Gliederung
1. Einleitung
2. Grundlegendes zur systemischen Theorie und
Begriffskl ärungen
2.1 Die zentralen Grundannahmen der Systemtheorie
2.1.1 Zikularität
2.1.2 Konstruktivismus
2.1.3 Kybernetik
2.1.4 Autopoiesis
2.2 Von der Problemsprache zur Lösungssprache
2.3 Der Begriff “lösungsorientiert“ und “lösungsorientiertes
Denken “
2.3.1 Der Begriff der lösungsorientierten Kurzzeittherapie
3. Der systemische Therapeut und die Techniken der
l ösungsorientierten Kurztherapie
3.1 Der systemische Therapeut
3.2 Techniken und Werkzeuge der lösungsorientierten
Kurztherapie
3.2.1 Hypothesenbildung
3.2.2 Reframing
3.2.3 (zirkuläres) Fragen
3.2.3.1. Spezifische Fragetechniken in der Kurztherapie
3.2.3.1.1 Fragen bei der Eröffnung der Therapie, Vorinterview
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3.2.3.1.2 Die Wunderfrage
3.2.3.1.3 Die Frage nach Ausnahmen von Problemen
3.2.3.1.4 Bewältigungsfragen (Coping-Fragen) oder die Frage nach den
Ressourcen des Klienten
3.2.3.1.5 Skalierungsfragen
4. Schlussgedanken
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1. Einleitung
In dieser Arbeit möchte ich mich dem systemisch-lösungsorientierten Therapieansatz widmen und einen vertiefenden Focus auf eine der Zellen dieses Ansatzes, der lösungorientierten Kurztherapie, richten.
Der lösungsorientierte Ansatz besitzt für mich den Reiz des Interesses darin, dass er in seinem Vorgehen ein Umdenken erforderlich macht, welches in seinen Grundprinzipien denkbar einfach gestaltet und doch verwirrender Art ist. Dies mag seinen Ursprung dahingehend besitzen, dass lösungsorientiertes Denken oftmals den verallgemeinerten Kognitionen des Menschen bezüglich seiner, wohl auch gesellschaftlich induzierten und internalisierten, Problemwahrnehmungen, ja eigentlich sämtlicher negativ empfundener Kognitionen, entgegen spricht. Anstatt der Vertiefung von Problemen und Problembewusstsein, von akribisch betrachteter Ursachenerkundung sowie einer ausgedehnten Problemanalyse, wird hier das Augenmerk auf das rein elementar förderliche eines angestrebten, erfreulicheren Lebensgefühls und Wahrnehmungseinstellung gerichtet: den immer vorhandenen Ressourcen und Eigenkompetenzen eines Menschen und einer Fokussierung auf die, oftmals gar nicht registrierten, positiven und bereits funktionierenden allgemeinen Lösungen, die ein Mensch kontinuierlich, wenn auch oftmals erst einmal unbewusst, für sich erfindet und erfolgreich nutzt. Denn tatsächlich verhält es sich doch oftmals so, dass ein Problem schon dadurch gelöst werden konnte, in dem Dinge an anderer Stelle des Lebens als bewusst erfolgreich und gemeistert empfunden wurden, wodurch dieses, an anderer Stelle empfundenes Problem sich parallel dazu ins Nichts auflöst ohne dass es im speziellen angegangen wurde.
Subjektive Wahrnehmung nun also dahingehend zu richten, in Eigenregie bereits entwickelte, Kompetenzen zu registrieren und sein Bewusstsein dahingehend zu schulen ohne, schon bereits im Vorfeld als schmerzhaft empfundene, Probleme tiefgehend zu behandeln, besitzt meiner Meinung nach ein Höchstmaß an menschlich wertschätzendem Charakter, den eine Therapieform darzulegen vermag. Lösungsorientierte Kurztherapie zielt darauf, effektiv und vor allem, wie der Name bereits sagt, schnell Symptome aufzulösen aber auch durchaus aufgrund der Ressourcenvermittlung präventiv zu wirken, bei problematischen Situationen, welche in naher und ferner Zukunft sich manifestieren könnten. Das menschlich
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wertschätzende dieser Therapieform liegt also auch darin, nicht alleine nur Symptome aufzulösen, sondern die subjektive Kognition eines Menschen auf Dauer in eine Art und Weise hin zu führen und zu festigen, sich auch im ´noch Kommenden´ zurecht finden zu können.
