern erreichen. Der wohl bekannteste Berg ist der Tafelberg bei Kapstadt mit einer Höhe von 1.087 Metern. Ebenso gehören die Swartberge und die Tsitsikamma-Berge im Kapland dazu, die ebenso touristisch interessant sind. 73
Einen Großteil des Landes bildet die trockene und steinige Halbwüste Große Karoo, die sich nördlich der Kapketten ausbreitet. Südlich befindet sich die Kleine Ka- 67 BaedekerAllianz Reiseführer Südafrika, 2000, S. 20
68 Highfeld steht für Hochebene in der Sprache Afrikaans
69 Siehe dazu Punkt 2.1 dieser Arbeit, S. 7
70 Vgl. Baedeker Allianz Reiseführer Südafrika, 2000, S. 11ff
71 Middelveld ist die Bezeichnung in Afrikaans für eine “auf mittlerer Höhe gelegene Ebene”
72 Lowveld bzw. Bushveld sind die Bezeichnungen in Afrikaans für Tiefebene bzw. Savanne
73 Vgl. Baedeker Allianz Reiseführer Südafrika, 2000, S. 11ff
Reisemarkt Südafrika 24
roo, eine trockene Senke nördlich des Kap Agulhas. Im Norden der Großen Karoo grenzt die Obere Karoo als fast wasserlose Wüste an. 74 Noch touristisch wenig erschlossen ist das Namaqualand im Nord-Kap, eine trockene terrassenförmige Steppenwüste. 75
Die einzig breite Küstenebene befindet sich in KwaZulu/Natal am Indischen Ozean, wo viele Flüsse aus den Drakensbergen eine urwüchsige subtropische Vegetation schaffen und unzählige flache Sandstrände Touristen anlocken. 76
Klima
Südafrika liegt in den Subtropen und zeichnet sich durch ein warmes, gemäßigtes Klima mit viel Sonnenschein und wenig Niederschlägen aus. Aufgrund der Lage am Meer an drei Seiten des Landes ist das Klima mild, was hervorragende Voraussetzungen für den Tourismus bietet. 77
Der kalte Benguelastrom im Westen und der warme Agulhasstrom im Osten erzeugen einen Jahrestemperaturunterschied von 7º Celsius zwischen dem Westen und Osten des Landes. Wegen der Lage auf der Südhalbkugel sind die Jahreszeiten denen in Europa entgegengesetzt. Das Klima Südafrikas läßt sich in folgende Zonen einteilen: die sommerheiße ständig feuchte Ostküste mit nach Süden abnehmenden Niederschlägen und zunehmender Sonnenscheindauer, das winterfeuchte Kapland mit geringen Tagestemperaturschwankungen und Temperaturhöchstwerten von 26º Celsius, das sommerfeuchte östliche Binnenhochland mit insgesamt geringen Niederschlägen und großen Tagestemperaturschwankungen, sowie der ständig trockene Nordwesten des Landes mit Halbwüsten- bis Wüstenklima, also extremen Tagestemperaturschwankungen, trockennebligen Klima und Sandstürmen. 78
Flora und Fauna
Aufgrund der Klimaunterschiede innerhalb des Landes ist die Vegetation sehr vielfältig und somit attraktiv für Besucher. Besonders interessant für Touristen ist die sog. Kapflora im West-Kap um die Stadt Kapstadt. Dort existiert ein eigenes Flo-
74 Vgl.Baedeker Allianz Reiseführer Südafrika, 2000, S. 11ff
75 Vgl. Baedeker Allianz Reiseführer Südafrika, 2000, S. 11ff
76 Vgl. Baedeker Allianz Reiseführer Südafrika, 2000, S. 11ff
77 Vgl. Südafrikanische Botschaft: Physikalische Verhältnisse, 1989, S. 18
78 Vgl. Südafrikanische Botschaft: Physikalische Verhältnisse, 1989, S. 18
Reisemarkt Südafrika 25
renreich, das das kleinste von weltweit sechs Florenreichen ist und auf engstem Raum mit 8.500 Pflanzenarten gleichzeitig die größte Vielfalt bietet. Viele dieser Arten sind nur dort aufzufinden. Es sind überwiegend immergrüne Hartlaubgewächse wie Aster- und Strohblumen aufzufinden, die sich an die sommerliche Trockenheit angepasst haben. 79 Diese Einzigartigkeit zieht vor allem Botaniker nach Südafrika. Die Nationalblume Südafrikas ist die Protea, welche in vielen Gebieten des Landes anzutreffen und deren Besonderheit ihre Feuerresistenz ist. 80 Die ausgedehntesten immergrünen Feuchtwälder sind noch im Tsitsikamma Nationalpark im West-Kap erhalten. Der Wald erstreckt sich zwischen George und Port Elizabeth. Besonders anziehend für naturinteressierte Besucher sind uralte riesige Yellowwood-Bäume, die auf markierten Wanderwegen erreicht werden können. Zum Teil sind immergrüne Feuchtwälder mit Farnen und Lianen auch noch in Kwazulu/Natal aufzufinden. In allen Teilen Südafrikas können Touristen die Pflanzenvielfalt ebenfalls in botanischen Gärten bewundern. Der berühmteste ist der Kirstenbosch National Botanical Garden in der Nähe Kapstadts mit ca. 1.400 Pflanzenarten, welche auf unterschiedlichen Höhenlagen zwischen 100 und 1.000 Metern anzusehen sind. 81
Hauptattraktion Südafrikas ist für viele Touristen die reiche Tierwelt des Landes. Das früher frei lebendes Großwild wie Elefanten, Nashörner, Giraffen, Zebras, Löwen, Antilopen, Geparden und Leoparden, wurde durch die Ausbreitung des Kul-turlandes verdrängt, so dass viele Arten vom Aussterben bedroht waren, z.B. das Breitmaulnashorn bzw. Weiße Nashorn. 1926 wurde ein Gesetz zur Anlage von Tierreservaten erlassen, worauf siebzehn Nationalparks und ein Seengebiet in unterschiedlichen Landschaftsräumen zum Schutz der Tiere errichtet wurden. Allein im weltweit größten Nationalpark, dem Krüger National Park, ist eine außergewöhnliche Vielfalt an Tieren anzutreffen. 82 Gleichzeitig wurde so Besuchern die Tierbeobachtung in abgegrenzten und touristisch erschlossenen Gebieten ermöglicht. Negativ ist, dass 95% der Tiere Südafrikas auf nur 6% der Gesamtfläche ge-
79 Vgl.Baedeker Allianz Reiseführer Südafrika, 2000, S. 23
80 Vgl. Baedeker Allianz Reiseführer Südafrika, 2000, S. 23 ff
81 Vgl. Baedeker Allianz Reiseführer Südafrika, 2000, S. 23 ff
82 Der Park beherbergt u.a. 1.500 Löwen, 900 Leoparden, 7.500 Elefanten, 1.500 Nashörner,
32.000 Zebras, 4.900 Giraffen, 30.000 Büffel, 125.000 Impalas als eine der vielen Antilopenarten,
114 verschiedene Reptilienarten sowie 500 Vogelarten.
Quote paper:
Sylvia Schutz, 2004, Der Incoming-Tourismus in Südafrika - Analyse anhand ausgewählter Aspekte, Munich, GRIN Publishing GmbH
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Psychology - Work, Business, Organisational and Economic Psychology
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