Regionale Wirtschaftsförderung im bayerisch-tschechischen Grenzgebiet
Inhalt:
Die wirtschaftliche Schwäche des bayerisch-tschechischen Grenzgebietes 1
Einzelne Bereiche der bayerischen Wirtschaft und die EU-Osterweiterung 1
Europ äische Mittel 4
Bundesmittel 8
Landesmittel 10
Ein Beispiel für grenzüberschreitende Wirtschaftsförderung: Die Euregios 11
Fazit 12
Die wirtschaftliche Schwäche des bayerisch-tschechischen Grenzgebietes
Das bayerisch-tschechische Grenzgebiet steht nach der Wende und nach dem EU-
Beitritt der osteuropäischen Länder in einer wirtschaftlich wegweisenden Phase. Aus
einer Randlage Europas rückt Ostbayern innerhalb von ca. 15 Jahren in die Mitte der
europ äischen Union und des liberalisierten grenzüberschreitenden Marktes. Dies birgt
durch das Lohn- und Preisgefälle einen erhöhten Konkurrenzdruck, aber auch neue
M ärkte welche erschlossen werden können.
Eine hinzukommende Schwierigkeit ist das Fördergefälle zu Tschechien. Dies zeigen
die Erfa hrungen in den Grenzgebieten zu Thüringen und Sachsen, wo die
F örderhöchstsätze für Arbeitsplatzschaffende Investitionen bei 35 für große
Unternehmen beziehungsweise 50 für KMU liegen (das gleiche gilt für die
Tschechische Republik), sind in Bayern höhere Fördersätze (18 für große
Unternehmen , 28 für KMU) durch die Vorgaben der EU ausgeschlossen. Unter
diesen Rahmenbedingungen wird es immer schwieriger, Betriebe auf bayerischer
anzusiedeln beziehungsweise zu halten, da die gesamte tschechische Republik außer
Prag Höchstfördergebiet ist. Das ostbayerische Grenzland wird sich dann einem ähnlich
starken Fördergefälle mit den gleichen Konsequenzen für die Wirtschaft ausgesetzt
sehen , wie Nordbayern nach der Wende.
(vgl. http://www.stmwivt.bayern.de/pdf/europa/EU-Osterweiterung.pdf)
Einzelne Bereiche der bayerischen Wirtschaft sind durch die EU-Osterweiterung wie
folgt betroffen:
Dienstleistungen :
Grenz überschreitende Dienstleistungen zwischen der alten EU und den neuen
Beitrittsl ändern unterliegen derzeit noch beträchtlichen Beschränkungen. Vor allem
nachfrageorientierte Dienstleistungen und wichtige Teile des Handwerks wie z.B.
Bauleistungen , die vor Ort erbracht werden müssen und grenzüberschreitende Mobilität
des Anbieters erfordern sind betroffen. Ihr Angebot wird durch Beschränkungen der
Dienstleistungsfreiheit sowie der Arbeitnehmerfreizügigkeit derzeit noch gestoppt. Es
gibt eine nach Mai 2004 geltende siebenjährigen Übergangsregelung für die
Dienstleistungsfreiheit in den Bereichen Baugewerbe, Innenausstattung und
Geb äudereinigung. In diesen Branchen sind die Chancen verbessert, dass die
1
Anpassung an den neuen Konkurrenzdruck zumindest mit geringerem „Schock-Effekt“ vollzogen werden kann.
Die Auswirkungen der Osterweiterung auf die verschiedenen Dienstleistungsbranchen sind untersc hiedlich, je nachdem ob sie eher vom Personal oder Kapitaleinsatz abhängen.
