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Criminal Profiling
INHALTSVERZEICHNIS
Titelblatt 1
Inhaltsverzeichnis 2
Zusammenfassung 4
Einleitung 5
Historische Entwicklung 6
Die ViCLAS Datenbank 7
Europäische Entwicklungen 8
Criminal Profiling 9
Definitionen und Ziele 9
Anwendungsgebiete 9
Theoretische Prämissen 11
Tatortverhalten 12
Modus Operandi 12
Täterhandschrift 12
Inszenierung des Tatorts 13
Profiling Prozess 14
Profiling Methoden 16
Induktives Profiling 16
Intuition Vorwissen und Verhaltenssyndrome 16
Statistisch-empirische Modelle 20
Die klassischen FBI-Typologien 21
Neuere empirische Studien 28
Die Harbort-Studien 28
Kritik an der induktiven Profilerstellung 29
3 Criminal Profiling
Deduktives Profiling 31
Theoretische Annahmen zur deduktiven Profilerstellung 33
Tatrekonstruktion bei der deduktiven Profilerstellung 34
Hypothesentestung bei der deduktiven Profilerstellung
Kritik an der deduktiven Profilerstellung 36 Diskussion 37
Literatur 40
Anhang 44
4 Criminal Profiling
ZUSAMMENFASSUNG
Das rekonstruierte Tatverhalten eines Gewaltverbrechers liefert einem „Criminal-Profiler“ angeblich sämtliche Informationen um detaillierte Aussagen über Geschlecht, Alter, Lebensraum, Intelligenz, Charakter, Persönlichkeitsstruktur, usw. generieren zu können. Criminal Profiling entwickelte sich zu einer Disziplin, welche zahlreiche akademische und wissenschaftliche Bereiche impliziert. Im Verlaufe der Entwicklung dieser noch jungen Disziplin kristallisierten sich zwei grundverschiedene Methoden bei der Vorgehensweise zur Profilerstellung heraus. Zum einen die induktive Profilerstellung, welche auf statistische und empirische Daten, sowie auf die individuellen Erfahrungswerte und Intuitionen des jeweiligen Profilers basiert. Zum anderen gibt es die deduktive Vorgehensweise, nach der jeder Fall als einzigartig angesehen wird. Die Profilerstellung erfolgt hier nach streng logischen Schlussfolgerungen und Syllogismen, basierend auf den vorgefundenen Tatortspuren und Beweisen.
In dieser Arbeit wird aufgezeigt, mit welchen psychologischen und methodischen Werkzeugen ein Profiler seine Arbeit verrichtet, welche wissenschaftlichen Theorien dieser Tätigkeit zugrunde liegen und wo die Grenzen des Profiling sind. Es stellte sich heraus, dass keine der beiden Philosophien eine alleinige Existenzberechtigung beanspruchen kann. Beide Methoden sind aufgrund der mangelnden empirischen Evaluation noch sehr stark kritikanfällig. Ferner musste festgestellt werden, dass zur Ausübung des Profiling weder nationale noch internationale Standards festgelegt sind.
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EINLEITUNG
Unter Criminal Profiling versteht man die Zusammenstellung von möglichen Persönlichkeitsmerkmalen, Verhaltensauffälligkeiten und Lebensumstände eines unbekannten Täters auf Grund genauer Analyse der Tatortspuren, sowie weiterer kriminalistischer und viktimiologischer Erhebungen (Meyer 2002).
Nicht zuletzt die in jüngster Verhangenheit erfolgreich lancierten Kinofilme „Das Schweigen der Lämmer“, „Hannibal“ und TV-Serien wie beispielsweise „Profilier“ und „Das FBI ermittelt“ haben zu einem wahren Boom des Phänomens „Profiling“ beigetragen. Der ermittelnde „Profiler“ wird in den populärwissenschaftlichen Beiträgen sehr häufig als eine Art Wahrsager dargestellt, welcher scheinbar mittels hellseherischer Eingebung aus minimalen Tatortspuren eine nahezu perfekte Rekonstruktion des Geschehens inklusive einer detaillierten Täterbeschreibung erstellen kann.
