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Inhaltsverzeichnis
1. Vorwort 3
2. Der Völkische Beobachter 4-12
2.1 Die Geschichte des VB 4-5
2.2 Die Manipulation der Sprache durch die NSDAP - eine Darstellung
anhand des Artikels „Kleiner Verrat eines Gernegroß“ („Völkischer
Beobachter “ vom 29.April 1945) 5-12
2.2.1 Der geschichtliche Hintergrund des Artikels S.5/6
2.2.2 Die Manipulation der Sprache durch die NSDAP 6-12
3. Schluss 13
4. Literaturverzeichnis S.14/15
5. Anhang
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1. Vorwort
Auch heute, knapp sechzig Jahre nach seinem Ende, stößt man im Alltag noch häufig auf Spuren des Zweiten Weltkrieges. Im Jahre 2003 besichtigten 913 000 Menschen das „Anne Frank-Haus“ in Amsterdam 1 und noch immer bringt das Fernsehen zahlreiche Reportagen und Filme, die mit erhobenem Zeigefinger an diese schreckliche Zeit erinnern. Einer der wesentlichen Gründe, die dazu führen, dass die Dramatik des Zweiten Weltkrieges ständig erneut geschildert und betont wird, ist wohl die Fassungslosigkeit, mit der die Menschheit den schrecklichen sechs Jahren unbarmherzigsten Kriegsgeschehens rückblickend begegnet. Schließlich blickt die ganze Welt auf sechs grausame Jahre zurück, die mehr als 55 Millionen Menschen das Leben gekostet haben - darunter allein sechs Millionen Juden - und Millionen von Menschen zu Heimatlosen machten 2 . Wie konnte es zu einem Desaster solchen Ausmaßes kommen? Warum hat niemand dem Fanatismus, mit dem ganze Völker ausgelöscht werden sollten, Einhalt zu gebieten gewusst? Die Fragen der jungen deutschen Bevölkerung an ihre Vorfahren werden meist mit einem Achselzucken beantwortet. Niemand kann sich erklären, wie eine der größten Katastrophen in der Geschichte der Menschheit ihren Lauf ne hmen konnte. Eine große Rolle spielte hierbei der 1920 von der NSDAP erworbene „Völkische Beobachter“ (VB). Er war das wichtigste Organ, das ihr zur Verbreitung ihrer Ideologie zur Verfügung stand und sollte die Bevölkerung fortan mit allen Mitteln für die Ziele der Nationalsozialisten einnehmen.
Die Untersuchung eines dieser Mittel, der Sprache, ist Thema dieser Arbeit. Anhand des Artikels „Kleiner Verrat eines Gernegroß“ („VB“ vom 29. April 1945) werde ich darstellen, wie sie von der NSDAP beeinflusst und manipuliert wurde. Es erscheint mir jedoch unumgänglich, zuvor auf die Geschichte des „VB“ einzugehen. Im Anschluss daran werde ich kur z den geschichtlichen Hintergrund des von mir ausgewählten Artikels erläutern, um danach zur Darstellung der Manipulation der Sprache überzugehen.
1 „Rekordzahl Besucher Anne Frank Haus. Pressemeldung - 2. Januar 2004.“ 13. September 2004 http://www.annefrank.org/content.asp?PID=220&LID=3
2 „Zweiter Weltkrieg.“ Enzyklopädie 2003 ©1999,2000,2001 WISSEN digital Software Verlags GmbH, München.
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2. Der Völkische Beobachter („VB“)
2.1 Die Geschichte des „VB“
Vielleicht hätten die Nationalsozialisten ihr Unwesen nicht in dem Maße treiben können, wie sie es getan haben, hätte nicht Johann Naderer, Druckereibesitzer, im Jahre 1887 eine Wochenzeitung namens „Münchener Beobachter“ gegründet. Diese wurde 1900 von dem Österreicher Franz Xaver Eher erworben und ging 1918, nach dessen Tod, in den Besitz der Thule Gesellschaft, eines „vaterländischen Vereine[s]“ 3 , über. Sie erfuhr einen Namenswechsel und wurde zum „Völkischen Beobachter“ („VB“) umbenannt. Der „VB“ sollte von nun an den Kampf gegen „[den] Wucher in allen Gestalten, [die] jüdische Zwangsherrschaft in Deutschland, [den] volksverderbenden Geldwahn und [den] volksfremden Scheinsozialismus, der nur Vernichtung aller deutschen Arbeit will“ 4 mit allen ihm zur Verfügung stehenden Mitteln unterstützen. Am 18. Dezember 1920 übernahm ihn die NSDAP 5 , um ihn fortan als „rücksichtsloseste Waffe für das Deutschtum auszubauen gegen jede feindliche undeutsche Bestrebung“ 6 . Zu diesem Zeitpunkt war die wirtschaftliche Lage des „VB“ jedoch äußerst schlecht und erst als Max Amann die Geschäftsleitung übernahm, gelang es mit seiner Hilfe, den „VB“ zu einem wirtschaftlich arbeitenden Betrieb umzustrukturieren. Nach und nach wurde dieser so zum wichtigsten Propagandaorgan der Nationalsozialisten, das in ihrem Sinne „Erziehungsarbeit am deutschen Volke“ 7 leisten sollte.
