1 EINLEITUNG
In dieser Arbeit wird der Zusammenhang von Burnout und Berufen im Personalbereich geschaffen. Organisationsbedingungen und Faktoren, die Entstehungsbedingungen von Burnout bei Beschäftigten und Führungskräften mit Tätigkeitsschwerpunkt Personalauswahl fördern, werden hergestellt und nach dem heutigen Stand der Forschung recherchiert. Vorerst wird in Kapitel 2 ein allgemeiner, kurzer Überblick über die Burnout-Forschung gegeben. Dabei wird die Entwicklung von Anfangsstadien über die Aufnahme in die Forschungsliteratur bis zur Verwendung von Burnout in der Alltagssprache festgehalten. Es erfolgt ein Einblick in die zahlreichen Modelle und Ansätze zu Burnout. Anschließend werden die Vielzahl der in der Burnoutforschung existierenden Definitionen berücksichtigt und zwei Elemente zur Messung von Burnout, das Maslach Burnout Inventory (MBI) und das Tedium Measure (TM), kurz aufgezeigt.
Kapitel 3 beschäftigt sich mit möglichen allgemeinen beeinflussenden und fördernden Organisationsbedingungen und Faktoren des Burnout. Hierbei wird zwischen Merkmalen der Person, wie demographischen Variablen und Persönlichkeitsmerkmalen, und Merkmalen der Umwelt, etwa Arbeitsbedingungen, Attraktivität von Berufen und Einflüssen der Gesellschaft, unterschieden.
Anschließend erfolgt in Kapitel 4 eine Konzentration auf Entstehungsbedingungen von Burnout bei Mitarbeitern und Führungskräften im Personalbereich mit Tätigkeitsschwerpunkt Personalauswahl nach derzeitigem Forschungsstand. In diesem Zusammenhang werden erst Arbeitsbedingungen herausgestellt, infolge die Attraktivität derartiger Berufe erörtert und die Prävalenz von Burnout recherchiert. Abschließend werden insbesondere Frauen betrachtet.
In Kapitel 5 wird auf die Burnout-Entwicklung und auf Konsequenzen eingegangen. Einige Verlaufsmodelle von Burnout werden beschrieben. Konsequenzen sowie Aussichten und Möglichkeiten zur Prävention von Burnout werden erst allgemein beleuchtet und folglich der Bezug zu
Beschäftigten und Führungskräften im Personalbereich geschaffen. Neuere Untersuchungen und Studien dazu werden recherchiert.
2 BURNOUT - FORSCHUNG
2.1 Kurzer Forschungsüberblick
Die Beschreibung des Zustandes von Burnout geschah in den Anfangszeiten meist in Zusammenhang mit sozialen Berufen und dem „hilflosen Helfer“, w obei ein zunächst unerklärlicher Motivationsverlust beschrieben wurde (vgl. Burisch 1989, S. 2f.). Es existieren Fallstudien von Krankenschwestern und Berichte von Lehrern, Therapeuten und Sozialarbeitern (vgl. u.a. Barth 1997; Kramis-Aebischer 1995; Schmid 2003 und Hagemann 2003).