Doch was steckt hinter dem mystischen Schleier dieser hellseherisch anmutenden Ermittler? Welche konkreten Vorgehensweisen und Instrumente werden verwendet? Wie valid und reliabel sind die Methoden?
Diese Arbeit liefert zunächst einen historischen Abriss über die Entwicklung dieser noch jungen Disziplin. Die ersten, Aufsehen erregenden Täterprofile werden kurz dargestellt. Anschliessend werden die Pionierleistungen des Federal Bureau of Investigation (FBI), sowie die in Europa entstandenen Entwicklungen und deren Ausprägungen dargestellt. Anschliessend werden die Voraussetzungen und Anwendungsgebiete diese kriminalistischen Instrumentes erläutert. Der Hauptaugenmerk dieser Arbeit richtet sich dann auf die aktuellen, methodischen Vorgehensweisen der Profilersteller. Hier haben sich zwei generell unterschiedliche Methoden entwickelt. Es handelt sich hierbei einerseits um die induktive Profilerstellung, welche auf statistische und empirische Daten, sowie auf die individuellen Erfahrungswerte und Intuitionen des jeweiligen Profilers basiert. Zum anderen gibt es die deduktive Vorgehensweise, nach der jeder Fall als einzigartig angesehen wird. Die Profilerstellung erfolgt hier nach streng logischen Schlussfolgerungen und Syllogismen, basierend auf den vorgefundenen Tatortspuren und Beweisen. Für beide Methoden werden aktuelle Studien erörtert und diskutiert. Es soll dem Leser somit ein möglichst umfassender und abgerundeter Eindruck über die Methoden der Täterprofile bei Gewaltverbrechen vermittelt werden.
Criminal Profiling
HISTORISCHE ENTWICKLUNG
Eines der ältesten Täterprofile stammt von Dr. Thomas Bond, der im Jahre 1888 die möglichen Charakterzüge des berüchtigten „Jack the Ripper“ in einem Brief an den Leiter der Kriminalpolizei London skizzierte (Meyer 2002).
Der wissenschaftliche Grundstein wurde 1943 in den USA durch den Militärdienst OSS, dem Vorläufer der „Central Intelligence Agency (CIA)“ gelegt. Dort wurde ein erstes, aussergewöhnliches Täterprofil in Auftrag gegeben: Um politischen Entscheidungsträgern in der amerikanischen Regierung Anhaltspunkte zur Einschätzung Adolf Hitlers zu vermitteln, sollte vom Psychiater Walter C. Langer und seinem Forschungsteam eine umfassende psychologische Analyse Hitlers erstellt werden. Grundlage für Langers Ausführungen waren vielfältige Schriften und Reden von und über Hitler, sowie Aussagen von Personen, die den Diktator persönlich kannten. Aus heutiger Sicht ist diese Herangehensweise ungewöhnlich, da die Vorhersagen nicht über einen unbekannten „Täter“ erstellt wurden und somit gegen eine grundlegende Prämisse der Fallanalyse verstösst. Dennoch waren die Ergebnisse beachtlich: Von acht Möglichkeiten vermutete Langer die Selbsttötung Hitlers für die wahrscheinlichste Verhaltensweise im Falle einer Niederlage (Musloff 2002). 1
Als die ersten psychologischen Täterprofile im engeren, kriminalistischen Sinne gelten die Arbeiten des amerikanischen Psychiaters James Brussel aus den 1970´er Jahren (Musloff 2002). Brussel fertigte seine Profile aus bereits gelösten Kriminalfällen an. Sein wohl berühmtester Fall war der des New Yorker Bombenlegers „Mad Bomber“ aus den 1950´er Jahren (Brussel 1971). Seine Analysen bezüglich des Persönlichkeitsprofils erwiesen sich in vielen Details als äusserst exakt. Trotz der Bemühung Brussels, Transparenz und Wissenschaftlichkeit in seine psychologische und psychiatrische Charakterisierung zu bringen, gelang es ihm nicht, das Bild eines mystischen Wahrsagers zu überwinden (Musloff 2002).
