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Flucht und Vertreibung

Titel: Flucht und Vertreibung

Hausarbeit , 2005 , 12 Seiten , Note: 2,0

Autor:in: Jonathan Goedecke (Autor:in)

Geschichte Deutschlands - Nationalsozialismus, Zweiter Weltkrieg
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Zusammenfassung Leseprobe Details

Am 7.Oktober 1939, fünf Wochen nach dem Einmarsche der Wehrmacht in das polnische Staatsgebiet, ernannte Hitler den Chef der SS, Heinrich Himmler, „zum Reichskommissar für die Festigung deutschen Volkstum […]“ und beauftragte ihn „ mit der Zurückführung der Reichs- und Volksdeutschen aus dem Ausland und mit der Ausschaltung des schädigen Einflusses volksfremder Bevölkerungsteile“. Dieser Erlass Hitlers legte den Grundstein für die folgende Germanisierungspolitik der Wehrmacht, die bis zum Jahre 1941 die Vertreibung von schätzungsweise 800.000 Polen aus den westpolnischen Gebieten ins neugeschaffene Generalgouvernement nach sich zog. Der Befehl wurde „im Stil eines Überfalls ausgeführt“. Es folgte die Deportation der Eliten, die Verschleppung hunderttausender Zivilisten zur Zwangsarbeit, sowie die Errichtung von Konzentrationslagern. Bis 1944 sind Millionen vertrieben, verschleppt oder ermordet worden „ Die nationalsozialistische Besatzungspolitik war ganz auf Unterwerfung und Vernichtung ausgerichtet“.
Ende 1944 sind geschätzte 5 Millionen Menschen auf der Flucht. Dieses Mal sind es die im eroberten Gebiet neu angesiedelten „Volksdeutschen“. Mit der Großoffensive der Roten Armee im Januar 1945 beginnt überall das große Aufbrechen. Man hat zu lange mit dem Aufbruch gewartet oder konnte nicht früher. Flucht und Vertreibung steuern ihrem Zenit zu. Der Tagesbefehl des vor Königsberg stehenden General Tschernjachowski der 3. Weiß- russischen Front lautete:
„2000 Kilometer sind wir marschiert und haben die Vernichtung aller Errungenschaften gesehen, die wir in 20 Jahren aufgebaut haben. Nun stehen wir vor der Höhle, aus der heraus die faschistischen Angreifer uns Überfallen haben … Gnade gibt es nicht, wie es auch für uns keine Gnade gegeben hat […]“. Ein Bild scheint sich zu spiegeln, Flucht, Vertreibung und Leid sich zu wiederholen. Gibt es keine geltenden Völker- und Menschenrechte? Lassen die Alliierten zu, dass sich die Greultaten der Wehrmacht und SS wiederholen, diesmal unter anderen Vorzeichen? Mit diesen Fragen befasst sich die folgende Arbeit und versucht mögliche Erklärungen dafür zu geben.

Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

I. Einleitung

II. Hauptteil

1.0 Die Ursprünge und Umsetzung der Vertreibung

1.1 Teheran und Jalta – „Geburtsstätten der Vertreibung“

1.2 Motive der Roten Armee und der Zivilbevölkerung

1.3 Das Potsdamer Abkommen – rechtliche Grundlage der Vertreibung ?

1.4 Die „Umsetzung“ des Potsdamer Abkommens

1.5 Schwäche des Potsdamer Abkommen als „rechtliche Grundlage“ für die Vertreibung

2.0 Völker- und menschenrechtliche Aspekte der Vertreibung

2.1 Damals geltende menschen- und völkerrechtliche Abkommen

III. Schlussteil

Zielsetzung & Themen

Die Arbeit untersucht, inwieweit die Vertreibung der deutschen Bevölkerung aus den Ostgebieten nach dem Zweiten Weltkrieg gegen geltende Völker- und Menschenrechte verstieß und ob die Vorgehensweise der Alliierten eine Entsprechung der nationalsozialistischen Verbrechen unter geänderten Vorzeichen darstellt.