Im psychologischen Sinn wurde der Begriff Burnout das erste Mal in Graham Greenes Erzählung „A Burnt-Out Case“ 1961 verwendet (vgl. Barth 1997, S.13 und Burisch 1998, S. 3). Bereits viel früher wurde eine Krankheit namens Neurasthenie bei Lehrern beschrieben, deren Symptome stark an die Erscheinungsformen erinnern, welche heute dem Burnout zugeschrieben werden (Barth 1997, S. 14 und Rudow 2004, S. 134). Ein Artikel zu Lehrer-krankheiten von Siegbert Schneider aus dem „Oberpfälzer Schulanzeiger“ aus dem Jahre 1911 befindet sich in Barth (1997, S. 13). Burnout ist demnach ein durchaus älteres Phänomen. In den Siebziger Jahren kam es aufgrund des vermehrten Auftretens, welches auf gesellschaftliche und soziale Veränderungen zurückzuführen ist, zu großer Popularität des Begriffes und zur Aufnahme in die Forschungsliteratur (Barth 1997, S. 14 und Rudow 2004, S. 134). Der amerikanische Psychoanalytiker Freudenberger prägte den Begriff erstmals in der Forschungsliteratur (vgl. Barth 1997, S. 13 und Rudow 2004, S. 134). Burisch hält fest: Burnout „bezeichnete bei Freudenberger zunächst den psychischen und physischen Abbau der meist ehrenamtlichen Mitarbeiter „alternativer“ Hilfs-organisationen: „Free Clinics“, therapeutische Wohngemeinschaften, Frauenhäuser, Kriseninterventionszentren (1989, S. 3)“. Ab Ende der Sechziger Jahre wurde ein ähnliches Phänomen bei amerikanischen
Organisationsberatern beobachtet und diskutiert, was damals noch unter dem Begriff „Flame-out“ verstanden wurde (vgl. Burisch 1989, S. 3). Die Burnoutforschung fand ihren Anfang in Amerika, nach Deutschland kam der Begriff Ende 1983, als in der Zeitschrift ,,Psychologie heute" ein Artikel über Burnout von Aronson, Pines und Kafry erschien (vgl. Barth 1997, S. 16). „1987 wurde der Begriff in Deutschland durch die Aufnahme in die Enzyklopädie der Psychologie durch Schönpflug (1987) offiziell gewürdigt (Barth 1997, S. 13).“ Das Thema erlangte große Popularität und es folgten zahlreiche Veröffentlichungen deutscher Autoren (vgl. Burisch 1989, S. 3). In der heutigen schnelllebigen, modernisierten und erfolgsorientierten Welt haben sich das Arbeitsfeld und das Wertverständnis verändert, wodurch Burnout immer stärker in den Mittelpunkt wissenschaftlichen Interesses rückt (vgl. Kernen, 1999, S. 25f. und Barth 1997). Seit den 80er Jahren spricht man von Burnout nicht mehr nur in der Fachsprache, sondern auch in der Alltagssprache.
Auf die Vielfalt an Theorien und dem Fehlen einer handfesten Definition von Burnout wird im nächsten Kapitel 2b eingegangen. Heute haben sich in der Literatur drei Ansätze herausgebildet, die unterschieden werden können. Die individuen-zentrierten Ansätze beschäftigen sich mit der Persönlichkeit von helfenden Personen, Autoren sind Edelwich & Brodsky oder Freudenberger. Die arbeits- und organisationsbezogenen Ansätze stellen organisatorische und institutionelle Bedingungen in den Vordergrund, Vertreter sind dabei Maslach oder Pines & Mitarbeiter. Die soziologischsozialwissenschaftlichen Ansätze berücksichtigen die Bedingungen des unmittelbaren sozialen Umfeldes in der Wahrnehmung der Betroffenen, hier gilt Cherniss als Hauptvertreter (vgl. Kramis-Aebischer 1995, S. 47f.). Es existieren heute zahlreiche verschiedene Modelle zu Burnout, wie etwa das “Soziale Kompetenz-Modell“ von Harrison, das “Kybernetischen Modell“ von Heifetz & Bersani, das “Defizit-Modell“ von Jayaratne & Chess, das “Stress-Modell“ von Eisenstat & Felner, das “Phasen-Modell“ nach Golembiewski & Munzenrider und das “Integrative Modell“ vo n Cherniss, diese werden in Barth (1997, S. 71f.) festgehalten. In den einzelnen Modellen werden jeweils andere Aspekte betont, welche in dieser Arbeit nicht im Detail aufgeführt werden. Einig sind sich die Forscher dabei, dass das Auftreten von Burnout in Zusammenhang mit dem modernen Leben
steht und, dass es, als Reaktion auf die Arbeit, in engem Zusammenhang mit Zufriedenheit und Stress steht. Auch die Ursachen für Burnout sind weitgehend übereinstimmend, es kommt jedoch zur unterschiedlichen Gewichtung der einzelnen Faktoren. Barth hält fest: „Burnout ist ein soziales Streß-Phänomen. In der Frage, woraus dieser soziale Streß resultiert, unterscheiden sich die Ansätze (1997, S. 86f.)“.