Ein Meilenstein in der Institutionalisierung und Professionalisierung des Profiling wurde im Jahre 1972 gelegt. Aufgrund der steigenden Zahl ungeklärter Mordfälle wurde in den USA an der FBI Akademie in Quantico die „Behavioral Science Unit (BSU)“ gegründet. Diese Abteilung für Verhaltensforschung widmete sich unter der Leitung der Agenten Howard Teten und Pat Mullany erstmalig mit wissenschaftlichen Methoden der Täterprofilerstellung (Turvey 1997). Auf Basis empirischer Daten von bereits überführten Serientäter wurden 1 Nachzulesen unter http://nizkor.org/hweb/people/h/hitler-adolf/oss-papers/text/profile-index.html
Criminal Profiling
psychologische Modelle, Tätertypologien und Methoden zur Täterprofilerstellung entwickelt (Meyer 2000).
Durch politische und finanzielle Unterstützung wurde 1984 die Spezialeinheit des FBI verstärkt und das „National Center of the Analysis of Violent Crime (NCAVC)“ gegründet. Neben anspruchsvollen Forschungsprojekten und umfangreichen Ausbildungsseminaren wurde erstmalig auch ausländischen Behörden Unterstützung bei der Aufklärung ungelöster Mordfällen gewährt. Des Weiteren wurde 1985 erstmals mit dem „Violent Criminal Apprehension Programme (VICLAP)“ eine landesweite Datenbank zur Unterstützung der einzelnen Polizeidienststellen bei der Aufklärung von Tötungsdelikten eingerichtet (Meyer 2000).
1991 wurden die Aktivitäten der FBI-Mitarbeiter bezüglich des Profiling durch Einsparungen und durch das Aufkommen anderer Problemfelder 2 reduziert. Der internationale
Beratungsservice und das Ausbildungsprogramm ausländischer Ermittlungsbeamte wurden gestrichen (Musloff 2002).
Die ViCLAS-Datenbank
Aufbauend auf dem sehr anwenderunfreundliche VICLAP des FBI wurde in den Jahren 1992 bis 1994 in Kanada das „Violent Crime Linkage Analysis System (ViCLAS)“ aufgebaut (Musloff 2002). Im Gegensatz zum US-amerikanischen System ist ViCLAS ein flexibles System, in welchem nebst Mordfälle auch Sexualdelikte erfasst werden. Diese zweisprachige Software (englisch und französisch) ist in der Lage, durch einen umfassenden Datenabgleich bei Morden und Sexualdelikten Parallelen zwischen verschiedenen Delikten aufzudecken, um so bei der Identifizierung von Serientätern behilflich zu sein (Hoffmann 1999). Ein weiterer Vorteil ist, dass das System kostenlos an interessierte, ausländische Behörden weitergegeben wird und entsprechend länderspezifisch modifiziert werden kann. So wurde beispielsweise in Deutschland neben Tötungs- und Sexualdelikten auch das „verdächtige Ansprechen von Kindern und Jugendliche mit verdächtigem Hintergrund“, sowie Vermisstenfälle mit aufgenommen (Nagel 2002).
In einem, mehr als 250 Fragen umfassenden Eingabebogen wird das Verhaltensmuster des Täters („Modus Operandi“) detailliert erfasst. Die so gesammelten, landesweit zugänglichen
2 Neuere Forschungsansätze innerhalb der NCAVC beschäftigen sich derzeit u.a. intensiv mit Entführungen und dem mysteriösen Verschwinden von Kindern, sowie mit neuen Formen von Gewaltdelikten Jugendlicher, wie etwa dem Phänomen der Schiessereien an Schulen.
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Verknüpfungsmöglichkeiten zu anderen Delikten auch als Grundlage für ein Täterprofil dienen (Hoffmann 1999). ViCLAS kommt mittlerweile in den meisten europäischen Ländern zum Einsatz und wurde im Jahre 2003 erfolgreich in der Schweiz eingeführt.
