INHALT
VORWORT 3
1. DER LANGE WEG ZUR RECHTSCHREIBREFORM IM SPIEGEL DER
ÖFFENTLICHKEIT UND DER MEDIEN 4
1.1 WER IST DIE ÖFFENTLICHKEIT ? 4
1.2 DIE BESCHLÜSSE VON 1876 5
1.3 REAKTION DER PRESSE AUF DIE BESCHLÜSSE VON 1901 6
1. 4 DIE PRESSE UND DIE REFORMBEMÜHUNGEN ZWIS CHEN DEN BEIDEN WELTKRIEGEN 7
1.5 DIE REFORMBEMÜHUNGEN IN DER NACHKRIEGSZEIT 8
1.6 DIE RECHTSCHREIBREFORM IN DEN SECHZIGER, SIEBZIGER UND ACHTZIGER JAHREN
9
2. REAKTION DER ÖFFENTLICHKEIT AUF DIE RECHTSCHREIBREFORM IN
DEN JAHREN 1995-1997 11
2.1 DIE RECHTSCHREIBREFORM IN DER ÖFFENTLICHEN DISKUSSION 11
2.1.1 DIE BERICHTERSTATTUNG IN DEN PRINTMEDIEN 11
3. DIE LAIEN-EXPERTE-NESKALATION 16
3.1 DAS SCHEMA DER LAIEN-EXPERTE-NESKALATION 16
3.2 GRÜNDE FÜR DIE LAIEN - EXPERTEN - ESKALATION 18
4. BEOBACHTUNG DES PRESSEECHOS FÜNF JAHRE NACH DER EINFÜHRUNG
DER NEUEN RECHTSCHREIBUNG 20
NACHWORT 22
BIBLIOGRAFIE 23
2
Vorwort
Die Rechtschreibreform hat bis zu ihrem offiziellen Inkrafttreten am 1.August 1998 eine 122jährige Geschichte hinter sich gebracht. Immer wieder hat es in diesem Zeitraum Vorschläge zur Reform der deutschen Orthographie gegeben. Aber immer wieder sind diese Vorschläge öffentlichen, politischen Diskussionen zum Opfer gefallen. Eine wichtige Rolle in diesem Prozess kommt der Presse zu, die nicht nur als Spiegel der öffentlichen Meinung gilt, sondern Reformgegnern und Reformbefürwortern ein Forum bietet. Mehr als einmal wird daraus ein Schlachtfeld, auf dem man die Rechtschreibreform niedermetzelt.
Diese Arbeit soll nun die Reaktionen der Öffentlichkeit darstellen, von den ersten Reformversuchen des ausgehenden 19. Jahrhunderts bis hin zu Gegenwart. Ähnlichkeiten und Parallelen sollen heraus gearbeitet und analysiert werden. Mit Hilfe dieser Analyse kann man die Gründe für die Reaktionen in der Presse finden und erklären. Es sollte allerdings nicht die Aufgabe dieser Arbeit sein, eine umfassende Darstellung der Geschichte der Rechtschreibreform oder eine linguistische Auseinandersetzung mit den Inhalten der einzelnen Vorschläge, zu liefern. Wie bereits erwähnt geht es um die Reaktionen der Öffentlichkeit. Es geht aber auch darum, die Reflektion der Sprache und der Rechtschreibung in der Öffentlichkeit zu dokumentieren. In einem Artikel der Zeitung DIE WELT heißt es dazu: “ Das Schlimmste der Rechtschreibreform, die heute vor fünf Jahren die Schulen
und vor vier Jahren die Zeitungen erreichte, ist der Stil der Debatte um sie. Doch
gleichzeitig ist diese Diskussion das Kostbarste, das diese Reform gebracht hat, denn
sie hat die Rechtschreibung wieder zum Gegenstand persönlichen Nachdenkens
gemacht.“
Da nun die Debatten und Diskussionen um die Rechtschreibreform und eben nicht die Inhalte derselben Gegenstand dieser Arbeit sind, ist diese Arbeit zumindest nach dem Regelwerk von 1998 verfasst. Möglicherweise trägt die praktische Anwendung der neuen Rechtschreibregeln zu einem besseren Verständnis für die Argumentation beider Seiten bei.
