Inhaltsverzeichnis
1. Kommunikation und soziale Kompetenz 3
2. Stottern als Kommunikationsstörung 4
2.1 Beeinträchtigte Kommunikationsabläufe und deren Auswirkungen 4
im sozialen Leben
2.2 Symptomatik und Ursachen des Stotterns 6
2.3 Psychosoziale Aspekte des Stotterns 8
2.3.1 Innere Momente 8
2.3.2 Soziales Umfeld der Betroffenen 9
2.3.3 Therapiemöglichkeiten 11
3. Die Selbsthilfegruppe als Chance 13
2
1. Kommunikation und soziale Kompetenz
Der Terminus Kommunikation meint „die Fähigkeit des Individuums, seine Gefühle und Ideen einem anderen mitzuteilen, sowie die Fähigkeit von Gruppen, enge und vertrauliche Verbindungen miteinander zu haben.“ 1 Danach ist die Kommunikation ein wesentliches Grundelement jeglicher sozialen Beziehung. In der Soziologie ist vor allem ein Prozess dieses Phänomens wichtig: Die Gegenseitigkeit der Kommunikation. Vorausgesetzt wird dabei das Erkennen und Verstehen von sprachlichen Zeichen, also von Symbolen und deren Bedeutungsregeln.
In der Sprache handelt es sich also um eine gewisse Art von Code, der von Mitgliedern einer Sprachfamilie, eines bestimmten Kulturkreises, oder im Kleinen, von Mitgliedern einer sozialen Gruppe nachvollzogen werden kann. Während des Vorgangs des Spracherwerbs und des Lernens der Bedeutungsregeln erwirbt man einen Grad von sprachlicher Kompetenz und erleichtert damit den Sozialisationsprozess und damit seine eigene Persönlichkeitsbildung. Sprache ist somit Ausdruck sozialer Beziehungen und gibt in einer gewissen Form die Strukturen einer Gesellschaft wider. Dabei geht es vor allem um die Sprachverwendung, die in den verschiedenen gesellschaftlichen Schichten zu differenzieren ist. Sprache und Sprachverwendung sind das wichtigste Merkmal der Sozialisation und dem entsprechenden Zustand der jeweiligen Gesellschaft. Erwirbt man also einen gewissen Grad an sprachlicher Kompetenz, erfolgt auch automatisch der Erwerb der sozialen Kompetenz. Der Begriff meint die Fähigkeit eines Menschen, mit anderen in Interaktion treten zu können. Das Hauptaugenmerk liegt dabei auf der Qualität der Interaktion. Es geht also darum, inwieweit das betreffende Individuum konstruktiv,
konfliktbewältigend oder auch motivierend mit seinen Gesprächspartnern umgehen kann. Dies erfordert vor allem Einfühlungsvermögen und die
1 Hillmann, Karl-Heinz. Wörterbuch der Soziologie. Stuttgart 1994. S 426.
Sensibilität, auf den Gegenüber angemessen zu reagieren und dabei seine Identität nicht zu vergessen oder zu verlieren. Der Begriff soziale Kompetenz kann in verschiedene Grade eingeteilt werden: Die erste Stufe beinhaltet im Grunde lediglich das Verständlichmachen, die zweite Stufe wird dann erweitert durch die Fähigkeit zuhören zu können und damit gruppendynamische Prozesse aufnehmen zu können. In der dritten Stufe steht die Offenheit im Mittelpunkt: man ist kritikfähig und darüber hinaus bereit, sich mit anderen auseinander zusetzen. Danach folgt der wichtige Schritt der Kooperation, der gefolgt ist von der Stufe der Gestaltung. Dabei erhält man die Fähigkeit, sich in einer Gruppe zurechtzufinden und situationsadäquat zu kritisieren. Auf der höchsten Stufe der Bildung von sozialer Kompetenz steht die Identifikation; Man behält die Balance zwischen Engagement und Abgrenzung, wobei man das Bewusstsein über die eigenen Grenzen und Möglichkeiten hat. 2
Sprache und Kommunikation h aben bei diesem Prozess eine grundlegende Rolle inne. Hat ein Individuum allerdings Defizite in der sprachlichen Kompetenz, herrscht eine irritierende Kommunikationsstörung vor. Eine solche Störung im Kommunikationsprozess zieht verheerende Konsequenzen für den Betroffenen nach sich. Demjenigen wird jegliche soziale Kompetenz abgesprochen und somit wird ihm auch der Prozess der Sozialisation und Persönlichkeitsbildung erheblich erschwert.
