Pädagogische Hochschule Freiburg
Musikpädagogik
Seminar: Musik und Jugendkultur
Sommersemester 2004
Gesänge jugendlicher Fußballfans
von
Stefanie Held
Studiengang Lehramt an Realschulen
5. Semester
Deutsch/ Technik
Inhaltsverzeichnis
Annäherung an das Thema S.3
Spurensuche in der Antike S.4
Vorraussetzungen für die Entstehung und Existenz der Fangesänge in Stadien S.8
Geschichte der heutigen Fußballfangesänge S.12
Funktionen der Fangesänge S.16
Die Interpreten- Einstellungen und Organisation in verschiedenen Gruppen S.18
Fazit S.20
Anhang S.21
Literaturverzeichnis S.25
Annäherung an das Thema
Fußballfans werden in der Öffentlichkeit häufig als lärmende Horden wahrgenommen. Das liegt natürlich auch daran, dass es vor allem gewalttätige Aktionen sind, die Eingang in die Massenmedien finden. Liest man einen Bericht über ein beliebiges Spiel der Bundesliga, so finden die Anhänger der beteiligten Mannschaften entweder gar keine Erwähnung oder das Fehlverhalten eines kleinen Teils wird angeprangert.
Ein anderes Problem ist sicherlich, dass die singenden Sympathisanten mit Alkohol oder vielmehr zu viel davon in Verbindung gebracht werden1. Nun ist natürlich nicht von der Hand zu weisen, dass vor und während eines Stadionbesuchs viel getrunken wird. Andererseits ist es fast schon scheinheilig, dies den Fans als schlechte Eigenschaft anzukreiden. Es ist vielmehr ein Merkmal unserer Gesellschaft, dass, wo immer in irgendeiner Form gefeiert wird, das Trinken eine große Rolle spielt.
Zum anderen werden diese Menschen immer wieder als gesellschaftliche Randgruppe bezeichnet, obwohl sie sich aus allen Schichten und Bereichen der Gesellschaft rekrutiert. Auch in allen Altersschichten finden sich Menschen, die es genießen, einen Teil ihrer Freizeit im Stadion zu verbringen. Allerdings ist zu unterstreichen, dass es vor allem die jugendlichen Fans sind, die sich in der Fankultur besonders aktiv engagieren.
Um sich dem Thema zu nähern ist es in jedem Fall notwendig, hinter diese gesellschaftlich konstruierte Fassade zu schauen. In den letzten Jahren gab es sehr viele, auch wissenschaftliche Arbeiten, die sich mit dem Thema Fußball und seinen Fans beschäftigt haben. Dies liegt zum einen daran, dass man sich zum fünfzigsten Jahrestag an das Wunder von Bern erinnert hat. Ein trauriger Anlass, der länger zurückliegt, ist die Gewalt am Rande der Weltmeisterschaft in Frankreich im Jahr 1998. In der Literatur hat vor allem das Spiel mit seinen Turnieren und Mannschaften Beachtung gefunden, zum anderen ein kleiner Teil der Zuschauer. Bei der Recherche stößt man häufig auf Arbeiten, die sich dem Phänomen der Hooligans anzunähern versuchen. Von dieser Masse hebt sich das Buch „Fangesänge - eine FANomenologie“ von Reinhard Kopiez und Guido Brink ab. Diese haben sich dem Thema sehr gründlich und wissenschaftlich genähert. Die Grundlage dieser Untersuchung bilden Tonbandaufnahmen, die eigenhändig in Stadien angefertigt wurden. Daraus entstanden Protokolle, die man miteinander verglichen hat. Auf diese Art und Weise ist es den Autoren gelungen, Merkmale und Eigenschaften dieser Gesänge herauszuarbeiten. Meines Erachtens ist dies die einzige derart gründliche Auseinandersetzung mit dieser Materie. Allerdings bleiben noch viele Fragen offen, die Brink und Kopiez zwar dargestellt haben, aber von ihrem Stand der Forschung aus noch nicht beantworten konnten. So kann dieses Buch nur ein Anfang sein um die Fangesänge wirklich und umfassend beleuchten zu können.
Die vorliegende Arbeit stützt sich auf diese Erkenntnisse. Es soll hiermit ein Überblick über das Phänomen geschaffen werden. Die Motivation bestand dabei in der Faszination, wie Tausende von Menschen in einem Stadion singen und völlig aus sich herausgehen, obwohl man in dieser Gesellschaft eigentlich ungern durch Lautstärke auffällt. Zum anderen soll mit dieser Arbeit aber auch der Anspruch verbunden sein, nicht dabei stehen zu bleiben, sich vom Massenchor begeistern zu lassen. Vielmehr soll hier der Versuch unternommen werden zu erklären, wie es überhaupt dazu kommen konnte, dass Fußballfans in den Stadien singen, und unter welchen Voraussetzungen dies stattfindet.
Spurensuche in der Antike
Um zu untersuchen, seit wann es Massengesänge in Sportstadien gibt, bietet es sich an, in der Welt der Antike nach etwas Vergleichbarem zu suchen. Schließlich hat es schon bei den alten Griechen und Römern sportliche Massenveranstaltungen in Stadien gegeben. Nicht zuletzt stammt die Bezeichnung für die Heimat der heutigen Fangesänge aus dem alten Griechenland: Das Stadion meinte damals auch ein Längenmaß und entspricht ungefähr 600 Fuß, also 192 Meter.
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1 Siehe Ahnhang, Abb.1)
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Stefanie Held, 2004, Gesänge jugendlicher Fußballfans, Munich, GRIN Publishing GmbH
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