2
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1 Einleitung 3
2 Die Hauptfiguren und ihre Entwicklung 3
3 Die Mann-Frau-Beziehung und deren unterschiedliche
Auspr ägungen 8
4 Die Interpretationen der Schöpferrolle des Mannes, oder
„Wie bildet man die beste Frau?“ 9
5 Das Erscheinungsbild der Frau S.12
5.1 Galatea - nicht mehr als ein Kunstwerk? S.12
5.2 Der feministische Aufstand bei Shaw S.13
5.3 Rita - die moderne Version Ovids und Shaws Frauenbild S.13
6 Schluß S.15
7 Literaturverzeichnis 16
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Wenn in einem Drama eine junge Frau aus der ZRUNLQJ FODVV bei einem Professor erscheint und darum bittet ausgebildet zu werden, so ist dies für alle, die mit der britischen Theatertradition vertraut sind, als eine direkte Anspielung erkennbar. Denn mit der gleichen Bitte sucht in George Bernard Shaws 3\JPDOLRQ die Blumenverkäuferin Eliza Doolittle Professor Higgins auf (Reitz 123).
Mit dieser Aussage assoziiert Bernhard Reitz in seinem Nachwort der Reclam-Ausgabe (GXFDWLQJ 5LWD von Willy Russell zwei Werke des englischsprachigen Theaters, die ihre Erstaufführung in zwei unterschiedlichen Zeitabschnitten der Welt- und Literaturgeschichte erfuhren. Vor allem im Hinblick auf die Rolle der Frau in der Gesellschaft und den Umgang des Mannes mit dem weiblichen Geschlecht, zwei essentielle Themen dieser Arbeit, ist diese epochale Unterscheidung von Bedeutung.
Beispiele dafür, daß die zeitliche Diskrepanz der beiden Stücke jedoch kein Hindernis darstellt, ähnlichen Stoff zum literarischen Inhalt zu machen, soll diese Arbeit u.a. liefern. Die Grundstruktur sowohl in Russells (GXFDWLQJ5LWD (1980) als auch in Shaws 3\JPDOLRQ (1912) weist nämlich eine Lehrer-Schüler- bzw. Mann-Frau-Beziehung auf, bei der das Einwirken des Mannes eine Veränderung des weiblichen Geschlechts bzw. die zusätzliche Umkehrung dieses Prozesses in einem der beiden Texte verursacht.
Blättert man in der Literaturgeschichte einige Kapitel zurück, stößt man auf ganz ähnliches Gedankengut, nämlich Ovids Pygmalionstoff, der die Metamorphose einer Frauenfigur aus Elfenbein zum menschlichen Wesen zum Thema hat.
Wie Willy Russells Drama liegt auch den beiden Pygmaliontexten das Modell der Erschaffung einer Frau nach den Bedürfnissen des Mannes zugrunde. Die verschiedenartigen Interpretationen dieses Leitgedankens werden jedoch deutlich. Ziel der Abhandlung soll es sein, durch eingehende Analysen und Vergleiche Aufschluß darüber zu geben, inwieweit Russells (GXFDWLQJ5LWD als neuzeitlicher Pygmalionstoff auf- gefaßt werden kann.
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Bevor Ovids 3\JPDOLRQ größere Aufmerksamkeit zuteil werden soll, möchte ich zunächst grundlegende Berührungspunkte bzw. Diskrepanzen bei der Veränderung der Charaktere Russells im Vergleich mit Shaws aufzeigen.
Reitz` Aussage zufolge ist bei Russell eine direkte Anspielung auf Shaw erkennbar, da sowohl in (GXFDWLQJ 5LWD als auch in Shaws 3\JPDOLRQ eine junge Frau aus der ZRUNLQJ FODVV bei einem Professor erscheint und um Ausbildung bittet. Jedoch ist bereits in diesem frühen Stadium der Handlung eine wesentlicher Unterschied festzustellen. Anders als Eliza, die junge Frau bei Shaw, setzt sich Rita bei Willy Russell als Unterrichtsziel, Bildung zu erlangen („,ZDQQDNQRZ“, Russell 13) und ihrer als „SLVVHG RURQYDOLXP“ (50) bezeichneten ZRUNLQJFODVV den Rücken zuzukehren. Eliza ist in den VOXPV aufgewachsen, und dieser Ursprung ist in Akt I in jedem Satz ihres Dialektes offensichtlich. Sie will nach einem zufälligen Aufeinandertreffen mit dem Pro-fessor für Phonetik, Higgins, mit dessen Hilfe ihren Cockney-Dialekt an die korrekte englische Sprache anpassen. Während bei Rita das Verlangen nach Bildung im Vordergrund steht, sieht Eliza das Ziel ihrer Ausbildung einzig und allein in dem Erlangen eines Jobs als Verkäuferin in einem gehobenen Blumengeschäft („, ZDQW WR EH D ODG\ LQ D IORZHU VKRS VWHDGRIVHOOLQDWWKHFRUQHURI7RWWHQKDP&RXUW5RDG“, Shaw 688).
Eliza kommt nicht davon ab, sich von Higgins unterrichten zu lassen, obwohl sie bald Higgins` Gefühllosigkeit bemerkt („2K\RXYHQRIHHOLQJKHDUWLQ\RX³, 695). Rita schätzt und mag ihren Lehrer Frank sehr („,OLNH\RX“, Russell 26) und stellt nach kurzer Zeit fest, daß er und kein anderer ihr Lehrer sein soll („
Ähnlichkeit weisen Rita und Eliza insofern auf, als beide in einer Gesellschaftsschicht aufgewachsen sind, in der i.d.R. kein Wert auf Veränderung und Bildung gelegt wird. Trotzdem ist sich Rita ihres längst nicht ausgeschöpften Potentials an Intelligenz bewußt, so daß sie sich selbst neu entdecken und eine „EHWWHUFXOWXUH“(49) finden will. Entschlossen, ihr Leben komplett zu verändern, schreibt sie sich in der
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ein und landet, wie bereits beschrieben, bei ihrem Tutor Frank. Das ist kein vielversprechender Anfang, zumal Frank seinen Job wohl nur ausübt, um seine alkoholischen Getränke bezahlen zu können („
Arbeit zitieren:
Thomas Geisler, 1998, "Educating Rita" als moderne Version des Pygmalion-Mythos, München, GRIN Verlag GmbH
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