Inhaltsverzeichnis
Einleitung 3
1.Historischer Hintergrund der CSU vor 1945 4
1.1 Historisch-politische Traditionszonen 4
1.2 Die regional fragmentierte Parteienlandschaft 5
2. Die politisch-kulturelle Entwicklung nach 1945. 6
2.1 Die Gründung der CSU im Spannungsfeld „zwischen Tradition und
Neuorientierung 6
2.1 Die Parteikrise 1948/49. 7
2.2 Rückbildung zur Honoratiorenpartei und Parteikrise 1954/55 8
3. Die CSU als Hegemonialpartei. 10
3.1 Die Homogenisierung der Wahl- und Parteienlandschaft 10
3.2 Die Homogenisierung im Strukturbild der Parteiorganisation. 12
Abschliessende Wertung 14
Literaturverzeichnis 16
2
Einleitung
Auf das lautstarke Auftreten und die markante Persönlichkeit von Franz-Josef Strauß fixiert, wird die CSU in der Öffentlichkeit auch heute noch oft auf ihren bekanntesten Parteivorsitzenden reduziert und gewiss ist die „Effektivität der Organisation und der Politik dieser Partei ohne Strauß nur schwer vorstellbar“ 1 .
Es darf jedoch über der mächtigen Figur Straußens nicht vergessen werden, dass die CSU nicht das Produkt eines einzigen Mannes ist. 2 Die Geschichte der CSU hat gezeigt, dass „keine politische Identität zwischen der organisatorisch-politischen Wirklichkeit der CSU (...) und der Person Strauß“ 3 besteht und dass Strauss bei seinem Amtsantritt 1961 schon auf einen funktionierende Hegemonialpartei zurückgreifen konnte.
Natürlich hat die CSU gerade unter seinem Landesvorsitz ihre dominierende Position in der bayrischen Politik weiter stabilisiert und ausgebaut, doch war sie auch schon wenige Jahre nach ihrer Gründung dabei, das zu werden, was sie heute ist: eine „große demokratische Volkspartei“ 4 , die auch heute noch als „die“ politische Kultur Bayerns wahrgenommen wird.
Doch der Weg bis dahin war ein langer, bewegter und beschwerlicher, der erst nach einem „langen Prozess der inneren Homogenisierung“ 5 zu einem Ende kam. Zweife llos ist die CSU damit unter den etablierten Parteien der Bundesrepublik „diejenige mit der bewegtesten Jugendgeschichte“ 6 , die nach schweren Krisen und Kämpfen höchst heterogene soziale, politische, konfessionelle und kulturelle Gruppen und Tendenzen in ihrer Partei zusammenfasste. 7
Aus diesem Grund möchte sich diese Arbeit in einem ersten Teil mit genau diesem Thema beschäftigen und einen Blick zurückwerfen in das Königreich Bayern und dessen Entstehung im 19. Jahrhundert als höchst heterogenes Gebilde. Im zweiten
1 MINTZEL, Alf: Geschichte der CSU. Opladen 1977, S. 24.
2 Vgl. DITTBERNER, Jürgen: Neuer Staat mit alten Parteien?. Opladen 1997, S. 187.
3 MINTZEL, Alf: Geschichte der CSU. S. 24.
4 KRIEGER, Wolfgang: Franz-Josef Strauß und die zweite Epoche der CSU. In: HANNS-SEIDEL-STIFTUNG E.V. :
Geschichte einer Volkspartei. München 1995, S. 163-193, hier S. 164.
5 MINTZEL, Alf: Die CSU-Hegemonie in Bayern. Passau 1999, S. 33.
6 DITTBERNER, Jürgen: Neuer Staat mit alten Parteien?. S. 183.
7 Vgl. LÖSCHE, Peter: Kleine Geschichte der deutschen Parteien. Stuttgart 1994, S. 122.
3
Teil werden die Fäden der Vergangenheit wieder aufgenommen und ihre Rolle in der Gründungszeit und auch die daraus resultierenden Probleme und Krisen untersucht. Der letzte und dritte Teil beschäftigt sich dann in einer abschließe nden Analyse mit der gelungenen Homogenisierung der Wahl- und Parteienlandschaft und der Homogenisierung im Strukturbild der Parteiorganisation.