  • Historische Genese der Vertreibung (Teheran, Jalta, Potsdam)
  • Motive der Roten Armee und der Zivilbevölkerung
  • Rechtliche Analyse der Konferenzbeschlüsse
  • Völkerrechtliche Bewertung und Anwendung der Haager Landkriegsordnung
  • Kontextualisierung durch die NS-Besatzungspolitik und „Germanisierung“

Auszug aus dem Buch

1.1 Teheran und Jalta – „Geburtsstätten der Vertreibung“

Schon auf der Konferenz in Teheran, am 1. Dezember 1943, forderte Stalin von Roosevelt und Churchill eine Verschiebung der Westgrenze Polens bis zur Oder, was zu diesem Zeitpunkt keine Zustimmung fand. Am 12. Februar 1945 wurde auf der Konferenz von Jalta die Verschiebung Polens um 250 Kilometer nach Westen auf Kosten des Deutschen Reiches beschlossen und dabei dem neuen polnischen Staat für die an die Sowjetunion fallenden 188 000 Quadratkilometer seiner östlichen Gebiete 114 000 Quadratkilometer deutschen Bodens zugestanden.

Eine Umsiedlung der in den von der Sowjetunion beanspruchten Gebieten wohnenden Polen war hier vorauszusehen. Der neue Lebensraum dieser Menschen konnte nur weiter westlich liegen, was wiederum die Umsiedlung der dort lebenden Menschen voraussetzte. Da die Rote Armee bereits in Gebiete westlich der Curzon-Linie vorgedrungen war und nun Anspruch auf diese erheben konnte, musste für die nun wieder „heimatlosen“ Polen umgehend Raum geschaffen werden. Dieser wurde durch unmittelbare Vertreibung der, der Roten Armee gegenüberstehenden, „Volksdeutschen“ geschaffen.

Churchill befand in Teheran: „ Polen könnte sich nach Westen verlagern, wie Soldaten, die seitlich wegtreten. Falls es dabei auf einige deutsche Zehen trete, könne man das nicht ändern.“ Ebenso äußerte er sich am 15.Dezember 1944, dass „die nach unserem Ermessen befriedigendste und dauerhafteste Methode die Vertreibung sei […] die unter modernen Verhältnissen besser als je durchgeführt werden könnte“.

Zusammenfassung der Kapitel

I. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet den historischen Kontext der deutschen Besatzungspolitik und die damit einhergehende Vertreibung polnischer Bevölkerungsteile als Vorläufer der späteren Ereignisse gegen Ende des Zweiten Weltkriegs.

1.0 Die Ursprünge und Umsetzung der Vertreibung: Dieses Kapitel analysiert die politischen Entscheidungen auf den Konferenzen von Teheran, Jalta und Potsdam sowie die konkrete militärische Umsetzung der Umsiedlung unter den Bedingungen der Flucht.

1.1 Teheran und Jalta – „Geburtsstätten der Vertreibung“: Es wird dargestellt, wie die alliierten Konferenzen bereits frühzeitig die westliche Grenzverschiebung Polens und die damit verbundene notwendige Vertreibung der dort ansässigen deutschen Bevölkerung in die Wege leiteten.

1.2 Motive der Roten Armee und der Zivilbevölkerung: Die Darstellung konzentriert sich auf Rache, Vergeltung und die gewaltsame Willkür als treibende Kräfte hinter den Handlungen der Roten Armee und der polnischen Bevölkerung in den betroffenen Gebieten.

1.3 Das Potsdamer Abkommen – rechtliche Grundlage der Vertreibung ?: Dieses Kapitel untersucht den Artikel 8 des Potsdamer Abkommens und hinterfragt dessen Funktion als vermeintliche rechtliche Legitimationsgrundlage für die Umsiedlungen.

1.4 Die „Umsetzung“ des Potsdamer Abkommens: Die Diskrepanz zwischen dem Anspruch der „humanen“ Umsiedlung im Abkommen und der grausamen Realität der Vertreibung der deutschen Zivilbevölkerung wird hier dargelegt.