Europäische Entwicklungen
Die Entwicklungen in Deutschland, Österreich, Grossbritannien, den Niederlanden, Dänemark, Schweden und Finnland waren vor allem zu Beginn sehr stark durch die amerikanischen Ideen und Vorstellungen geprägt (Vick 1998). In den 1980´er Jahren wurde an der Universität Liverpool durch den Psychologieprofessor David Canter mit der Abteilung Investigative Psychology ein eigener Forschungszweig gegründet. Dieser beschäftigt sich intensiv mit Anwendung und Erforschung empirischer-psychologisch Methoden bei der Aufklärung von Verbrechen (Meyer 2002). Hierbei werden vorwiegend Korrelationsstudien, Faktoren- und Clusteranalysen zur Erstellung eines empirischen Täterprofils angewendet. Anders als in den Vereinigten Staaten ist der „Profiling-Boom“ in Europa ungebrochen (Hoffmann 1999). Die Pionierrolle übernahm Österreich mit der Einrichtung des Kriminalpsychologischen Dienstes unter der Leitung des bekannten Profilers Thomas Müller. In der Schweiz wurde in den 1980´er Jahren bei ungeklärten Mordfällen vereinzelt die Dienste der damaligen BSU in Anspruch genommen. Seit 2003 arbeitet auch hier eine Spezialeinheit des Bundesamtes für Polizei mit der ViCLAS-Software.
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CRIMINAL PROFILING
Definitionen und Ziele
Bei der Täterprofilerstellung handelt es sich um eine Methode, bei der ein unbekannter Täter hinsichtlich seiner Persönlichkeits- und Verhaltensmerkmalen so beschrieben wird, dass er von anderen Personen signifikant zu unterscheiden ist (Dern 2000). Allgemein versucht man mit einem Täterprofil Aussagen zu machen über Anzahl der Täter, Geschlecht, Alter, Familienstand, Lebensraum / Wohnraum, Ausbildung, Beruf, Mobilität, mentaler Typus, Umgang mit Autoritäten, Vorstrafen, Gewohnheiten / Freizeitaktivitäten, Erscheinungsbild sowie prä- und vordeliktisches Verhalten (Musloff 2002). Die oberste Grunddevise hierbei besagt, dass der Tatort die Persönlichkeit eines Täters reflektiert (Meyer 2002). Es wird demnach generell davon ausgegangen, dass für einen Täter die Wahl seiner vor, während und nach der Tat getroffenen Entscheidungen und Handlungen für seine Persönlichkeit charakteristisch und repräsentativ sind. Somit sollte es möglich sein, die Handlungsalternativen rekonstruieren und psychologisch bewerten zu können. Aufgrund dieser Bewertungen soll ein reliables Täterprofil zu erstellen sein. Wichtige Voraussetzung ist natürlich, dass die Persönlichkeit der gesuchten Person stabil bleibt. Weiterhin von Bedeutung für eine mögliche Profilerstellung ist, dass diese nur bei ausreichend vorhandenen objektiven Daten erstellt wird (Musloff 2002).
Anwendungsgebiete
Cook und Hinman (1999) manifestieren sechs grundlegende Aufgabenbereiche des Criminal Profiling:
(1) Die Fokussierung der Ermittlungsarbeit auf einen Personenkreis mit den wahrscheinlichsten Tätermerkmalen (2) Hilfestellung bei der Erarbeitung proaktiver Strategien gewähren (3) Vorschläge bezüglich investigativer Strategien unterbreiten (4) Zusätzliche Informationen für die Prozesstaktik liefern (5) Direkte Intervention bei noch aktiven, dynamischen Straftaten (z.B. Entführungen, Geiselnahmen und Erpressungen) (6) Prävention von Gewaltverbrechen
Quote paper:
Marcel Maier, 2004, Criminal Profiling - Methoden zur Erstellung von Täterprofilen bei Gewaltverbrechen, Munich, GRIN Publishing GmbH
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DOI
Deutschland 1966: Ernstfall Dritter Weltkrieg - Wie man sich vor der B...
History Europe - Germany - Postwar Period, Cold War
Scholarly Essay, 23 Pages
Beckmessers Ständchen (Richard Wagner, Die Meistersinger von Nürnberg)
Scholarly Paper (Advanced Seminar), 38 Pages
Business economics - Personnel and Organisation
Presentation (Elaboration), 12 Pages
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