Im Folgenden werde ich somit die Grundlagen der systemischen Arbeit und dem lösungsorientierten Denken und Handeln vorstellen. Ich werde mich dabei im praktischen Teil spezifisch auf Anwendungen konzentrieren, wie sie vor allem in der lösungsorientierten Kurztherapie ihre Geltung finden. Natürlich kann diese Hausarbeit nur einen groben Rahmen dessen geben, was systemisches und lösungsorientiertes Denken in sich birgt. Ebenso verhält es sich mit den Techniken, welche hier nur lediglich knapp umrissen werden können und keineswegs als volles Spektrum der, in der Kurztherapie ihre Geltung findenden Werkzeuge und Techniken angesehen werden kann. Es gilt eher einen kurzen Einblick in die Art und Weise, wie Kurztherapie im Großen und Ganzen vollzogen wird, zu veranschaulichen.
2. Grundlegendes zur systemischen Theorie und
Begriffsklärungen
Die systemische Theorie beinhaltet mittlerweile ein komplexes System aus Hypothesen, Erklärungen und Werten. Sie ist ein Konzept des gedanklichen Begreifens und beschreibt, wie Systeme strukturell und prozessual organisiert sind und wie sie sich mit ihrer Umwelt auseinandersetzen.
In der Systemtheorie interessieren nur die offenen Systeme, welche man auch als `lebende Systeme` bezeichnen könnte, wie biologische, psychische, soziale oder kulturelle Systeme.
Zu den Grundbausteinen auf denen die systemische Theorie fusst, gehören vor allem die Annahme der Zirkularität, des Konstruktivismus, der Kybernetik sowie der Autopoiesis.
2.1.1 Zikularität
“Was als Ursache angesehen werden kann, ist zugleich Wirkung, die wieder Ursache wird usw.. Aus einem Lebenskreis mit tausend unterschiedlichen Variablen lässt sich keine Linie machen, auch wenn es immer wieder versucht wird.“ ( Zitat nach Dussvon-Werth, Von der systemischen Sicht zum systemischen Handeln, in: Gröne, Grundlagen systemischen Denken und Handelns, in: Wrede, Lösungsorientierte
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Kurztherapie - Grundannahmen, Vorgehensweisen und ihre Relevanz für die sozialpägagogische Arbeit 1997, S. 7 Abs. 2)
Von Schlippe und Schweitzer definieren Zirkularität in ihrem Lehrbuch der systemsichen Therapie als „…Kreisförmigkeit…den Versuch, das Verhalten der Elemente eines Systems als Regelkreis zu beschreiben, so dass die Eingebundenheit dieses Verhaltens in einem Kreislaufprozess sichtbar wird.“. (Zitat nach von Schlippe/ Schweizer 1998: Systemische Therapie und Beratung, S. 118)
Zirkularität beschreibt somit einen Zustand der sich dadurch beschreiben lässt, dass individuelles Verhalten durch Verhaltensweisen der Umwelt bestimmt wird und dieses gleichzeitig selbst bedingt. Verhalten als Teil eines Systems stellt somit immer Ursache und Wirkung dar. Wirkung bedingt nun jedoch wieder Ursachen für neues Verhalten etc.. Nach diesem Prinzip ist jede agierende Person gleichzeitig ´Täter´ sowie ´Opfer´. Somit kann man davon ausgehen, dass auch ein einzeln Ratsuchender als Problemträger selbiges nicht alleine entstehen lässt sondern dieses aus dem Vorhandensein diverser, miteinander agierender, Umstände und dem Zwischenspiel vieler Beteiligter Personen, resultiert.
