„Robinson Crusoe“ und „Die bewohnte Insel“
im Vergleich
Eine Hausarbeit für das Proseminar: Inselphantasien
SS 2003
vorgelegt von:
Anna Perlina
Medienwissenschaften
Vergl. Literaturwissenschaft
Psychologie
Semester: 2,2,2
Inhaltsverzeichnis
Einleitung 3
I. Inselmodelle 4
II. Basissituation und Grundbedingungen 5
1. Robinson Crusoe - erster Einblick 5
2. Die bewohnte Insel im Vergleich 6
III. Selbstfindung bzw. Neubestimmung _ Überlebensstrategien
- Natur und Zivilisation - Beziehung zu Gott und Robinsons Religiosität in Robinson Crusoe 8
1. Prozess der Selbstfindung bzw. Neubestimmung des gestrandeten Ich 8
2. Entwicklung von Überlebensstrategien 9
3. Verhältnis zu Natur und Zivilisation 10
4. Beziehung zu Gott und Robinsons Religiosität 12
IV. Die bewohnte Insel im Vergleich 12
1. Verhältnis zu Natur und Zivilisation 12
2. Prozess der Selbstfindung bzw. Neubestimmung des gestrandeten Ich 15
Abschließende Betrachtung 17
Literaturverzeichnis 18
Einleitung
Inhalt dieser Arbeit soll eine Auseinandersetzung mit der Gattung Robinsonade auf der Grundlage von Daniel Defoes Roman Robinson Crusoe sein. Zunächst werden die kennzeichnendsten Merkmale dieser Gattung anhand von Primär- und Sekundärliteratur herausgearbeitet und umrissen. Parallel wird ein weiteres Werk: „Die bewohnte Insel“ der Gebrüder Arkadi und Boris Strugatzki auf die selben Kriterien hin untersucht und die Frage erörtert, ob und in wiefern dieser Roman Merkmale einer Robinsonade aufweist.
Weiterführende Faktoren wie Robinsonadengeschichte und -entwicklung, die politische Romandimension sowie eine Form- oder Stilanalyse der beiden Romane können im Rahmen dieser Arbeit leider nicht ausführlich behandelt werden.
I. Inselmodelle
Die Insel wird im Rahmen der Stoff- bzw. Motivgeschichte der Robinsonade von zwei gegensätzlichen Seiten dargestellt: als Asyl und Exil.
Das Modell Insel als Asyl bzw. Paradies zeichnet sich vor allem durch drei Kriterien aus: die Aufhebung der Zwänge, die Rückkehr zu einer natürlichen Lebensform (Natur versus Zivilisation) und schließlich ermöglicht der passende Rahmen unbegrenzte Reflexionsmöglichkeiten zum Zwecke der Umorientierung im individuell-privaten, sozialen, gesellschaftlichen und politischen Bereich.
Folglich beinhaltet dieses literarische Inselmodell Züge eines eskapistischen Ansatzes in Form der Flucht vor den Anforderungen der Realität in eine Illusionswelt bzw. Scheinwirklichkeit, oder anders ausgedrückt eine Utopie.
Das entgegen gesetzte Modell Insel als Exil weist vor allem die folgenden Merkmale auf: zum einen die Isolation und die daraus resultierende stark begrenzte Kommunikationsmöglichkeit, ferner das Ausgeliefertsein an Gott bzw. die Naturgewalten und schließlich die Funktion der Insel als geographisches sowie psychologisches Gefängnis, welche zu einer psycho- sozialen Destruktion des gestrandeten Individuums führen kann.1
Es folgt eine weiterführende Analyse auf der Basis der hier umrissenen Modelle und der ihnen zugeordneten Merkmale.
II. Basissituation und Grundbedingungen
1. Robinson Crusoe - erster Einblick
Als einziger der eingebürgerten Gattungsbegriffe ist der der "Robinsonade" von einem Eigennamen abgeleitet. Defoes Robinson Crusoe (1718) ist der Ausgangspunkt der Bezeichnung und enthält bereits die wesentliche Problematik dieses Begriffes in sich: die Überkreuzung mit anderen Romangattungen.
Der Schwerpunkt dieser ersten Robinsonade fällt auf das Insel-Dasein und auf die Spannung, die in der Bemühung, es zu meistern, liegt. Gleichzeitig kann Defoes Werk als die Geschichte vom verlorenen Sohn in Abenteuerform verstanden werden. Daher besitzt Defoes Robinsonade zunächst Züge eines Bekehrungsromans. Sie entspricht zweitens einem Abenteuer- und Reiseroman und ist mit Spannungsmomenten durchsetzt. Und schließlich ist sie eine Utopie und doch noch mehr; denn sie stellt eine besondere Art der Utopie des Von-vorne-Anfangens außerhalb der Kulturwelt dar. Außerdem spielt hier noch ein vorrousseauischer utopischpädagogischer Anteil mit rein.2
Aus alledem resultiert die Schwierigkeit, die Robinsonade von den eben genannten Romantypen sauber abzugrenzen. Bereits in der Form in der sie durch Defoe etabliert wird, enthält die Robinsonade Elemente aller dieser Gattungen3. Seit Defoe sind selbstverständlich neue Motive und Elemente Bestandteil der Robinsonaden-Gattung geworden. Diese Arbeit konzentriert sich dennoch auf die unmittelbar Defoes Roman entstammenden charakteristischen Gattungsmerkmale.
Als Schiffbrüchiger gelangt Robinson Crusoe auf „seine“ Insel, so wird der entscheidenden Robinsonadenteils -Inseldasein eines Schiffbrüchigen- eingeleitet. Das Motiv Schiffbruch ist der Auslöser sowie notwendige Voraussetzung für die weitere Inselsituation sowie diverse weitere Entwicklungen des Geschehens. Das hieraus resultierende Gefangensein auf der Insel ist ein wichtiger Baustein der Robinsonaden-Gattung.
[....]
1 Vgl. http://www.teachsam.de/deutsch/d_literatur/d_motiv/robinsonade/robin_3_2.htm
2 Seit Rousseau findet sich das pädagogische Element in der Literatur verstärkt wieder, in Analogie zu dessen Erziehungsromanen. Aber auch bei Defoe ist die pädagogische Seite (Erziehung durch Vernunft und Natur) bereits vorhanden.
3 Vgl. http://www.teachsam.de/deutsch/d_literatur/d_motiv/robinsonade/robin_litwis_txt_1.htm
Quote paper:
Anna Perlina, 2003, 'Robinson Crusoe' und 'Die bewohnte Insel' im Vergleich, Munich, GRIN Publishing GmbH
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