Inhaltsverzeichnis
1. Das Frauenbild zur höfischen Zeit in
Verbindung mit der höfischen Dichtung 3
2. Interpretationsansatz der Lieder „ich sprach
ich wolte ir iemer leben“ und „swes vröide
hin ze den bluomen stat“
2.1 Formanalyse
2.1.1 „ich sprach ich wolte ir iemer leben“ 4
2.1.2 „swes vröide hin ze den bluomen stat“ 5
2.2 Inhaltliche Interpretation
2.2.1 „ich sprach ich wolte ir iemer leben“ 5
2.2.2 „swes vröide hin ze den bluomen stat“ 6
3. Gattungstheoretische Überlegungen 6
3.1 Minneklage 7
3.2 Frauenlied 8
4. Die Funktion der Frau im Minnesang
4.1 Gattungsspezifische Darstellung: Minneklage 9
4.2 Besondere Darstellung: „ich sprach ich wolte 10
ir iemer leben“
4.3 Gattungsspezifische Darstellung: Frauenlied 11
4.4 Besondere Darstellung: „swes vröide hin ze den 12
bluomen stat“
5. Frauenlied und Minneklage im Gesamtkontext des 14
Minnesangs
2
1. Das Frauenbild zur höfischen Zeit im Zusammenhang mit der höfischen Dichtung 1
Das Frauenbild der höfischen Zeit war geprägt von Fehleinschätzung und Unterdrückung. So wurde die Frau sowohl in sozialer wie auch in sexueller Hinsicht als Objekt betrachtet und hatte sich dem Mann unterzuordnen. Diese Vormundschaft des Mannes begründete sich auf den damaligen Stand der Wissenschaft, der besagte, dass die Frau an sich schwach und zudem noch anfällig für das Böse war. Der Mann dagegen, laut antiker Biologie, war der wahre und vollständige Mensch.
Die höfische Dame in der höfischen Dichtung dagegen ist der literarische Gegenentwurf zur Realität. In der Dichtung erhält das Frauenbild einen fast überirdischen Aspekt, der zu einer Verehrung des Weiblichen an sic h veranlasst.
Während der sogenannten „Renaissance des 12. Jahrhunderts“, also der zweiten Hälfte des 12. Jahrhunderts, vollzieht sich ein allgemeines Erwachen in der Gesellschaft, wobei der Mensch als wertvolles Einzelwesen erkannt wird. 2 Somit erreicht die Verehrung des Weiblichen in der Literatur ihren Höhepunkt. Neben der göttlichen Gnade erscheint nun die Minne als Quelle und Ursprung alles Guten auf der Welt und erreicht damit den höchsten Wertebereich des menschlichen Denkens.
Die Literatur erhebt d ie Umworbene zur Lehnsherrin, der sich ein Ritter in größter Dienstbereitschaft unterwirft. Durch die Erhebung in eine dem Manne übergeordneten Sphäre der Vollkommenheit und Reinheit wird sie zu dessen Lehrerin und Inspiration. Sie erhält die Macht, über Zucht, Sitte und sämtliche humanen Werte zu wachen.
Das idealisierte Frauenbild der höfischen Literatur spiegelt sich am deutlichsten in der Lyrik, dem Minnesang, wider. Hier soll nun anhand zweier Gattungen des Minnesangs, der Minneklage und des Frauenlieds, eine spezifische Untersuchung der Funktion der Frau im Minnesang durchgeführt werden. Nach einer Formanalyse und anschließender inhaltlicher Interpretation je eines Vertreters der beiden Gattungen folgt eine eingehende Darlegung der Funktion der Frau des jeweiligen Liedes im Kontext der vorliegenden Gattung. Hierbei handelt es sich zum einen um Hartmanns von Aue „ich sprach ich wollte ir iemer leben“ aus der Gattung der Minneklage, und zum anderen um das Frauenlied „swes vröide hin ze den bluomen stat“, das ebenfalls von Hartmann von Aue stammt.
1 In dieser Arbeit werden die Regeln der neuen Rechtschreibung verwendet.
2 Vgl.: Carne, Eva-Maria: „Die Frauengestalten bei Hartmann von Aue“. S 5.
3
2. Interpretationsansatz zu „ich sprach ich wolte ir iemer leben“ und „swes vröide
hin ze den bluomen stat“
2.1 Formanalyse
2.1.1 „ich sprach ich wolte ir iemer leben“
Das Lied „ich sprach ich wollte ir iemer leben“ von Hartmann von Aue ist aus sechs Kanzonenstrophen aufgebaut. Das Reimschema ist für alle sechs Strophen gleich festgelegt, es lautet ab ab cc de ff de.
Die Metrik des Liedes ist, ähnlich dem Reim, für alle Strophen gleich konstruiert. Beispielhaft für die Strophen des gesamten Liedes wird eine metrische Analyse der ersten Strophe vorgenommen.
3 Hartmann von Aue: „ich sprach ich wollte ir iemer leben“. In: H. Mooser und H. Tervooren: „Des Minnesangs
Frühling“. Lied III S 408.
4
2.1.2 „swes vröide hin ze den bluomen stat“
Dieses Lied besteht aus vier Kanzonenstrophen zu je sieben Versen. Auch hier stimmt der Reim der ersten Strophe mit dem der restlichen Strophen überein, er lautet ab ab ccc. Auch die Metrik der ersten Strophe ähnelt der der anderen Strophen, weshalb ich mich auf eine metrische Analyse der ersten Strophe beschränke.
2.2 Inhaltliche Interpretation
2.2.1 „ich sprach ich wollte ir iemer leben“
Thematik dieses Liedes ist die Klage des männlichen lyrischen Ichs über erfahrenes Minneleid und der Umgang damit.
In diesem Fall reagiert der Ritter auf die fehlende Resonanz der Minneherrin auf seine Dienstbereitschaft mit der selbstbewussten Zurücknahme des Dienstversprechens, um einen kriec und damit Unannehmlichkeiten für die Umworbene zu vermeiden. In der zweiten Strophe allerdings wirkt das Selbstbewusstsein des Sängers aus der ersten Strophe im Gegensatz zur jetzt einsetzenden Wut und Hilflosigkeit geschwächt. Die für seinen Dienst charakteristische triuwe hat sich für ihn als Nachteil herausgestellt, was ihn dazu veranlasst, sich selbst die Schuld zuzuweisen. Dabei spricht er nur Gutes von der Herrin, um ihr Trauer und Schmerz zu ersparen.
Die dritte Strophe bietet dem Sänger sowohl Raum zur Klage über das erlebte Minneleid, als auch zur Selbstanklage, ohne dabei auch nur ein negatives Wort über die Dame zu verlieren.
4 Hartmann von Aue: „swes vröide hin ze den bluomen stat“. Ebd.: Lied XIV S 424.
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Arbeit zitieren:
Christina Zopp, 2002, Die Rolle der Frau im Minnesang Hartmanns von Aue, München, GRIN Verlag GmbH
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Frauenlieder des frühen Minnesangs
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