3
1. Der lange Weg zur Rechtschreibreform im Spiegel der Öffentlichkeit und der
Medien
Der Weg der Rechtschreibreform und ihrer kritischen Beobachtungen durch die Medien, also die Öffentlichkeit beginnt bereits am Ende des 19. Jahrhunderts. Grundlage für die Darstellung dieses Weges ist das Buch „Orthografiereform und Öffentlichkeit “, in dem Hans-Georg Küppers ein detaillierte Analyse der Medienresonanz in dem Zeitraum von 1876-1982 vorgelegt hat. Um die Reaktionen aus der Öffentlichkeit beschreiben und einordnen zu können, muss zuerst der Begriff der Öffentlichkeit im Bezug auf die Rechtschreibreform genaue r definiert werden.
1.1 Wer ist die Öffentlichkeit ?
Bezogen auf die Orthografie umfasst der Begriff der Öffentlichkeit diejenigen, die lesen und schreiben können. Allerdings ist nicht jeder, der der deutschen Sprache in Wort und Schrift mächtig ist, ist auch an der Diskussion um die Rechtschreibreform interessiert. Darum wird im Folgenden der Begriff Öffentlichkeit für die an der Orthografie Interessierten verwendet. Diese „interessierte Öffentlichkeit“ läßt sich weiter in verschiedene Gruppen unterscheiden, die wiederum ganz unterschiedlich Interessen am Gegenstand der Rechtschreibung und damit auch unterschiedliche Meinungen und Einstellungen zum Thema Rechtschreibreform haben.
Die interessierte Öffentlichkeit umfasst vor allem Gruppen, die in ihrem Alltag besonders viel mit Sprache zu tun haben und sich deswegen mit den neuen Regelungen besonders befassen müssen, z.B. Lehrer (oder generell Beamte), Schüler, deren Eltern und Publizisten. Aber auch die Gruppe, die hier als interessierte Laien bezeichnet wird, hat ein besonderes Interesse an Sprache. Hier sind diejenigen gemeint, die gerne lesen und schreiben oder sich als Hobbylinguisten betätigen. Menschen also, die oft einen sehr emotionalen Bezug zur Sprache haben, die die Sprache lieben.
1.2 Die Beschlüsse von 1876
1876 findet die 1. Orthografische Konferenz in Berlin statt. Zu diesem Zeitpunkt wird das Reformvorhaben in den Medien noch überwiegend positiv bewertet. Dazu muss natürlich angemerkt werden, dass die Rechtschreibung in jener Zeit keineswegs zu vergleichen ist mit der Rechtschreibsituation vor 1998. Es gibt keinerlei amtliche Regelungen, die für Deutschland als Ganzes gelten, statt dessen aber ein Fülle von Einzelregelungen in den verschiedenen Ländern. Man ist sich dieses Mangels sehr wohl bewusst, vor allem auch im Hinblick auf die Stellung des Reiches in der Welt und unter dem aufkommenden nationalistischen Blickwinkel. „`das Beispiel eines Volkes, das mit sich uneins, wie es seinen Namen schreiben
soll, ob Deutsch oder Teutsch (...) in der Weltgeschichte vereinzelt darstehen (...)´
dürfte.“ 1
Andererseits gibt es auch zu diesem frühen Zeitpunkt schon Zweifel, die bis heute immer wieder thematisiert und in den Mittelpunkt der Kritik gerückt werden. Die Frage nach der Legitimation der Reformer und der Legitimität der Reform sind Kritikpunkte der ersten Stunde. Auch damals ist es bereits ein großer Schwachpunkt der Reformbewegung, dass die Funktion der Expertenkommission nicht genau geklärt ist und die mangelnde Öffentlichkeitsarbeit Raum für Spekulationen bietet. Das bemängelt selbst die KÖLNISCHE ZEITUNG, die sich ansonsten hinter die Reformbemühungen stellt. Die erste Konferenz führt nach ihrem Abschluß zu einem großen Medienecho, wobei die Zeitungen einerseits loben, dass der vorherrschenden Zerrissenheit der Orthografie eine Vereinheitlichung entgegengesetzt wird, andererseits wird der Konferenz auch vorgeworfen, man habe sich zu sehr auf das Ziel der Vereinheitlichung begrenzt.