1.Historischer Hintergrund der CSU vor 1945
1.1 Historisch-politische Traditionszonen
Die heutige Wahrnehmung und das Erscheinungsbild Bayerns als eine politische Kultur, als einer „CSU-dominierten Einheit (...) und modernen Industriegesellschaft“ 8 ist das Produkt eines fast 200 Jahre währenden Homogenierungsprozesses, der erst vor wenigen Jahrzehnten zu einem Abschluss kam. So zeichnete sich die innere Situation Bayerns vor allem durch die politisch-kulturelle Heterogenität mehrerer regionaler Kulturen mit ihren spezifischen Identitäten aus und eben nicht so sehr durch das Vorhandensein einer einheitlichen politischen Kultur. 9
Das 1806 gegründete Königreich Bayern bestand aus einer Vielzahl heterogener und verwaltungsmäßig abgegrenzter politischer Gebiete, die ihrerseits wieder in eine Vielzahl soziokultureller Milieus gegliedert waren. 10 In diesen großen Traditionszonen Franken, Schwaben und Altbayern waren „viele bunte Trümmer des Alten Reiches“ 11 zusammengeschlossen worden, die sich konfessionell und wirtschaftlich stark vo n-einander unterschieden und die mit ihren teilweise „überkommenen gesellschaftlichpolitischen Strukturen“ 12 auch „Zentren und Schwerpunkte eines von jeher stark fragmentierten bayrischen Parteiensystems“ 13 bildeten.
8 MINTZEL, Alf: Die CSU-Hegemonie in Bayern. S. 33.
9 Vgl. MINTZEL, Alf: Regionale politische Traditionen und CSU-Hegemonie in Bayern. In: OBERNDÖRFER,
Dieter/SCHMITT, Karl (Hrsg.): Parteien und regionale politische Traditionen in der Bundesrepublik Deutsch-
land. Berlin 1991, S. 125-180, hier S. 131.
10 Vgl. MINTZEL, Alf: Bayern und die CSU. In: HANNS-SEIDEL-STIFTUNG E.V.: Geschichte einer Volkspartei.
München 1995, S. 195-252, hier S. 201.
11 Vgl. MINTZEL, Alf: Besonderheiten der politischen Kultur Bayerns. In: BERG-SCHLOSSER, Dirk/SCHISSLER,
Jakob (Hrsg.): Politische Kultur in Deutschland. Opladen 1987, S. 295-308, hier S. 296.
12 MINTZEL, Alf: Die Christlich-soziale Union in Bayern e.V. In: STÖSS, Richard (Hrsg.): Parteien-Handbuch.
Opladen 1983, S. 661-718, hier S. 662.
13 Ebd., S. 662.
4
1.2 Die regional fragmentierte Parteienlandschaft
Schon die ersten parteipolitischen Formierungen zur Mitte des 19. Jahrhundert deuteten auf eine erstaunliche Langlebigkeit und Vitalität der politischen Kulturen in den jeweiligen Traditionszonen hin, die sich sowohl in der bayrischen Parteienlandschaft als auch in den bayrischen Parteienkonstellationen niederschlugen. 14
Diese spezifischen Fragmentierungen und die damit verbundenen Spannungszonen, drückten sich natürlich, wenn auch nur umrisshaft, in der Wahlgeographie Bayerns aus. So fanden sich im katholischen Teil Frankens und Schwabens bis 1933 stabile Wählerhochb urgen der BVP, die nach 1945 an die CSU fielen, während der fränkisch-protestantische Teil durch starke SPD-Hochburgen gekennzeichnet war. 15 Als politische „Wetterecke“ bezeichnet Alf Mintzel dagegen den katholischen Teil Bayerns, in dem „die bäuerlichen, bayrisch-vaterländischen Kräfte einen betont bayrischpartikularistischen Kurs steuerten“ 16 , im Sinn der nach 1945 gegründeten Bayernpartei.
Die politische Situation des bayrischen Staates im 19. Jahrhundert war also keine einfache, da sie vor allem durch eine große Heterogenität gekennzeichnet war, die sich quer durch alle Lebenswelten und -bereiche zog. Der damit aber gleichzeitig eingeleitete und lange währende Prozess der innerbayrischen Integration und der politisch-kulturellen Homogenisierung fand aber hier seinen Anfang, wenn auch zuerst nur durch die „verwaltungsmäßigen Strategien“ 17 einer bürokratischen Elite. 18
Erst der Versuch der CSU die politische Homogenisierung mit einer Art Doppelstrategie, d.h. über Staat und Partei, voranzutreiben, führte zu einer wirklich fundamentalen „Flurbereinigung“ 19 , die Bayern erfolgreich in eine politische Landschaft mit einer politischen Kultur verwandelte. Doch bis dahin hatte die neu gegründete CSU zwei schwere Krisen zu bestehen, hervorgerufen zum einen durch die innerparteilichen Führungs- und Richtungskämpfe der Gründungsperiode und später durch die Entstehung und Abwehr der Bayernpartei.
14 Vgl. MINTZEL , Alf: Bayern und die CSU. S. 204.
15 Vgl. MINTZEL, Alf: Die Christlich-soziale Union in Bayern e.V. S. 663.
16 Ebd., S. 663.
17 MINTZEL, Alf: Regionale politische Traditionen und CSU-Hegemonie in Bayern. S. 140.
18 Vgl. ebd., S. 140.
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Arbeit zitieren:
Irene Gebauer, 2003, Unterwegs zur Hegemonialpartei. Die CSU zwischen 1945 und 1961, München, GRIN Verlag GmbH
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