Wenn man heutzutage von Kindheit spricht, dann wird diese häufig in Verbindung mit den neuen Medienwelten gebracht. Aus diesem Grund spricht man auch von einer Medienkindheit.
Eigentlich vertritt dieses Charakteristikum jede Generation von Kindern im 20. Jahrhundert. Die erste lernte das Kino kennen und danach kam das Radio. Nach dem Zweiten Weltkrieg hielt das Fernsehen gefolgt vom Videorecorder seinen Einzug in die Lebenswelt. Im Ausgang des vergangenen Jahrhunderts eroberten schließlich Computer und Internet die Kindheit. Vergessen werden, dürfen nicht die Printmedien, welche in Buch- oder Comicform Kinder und Jugendliche in allen Jahrzehnten erfreuten und auch heute noch Freude bringen. Aber heutzutage stehen den Kindern und Jugendlichen noch viele andere mediale Kommunikations- und Interaktionsformen zur Verfügung. So wird beispielsweise das Handy benutzt, um kurze Nachrichten – SMS – zu verschicken. Via Internetzugang wird die E-Mail – elektronische Post – genutzt, um Nachrichten und Informationen auszutauschen. Des weiteren unterhält man sich im Chat – schriftsprachlicher Kommunikationsraum – oder mittels Internet-Messenger. Die Frage ist, ob sich Kinder in dieser Medienfülle und vor allem in den neuen medialen Kommunikations- und Interaktionformen orientieren können.
Inhaltsverzeichnis
1 Medienkindheit
2 Stellung der Medien
3 Kindermedien
3.1 Bücher
3.2 Comics
3.3 Hörspiele
4 Fernsehen als Freizeitbeschäftigung
4.1 Sehgewohnheiten von Kindern
4.2 Gesundheitliche Folgen
4.3 Soziale Folgen
5 Computernutzung
5.1 Computerspiele
5.2 Wirkungen der Spiele
5.3 Lernprogramme
6 Das Internet
7 Veränderte Kindheit
7.1 Mediatisierung der Kindheit
7.2 Verschwinden der Kindheit
8 Medienerziehung
8.1 Aufgaben
8.2 Warum Medien
9 Medien in der Schule
9.1 Medieneinsatz im Unterricht
9.2 Medienerziehung im Sachunterricht
10 Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Rolle der Medien in der kindlichen Lebenswelt und beleuchtet die damit einhergehenden Veränderungen der Kindheit. Das zentrale Ziel ist es, den Einfluss moderner Medien auf Kinder zu analysieren, deren Nutzungsverhalten kritisch zu hinterfragen und Möglichkeiten für eine pädagogisch fundierte Medienerziehung in der Schule aufzuzeigen.
- Mediennutzung im Kindesalter und deren gesundheitliche sowie soziale Folgen
- Die Veränderung der Kindheit durch Mediatisierung
- Die Rolle von Büchern, Comics, Fernsehen, Computern und Internet
- Medienerziehung als wichtiger Bestandteil des Sachunterrichts
- Kompetenzerwerb und kritischer Umgang mit Medien
Auszug aus dem Buch
2 Stellung der Medien
Zunehmend werden die Massenmedien zum mythischen Objekt. – Sie konstruieren unsere Wirklichkeit. Was wahr ist, entnehmen wir ihnen: Bücher, Fernsehen, Internet, Rundfunk, Zeitungen. Des weiteren bekommen etliche Ereignisse ihre Bedeutung erst durch die Präsenz in den Medien. Mit diesem Mythos wachsen Kinder und Jugendliche auf. Die elektronischen Medien sind Komponenten ihrer Jugend. Früher waren die Medien nur ein Teil der Lebenswelt von Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen, heute wird der Alltag nach ihnen gerichtet. Sie ergänzen nicht mehr nur, sondern sie sind Teil des Sozialisationsprozesses. Dies macht die 45 minütige Sequenz des Tagesablaufs eines neunjährigen Mädchens deutlich (Neumann 1981, S.91):
„Die LCD-Digitaluhr springt auf 6.45. Mit einem gedämpften Knackgeräusch setzt der Radiowecker flotte Morgenmusik in Gang und weckt damit Tanja. Beim Aufstehen tritt Tanja beinahe auf Fred, den superschlanken Dressmann, der von seinem Platz neben Teddy und dem Kopfkissen über Nacht heruntergefallen sein muß. Neuigkeiten im Bad: ‘Das Schlürfgespenst‘ – Blendis Abenteuer Nr. 6, ein Kurz-Comic auf der Schachtel der neuen Zahncreme. Nach dem Ankleiden nochmalige Kontrolle des Ranzeninhalts; ach ja, heute ist der Rückgabetermin in der Schulbibliothek, ‘Ferien auf dem Ponyhof‘ muß zurück. Dann noch die Kassette mit der Gruppe ‘Dschingis-Khan‘, die Katja zum Überspielen haben wollte. Am Frühstückstisch haben die natürlich wieder `n anderen Sender. Tanja erregt Vaters Unwillen, als sie ihm den Zeitungsteil mit den Familienanzeigen wegzieht. Mutter bekommt von Vaters Gereiztheit auch etwas ab, weil sie am Abend zuvor das Fernsehen wieder einmal nur per Fernsehschalter und nicht mit der Schlüsseltaste abgeschaltet hat. Wer hat denn die Sammelbilder aus der neuen Cornflakes-Packung herausgenommen? Und wie ist der ‘Tatort‘ ausgegangen? Die Stimme des Nachrichtensprechers bedeutet für Tanja, schleunigst den Schulweg anzutreten.“
Zusammenfassung der Kapitel
1 Medienkindheit: Einführung in den Begriff der „Medienkindheit“ und Darstellung der historischen Entwicklung sowie der Vielfalt medialer Angebote im Alltag heutiger Kinder.
