Inhaltsverzeichnis
1. Einführende Gedanken Seite 3
2. Theoretische Grundlage Seite 3
2.1 Soziale Ungleichheit Seite 4
2.2 Identität Seite 5
3. Lebensstile Seite 6
3.1 Definition Seite 6
3.2 Lebensstil und soziale Ungleichheit Seite 8
3.3 Lebensstil und Identität Seite 9
4. Anwendung Seite 9
4.1 Zusammensetzung von Lebensstilen Seite 9
4.2 Sozialstrukturelle Merkmale und Lebensstil Seite 10
4.3 Geschlecht und Lebensstil Seite 11
4.4 Soziale Differenzierung von Lebensstilen Seite 11
4.5 Weibliche Lebensstile Seite 12
4.6 Lebensstilvorhersage Seite 12
4.7 Allgemeine Lebensstilmuster Seite 13
5. Das symbolische Kapital der Lebensstile Seite 14
6. Literaturverzeichnis Seite 15
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1. Einführende Gedanken
Betrachtet man sich einmal die Mitglieder der modernen Gesellschaft, so muss man feststellen, dass jeder Einzelne nach nichts anderem strebt als die eigene Individualität. Jeder sucht nach eigenen Zielen und Wertvorstellungen und gleichzeitig nach deren Verwirklichung. Das Leben des Menschen ist darauf ausgerichtet, einen Weg zur Entfaltung der eigenen Persönlichkeit zu finden. Damit haben vor allem die industrielle Revolution und der Beginn der Arbeitsteilung zu tun. Man musste nicht mehr um das nackte Überleben kämpfen, sondern es blieb genügend Zeit übrig, sich mit sich selbst zu beschäftigen, vielleicht zu viel Zeit. Nachdem es nicht mehr nur um Arbeit und Broterwerb geht, ist das Individuum immer mehr mit sich selbst konfrontiert, was sich nicht immer als leichte Aufgabe erwies. So wurden Freizeit und damit auch Freizeitaktivitäten geboren. Man wurde vor völlig neue Möglichkeiten des Zeitvertreibs gestellt; Nicht mehr die Arbeit stand im Focus des Interesses, sondern all die Dinge, die außerhalb des Erwerbslebens existieren, gewannen mehr und mehr an Bedeutung. Die einzelnen Individuen begannen, sich überwiegend über die Aspekte des Häuslichen, der Freizeit und des Konsums zu identifizieren. Man wählte bestimmte Interessen und suchte damit Anschluss an Gleichgesinnte und schloss Andersgesinnte aus. Man entwickelte das Konstrukt des Lebensstils, Ausdruck der eigenen Individualität und Identität und seiner sozialen Lage. Der Lebensstil soll in der vorliegenden Arbeit in Bezug auf soziale Mechanismen und Anwendungen eingehend beleuchtet werden. Zunächst wird ein theoretischer Bezugsrahmen hergestellt, der schließlich zur Darstellung der möglichen Anwendungen führen soll.
2. Theoretische Grundlage
Das Lebensstilkonzept nimmt in der heutigen Gesellschaft eine Sonderstellung ein. Die Lebenspraxis eines Individuums ist Ausdruck seiner sozialen Lage und kann somit als Indikator sozialer Phänomene betrachtet werden. Durch die Individualisierungsprozesse des späten 19. Jahr-hunderts wurde das Individuum selbst in den Focus des Interesses gerückt. Erst dadurch ist es möglich geworden, den mündigen Bürger vor Wahlmöglichkeiten zu stellen, die sein Leben, beziehungsweise seine Lebensführung, neu ordnen sollten. Mit der Indiv idualisierung war man allerdings auch mit dem Phänomen der sozialen Ungleichheit konfrontiert, das vor allem durch die Ausübung bestimmter Lebensstile seinen Ausdruck findet. Neben sozialer Ungleichheit tritt auch die Identitätsbildung in die Realität des Individuums, die schließlich mit Hilfe der Lebensführung zu Tage tritt. Im Folgenden sollen nun diese beiden Begriffe der Soziologie definiert und schließlich in Zusammenhang mit dem modernen Lebensstilkonzept gesetzt werden.
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2.2 Soziale Ungleichheit
Der Begriff soziale Ungleichheit wird grundsätzlich von den Schlagworten Sozialkategorien, soziale Kla sse, sozialer Status, soziale Rolle und soziale Schließung bestimmt. In der modernen Gesellschaft existieren vielfältigste Kriterien der sozialen Orientierung, die da wären Geschlecht, Alter, ethnisch-kulturelle Zugehörigkeit, physische Auffälligkeiten, Sprachverhalten und vieles andere mehr. Individuen werden nach diesen Kriterien in Gruppen eingeteilt; es werden ihnen aufgrund ihrer Zugehörigkeit bestimmte Eigenschaften zugeschrieben und an sie bestimmte Verhaltenserwartungen gerichtet. Der Mechanismus der Verallgemeinerung von Zugehörigkeiten zu gewissen Gruppen nennt man in der Forschung Sozialkategorien; der Mensch existiert lediglich in einem definierten Kollektiv statt in der eigenen Individualität. Im Extremfall artet die soziale Kategorisierung in Stigmatisierung aus, was zur Entstehung von Randgruppen und Außenseitern führt. Da die Sozialkategorien Merkmale eines Menschen bezeichnen, die er durch eigene Kraft oder Verhaltensänderung nicht beeinflussen kann, wie zum Beispiel seine ethnisch-kulturelle Zugehörigkeit oder physische Auffälligke iten, wird dieser Mechanismus zur sozialen Tatsache und ist somit unabänderlich. Soziale Kategorisierung ist die verbreitetste Form sozialer Ungleichheit.
