Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 3
2. Definitionen. 3
2.1. Die Begriffe „Serie“ und „Serialität“ 3
2.2. Zyklische und lineare Serialität 4
3. Die Wurzeln des Seriellen. 5
3.1. Serielle Frühformen sakral-kultischen Ursprungs 5
3.2. Der christliche Kalender. 5
3.3. Mittelalterliche Frömmigkeitspraxis 6
4. Theater. 7
4.1. Karren- und Prozessionstheater. 7
4.2. Commedia dell arte. 8
4.3. Entwicklung des Berufsschauspielertums 9
4.4. Serien im Theater unserer Zeit 9
5. Literatur 10
5.1. Die ersten Kalender 10
5.2. Die periodische Presse 11
5.3. Romane und Zeitschriften. 11
6. Kino 13
6.1. Das Kaiser-Panorama 13
6.2. Die Stummfilme 14
6.3. Kino der Nachkriegszeit 14
7. Schallplatte und Kassette 15
7.1. Entwicklung der Tonträger. 15
7.2. Serielle Strukturen bei Schallplatte und Kassette 16
8. Hörfunk 17
8.1. Serialität im Hörfunk 18
8.2. Weitere Entwicklung. 19
9. Fernsehen 19
9.1. Die Fernsehserie 20
9.2. Das Serielle des Programms. 22
10. Zusammenfassung. 22
2
Einleitung
Ziel der vorliegenden Hausarbeit ist es, den Wurzeln des Seriellen nachzugehen, ihre unterschiedlichen Ausprägungen in der jeweiligen Zeit anhand von Beispielen anschaulich zu machen und dadurch ein abgerundetes Bild von der Entstehung serieller Formen zu vermitteln. Daher erschien es am sinnvollsten, die Thematik chronologisch zu erarbeiten beziehungsweise den unterschiedlichen Medien nach zu untergliedern. Problematisch war dabei vor allem, das anhand von viel Literatur angelesene Wissen zu jedem einzelnen der Gliederungspunkte auf vergleichsweise kleinem Raum kompakt wiederzugeben. Denn das Thema hat sich im Laufe der Bearbeitung als so interessant erwiesen, daß eigentlich jedes der erörterten Stic h-worte eine eigene Hausarbeit wert gewesen wäre.
Natürlich erhebt die vorliegende Arbeit auch nicht den Anspruch auf Vollständigkeit. Weil (verständlicherweise) nur eine begrenzte Anzahl an Seiten zur Verfügung steht, konnten viele Gesichtspunkte nur angerissen werden, andere mußten ganz weggelassen werden. Der beha ndelte Zeitraum stellt auch weder den Beginn noch das Ende der Serialität in Kultur und Medien dar. Serielle Strukturen existieren, seit die kulturelle Produktion die Menschheitsentwicklung begleitet. Dazu gehören Rituale, Kulthandlungen oder Zeremonien, die die Zeit „von den kulturellen Anfängen etwa 40 000 bis zur Blütezeit der ersten Hochkulturen ca. 2500 vor unserer Zeitrechnung“ (Faulstich (Hrsg.), 1998, S. 32) prägten. Trotzdem bieten die folgenden Seiten zumindest einen groben Überblick über die Entwicklung serieller Strukturen von den sakral-kultischen Frühformen bis hin zur heutigen Fernsehserie. Und vielleicht schärfen gerade die kleinen, im Alltag oft nebensächlich erscheinenden Beispiele den Blick dafür, wie sehr unser Leben von seriellen Formen bestimmt ist.
1. Definitionen
1.1. Die Begriffe „Serie“ und „Serialität“
Als „Reihe; Folge; Gruppe gleichartiger Dinge“ definiert der Duden den Begriff „Serie“. Die nachfolgenden Wortkombinationen beziehen sich dann allerdings auf Produkte industrieller Fertigung (z.B. Serienproduktion) und geben im Zusammenhang mit dem für die vorliegende Arbeit relevanten medienwissenschaftlichen Bezug keine Hinweise. Aufschlußreicher ist der Blick ins „Medienlexikon“. Die Serie wird hier folgendermaßen beschrieben: „In Presse und Rundfunk versteht man darunter meist eine mehr oder weniger eng zusammenhängende Erzählung, die in einzelne, in sich abgeschlossene Episoden aufgeteilt und weniger durch einen Handlungszusammenhang als durch eine oder mehrere Hauptpersonen verklammert ist. Länge
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bzw. Dauer und Inhalte einer Serie können dann vom Interesse des Publikums beeinflußt werden (...)“ (Döhn, 1979, S. 203).