2.2 Definitionen
Eine Eingrenzung des Begriffes Burnout ist nicht einfach. Ursprünglich ist das Wort Burnout ein technischer Begriff und kommt aus dem Amerikanischen, es bedeutet soviel wie „ausbrennen“ oder „durchbrennen“, eine Sicherung etwa kann durchbrennen (vgl. Barth 1997, S. 16). Burisch sieht die Metapher „Burnout“ oder „Durchbrennen“/ „Ausbrennen“ als nicht sehr treffend, für ihn besteht ein Unterschied zwischen der langjährigen Symptomatik von Burnout und dem abrupten Durchbrennen von Sicherungen oder Ausbrennen von Häusern (vgl. 1989, S. 3f.). Barth hält fest, dass d er Begriff mit jeder neuen Veröffentlichung „umfassender, ausufernder und nichtssagender (1987, S. 20)“ wird. Gerade das Fehlen einer handfesten Definition bringt Schwierigkeiten für die Forschung mit sich. Verschiedene Definitionsversuche sind entweder zu umfassend oder zu spezifisch (vgl. Burisch 1989, S. 8 und Barth 1987, S.20f.). „1982 stellt Maslach fest, daß es bisher keine Definition des Burnout gibt, die als Standard akzeptiert ist (1982b; zitiert nach Enzmann & Kleiber 1990, S. 21)“. Es besteht zudem keine Einigkeit darüber, „ob Burnout als kategorialer Zustand oder als Merkmal mit quantitativer Ausprägung zu verstehen ist (Barth 1987, S. 19)“.
Eine Definition ist nötig um eine Abgrenzung zu anderen Beanspruchungsfolgen zu schaffen, oftmals finden sich große Abgrenzungen zu verwandten Konzepten oder auch Ähnlichkeiten und Gleichsetzungen mit schon bestehenden Stressdefinitionen (vgl. Enzmann & Kleiber 1990, S. 21). Es ist noch nicht gelungen, ein umfassendes, allgemeingültiges Burnout-Konzept zu erstellen und dadurch Burnout von anderen Konzepten wie u.a. Stress (vgl. Greif, Bamberg & Semmer 1991; Laux und Antoni & Bungard), Arbeitszufriedenheit (vgl. Prott 2001), Depression oder Hilflosigkeit
abzugrenzen (vgl. u.a. Barth 1987, S. 20f.; Richter & Hacker 1997, S. 135f. und Burisch 1989, S. 8f). Unterscheidungsmerkmale und Besonderheiten, um Burnout von verwandten Beanspruchungsfolgen/ –reaktionen abzugrenzen, werden in Richter & Hacker (1997, S. 136) und Rudow (2004, S. 135f.) aufgezeigt. Bei Burnout handelt es sich im Unterschied zum Stress um ein Phänomen, das sich über Jahre oder Jahrzehnte erstrecken kann und deshalb teilweise eine andere Qualität aufweist. Es kommt bei Burnout zu einer langzeitigeren Beeinträchtigung, wobei eine Vereinigung verschiedener Symptome und eine Kombination körperlicher, kognitiver und emotionaler Beeinträchtigung festgestellt werden kann. Der emotionale Anteil spielt bei Burnout eine nicht so große Rolle wie bei ähnlichen Konzepten. Zudem ist dabei die gesamte Person betroffen, im Gegensatz zu anderen Beanspruchungsreaktionen wie etwa Stress bei diesem emotionale Reaktionen auftreten. Im Unterschied zu tätigkeitsunspezifischen Zuständen wie Ermüdung
berufsgruppentypisch. Burnout „nimmt eine Schlüsselposition zwischen Gesundheit und Krankheit ein“ und „weist als Syndrom einen größeren, komplexeren Symptombereich als die übrigen, enger definierten negativen Beanspruchungsfolgen auf (Rudow 2004, S. 139)“. Es ist nach Rudow „eher ein Entwicklungs- bzw. Sozialisationsphänomen [...]“ und bedeutet eine „zeitweilige Stagnation der Persönlichkeitsentwicklung (2004, S. 139)“. In der Theorienvielfalt zu Burnout können nach Enzmann & Kleiber „doch einige Schwerpunkte in den Definitionen hervorgehoben werden. So lassen sich die Definitionen einmal dahingehend unterteilen, ob eher die Persönlichkeit des Helfers, die organisatorischen bzw. institutionellen Bedingungen oder gesellschaftliche Prozesse in den Vordergrund gerückt werden (1990, S. 21)“. Diese Einteilung findet man ebenfalls im Lexikon der Psychologie (vgl. 2000, S. 255). „Da in der Regel alle drei Bereiche gemeinsam wirksam sind, ist eine strenge Trennung“ nach Richter & Hacker „nicht durchzuhalten (1997, S. 135)“. Auch kommt es zu einem sehr leichten und ausgedehnten Gebrauch auf sämtliche Erschöpfungszustände des Burnoutbegriffes in der Alltagssprache (vgl. Rudow 2004, S. 135 und Enzmann & Kleiber 1990, S. 19f.).