1.5 Schwäche des Potsdamer Abkommen als „rechtliche Grundlage“ für die Vertreibung: Es wird kritisch beleuchtet, dass das Abkommen keine allgemeine Vertreibungsvollmacht enthielt und durch unpräzise Begrifflichkeiten zu Rechtsunsicherheiten führte.

2.0 Völker- und menschenrechtliche Aspekte der Vertreibung: In diesem Teil wird erörtert, welche internationalen Abkommen zum Schutz der Zivilbevölkerung während der Vertreibungen eigentlich gegolten hätten.

2.1 Damals geltende menschen- und völkerrechtliche Abkommen: Es erfolgt eine Gegenüberstellung der Haager Landkriegsordnung und der Genfer Abkommen mit den tatsächlichen Abläufen der Vertreibung.

III. Schlussteil: Das Fazit fasst die menschenverachtenden Folgen der Vertreibung zusammen und setzt diese in eine historische Beziehung zur vorangegangenen nationalsozialistischen Aggressionspolitik.

Schlüsselwörter

Flucht, Vertreibung, Zweiter Weltkrieg, Potsdamer Abkommen, Rote Armee, Zivilbevölkerung, Haager Landkriegsordnung, Völkerrecht, Menschlichkeit, Grenzverschiebung, Umsiedlung, Volksdeutsche, Besatzungspolitik, Rache, Selbstbestimmungsrecht.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Seminararbeit?

Die Arbeit behandelt die historischen und rechtlichen Hintergründe der Flucht und Vertreibung der deutschen Bevölkerung aus den Ostgebieten am Ende des Zweiten Weltkriegs.

Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?

Die Schwerpunkte liegen auf den politischen Konferenzbeschlüssen, den Motiven der Vertreibenden und der völkerrechtlichen Einordnung der Ereignisse.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Das Ziel ist die Beantwortung der Frage, ob die Vertreibungen durch das Völkerrecht gedeckt waren oder als illegitime Handlungen zu bewerten sind.

Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?

Die Arbeit verwendet eine historische Analyse und wertet zeitgenössische Konferenzprotokolle sowie völkerrechtliche Dokumente wie die Haager Landkriegsordnung aus.

Was steht im inhaltlichen Hauptteil im Fokus?

Im Hauptteil werden die Ursprünge in Teheran, Jalta und Potsdam sowie die faktische Umsetzung der Vertreibung und ihre völkerrechtliche Bewertung detailliert analysiert.

Welche Schlagworte charakterisieren diese Arbeit?

Zentrale Begriffe sind Vertreibung, Potsdamer Abkommen, Völkerrecht und die historische Verantwortung der Akteure.

Welche Bedeutung kommt dem Potsdamer Abkommen in dieser Arbeit zu?

Das Abkommen wird als Kompromiss der Alliierten identifiziert, der zwar versuchte, Umsiedlungen „human“ zu regeln, in der Praxis jedoch keine völkerrechtliche Legitimation für das massive Leid bot.

Wie bewertet der Autor den Zusammenhang zur NS-Besatzungspolitik?

Der Autor stellt fest, dass die Vertreibung der Deutschen nicht ohne den Kontext der vorangegangenen nationalsozialistischen Verbrechen an der polnischen Bevölkerung und der Vertreibungs- sowie Germanisierungspolitik betrachtet werden kann.

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Details

Titel
Flucht und Vertreibung
Hochschule
Pädagogische Hochschule Freiburg im Breisgau
Veranstaltung
Deutsche und Polen im zwanzigsten Jahrhundert
Note
2,0
Autor
Jonathan Goedecke (Autor:in)
Erscheinungsjahr
2005
Seiten
12
Katalognummer
V43331
ISBN (eBook)
9783638411554
ISBN (Buch)
9783638902304
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Flucht Vertreibung Deutsche Polen Jahrhundert
Produktsicherheit
GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
Jonathan Goedecke (Autor:in), 2005, Flucht und Vertreibung, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/43331
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Leseprobe aus  12  Seiten
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