Inhalt
1. Einleitung. 3
2. Key als Rassistin? 4
3. Die neue Sittlichkeit - Gesellschaftliche Reformen. 6
4. Die neue Rolle der Frau. 9
5. Die „eugenische Diskussion in emanzipatorischer Absicht und
mit dem universalen Ziel der Befreiung des Individuums“? S.11
6. Literaturverzeichnis. S.13
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1. Einleitung
In ihrem 1902 in Deutschland erschienenen Buch „Das Jahrhundert des Kindes“ beschreibt die, 1849 geborene, Schwedin Ellen Key ihre Vision von einer „Selbstpurifizierung“ 1 der Menschheit, sie wünscht sich die Entstehung einer neuen Gesellschaft und eines neuen Menschen. Key wollte zwei Effekte nebeneinander erzielen, zum einen die biologische „Höherentwicklung“ des Menschen, zum anderen die erzieherische Verbesserung der kulturellen und sozialen Kompetenzen des Menschen. Insgesamt fordert sie kulturelle und soziale Reformen der Gesellschaft, sowie der Erziehung als auch die Anwendung eugenischer Restriktionen. 2
Key greift in ihrem Werk sowohl darwinistische Ansätze des Evolutionsgedankens als auch philosophische Ansätze Nietzsches und seiner Beschreibung des „Übermenschen“ auf und vereint beide Ansätze zu einer These: „Wer hingegen weiß, dass der Mensch unter unablässigen Umgestaltungen das geworden, was er nun ist, sieht auch die Möglichkeit ein, seine zukünftige Entwicklung in solcher Weise zu beeinflussen, dass sie einen höheren Typus Menschen hervorbringt.“ 3
Diese Vision ist nicht nur unter Berücksichtigung der heutigen Möglichkeiten der genetischen Veränderung von embryonalen Zellen besonders kritisch zu betrachten. Auch einige der Forderungen die Key zur Verwirklichung ihrer Idee Anfang des 20. Jahrhunderts stellt, wie etwa in Bezug auf behinderte Kinder, „dass der Arzt...schmerzlos ein solches Leiden auslöscht“ 4 , dürfen nicht verharmlost werden, selbst wenn andere Forderungen ihrerseits, wie etwa die Aufhebung der strengen christlich- moralischen Wertvorstellungen und Regeln in Bezug auf uneheliche Kinder, menschlich und moralisch richtig erscheinen können. Doch welcher Gedanke steckt bei Ellen Key hinter der Formulierung einerseits krasser, schon fast nach Züchtung anmutender Forderungen, andererseits hinter dem Willen, die Rolle der Frau in der Gesellschaft zu stärken, und die Erziehung des Kindes zu reformieren? Will sie wirklich eine Rasse von „Übermenschen“ heranzüchten, in einer Welt in der der von Darwin formulierte Leitsatz des „survival of the fittest“ nicht mehr greift? Oder wählt sie ihre Formulierungen um mit ihrem Werk Aufsehen zu erregen, und sieht sie die Veränderungen, die sie bewirken möchte als logische Konsequenz einer modernen Lebenswelt, in der Mütter,
1 Key, Jahrhundert des Kindes, S.33.
2 wurde erarbeitet aus: Baader/Jacobi/Andresen, Keys reformpädagogische Vision, S.9+48.
3 Key, Jahrhundert des Kindes, S.16.
4 Key, Jahrhundert des Kindes, S.43.
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anders als heute, bis zu 16 Stunden am Tag arbeiteten 5 was sie „untauglich zu ihren mütterlichen Pflichten mache“, 6 und in der die häusliche Erziehung somit zu kurz kommt? Diesen Fragen wird im Folgenden nachgegangen werden.
2. Key als Rassistin?
Entgegen der späteren Auslegung der eugenischen „Rassentrennung“ in der NS-Zeit war Key nicht auf eine Unterscheidung und Trennung von menschlichen Rassen bedacht, sondern sie dachte an eine Höherentwicklung der gesamten Menschheit. Hierbei muss jedoch bemerkt werden, dass sie Menschen eindeutig in höherwertig und minderwertig unterschied, indem sie nur den höherwertigen, den gebildeten das Recht auf Fortpflanzung zusprach. Sie möchte die „Ehen der minderwertigen hindern und die der Übermenschen fördern“ 7 Hierbei bezeichnet sie diejenigen als „minderwertig“, als „Verbrechertypus“, die Trunksüchtig, geistig krank, oder für die Ehe ungeeignet erschienen, wobei sie anführte, dass „nur der Gelehrte diesen Verbrechertypus erkennen könne.“ 8 Sie möchte also als Bedingung für eine Eheschließung die Vorlage eines ärztlichen Gutachtens über die Gesundheit der Heiratswilligen einführen, um Ehen zu verhindern, die zu kranken Nachkommen führen würden. 9 Im Sinne Darwins sieht sie die stärksten und die am meisten an die Umwelt angepassten Individuen und führt an, dass diese normalerweise „am meisten begehrt werden“. 10 Doch die Entwicklung der modernen Gesellschaft, die Zivilisation der Menschheit hat die „natürliche Auslese“, das Überleben aus eigener Kraft entkräftet, so „dass der zivilisierte Mensch durch sein Mitgefühl mit schwachen, lebensuntauglichen Individuen dazu beigetragen habe, deren Fortdauer zu unterstützen“ ,wie sie mit Galton sagt, und kritisiert, dass dies die Möglichkeiten der „Lebenstauglichen“ verringere. 11 Sie wünscht sich also eine Art „ erotischen Idealismus“ 12 , der dazu führen soll, dass nur die schönsten, am besten angepassten Individuen sich voneinander angezogen fühlen, und den Wunsch hegen, sich fortzupflanzen, wohingegen
5 wurde erarbeitet aus: Key, Jahrhundert des Kindes, S.90.
6 Key, Jahrhundert des Kindes, S.94.
7 Key, Jahrhundert des Kindes, S.34.
8 vgl. Baader/Jacobi/Andresen, Keys reformpädagogische Vision, S.113.
9 vgl. Key, Jahrhundert des Kindes, S.69.
10 Key, Jahrhundert des Kindes, S.39.
11 wurde erarbeitet aus: Key, Jahrhundert des Kindes, S.32.
12 Key, Jahrhundert des Kindes, S.22.
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Arbeit zitieren:
Anja Mankel, 2005, Ellen Key: "Das Jahrhundert des Kindes" "Das Recht des Kindes, seine Eltern zu wählen" - Rassistischer Größenwahn oder logische Konsequenz der modernen Lebenswelt?, München, GRIN Verlag GmbH
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