Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 3
2. Die Person Mussolinis und die Propaganda 3
2.1 Deutliche personelle Überstrahlung der Politik 3
2.2 Die „Duce-Fabrik“ als Instrument des Personenkults 5
3. Vorhandensein einer Krisensituation als Voraussetzung für den Aufstieg eines 7
charismatischen Herrschers
4. Wirtschaftsfremdheit 8
5. Schwinden des Charismas bei anhaltendem Misserfolg 8
6. Rückbesinnung auf alte Werte bei schwindendem Charisma 9
7. Fazit 11
8. Bibliographie 12
2
Einleitung
Die vorliegende Hausarbeit gliedert sich in sieben Kapitel. In jedem Kapitel wird ein Aspekt Webers Charismatheorie am Beispiel der faschistischen Herrschaft Mussolinis über Italien auf seine Anwendbarkeit hin überprüft.
Im ersten Kapitel wird zunächst das Kriterium der deutlichen personellen Überstrahlung der Politik durch einen charismatischen Herrscher am Beispiel Mussolinis beschrieben. Eng damit verbunden ist der Aspekt der sog. „Duce-Fabrik“, der von großer Bedeutung für Mussolinis Machtaufbau- und erhalt war.
Nach Weber begünstigen Krisensituationen den Aufstieg charismatischer Herrscher. 1 Daher beschreibt das zweite Kapitel die wesentlichen Faktoren, die zu einer Krisensituation Italiens nach dem 1. Weltkrieg führten. Im dritten Kapitel soll der Aspekt der Wirtschaftsfremdheit am Beispiel Mussolinis dargelegt werden.
Der Verlust des Charismas durch anhaltenden Misserfolg sowie die Rückbesinnung eines charismatischen Herrschers auf seine ehemaligen Ideale behandeln die Kapitel vier und fünf. Das sechste Kapitel stellt ein Fazit dar, inwieweit Mussolini als charismatischer Herrscher im Sinne Max Webers zu sehen ist.
2. Die Person Mussolinis und die Propaganda
2.1 Deutliche personelle Überstrahlung der Politik
Nach Webers Theorie charakterisiert einen charismatischen Herrscher unter anderem die aktuelle Rechtsschöpfung d.h., vom charismatischen Herrscher geht ein konkreter Gestaltungswille aus, der von der ihm folgenden Gemeinschaft anerkannt wird. 2 Solch eine treu folgende Gemeinschaft kann sich jedoch nur um einen Führer entwickeln, wenn dessen charismatische Herrschaft außeralltägliche Züge aufweist. Nach Weber ist eine charismatische Herrschaft dann außeralltäglich, wenn sie rationalen und bürokratischen Herrschaftsformen konträr gegenübersteht. 3 Daraus lässt sich die deutliche personelle Überstrahlung d er Politik als wesentlicher Bestandteil der charismatischen Herrschaft ableiten. Eine personelle Überstrahlung, d.h. die Betonung eines Individuums, das nach Ansicht der ihm folgenden Gemeinschaft über besondere Gaben verfügt, repräsentiert das genaue Gege nteil einer rationalen und bürokratischen Politik bzw. Herrschaftsform. Für dieses Charakteristikum gibt es bei Mussolini viele Belege.
1 Vgl.: Weber, Max. Max Weber - Gesammelte Werke. Berlin 2001. S. 140.
2 Vgl.: Weber. S. 141.
3 Vgl.: Weber, a.a.O., S.162.
3
Zum einen machte Mussolini wenig Gebrauch von den Strukturen der faschistischen Partei, deren Vorsitzender er war. 4 Dies zeigt sich besonders deutlich darin, dass er zeitweise sechs Ministerposten innehatte. Der Schriftsteller Guiseppe Prezzolini brachte das Verhältnis von Faschismus und Mussolini auf den Punkt als er 1942 schrieb:“ Der Faschismus verdankt Mussolini fast alles. Mussolini verdankt dem Faschismus fast nichts, denn ohne ihn würde er sicherlich an der Spitze irgendeiner anderen Bewegung stehen.“ 5 Mussolinis Persönlichkeit überstrahlte die faschistische Ideologie derart, dass selbst Menschen, die dem Faschismus ablehnend gegenüber standen, durchaus Anhänger von Mussolini sein konnten. 6 Mussolini selbst sah sich vielmehr als Medium, das soviel Freiraum wie möglich benötigte, um zwischen den weiterbestehenden Machtzentren Italiens wie Armee, Monarchie, Katholischer Kirche, Landbesitzern und den Banken als Vermittler auftreten zu können. 7 Mussolinis politische Stellung überstrahlte die faschistische Bewegung in einem Maße, dass man das politische System Italiens unter Mussolinis Herrschaft weniger als Faschismus s ondern vielmehr als Mussolinismus bezeichnen kann. 8 Durch pompöse, an das Rom der Antike erinnernde Einmärsche, rhetorisch ausgefeilte Reden, die Benutzung von damals sehr fortschrittlichen Flugzeugen und Rennautos sowie der Betonung des vaterländischen, römischen Erbes gelang es Mussolini, sich als charismatischen Politiker darzustellen, der seinen Auftritten nach in unzähligen Gebieten wie Landwirtschaft, Bergbau, Naturwissenschaften, Medizin oder Straßenplanung ein Experte war. 9 Somit gelang es ihm auch Menschen für sich zu gewinnen, die dem Faschismus selbst ablehnend gegenüberstanden. 10 Auch durch die Verwendung des Begriffs „Duce“, der eher mit Religion denn mit Politik in Verbindung gebracht wird, gelang es Mussolini, auch die starken religiösen Kräfte Italiens für sich zu gewinnen und stellte sic h über die Partei und deren Ideologie. Selbst dem parlamentarischen Regierungssystem Italiens stahl Mussolini derart die Bedeutung, dass es schließlich, ohne viel Protest auszulösen, abgeschafft werden konnte.
4 Vgl.: Melograni, Piero. The Cult of the Duce in Mussolini’s Italy, in: Musse, G.H. (Hrsg.), International
Facism, New York 1980.
5 Vgl.: Petersen, Jens. Mussolini - Der Mythos des allgegenwärtigen Diktators, in: Nippel, W ilfried. Virtuosen
der Macht. Herrschaft und Charisma von Perikles bis Mao. München 2000. S. 161.
6 Ibid.
7 Vgl.: Melograni, a.a.O., S. 74.
8 Vgl.: a.a.O., S. 75.
9 Vgl.: a.a.O., S. 78.
10 Vgl.: a.a.O., S. 75
4
Arbeit zitieren:
Bernd Reismann, 2005, Die Charismatheorie Max Webers am Beispiel von Benito Mussolini, München, GRIN Verlag GmbH
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