In diesem Sinne kann in komplexen Prozessen eines Systems keine Unterscheidung zwischen ,,Ursache" und ,,Wirkung" getroffen werden und die Frage nach dem ,,Wie" wird wichtiger als das ,,Warum". (vgl. Bamberger, S. 7)
Im therapeutischen Prozess bedeutet die Zirkularität, die Fähigkeit des Therapeuten oder Beraters, sich durch Feedback der jeweiligen Klienten, dass sich beispielsweise aus dem Verhalten der Familie zeigt, sich in seiner Art und Weise der Befragung leiten zu lassen. Dies bedeutet bei der Befragung besonders Unterschiede im Verhalten und weniger im Bereich der Gefühle und Kongnitionen, zu fokussieren. (vgl. Von Schlippe/ Schweitzer, S. 138)
2.1.2 Konstruktivismus
Kurz und bündig könnte man den Kontruktivismus in einem Satz beschreiben: „Wir sehen nicht mit unseren Augen, sondern mit unserem Verstand“ (Zitat nach Bamberger, lösungsorientierte Beratung 2001, S. 8)
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Dieser Aussage zugrunde liegt die Bedingung, dass jeder Mensch in dem Erkennen von Realität ausschließlich auf sein eigenes subjetkiv erstelltes Konstrukt von Realität zurückgreifen kann, der individuellen Wirklichkeit. Das Vorhandensein einer objektiven Realität bzw. objektiver Erkenntnis Selbiger kann nicht bestimmt werden. Allerdings kann davon ausgegangen werden, dass eine Realität als Solchige existiert, jedoch unerreichbar in objektiver Erfassung durch das menschliche Individuum. Die Realität hat bei der Konstruktion von subjektiver Wirklichkeit insofern eine Funktion, dass diese Wirklichkeit nur dann als nützlich zu betrachten ist, wenn sie der Realität nicht widerspricht. Dies bedeutet aber nicht, dass sie ihr entsprechen muss, denn es sind einerseits bestimmte Konstruktionsmöglichkeiten durch die Realität eingeschränkt, aber andererseits ist nahezu unendlich viel möglich. Subjektive Realitätswahrnehmung, also die Erfahrung von Wirklichkeit, entwickelt sich aus den aktuellen Lebenszusammenhängen, der individuellen Lebenserfahrung sowie den kognitiven Vorgängen und Möglichkeiten des Subjekts. Im mitmenschlichen Zwischenspiel kommt es somit zu Problementwicklungen und interpersonellen Differenzen aufgrund der Beharrlichkeit und des absoluten Wahrheitsanspruches den ein Subjekt seinem subjektiven Realitätsempfinden zuschreibt. (vgl. Gröne, S. 17-19)
Innerhalb des Weltbildes des Konstruktivismus und seinen Prämissen spalten sich die Ansichten des radikalen und des sozialen Konstruktivismus voneinander ab. Der radikale Konstruktivismus stimmt mit dem Sozialen darin überein, dass eine objektive Realität nicht erfassbar ist. Er definiert die Konstruktion von Wirklichkeit jedoch durch das geschlossene neuronale System des Menschen, wobei die Aussenreize lediglich Anstöße für die internen Operationen sind. Die Wirklichkeit ist nach dem radikalen Konstruktivismus, nie losgelöst von ihrem Beobachter. Sie bedarf des grundlegenden Prozesses der Wechselbeziehung zwischen dem Erkennenden und dem Erkannten, dem Beobachter und dem Beobachteten. Ausgangspunkt stellt dabei das erkennende Individuum dar. Im Gegensatz zum radikalen Konstruktivismus sieht der soziale Konstruktivismus die Wirklichkeit als interaktional ausgehandeltes, konsensuelles Phänomen. Wirklichkeit wird somit in den Prozessen menschlicher Kommunikation gesellschaftlich konstruiert. Die Sprache stellt hierbei das wichtigste Medium dieser Prozesse dar und ist zugleich Produkt und Produzent menschlicher Wirklichkeit. Somit entsteht die Wirklichkeit im Dialog, durch die Art und Weise der Beziehungen zu anderen, durch die verschiedenen Begriffe, Metaphern und Geschichten, mit dem Ziel einer symbiotischen Perspektivenvielfalt bei Verzicht auf ein persönliches Realitätsmonopol. (vgl. Boscolo/ Betrando, S. 36/ 37)
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Arbeit zitieren:
Christian Riemarzik, 2005, Lösungsorientierte Kurztherapie, München, GRIN Verlag GmbH
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