Internationaler Handel unter Berücksichtigung steigender Skalenerträge - ein Erklärungsansatz I
Inhaltsverzeichnis: I
Abk ürzungsverzeichnis II
Verzeichnis der Tabellen und Graphiken II
1. Einleitung:
Problemstellung mit Bezug zur traditionellen Außenhandelstheorie und
Verweis auf die aktuelle Zusammensetzung des Welthandels 1
2. Eigenschaften und Definitionen steigender Skalenerträge 5
2.1. unternehmensinterne Skalenerträge 5
2.2. unternehmensexterne Skalenerträge 6
2.3. nationale und internationale Skalenerträge 7
3. Internationaler Handel aufgrund steigender Skalenerträge nach Krugman 8
3.1. mit unternehmensinternen Skalenerträgen 8
3.1.1. Modellannahmen 8
3.1.2. Gleichgewicht in einer geschlossenen Volkswirtschaft 9
3.1.3. Folgen für das Gleichgewicht nach Markteröffnung 12
3.2. mit unternehmensexternen Skalenerträgen 14
3.2.1. Modellannahmen 15
3.2.2. Öffnung der Märkte für den Handel 16
3.2.3. Das Handelsmuster mit externen Skalenerträgen 18
3.2.4. Gewinne aus dem Handel 19
4. Zusammenfassung der bisherigen Erkenntnisse 21
5. Schlussbetrachtung 24
Literaturverzeichnis III
Internationaler Handel unter Berücksichtigung steigender Skalenerträge - ein Erklärungsansatz II
Abkürzungsverzeichnis:
EL: Entwicklungsländer EU: Europäische Union F&E: Forschung und Entwicklung GATT: General Agreement on Tariffs and Trade IL: Industrieländer (Konvergenzländer) WTO: World Trade Organization = Welt Handels Organisation average cost (AC): Durchschnittskosten marginal cost (MC): Grenzkosten total cost (TC): Gesamtkosten (fixe und variable Kosten) marginal revenue (MR): Grenzumsatz revenue (R): Umsatz / Erlös etc.: et cetera (und so weiter) z.B.: zum Beispiel
Verzeichnis der Abbildungen und Tabellen: Graphik 1.1.: Weltgüterhandel in den 3 wichtigsten Güterklassen 1 Graphik 3.1.: Chamberlins Tangency Solution 11 Graphik 3.2.: zur Bestimmung des individuellen Konsums zu den Güterpreisen 12 Graphik 3.3.: eingesetzter Faktor Arbeit pro Gütereinheit 17
als Funktion der Produktionsmenge Tabelle 3.1.: mögliche Ergebnisse des Handels unter steigenden externen Skalenerträgen 18
Internationaler Handel unter Berücksichtigung steigender Skalenerträge - ein Erklärungsansatz 1
1. Einleitung
Unabhängig jeder Definition oder wissenschaftlicher Erklärung ist sicherlich jedem bewusst, welche wesentliche Position in unserem Leben der Handel einnimmt. Wir handeln mit Gütern und Dienstleistungen, um wiederum andere Güter und Dienstleistungen zu erwerben 1 , und konsumieren diese dann. Somit steigern wir letztlich unser Wohlbefinden, ökonomisch ausgedrückt maximieren wir unser Nutzenniveau.
Nun hat sich seit Ende des zweiten Weltkrieges das Handelsvolumen weltweit durch Reduzierung oder gänzliche Auflösung von Handelsbarrieren, insbesondere in den Industrieländern (IL), nach Implementierung der Vorgaben aus dem GATT, z.B. die Senkung handelshemmender Maßnahmen wie Zölle oder durch die Annahme der Marktwirtschaft als Wirtschaftssystem in den ehemaligen kommunistischen Ländern, enorm vervielfacht.
Diese Vervielfachung lässt sich sehr gut anhand von Graphik 1.1. erkennen. 2
1 Auf die Funktionen des Geldes sei hier nicht näher einzugehen, vgl. aber dazu Jarchow (2003),
S. 1 ff
2 Quelle: Homepage der WTO:
http://www.wto.org/english/res_e/statis_e/its2003_e/its03_longterm_e.htm
Internationaler Handel unter Berücksichtigung steigender Skalenerträge - ein Erklärungsansatz 2 Weiterhin lässt sich die Zusammensetzung des Handels, unterteilt nach Industriegut und Primärgütern (hier: natürliche Ressourcen und landwirtschaftliche Güter), erkennen. Primärgüter, als die Güterklasse, die Entwicklungsländer (EL) hauptsächlich handeln.