2 Stellung der Medien: Analyse der Bedeutung von Massenmedien als konstruktive Kraft in der kindlichen Wahrnehmung und als fester Bestandteil des modernen Sozialisationsprozesses.
3 Kindermedien: Überblick über die Relevanz klassischer und neuer Medien wie Bücher, Comics und Hörspiele für Kinder sowie deren spezifische Rezeptionsweise.
4 Fernsehen als Freizeitbeschäftigung: Untersuchung der Sehgewohnheiten sowie der physischen und sozialen Auswirkungen des Fernsehkonsums bei Kindern.
5 Computernutzung: Betrachtung der Verbreitung von Personal Computern bei Kindern, den Wirkungen von Computerspielen und der Funktion von Lernprogrammen.
6 Das Internet: Diskussion über das Internet als aufkommendes Medium für Kinder und die damit verbundenen Herausforderungen an die Medienkompetenz.
7 Veränderte Kindheit: Reflexion über die Mediatisierung der kindlichen Welt und die Thesen zum Verschwinden der Kindheit durch den Wegfall von Geheimnissen zwischen Erwachsenen und Kindern.
8 Medienerziehung: Darstellung der Aufgaben und Dimensionen medienpädagogischer Arbeit sowie der Bedeutung von Medien für Identitätsbildung und Alltagsbewältigung.
9 Medien in der Schule: Konkrete Ansätze für den Medieneinsatz im Sachunterricht und zur Durchführung von Medienerziehung im schulischen Kontext.
10 Fazit: Zusammenfassende Einschätzung zur Notwendigkeit einer bewussten Medienerziehung, um Kindern einen kompetenten und eigenverantwortlichen Umgang mit Medien zu ermöglichen.
Schlüsselwörter
Medienkindheit, Mediennutzung, Medienerziehung, Sachunterricht, Fernsehen, Computernutzung, Internet, Sozialisationsprozess, Medienkompetenz, Kindheit im Wandel, Massenmedien, Kindermedien, Identitätsbildung, Alltag, Bildschirm
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit behandelt die Rolle und Bedeutung von Medien in der Lebenswelt von Kindern und analysiert, wie diese den Sozialisationsprozess und das Aufwachsen beeinflussen.
Was sind die zentralen Themenfelder der Publikation?
Zu den zentralen Themen gehören das Nutzungsverhalten verschiedener Medien (Bücher, Fernsehen, Computer, Internet), deren gesundheitliche und soziale Auswirkungen sowie die Möglichkeiten einer pädagogischen Begleitung.
Welches primäre Ziel verfolgt die Autorin?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie Medien den Alltag von Kindern prägen, und darzulegen, warum eine strukturierte Medienerziehung in der Schule notwendig ist, um die Kinder zu einem bewussten Umgang zu befähigen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer theoretischen Literaturanalyse und der Zusammenführung medienpädagogischer und entwicklungstheoretischer Erkenntnisse.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine detaillierte Betrachtung einzelner Medienformen, deren Einfluss auf die kindliche Entwicklung und die spezifische Ausgestaltung der Medienerziehung im Sachunterricht der Grundschule.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit am besten?
Die Arbeit lässt sich am besten durch Begriffe wie Medienkindheit, Medienerziehung, Medienkompetenz, Veränderung der Kindheit und den Einsatz neuer Medien im Unterricht beschreiben.
Was besagt die These zum „Verschwinden der Kindheit“ im Dokument?
Die Autorin greift die Ansicht auf, dass durch die mediale Verfügbarkeit der Erwachsenenwelt für Kinder die Grenze zwischen Kindheit und Erwachsensein schwindet, da Informationen und Lebenswelten nicht mehr getrennt sind.
Warum betont das Dokument die Rolle von Gleichaltrigen bei der Medienerziehung?
Die Arbeit argumentiert, dass Belehrungen durch Erwachsene oft weniger effektiv sind, da Kinder sich von diesen weniger vorschreiben lassen wollen als von Gleichaltrigen, die als Vorbild oder Diskussionspartner dienen.
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- Mareike Böhler (Author), 2003, Kindliche Lebenswelt: Medien, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/42994