2. Stottern als Kommunikationsstörung
2.1 Beeinträchtigte Kommunikationsabläufe und deren
Auswirkungen im sozialen Leben
Eine Kommunikationsstörung, wie sie bei Sprach- und Sprechstörungen auftritt, beeinträchtigt den Prozess der Sozialisation erheblich. Betroffene haben starke Probleme damit, sich mitzuteilen und damit auch eine etwas
2 Vgl.: http:// www.sociologicus.de/lexikon/lex_geb/begriffe/soziale4.html 13.03.03.
degenerierte sprachliche Kompetenz. Jedwede Form der Kommunikation basiert auf der Tatsache, dass sie immer gleichzeitig auf einer Inhaltsebene sowie auf einer Beziehungsebene abspielen, sei es nun verbal oder nonverbal. Bei einer Sprach- bzw. Sprechstörung treten zumeist Fehler auf der Inhaltsseite auf. Dadurch wird der Prozess der zwischenmenschlichen Kommunikation sehr stark beeinträchtigt. Diese Störung wirkt sich äußerst negativ auf die Beziehungsebene aus. Mitteilung auf der Beziehungsebene erfolgen besonders durch expressive Anteile der Sprache, wie Lautstärke, Tonfall, -höhe, Sprechtempo, Wortwahl, Gestik und Mimik. Sind nun die expressiven Anteile der Sprache beeinträchtigt, so ist natürlich die Kommunikation der Beziehungsebene ebenso stark beeinträchtigt. Treten erst einmal Fehler auf emotionaler Ebene auf, gestaltet ein Leben in einer festen Gesellschaft als äußerst problematisch. Der Betroffene verliert seinen festen Platz in der Hierarchie, muss also seine soziale Rolle neu definieren. Eine Sprach- bzw. Sprechstörung verändert also das soziale Leben der Patienten.
Sprachbehinderungen werden daher oftmals als Stigma definiert. „Ein Stigma ist ein von der Umwelt mehr oder weniger negativ bewertetes Merkmal, das seine Träger in die Gefahr bringt, über eine Vielzahl verschiedener sozialer Mechanismen von voller sozialer Anerkennung ausgeschlossen zu werden.“ 3 Dieser Ausschluss von sozialen Mechanismen beinhaltet auch die Tatsache, dass den Betroffenen bestimmte Eigenschaften zugeschrieben w erden, die nicht im Entferntesten der Realität entsprechen. So werden Patienten in eine Schublade geschoben, der sie nicht entweichen können. Deshalb verhalten sich Stigmatisierte nach den Regeln, die ihnen die jeweilige Gesellschaft vorgibt. Diese Mensche n können sich als Persönlichkeit nicht optimal ausleben und sind daher in ihrem sozialen Leben stark behindert. Der Grund liegt vor allem darin, dass Menschen mit Sprachstörungen die in der Gesellschaft so wichtige soziale Kompetenz abgesprochen wird, die ja eng mit der Kommunikationsfähigkeit zusammenhängt.
3 http://www.sprachheilpaedagogik.de/stottern/mross20.html. 12.03.03.
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Arbeit zitieren:
Christina Zopp, 2003, Stottern - Symptomatik, Ursachen und soziale Kompetenz, München, GRIN Verlag GmbH
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