Inhaltsverzeichnis:
A. Kritik Korczaks gegenüber dem herkömmlichen pädagogischen Umgang
mit Kindern 2
1. Missachtung des Kindes Misstrauen gegenüber dem Kind 2
2. Unwillen, die Eigenheiten der Kinder hinzunehmen 3
3. Das Recht auf Achtung 5
4. Das Recht des Kindes, zu sein, was es ist 6
B. Elemente der Pädagogik Janusz Korczaks 7
1. Mit den Kindern fühlen 7
2. Die Kinder begleiten 8
3. Aus eigenen Fehlern lernen 9
4. Die Rechte der Kinder achten. 9
C. Schlussbetrachtung 12
D. Literaturangaben 12
1
A. Kritik Korczaks gegenüber dem herkömmlichen pädagogischen Umgang mit Kindern:
In seinem Werk „Das Recht des Kindes auf Achtung äußert Korczak anhand von vielen Beispielen aus dem Alltag, die sicherlich jeder kennt, Kritik an den gängigen Einstellungen und Vorgehensweisen von Erwachsenen gegenüber Kindern. Mit einem Satz kann man sagen, Korczak fordert Gerechtigkeit für das benachteiligte Kind. 2 Er kritisiert, dass Kinder nicht als gleichwertige Menschen angesehen werden. Das Werk ist in vier Kapitel unterteilt:
1. Missachtung - Misstrauen
2. Unwillen
3. Das Recht auf Achtung
4. Das Recht des Kindes, zu sein, was es ist
Im Folgenden möchte ich die von Korczak im oben genannten Werk geäußerte Kritik darstellen.
1. Missachtung des Kindes; Misstrauen gegenüber dem Kind.
Jeder kennt das: Kinder wollen etwas wissen, aber bekommen gesagt: „Das ist noch nichts für dich, das geht dich noch nichts an.“ Ein Verhalten, das man nur gegenüber Kindern anwendet. Kinder sind klein, sie können kaum etwas selbst tun, weil sie noch nicht groß genug sind. Man nimmt sie nicht ernst und übersieht sie. Sie haben keinerlei Bedeutung. Was etwas bedeutet, muss groß sein, nicht zu übersehen. Kinder sind schwach, deshalb sind sie den stärkeren Erwachsenen schutzlos ausgeliefert. „Wer wagt es als Kind, einen Erwachsenen zu schubsen, anzugreifen, zu schlagen, wann, unter welchen Umständen? Aber wie alltäglich und unschuldig ist der Klaps, den das Kind bekommt, wie heftig nimmt man es an der Hand und zieht es hinterdrein, wie schmerzhaft kann diese erdrückende Zärtlichkeit sein.“ 3 Das Kind ist also ohnmächtig den Launen der Erwachsenen ausgeliefert, sie können mit ihm machen, was sie wollen, ohne dass es sich dagegen wehren kann. Dies ist nur deshalb möglich, weil die Erwachsenen stärker sind. Korcak sieht dies aber nicht nur im Verhältnis Kinder- Erwachsene so, er ist der Meinung, dass grundsätzlich die Ohnmacht des Schwächeren zur Verehrung der Stärke führt. Jeder Stärkere kann somit seine Unzufriedenheit am Schwächeren auslassen, von ihm fordern, was er will und Gehorsam erzwingen. 4 Korczak ist der Meinung, dass die Erwachsenen so die Kinder dazu bringen, später auch alles, was schwächer ist als sie, zu verachten. Eine für ihn unzulässige Vorgehensweise. „Durch unser Beispiel lehren wir zu verachten, was schwächer ist. Eine schlechte Schule, eine finstere Prognose.“ 5
1 Korczak, Janusz: Das Recht des Kindes auf Achtung und fröhliche Pädagogik. Gütersloh 2002, S.44
2 Vgl. Kluge, K.-J., Plum, H., Schnell, I.: Eine kindgerechte Umwelt schaffen. München 1981
3 Korczak, J.: S.11
4 Vgl. Korczak, S.11
5 Korczak: S.11
2
Ebenfalls werden die Kinder missachtet, weil sie noch nichts wissen, noch keine Erfahrung haben. Sie können noch nicht bei den Dingen, die den Erwachsenen wichtig erscheinen, mitreden. Sie nach ihrer Meinung zu fragen, wäre naiv. Zusammenfassend kann man sagen, die Erwachsenen werden den Kindern vorgezogen, sie gelten mehr, während die Kinder nicht als gleichwertige Menschen angesehen werden. Die Erwachsenen investieren viel Mühe und Zeit, um das Kind so zu machen, wie sie sind. Sie befehlen ihm, was es tun soll, maßregeln es, wo sie können, um eine Kopie von sich selbst zu schaffen. „Es ist nichts, wir sind alles.“ 6 Das Kind besitzt nur, was man ihm gibt, und es wird erwartet, dass es damit zufrieden ist, es hat über nichts freie Verfügung. „Der Bettler verfügt nach Belieben über das Almosen; das Kind muss über jeden Gegenstand Rechenschaft ablegen, den es umsonst bekommen hat.“ 7 Die Erwachsenen machen das Kind so von sich abhängig. Korczak sieht durch diese Armut des Kindes, das ja ganz auf die Gnade der Erwachsenen angewiesen ist, das Verhältnis zwischen Kindern und Erwachsenen als verdorben an.