Der Vorschlag von Paine lautet, fünf Bedeutungen von Burnout zu unterscheiden. Diese sind erstens das Burnout-Streß-Syndrom als
emotional-konatives Syndrom-Cluster, zweitens Burnout als mentale Störung – den Endzustand eines Burnout-Prozesses, drittens Burnout als Prozeß mit regelhaften Phasen, viertens Burnout-Faktoren, d.h. alles, was zum Ausbrennen beiträgt und fünftens Burnout als Folgewirkung auf der Organisationsebene (vgl. Barth 1997, S. 21f. und Burisch 1989, S. 8). Die meisten Autoren sehen Burnout nur in Zusammenhang mit dem Berufsleben. Freudenberger & Richelson, 1980; Edelwich & Brodski, 1984 und Burisch 1989 hingegen stehen dieser Auffassung entgegen und nehmen eine Möglichkeit des Auftretens von Burnout in allen Lebenssituationen an (vgl. Barth 1987, S. 22). Im Weiteren herrscht Uneinigkeit darüber, ob Burnout nur in helfenden Berufen vorkommt, oder in allen Berufsgruppen möglich ist. Nach Rudow (2004, S. 134) kann Burnout grundsätzlich bei jedem Menschen auftreten, Berufsgruppen mit vermehrtem und intensivem Kontakt zu anderen Menschen weisen jedoch häufiger Burnout auf. Lehrkräfte, Ärzte oder SozialarbeiterInnen etwa leisten überwiegend soziale Emotionsarbeit und benötigen großes soziales Engagement, wobei sie dabei meist wenig oder keine Belohnung und Anerkennung erfahren. Dieses Problem wird in Rudow „als „berufliche Gratifikationskrise“ (2004, S. 134)“ bezeichnet. Burisch (1989, S. 9) erachtet es als wichtig nicht danach zu fragen was Burnout ist, sondern was man unter Burnout verstehen will. Er vergleicht Burnout mit organisch-medizinischen Krankheitsbildern, wie etwa dem einer Grippe und stellt dabei mögliche Unterschiedlichkeiten in Symptomen und Verlauf heraus.
Einige der zahlreichen Definitionen werden im Folgenden herausgenommen und festgehalten.
„Pines, Aronson und Kafry (1985) definieren Burnout als die Erfahrung von körperlicher, einstellungsmäßiger und emotionaler Erschöpfung, die aus dem Vorhandensein von Stressoren und dem Nichtvorhandensein von Statisfaktoren in der Arbeitssituation resultiert (Barth 1997, S. 17)“. Burnout ist nach Barth „ein Syndrom der emotionalen Erschöpfung, und des Zynismus, das bei Berufstätigen auftreten kann, die eng mit anderen Personen zusammenarbeiten. Diese Personen können als Abhängige bezeichnet werden, bei denen der Berufstätige weitgehend Änderungen
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Eva Wittmann, 2005, Burnout bei Beschäftigten und Führungskräften im Personalbereich, Munich, GRIN Publishing GmbH
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