1 Küppers, H.-G. : Orthographie und Öffentlichkeit, 1984, S.65
5
„`War es nun die alleinige Aufgabe der Conferenz die schwankenden und strittigen
Punkte zu regeln? Erwartete das Publikum nicht mehr von ihr? Ich glaube nach
zahlreichen öffentlichen und privaten Mitteilungen sagen zu dürfen: Ja, man
erwartete mehr; man erwartete wirkliche Reformen unserer Rechtschreibung. Diese
Reformen konnten aber nur dahin gehen, die in unserem Publikum selbst unkennbar
vorhandene Strömung zu fördern und weiter zu lenken. Die Strömung geht nach
Vereinfachung, nach Berichtigung des Unnützen und Entbehrlichen.´“ 2
Der Vorwurf, einen Reformvorschlag gemacht zu haben, der nicht weit genug reicht, ist auch einem modernen Rechtschreibreformer des 21. Jahrhunderts sicherlich nicht fremd. Zufrieden mit den Ergebnissen von 1876 sind weder die Befürworter, noch die Gegner der Reform. Den Ersten geht die Reform nicht weit genug, den Zweiten ist die nicht eindeutig geklärte Legitimationsfrage ein Dorn im Auge. Emotionale Reaktionen von Seiten der Reformgegner begleiten die Reform ebenfalls von Beginn an.
1.3 Reaktion der Presse auf die Beschlüsse von 1901
Nachdem 1880 die „preußische Schulorthographie“ vorgelegt wird und heftige Kritik erntet, setzt sich die kritische Haltung der Öffentlichkeit nach der 2. Orthografischen Konferenz in Berlin 1901 fort. Die Reformbemühungen werden einerseits als schulbürokratische Bevormundungssucht bezeichnet, andererseits wächst der
Zwiespalt zwischen Schul- und Behördenorthografie und den verschiedenen Hausorthografien der Zeitungen und Verlage so stark an, dass in Presse auch Stimmen laut werden, die eine einheitliche Regelung für das ganze Reich fordern. Dennoch hat die KÖLNISCHE ZEITUNG bereits im Vorfeld der Konferenz kritisiert, es seien zu wenige Sachverständige und Vertreter der Presse zu den Beratungen hinzugezogen worden. Die Presse pocht also auf ein Mitspracherecht und plädiert auf ihre Sachkenntnis.
Obwohl ein großer Teil der Bevölkerung gegen die Reform ist, schalten sich die Lobbyisten der Druck- und Verlagsindustrie in die Diskussionen ein und befürworten die Reform aus ökonomischen Gründen ausdrücklich. Zusammenfassend kann man sagen, dass die Bedingungen für eine Reform 1901 sehr gut sind. Das Stimmungsbild ist überwiegend positiv. Auch die Schärfe und Unsachlichkeit der Pressereaktionen hat gegenüber den vorangegangenen Jahren deutlich abgenommen.
2 Küppers, H.-G.: Orthograohiereform und Öffentlichkeit, 1982, S. 67
6
Arbeit zitieren:
Katrin Weisenburger, 2003, Rechtschreibreform und Öffentlichkeit, München, GRIN Verlag GmbH
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