Humankapitalarme unternehmensorientierte Dienste mit hoher Sachkapitalintensität, wie z.B. Leasing, Luftfahrt und Fernmeldedienste, sowie der Großhandel haben keine bedeutenden Wettbewerbsnachteile. Humankapitalarme Branchen, deren Wettbewerbsfähigkeit entscheidend durch die Lohnkosten bestimmt werden, wie z.B. Straßengütertransportgewerbe, gewerbliche Personenbeförderung auf der Straße, Post-und Kurierdienste, Schutz- und Reinigungsdienste sind nun einem erhöhten Konkurrenzdruck ausgesetzt. Personenorientierte Dienstleistungen in humankapitalintensiven Branchen, wie z.B. im Erziehungs- und Unterrichts sowie Sozialwesen sind sehr stark reguliert und Grenzüberschreitung en bei diesen Dienstleistungen in der EU weitgehend ausgeschlossen. Humankapitalärmere personenbezogene Dienste mit hohem Kapital- oder Marketingaufwand, wie z.B. Film, Video, Versandhandel, sowie mit Einbindung in bestehende Logistiksysteme, wie z.B. Kfz-Handel und Reisebüros haben keine Schwierigkeiten sich durchzusetzen. Humankapitalärmere und lohnkostensensible Dienste, wie z.B. Friseurgewerbe, Teile des Einzelhandels und Kfz-Reparatur, welche vor allem im Grenzgebiet lokalisiert sind , werden unter verschärften Konkurrenzdruck geraten. In diesem Bereich arbeiten in Bayern 44,6 % aller Beschäftigten in personenbezogenen Diensten. (vgl. Bayerische Staatskanzlei. 2003. S.24)
Die grenzüberschreitende Gesundheitsversorgung ist in der EU bereits jetzt zunehmend liberalisiert. Diese Entwicklung wird durch die Osterweiterung stark verstärkt werden. Dadurch dürfte die Konkurrenz im Gesundheitssektor zunehmen. Gesundheitsleistungen werden durch Tschechien, Ungarn und Polen schon jetzt a uch in Deutschland angeboten. Baye rische Krankenhäuser haben die Möglichkeit, mit benachbarten ausländischen Einrichtungen Kooperationen zu bilden und Synergieeffekte zu nutzen bzw. eine etwaige geringe Auslastung zu verbessern. Da es generell an Ärzten und Pflegekräften mangelt, ergeben sich weitere Chancen. (vgl. Bayerische Staatskanzlei. 2003. S.25) Verarbeitendes Gewerbe:
Da der Warenhandel aufgrund der Assoziierungsabkommen schon seit Anfang der 90er Jahre weitgehend liberalisiert ist, wird sich durch die EU-Osterweiterung nicht mehr viel verändern. Ein Unterschied, beziehungsweise ein Problem bleibt das weiterhin bestehende Lohngefälle (im Jahr 2000 betrugen die Arbeitskosten je Stunde in Westdeutschland 25,80 €, in Polen 3,40 €, in Tschechien 3,00 € sowie in Ungarn und der Slowakei 2,8 0 €). Sach-, humankapital - und technologieintensive Branchen, wie Kokereien, Mineralöl- und Chemische Industrien, Metallerzeugungen, Maschinenbau, elektrotechnische und optische Industrien sowie der Fahrzeugbau besitzen gegenüber den neuen EU-Staaten Wettbewerbsvorteile . Zu den arbeitsintensiven und humankapitalarmen Branchen mit sektoralen Wettbewerbsnachteilen gegenüber den neuen Beitrittsstaaten zählen das Ernährungs-, das Texti l und Bekleidungs- sowie das Holzgewerbe, die Herstellung von Gummi und Kunststoffwaren sowie von
2
Metallerzeugnissen und von Möbeln, Schmuck und der Bereich Steine und Erden. (vgl. Bayerische Staatskanzlei. 2003. S.23) Einzelhandel:
Mit dem EU-Beitritt Ts chechiens werden noch bestehende Einfuhrbeschränkungen wegfallen und die Grenzen durchlässig. Mit einer weiteren Zunahme des grenzüberschreitenden Einkaufsverkehrs ist deshalb zu rechnen, wobei sich der Kaufkraftabfluss aus Bayern aufgrund des nach wie vor bestehenden Kaufkraftgefälles und der weiterhin deutlich günstigeren Preise in Tschechien verschärfen dürfte. Auf tschechischer Seite werden Einzelhandelsgroßprojekte gebaut, welche aufgrund landesplanerischer Restriktionen in Bayern nicht möglich wären. Dadurch könnte die Konkurrenzsituation für den grenznahen bayerischen Einzelhandel zusätzlich verschärft werden. Der EU-Beitritt wird allerdings auch Vorteile mit sich bringen. Zum einen werden die Qualitätsanforderungen und sonstige Regulierungen, wie z.B. hygienische Vorschriften angeglichen, so dass die Preisvorteile Tschechiens abgemildert werden. In die gleiche Richtung dürften vorzunehmende Anpassungen von Steuern und Abgaben, wie z.B. auf Zigaretten wirken. Andererseits kaufen auch Tschechen im bayerischen Grenzland. Gründe hierfür sind derzeit vor allem Qualitätsvorteile und bessere Garantiebedingungen. (vgl. Bayerische Staatskanzlei. 2003.S.31) Fremdenverkehr und Gastgewerbe:
Für den bayerischen Fremdenverkehr und das Gastgewerbe eröffnet die EU-Osterweiterung neue Chancen. Der Tourismus wird insgesamt zunehmen, die bisherigen bayerischen Grenzgebiete rücken vom Rand in die Mitte Europas und werden damit als Tourismusziele interessanter. Saison- und Gastarbeitnehmer aus osteuropäischen Ländern könne n mithelfen, den seit Jahren bestehenden Hilfsarbeitermangel im bayerischen Hotel und Restaurantgewerbe zu mildern. Es ist aber auch mit dem Aufkommen neuer Konkurrenz durch die Urlaubsregionen Tschechiens zu rechnen, auch im Bereich der Heilbäder und Kururlaube (z.B. tschechisches Bäderdreieck Karlsbad, Marienbad und Franzensbad). (vgl. Bayerische Staatskanzlei. 2003. S.26) Handwerk:
Gerade im Bereich des Handwerks wird der verschärfte Wettbewerb infolge des starken Lohnkostengefälles spürbar. Geringere Sozialstandards sind ebenfalls ein Faktor. Zunehmende Schwarzarbeit, vor allem im direkten Grenzgebiet kommt erschwerend hinzu. Die Bau- und Ausbauhandwerke, Zahntechniker, Friseure, Kfz-Reparatur und Nahrungsmittelhandwerke mit Handel stehen hauptsächlich unter neuem Konkurrenzd ruck. Das Handwerk ist zudem von einer Minderung der geltenden Anforderungen an die berufliche Qualifikation von EU-Ausländern im grenzüberschreitenden Dienstleistungsverkehr und bei der Niederlassungsfreiheit besonders betroffen. Eine intensivere Arbeitsteilung mit Tschechien bietet aber gerade auch für die Handwerksbetriebe besondere Chancen. Die neuen Märkte bieten auch neue Absatzmöglichkeiten. Durch Bezug lohnkostenintensiver, einfacher Produktionsteile sowie durch Kooperationen mit tschechischen Betrieben können die Kosten gesenkt werden. Dem Arbeitskräftemangel in manchen Teilbereichen des Handwerks kann mit dem Arbeitskräftepotential Tschechiens begegnet werden. Die Handwerksbetriebe können zudem ihre Wettbewerbsvorteile nutzen, über die sie bei
3
Arbeit zitieren:
David Parkmann, 2005, Wirtschaftsförderung im bayerisch-tschechischen Grenzgebiet, München, GRIN Verlag GmbH
Dieser Text kann über folgende URL aufgerufen und zitiert werden:
Einbetten
DOI
Ermittlung einer Entgeltabrechnung vom Brutto zum Netto (Unterweisung ...
AdA Kaufmännische Berufe / Verwaltung
Unterweisung / Unterweisungsentwurf, 11 Seiten
Die Positionen einer Gehaltsabrechnung beschreiben und das Nettogehalt...
AdA Kaufmännische Berufe / Verwaltung
Unterweisung / Unterweisungsentwurf, 28 Seiten
Entwicklung einer Vorgehensweise zur strategischen Positionierung eine...
BWL - Unternehmensführung, Management, Organisation
Diplomarbeit, 100 Seiten
Formatvorlage (Microsoft Word) für eine Diplomarbeit, Masterarbeit, Ha...
Für MS Word 2003 - Update 2010
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 25 Seiten
Erstellung einer Gehaltsabrechnung am PC (Unterweisung Bürokaufmann / ...
AdA Kaufmännische Berufe / Verwaltung
Unterweisung / Unterweisungsentwurf, 7 Seiten
David Schneider's Text Wirtschaftsförderung im bayerisch-tschechischen Grenzgebiet ist nun auf dem Buchmarkt erhältlich
David Schneider hat den Text Wirtschaftsförderung im bayerisch-tschechischen Grenzgebiet veröffentlicht
David Schneider hat einen neuen Text hochgeladen
Landschaft - Kultur - Leute
Wilfried Bahnmüller, Lisa Bahnmüller
International Review of Biblical Studies, Volume 48 (2001-2002): Inter...
B. Lang, Bernhard Lang
International Review of Biblical Studies, Volume 51 (2004-2005): Inter...
B. Lang, Bernhard Lang
International Review of Biblical Studies, Volume 49 (2002-2003): Inter...
B. Lang, Bernhard Lang
Wirtschaftsförderung durch die Förderung erneuerbarer Energien?
Ein empirischer Vergleich des ...
Jan-Welf Selke, Thorsten Lang, Thomas Puls
0 Kommentare