Diese Vervielfachung des Handelsvolumens zusammen mit der Verflechtung vieler Länder im Handel rief und ruft noch seit jeher führende Ökonomen auf den Plan, um das Phänomen des Handels zu untersuchen und es zu erklären. Man versuchte dabei Fragen zu beantworten, wie zum Beispiel: Wie kommt Handel zustande? Wer handelt mit wem? Warum wird gehandelt? Womit wird gehandelt? Und wer profitiert wann und unter welchen Umständen von Handel? Führend hierbei war zum einen David Ricardo (1772-1823), der im 2 Länder - 2 Güter - 1 Faktor - Modell zeigte, dass es für zwei Länder von Vorteil sein kann, sich vollständig auf die Produktion des einen Gutes zu spezialisieren, bei dem das jeweilige Land die geringsten Opportunitätskosten aufweist, das heißt den komparativen (Kosten-) Vorteil ausnutzen kann. Dieser komparative Vorteil definiert sich in diesem Modell als geringere relative Preise vor Aufnahme von Handel -im Zustand von Autarkie- im Vergleich zum anderen Land. 3 Dabei definiert Ethier Opportunitätskosten als: „…die Kosten eines Gutes für ein Individuum oder für eine Gesellschaft aus dem Betrag eines anderen Gutes, der aufgegeben werden muss, um eine Einheit von diesem zu erhalten.“ 4 Des weiteren prägten die Ökonomen Eli Heckscher (1879-1952) und Bertil Ohlin (1899-1979) mit ihrem Faktorproportionentheorem die neoklassische
Außenhandelstheorie nachhaltig auf der Suche nach einer realitätsnäheren Erklärung für Handel, indem sie komparative Unterschiede auf die unterschiedlichen Faktorausstattungen der jeweiligen Länder zurückführten. Das von Samuelson entwickelte Heckscher-Ohlin-Samuelson-Modell (HOS-Modell) mit 2 Ländern, 2 Gütern und 2 Faktoren zeigt, wie
3 vgl. hierzu Jörg (1988), S. 3 f
4 aus Ethier (1991), S. 12
Internationaler Handel unter Berücksichtigung steigender Skalenerträge - ein Erklärungsansatz 3
„das Land den komparativen Vorteil hat, das für seine Produktion, den im Land relativ reichlich vorhandenen Faktor relativ intensiv verwendet.“ 5 Als Unterschied zur klassischen Theorie von Ricardo bleibt zu erwähnen, dass im Gleichgewicht des HOS-Modells beide Länder weiterhin beide Güter, wenn auch in geringeren Mengen, produzieren, es erfolgt also keine vollständige Spezialisierung. 6
An dieser Stelle soll zur Vertiefung der klassischen sowie neoklassischen Theorien auf die zahlreiche Literatur, die sich mit der Außenhandelstheorie beschäftigt, verwiesen werden. 7
Hervorheben möchte ich nun, dass seit Veröffentlichung der oben genannten Theorien 8 viele Jahrzehnte vergingen, in denen sich das Weltbild vor allem politisch, bedingt durch den ersten und zweiten Weltkrieg, stark veränderte. Damit einhergingen, wie in den einleitenden Zeilen erwähnt, ein drastischer Anstieg des Welthandelsvolumens, der unter Anwendung der beiden oben aufgeführten Modelle von vielen Ökonomen untersucht wurde, um letztlich Erstaunliches zu entdecken:
Außenhandel widersprach gänzlich oder zum Teil den Ergebnissen zu denen Ricardo und HO gelangt waren.
Der wohl prominenteste Wirtschaftswissenschaftler, der die Theorie Heckscher-Ohlins einer Prüfung unterzog, war Wassily Leontief, der in seiner Untersuchung der Handelsstruktur der Vereinigten Staaten von Amerika zu einem überraschenden Resultat kam: Die USA schienen arbeitsintensiv produzierte Güter zu exportieren, obwohl es zu dem Zeitpunkt als das kapitalreichste Land galt. Das Ergebnis war also genau umgekehrt zu den Ergebnissen des HOS- 5 ausEthier (1991), S. 146
6 vgl. Husted/Melvin (2001), S.109
7 wie z.B. Horst Siebert (1984), Kap.1-6
8 Ricardo 1817, Heckscher 1919 und Ohlin 1933; alle Angaben aus: Jörg (1988), S. 3
Internationaler Handel unter Berücksichtigung steigender Skalenerträge - ein Erklärungsansatz 4 Modells. Die so unerwarteten Schlüsse sind seit jeher als Leontief-Paradoxon bekannt.