Der Begriff der sozialen Klasse wurde von Friedrich Engels und Karl Marx eingeführt. Man war der Ansicht, angesichts des Elends der Arbeiterschaft im England der Industrialisierung, dass die bürgerlich-kapitalistische Gesellschaft eine Klassengesellschaft ist. 1 Das bedeutet für den Einze lnen, dass sein Lebensschicksal generationenübergreifend durch die ökonomische Lage bestimmt ist. Diese Situation entsteht in der Regel in Industriegesellschaften mit einem differenzierten Arbeitsmarkt, wobei ein Gegensatz zwischen Kapital und Arbeit besteht. Dabei geht es um Besitz und Nicht-Besitz von Produktionsmitteln, um Kapitalisten und die arbeitende Klasse. Es handelt sich um rein materielle Eigentumsverhältnisse, die Zuordnung erfolgt ausschließlich anhand der objektiven Stellung im Produktionsprozess. Dies wird durch Unterschiede in der kulturellen Artikulation, der Werte, Normen und Verhaltenstendenzen zum Ausdruck gebracht. Soziale Klassen sind also kollektive Akteure sozialen Wandels und historischer Veränderung.
Sozialer Status ist ein theoretisches Konstrukt, „das zugeschriebene wie erworbene Eigenschaften seines Trägers, materielle, symbolische, kognitive und interaktive Merkmalsdimensionen der sozialen Position mit einschließt. Elemente sind materielle Belohnungen und Ressourcen, Kompetenz und schließlich Sozialprestige und Macht.“ 2 Der soziale Status ist Ausdruck der sozialen Wertschätzung, die einer Person aufgrund der von ihr innegehabten Positionen in einem sozialen System zugeordnet werden. Mit dem sozialen Status sind bestimmte Pri-
1 Vgl.:Korte. Seite 141.
2 Lüdtke. Seite 19 f.
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vilegien, Rechte und Pflichten, sowie Fähigkeiten und Autoritätsbefugnisse verbunden. Im Gegensatz zur sozialen Klasse ist der soziale Status durch Leistung erwerbbar. Eng an den sozialen Status ist der Begriff der sozialen Rolle geknüpft. Die soziale Rolle ist ein Komplex der an eine soziale Position herangetragenen Verhaltenserwartungen. Sie stellt einen Indikator für ungleiche Handlungsräume dar. „Die soziale Rolle ist zunächst unabhängig vom tatsächlichen Rollenhandeln des Positionsinhabers zu begreifen. Auf diese Weise kann die Gesellschaft mit ihren sozialen Gebilden als ein komplexes Gefüge von funktional und hierarchisch aufeinander bezogenen Rollen betrachtet werden.
Das Individuum ist in seinen Handlungen und Verhaltensweisen nach seiner Zugehörigkeit zu einer Klasse ausgerichtet. Es handelt nach den Richtlinien seines Status und gemäß der ihm zugeteilten sozialen Rolle. Diese beiden Dinge - Status und Rolle - hängen stark von der jeweiligen Klasse ab. Die Wahlmöglichkeiten des Einzelnen werden durch seine Stellung innerhalb der Gesellschaft bestimmt; sie sind abhängig vom Zugang des Individuums zu materiellen Ressourcen und sozialen Netzwerken. So entsteht natürlich ein Ungleichgewicht innerhalb des gesellschaftlichen Systems, der Grundstein für soziale Ungleichheit.
2.2 Identität
Identität wird im Allgemeinen als „die Übereinstimmung einer Person, eines sozialen Gebildes, einer kulturellen Objektivation oder einer bestimmten Naturgegebenheit mit dem, was sie, beziehungsweise es, tatsächlich ist, also mit sich selbst“ 3 definiert. In einem soziologischen Sinn bedeutet Identität das mit unterschiedlichen Graden der Bewusstheit und Gefühlsgel adenheit verbundene Selbstverständnis von Personen im Hinblick auf die eigene Individualität, Lebenssituation und soziale Zugehörigkeit. Mit dem Komplex der Identitätsbildung beschäftigte sich vor allem der Soziologe Mead.
Er konstatierte verschiedene Erfahrungsebenen der Persönlichkeit: Das I gilt als der persönliche Faktor der impulsiven Qualität und Spontaneität von Ego, es wird als Bedürfnis-Wert-Orientierung bezeichnet. Das Me beinhaltet Egos Vorstellung davon, wie es die anderen sehen und wie es sich danach verhalten soll. Gemeint ist die soziale Rolle in der subjektiven Wahrnehmung. Hinzu kommt Mind als distanzierende reflexive Intelligenz. Zwischen den Breichen des I und des Me kommt es zu spannungsreichen Interaktionen, die durch Mind beeinflusst und gesteuert werden. Schließlich bildet sich das Self, das soziale Bild des Ich. Es entsteht eine zwischen den egozentrischen und sozialen Kräften ausgependelten Identität. Dieser Vorgang stellt in keinster Weise einen abgeschlossenen Prozess dar; er ist geprägt von entscheidenden Phasen und Höhepunkten. Demnach ist Identität der Zustand des dynamischen Gleichgewichts im Persönlichkeitssystem zwischen den Wahrnehmungen verschiedener an Ego gerichteter Verhaltenserwartungen, sowie zwischen Me und subjektiver Bedürfnis-Wert-Orientierung. Die mit
3 Hillmann. Seite 350.
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Arbeit zitieren:
Christina Zopp, Gabriela Mundlos, 2005, Hintergründe und Anwendungen des Lebensstils, München, GRIN Verlag GmbH
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