Dies durchzusetzen war Aufgabe der Mitarbeiter des „VB“, die sich im Wesentlichen aus zwei Gruppen zusammensetzten. Einerseits gehörten der Redaktion Leute an, die fachlich nicht vorgebildet waren, jedoch dem engeren Kreis um Hitler angehörten. Unter ihnen waren beispielsweise Herrmann Esser und Josef Berchtold 8 . Andererseits waren sie Journalisten, die der alten völkischen Bewegung angehö rten. So zum Beispiel auch Dr. Josef Stolzing-Czerny, der lange Zeit den Kulturteil leitete, sowie Dietrich Eckart, seit 1921 Hauptschriftleiter. Eckart wurde von Anfang an unterstützt durch Alfred Rosenberg der ihn 1923 in seinem Amt ablöste 9 und es seinerseits nach fünfzehn Jahren im Dienste des „VB“, 1938, an Wilhelm Weiß übergab.
3 Plewnia, Margarete: Völkischer Beobachter (1887-1945). In: Fischer, Heinz-Dietrich (Hrsg.): Deutsche Zeitungen des 17. bis 20. Jahrhunderts. Band 2. Pullach 1972 S. 381-390.
4 „VB“ vom 16.09.1920.
5 Plewnia, 381
6 Franz-Willing, Georg: Die Geschichte des Völkischen Beobachters von 1920-1923, phil. Diss. München 1956, S. 236 ff.
7 Plewnia, 383
8 Plewnia, S.384
9 Plewnia, 383/384
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Auch Adolf Hitler selbst war bis zum Jahre 1922 ständiger Mitarbeiter in der Redaktion und schrieb Artikel für den „VB“ 10 . So konnte er persönlich überwachen, ob dort alles zu seiner Zufriedenheit vor sich ging. Später wurden vor allem seine Reden abgedruckt. „Sie predigten Hass und Rache“ 11 .
1923, nach dem Hitlerputsch, wurden sowohl die NSDAP als auch der „VB“ verboten, jedoch nach Hitlers Entlassung im Jahre 1925 erneut gegründet. Ab 1927 erschien neben der „Bayernausgabe“ auch die sogenannte „Reichsausgabe“ 12 . Fünf Jahre später wurde außerdem in Berlin eine Redaktion eingerichtet. Zu den beiden bereits bestehe nden Ausgaben des „VB“ kamen nun die „Berlinausgabe“ sowie die „Norddeutsche Ausgabe“ hinzu. Nach einem weiteren Jahr erschien auch die „Wiener Ausgabe“ und ab dem Jahre 1941 wurde zusätzlich zu den anderen fünf Ausgaben außerdem die „Feldpostausgabe“ gedruckt 13 .
Der „VB“ wurde zusehends größer und mächtiger. Lag seine Auflage im Jahre 1925, nach der Neugründung der Partei, noch bei 4500 Exemplaren, so wuchs sie über die Jahre hinweg immer weiter an und hatte 1941 den Umfang von 1 192 542 Exemplaren erreicht 14 .
2.2 Die Manipulation der Sprache durch die NSDAP - eine Darstellung anhand des
Artikels „Kleiner Verrat eines Gernegroß“ („Völkischer Beobachter“ vom 29.April 1945)
2.2.1 Der geschichtliche Hintergrund des Artikels
Der ausgewählte Artikel entstammt der Ausgabe 100a des „Völkischen Beobachters“, die zwar die vorletzte überhaupt gedruckte, jedoch die letzte ausgelieferte Ausgabe des „VB“ darstellt 15 . Ihr Leitartikel „Kleiner Verrat eines Gernegroß“ handelt von der Revolte der Do lmetscher-Kompanie des Wehrkreises VII in der Nacht vom 27. auf den 28. April in München. Unter der Leitung ihres Hauptmannes Dr. Rupprecht Gerne groß wollte diese im Zuge der „Freiheitsaktion Bayern“ 16 den Münchener Gauleiter Paul
10 Plewnia, 384
11 Noller, Sonja: Der Völkische Beobachter. In: Noller, Sonja und Hildegard von Kotze (Hrsg.): Facsimile Querschnitt durch den Völkischen Beobachter. S.4-13
12 Plewnia, 386
13 Plewnia, 386
14 Noller, 9, 13
15 von Kotze, Hildegard: Anmerkungen. In: Noller, Sonja und Hildegard von Kotze (Hrsg.): Facsimile Querschnitt durch den Völkischen Beobachter. S.30
16 Kulturreferat der Landeshauptstadt München. „Kein weiteres sinnloses Blutvergießen. Versuche, den Krieg abzukürzen“ (1998). 25. September 2004 http://www.widerstand.musin.de/w3-25.html
Arbeit zitieren:
Julia Balogh, 2004, Die Manipulation der Sprache durch die NSDAP - Eine Darstellung anhand des Artikels "Kleiner Verrat eines Gernegroß" ("VB" vom 29. April 1945), München, GRIN Verlag GmbH
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