Neben komparativen Vorteilen und Unterschieden in Faktorausstattungen rückten mehr und mehr weitere Aspekte in den Vordergrund, die bis dahin teilweise in den Modellannahmen von Anfang an ausgeschlossen wurden oder bis dahin nicht näher analysiert werden konnten, da z.B. die modell-analytische Betrachtung unmöglich schien. Zu erwähnen wären hier die von Staffan Linder (1961) untersuchten Nachfragestrukturen handelnder Länder, die technological-gap-Theorie von Posner (1961), die Produktlebenszyklus-Theorie von Vernon (1966) oder steigende Skalenerträge. 9 Bemerkenswert hierbei ist die Tatsache, dass diese neuen Ansätze keineswegs die traditionellen Theorien 10 revidieren, sondern vielmehr ergänzen, indem sie eine empirisch immer bedeutender werdende Art des Handels interpretieren, den intra-industriellen Handel 11 , den Handel zwischen identischen Wirtschaftszweigen und Sektoren in ähnlich entwickelten Volkswirtschaften.
In Ansätzen lässt sich diese Art des Handels anhand der Graphik 1.1. erkennen, denn gemäß den traditionellen Modellen müsste der Handel in allen Gütergruppen gleich stark angestiegen sein, da IL Primärgüter importieren und Industriegüter (=manufactures) im gleichen Maß in die EL exportieren müssten. Traditionelle Außenhandelstheorie kann dieses Phänomen des intra-industriellem Handels nicht hinreichend erläutern.
Dennoch kann gesagt werden, dass herkömmlicher inter-industrieller Handel, also der Tausch von z.B. Automobilen und Textilien, nach wie vor durch die Theorien der Klassiker und Neoklassiker bestens beschrieben werden.
9 vgl. hierzu Husted/Melvin (2001), S. 133ff und Jörg (1988), S. 4 f
10 unter traditioneller Außenhandelstheorie sollen hier die Theorien Ricardos und Heckscher-Ohlins
verstanden werden
11 Grubel/Lloyd (1975) waren die ersten die dieses Phänomen eingehender untersuchten; im
Folgenden soll „intra-sektoraler Handel“ als Synonym verwendet werden
Internationaler Handel unter Berücksichtigung steigender Skalenerträge - ein Erklärungsansatz 5 Wie von vielen führenden Ökonomen, die sich gerade mit diesen neuen Ansätzen beschäftigen, beanstandet, finden gerade steigende Skalenerträge (engl.: increasing returns in economies of scale) wenig Aufmerksamkeit in vielen Lehrbüchern und Vorlesungen der Außenhandelstheorie und werden, wenn überhaupt, als Kuriosität und Ausnahmeerscheinung am Rande behandelt. 12 So möchte ich mich in dieser Arbeit auf steigende Skalenerträge konzentrieren und die Konsequenzen, die sie auf internationalen Handel haben, analysieren und versuchen, detailliert zu benennen. Dabei sollen die eingangs gestellten grundlegenden Fragen der Außenhandelslehre unter zu Hilfenahme steigender Skalenerträge beantwortet werden.
Wie bereits erwähnt, gilt festzuhalten, dass, wenn steigende Skalenerträge Einzug in Handelsmodelle finden, man sich einer Reihe schwerwiegender Komplexitäten gegenübergestellt sieht. Wohl am gewichtigsten ist die Unvereinbarkeit mit der geltenden Annahme vollständiger Konkurrenz, da bislang alle allgemeinen Modelle der Außenhandelstheorie sich auf perfekten Wettbewerb stützen. Vollkommener Wettbewerb impliziert Grenzkostenpreissetzung, also
Preisnehmerverhalten der Unternehmen, das heißt die Unternehmung nimmt den Preis als gegeben hin und kann durch eigene Preis- und Produktpolitik keinen Einfluss auf das Geschehen am Markt ausüben.
In Kapitel 2 werde ich näher auf die Definitionen und Charakteristika steigender Skalenerträge eingehen und die Folgen, die sie implizieren, näher erläutern. Es folgen in dem Kapitel 3 zwei von Krugman konzipierte Modelle, in denen Außenhandel unter unternehmensinternen sowie -externen Skalenerträgen beschrieben wird und deren Konsequenzen für die beiden handelnden Ökonomien geschildert werden. Kapitel 4 fasst dann die Gemeinsamkeiten, Implikationen und Ergebnisse beider Modelle kurz zusammen, bevor in der Schlussbetrachtung in Kapitel 5 erwähnt wird, welche Fragen die moderne Außenhandeltheorie noch offen lässt.
12 in Anlehnung an die Einleitung von Kierzkowski (1984)
Arbeit zitieren:
Christian M. Alvarado, 2005, Internationaler Handel unter Berücksichtigung steigender Skalenerträge - ein Erklärungsansatz, München, GRIN Verlag GmbH
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