Korczak kritisiert also, dass das Kind noch gar nicht als ein richtiger Mensch angesehen wird, sondern erst einer wird. „Das Junge hat einen schlechten Marktwert.“ 8 Dieses Kind, das noch kein Mensch ist, wird ständig überwacht und kontrolliert, belehrt, ermahnt; es wird ständig überwacht, damit es sich keinen Schaden zufügt - und auch niemand anders. Man traut dem Kind nichts zu. Alles, was es von sich aus tut, wird mit Misstrauen gesehen. Was es selbst empfindet oder denkt, ist uninteressant. Ihm wird also die Achtung, die Älteren gegenüber erbracht wird, vorenthalten. Korczak ist der Meinung, dass Kinder auch gleichwertige Menschen sind und auch so behandelt werden sollten, d.h. sie sollten auch ernst genommen werden, auch Rechte haben, auch die Welt, in der sie leben, sollte etwas wert sein. Stattdessen wird das Kind als etwas angesehen, das erst noch zu einem richtigen Mensch gemacht werden muss. Dabei werden die Empfindungen und Bedürfnisse des Kindes während der Kindheit missachtet, weil die Erwachsenen diese für unwichtig bzw. auch für gefährlich halten, werden sie für nichtig erklärt.
2. Unwillen, die Eigenheiten der Kinder hinzunehmen.
Das Zusammenleben mit Kindern ist oft nicht erfreulich. Sie bereiten viel Mühe und Umstände, sorgen für Unordnung, müssen aber trotzdem mit Sorgfalt behandelt werden, da es sonst zu noch mehr Unannehmlichkeiten kommt. Also eine Last. Das Kind macht, was es will, es ist laut, neugierig und unvernünftig. Dies wird oft als Bosheit, Heuchelei, Verlogenheit ausgelegt. Ein Erzieher reagiert darauf mit Strafen, Ärger, Verboten, Zwang. Mit zunehmendem Alter steigt der eigene Wille des Kindes, und es fügt sich immer weniger dem, was der Erzieher verlangt, worauf dieser zu immer strengeren Mitteln greift. Korczak dagegen ist der Meinung, man solle den Verhaltensweisen des Kindes nicht mit Unverständnis und immer härteren Strafen gegenübertreten, sondern man sollte, um mehr zu erreichen, Verständnis und Güte für die vermeintlichen Untaten des Kindes entgegenbringen, verzeihen, beraten, mit dem Kind reden, auf jeden Fall sollte man das Kind nicht „von oben herab“, wie etwas minderwertiges , behandeln. „Seltener sind wir Berater und Tröster, aber häufiger strenge Richter. Das rasche Urteil und die Strafe bewirken nur eines: Die Exzesse von Langeweile und Rebellion werden seltener, aber dafür heftiger und verbitterter.
6 Ebd.: S.13
7 Ebd.: S.14
8 Ebd.: S.13
3
Arbeit zitieren:
Hans Mai, 2003, Die Kritik Janusz Korczaks gegenüber dem herkömmlichen pädagogischen Umgang mit Kindern und Elemente der Pädagogik Janusz Korczaks nach Korczaks "Recht des Kindes auf Achtung", München, GRIN Verlag GmbH
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