Mit der „Serie“ ist in den Medien also eine Reihe von Veröffentlichungen beziehungsweise Sendungen in gleichmäßiger Form und regelmäßiger Folge gemeint. Mit dem Wort „Serie“ wird in der heutigen Zeit zu allererst die 30minütige beziehungsweise einstündige Fernsehs erie assoziiert, die den Alltag des Menschen seit der Erfindung des Fernsehens in den unterschiedlichsten Versionen begleitet. Doch die „Serie“ und der Begriff „Serialität“, den man im Duden bisher noch vergeblich sucht, umfassen weitaus mehr als nur diese Unterhaltungsform des Vorabendprogramms, die lediglich einen kleinen Teil serieller Strukturen darstellt. Darüber hinaus sollen die folgenden Kapitel zeigen, daß serielle Strukturen das Leben des Menschen bereits erstaunlich lange begleiten und sich - im Widerspruch zu der Darstellung im „Medienlexikon“ - nicht nur über Protagonisten, sondern sehr wohl auch über Handlung und Darstellungsform definieren.
1.2. Zyklische und lineare Serialität
Um die Serialität in ihren unterschiedlichen Formen und Ausprägungen genau analysieren und verstehen zu können, müssen grundsätzlich zwei Arten seriellen Erzählens unterschieden werden: die zyklische (unendliche) und die lineare (geschichtlich- finale) Serialität. Grundlage dieser Differenzierung ist das Zeitsystem, in dem wir leben. Bei dessen Entstehung entwickelte sich eine Kombination aus beiden Modellen, die sich in unserem gesamten Lebensrhyt hmus und Zeitbewußtsein fest verankert haben. Die zyklischen Modelle „lehnten sich an die Bewegungen von Sonne und Mond an (Tag, Monat, Jahr) oder entstanden durch religiöse und soziale Vereinbarung (Woche)“ (Maier, 1991, S. 21). Des weiteren entstanden lineare Zeit-ordnungen, „die längere Abläufe (Ären, Perioden) umfaßten und aus denen im Lauf der Zeit die Vorstellung einer unumkehrbaren Geschehensfolge (Geschichte) erwuchs“ (Maier, 1991, S. 21). Ihre maßgebliche Prägung erfuhr diese Zeitordnung in den Anfängen der christlichen Zeitrechnung und ist im großen und ganzen unverändert geblieben. Dadurch „sind bis heute im (...) Kalender natürliche und geschichtliche Ordnung ineinander ve rschränkt (...)“ (Maier, 1991, S. 21).
Am Beispiel der Fernsehserie läßt sich die Strukturbildung beider Zeitmodelle besonders deutlich machen: „Da gibt es zyklische Serien (Typ Columbo), bei welchen die Reihenfolge der Einzelteile beliebig ist, weil der Protagonist und dessen Ambiente nicht altern. Und da gibt es lineare Serien (Typ Dallas), wo die Protagonisten gemeinsam altern, einen unumkehr-
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baren Geschichtsprozeß durchmachen und wo deshalb die Einzelteile der Folge nicht vertauschbar sind“ (Giesenfeld (Hrsg.), 1994, S.13).
2. Die Wurzeln des Seriellen
Das menschliche „Bedürfnis nach einer Parallelisierung des Lebens durch eine zweite, fiktionale Erfahrungswelt“ (Giesenfeld (Hrsg.), 1994, S.3) existiert nicht erst, seit Kino, Hörfunk und Fernsehen Serialität zu einem Aspekt modernen Lebens gemacht haben, der aus unserem Alltag heute nicht mehr wegzudenken ist. Vielmehr dürfte das serielle Erzählen, das sich wie ein roter Faden in immer wieder abgewandelter Form durch das kulturelle und soziale Leben der Menschen aller Jahrhunderte zieht, so alt sein wie die Menschheit selbst. Die vorliegende Arbeit verfolgt der Spur serieller Formen zurück bis hin zu den sakral-kultischen Ursprüngen.. Serielle Vorformen beziehungsweise die Idee einer seriellen Rezeption künstlerischer Produkte lassen sich bis in diese vormittelalterliche Zeit nachweisen.
2.1. Serielle Frühformen sakral-kultischen Ursprungs
Maria und Josef, das Jesuskind sowie Ochs und Esel: Jörg Jochen Berns sieht in ihnen die Protagonisten „der ältesten der für unseren Kulturraum bedeutsamen Familienserien: die Serie von der Heiligen Familie“ (Giesenfeld (Hrsg.), 1994, S.12). Natürlich mutet es etwas ungewöhnlich an, in diesem Zusammenhang von einer Familienserie zu sprechen. Die Bibel und die aus dem christlichen Glauben entstandenen Bräuche (z.B. das Krippenspiel, Heiligenfeste, Prozessionen oder der Ablauf des Gottesdienstes) weisen aber tatsächlich Charakteristika seriellen Erzählens auf. Die „semantische Rhythmisierung, die Zuteilung von Informationen gleicher Quantität, gleicher Qualität und gleicher Binnenvarianz in gleichen Zeitabständen an eine identische Rezipientengruppe“ (Giesenfeld (Hrsg.), 1994, S.12) ist sakral-kultischen Ursprungs.
2.2. Der christliche Kalender
Der christliche Kalender ist eine Kombination aus natürlich-zyklischer und geschichtlichlinearer Ordnung. Das wachsende Selbstbewußtsein des frühen Christentums spiegelte sich zunächst in der Entwicklung eines immer stärker auf Christus bezogenen Zeitbewußtseins, später nahm es in einer neuen Zeitrechnung konkrete Gestalt an. Die bereits existierende kalendarische Ordnung, zusammengesetzt aus historischen und natürlichen Elementen, wurde
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im christlichen Kalender weitgehend übernommen und durch eigene religiöse Gedenktage ergänzt. Eine zentrale Stellung erhielt schon sehr bald der Sonntag, mit dem die Frühchristen das „Gedenken an Tod, Auferstehung und Wiederkunft Christi“ (Maier, 1991, S.23) verbanden. Von großer Bedeutung war dabei die Regelmäßigkeit, mit der dieser Fest- und Ruhetag begangen wurde. Im Jahre 321 wurde er „mit der konstantinischen Befreiung der Kirche (...) offiziell im Kalender verankert“ (Maier, 1991, S.24) und erhielt damit einen festen Platz im Siebentage-Zyklus der Woche 1 . Vier Jahre später einigte sich das Konzil von Nikaia auf einen Termin für das Osterfest: den ersten Sonntag nach dem Frühlingsvollmond. Ostern rückte ins Zentrum des Kirchenjahres und stellte durch seine Abhängigkeit vom Mond die Verbindung zwischen religiösen Feiertagen und Naturzeiten her. Mit dem Ostersonntag als Ausgangspunkt bestimmte man dann die Termine für andere Feiertage wie Aschermittwoch, Pfingstsonntag oder Christi Himmelfahrt.
Im Rhythmus des Kirchenjahres wurden „Natur und Geschichte miteinander verbunden, die historische Zeit an die natürliche Zeit herangeführt. (...) Insofern verband der entstehende christliche Kalender lineare und zyklische Zeitordnung: einmalig waren Geburt, Tod, Aufe rstehung, Himmelfahrt Christi - zyklisch wiederkehrend war das Gedenken daran“. (Maier, 1991, S. 25). Diese mit den Jahreszeiten verknüpfte Gliederung des Kirchenjahres, die stetige Wiederkehr von Sonn- und Feiertagen „sollte die Menschen schon im Alltag auf die Ewigkeit hinlenken. Tag, Woche und Jahr wurden zu Abkürzungen des Erlösungsweges der Menschheit“ (Maier, 1991, S. 31).
2.3. Mittelalterliche Frömmigkeitspraxis
Auch in der mittelalterlichen Frömmigkeitspraxis lassen sich sowohl die zyklische als auch die lineare Form der Serialität nachweisen. Die Heiligenfeste der katholischen Kirche, die bis in unsere heutige Kultur hinein erhalten geblieben sind 2 , entstammen dem Totengedenken der frühen Christen. Dem „ewigen Festtriumph, der auf die Passion der Märtyrer folge, sollte mit der jährlichen Feier ihrer Todestage eine irdische Entsprechung geschaffen werden“ (Küster,
1 „Es ist erstaunlich, daß gerade eine nicht-naturhafte, auf Konvention beruhende Zeitspanne, die Woche, ein so beständiges Element des abendländischen Kalenders darstellt - sie ist bis in die Neuzeit hinein nicht grundsätzlich angefochten worden“ (Maier, 1991, S. 22). Die Dekadengliederung, die im Zuge der Französischen und Russischen Revolution durchgesetzt werden sollte, scheiterte an der festen Verankerung der Sieben-Tage-Woche im Arbeitsleben.
2 „Das Gedenken an die Martyrer bildete die älteste Schicht kirchlicher Heiligenfeste. Aus den Gedenktagen entstand später der Heiligenkalender (Maier, 1991, S. 17).
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Arbeit zitieren:
Christiane Bayer, 1999, Die Entwicklung serieller Strukturen. Von den sakral-kultischen Frühformen bis hin zur heutigen Fernsehserie, München, GRIN Verlag GmbH
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