Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 1
2. Forstliche Betriebswirtschaftslehre 2
2.1 Definition der forstlichen Betriebswirtschaftslehre 2
2.2 Wesen der Forstbetriebe 2
2.2.1 Eigenarten der Forstbetriebe 2
2.2.2 Die Zielsetzung in Forstbetrieben 4
3. Entwicklung der forstlichen Betriebswirtschaftslehre 5
3.1 16. - 18. Jahrhundert: Zeit des Merkantilismus 5
(Kameralismus)
3.1.1 Forstwirtschaft: Wald als Selbstversorgungsbetrieb 5
3.1.2 Betriebswirtschaftliche Entwicklung 6
3.2 18. - 19. Jahrhundert: Industrialisierung 6
3.2.1 Forstwirtschaft: Wald als Erwerbswald 6
3.2.2 Betriebswirtschaftliche Entwicklung 7
3.2.2.1 Überblick 7
3.2.2.2 Bodenreinertragslehre 9
3.2.2.3 Waldreinertragslehre 9
3.3 20. - 21. Jahrhundert: moderne Forstökonomie 10
3.3.1 Forstwirtschaft 10
3.3.2 Betriebswirtschaftliche Entwicklung 10
Seite
4. Charakteristika ausgewählter Teilbereiche im Forstbetrieb 11
4.1 Produktion 11
4.2 Absatz 12
4.3 Finanzierung 13
4.4 Rechnungswesen 13
4.4.1 Problematik der Erfolgsrechnung im Forstbetrieb 13
4.4.2 Kosten im Forstbetrieb 15
4.4.3 Erlöse im Forstbetrieb 16
4.5 Managementkonzeption 17
5. Zusammenfassung und Ausblick 17
1. Einleitung
Es gibt wenige Zweige in der Wissenschaft, die in so starkem Maße auf historischen Grundlagen aufbauen wie die Forstwirtschaft. Die Nutzung von Wäldern reicht weit in die Vergangenheit zurück und hat gleichzeitig für die Zukunft bedeutende Steuerungsimpulse. Die Begründung dafür liegt in der langfristigen Natur des Forstwesens. Aus dieser Langfristigkeit ergeben sich für Pla nung und Kontrolle Schwierigkeiten, die in diesem Ausmaß in kaum einem anderen Wirtschaftszweig zu finden sind. Leistungen und Fehler der Waldnutzung früherer Generationen lassen sich heute noch erkennen und haben somit Einfluss auf Gegenwart und Zukunft.
Der Forstwirtschaftsbetrieb ist ein interessantes Objekt für betriebswirtschaftliche Untersuchungen. Im Forstbetrieb treten einige Besonderheiten auf, die die forstliche Betriebswirtschaftslehre im Vergleich zu anderen Bereichen der Betriebswirtschaftslehre einzigartig macht. Die betriebliche Leistungserstellung ist durch die natürlichen Gege benheiten stark eingeschränkt. In der heutigen Gesellschaft, die insbesondere durch Industrie und Dienstleistungen dominiert wird, leistet die Urproduktion nur noch einen geringen Beitrag zur Entstehung des Bruttosozialproduktes. 1 Vor der scheinbar abnehmenden Bedeutung der Forstwirtschaft in unserer Wirtschaft soll diese Arbeit eine Antwort auf die Frage geben, ob überhaupt eine Relevanz für die Eigenständigkeit dieser Disziplin in der Betriebswirtschaftslehre besteht.
Ziel dieser Arbeit ist es, die geschichtliche Entwicklung und den derzeitigen Entwicklungsstand der forstlichen Betriebswirtschaftslehre darzustellen. Ferner sollen die Ent wicklungstendenzen, die sich aus der gewandelten Stellung der Forstbetriebe ergeben haben, im zeitlichen Ablauf dargestellt werden. Im folgenden Teil dieser Ausarbeitung werden zur Einführung in die Thematik Grundlagen und wesentliche Merkmale des Forstbetriebes hervorgehoben. Die natürlichen Gegebenheiten im Forstbetrieb und gesellschaftliche Veränderungen haben die ökono mische Situation im Laufe der Zeit sehr beeinflusst. 2 Daher folgt im dritten Teil dieser Arbeit eine Gegenüberstellung der zeitlichen Entwicklungs-formen der Waldnutzung und der sich verändernden Bedeutung des Holzes mit der darauf aufbauenden Entwicklung in der forstlichen Be triebswirtschaftslehre. Im vierten Teil werden einzelne Funktionsbereiche der forstlichen Betriebswirtschaftslehre aufgezeigt und deren derzeitige für Forstbetriebe typische Situation präsentiert. Der fünfte und letzte Teil fasst die wesentlichen Gedanken und Motivationen dieser Arbeit zusammen.
1 Vgl. Speidel (1994e), S. 88.
2 Vgl. Mantel (1990), S. 408; Schmidthüsen (1997), S. 19.
2. Forstliche Betriebswirtschaftslehre 2.1 Definition der forstlichen Betriebswirtschaftslehre
Unter der forstlichen Betriebswirtschaftslehre versteht man die Lehre von der Zweckmäßigkeit wirtschaftlichen Handelns im Forstbetrieb. 3 Dabei bezeichnet wirtschaftlich zweckmäßiges Handeln alle Tätigkeiten, die der optimalen Befriedigung materieller und immaterieller Bedürfnisse dienen. Hauptsächlich beschäftigt sich die forstliche Betriebswirtschaftslehre mit Zielen und Methoden im Forstbetrieb, um ökonomischen Prinzipien unter Beachtung der Nachhaltigkeit zu folgen. 4 Untersuchungsobjekte sind die Forstbetriebe und das wirtschaftliche Handeln in ihnen. Synonyme Begriffe für die forstliche Betriebswirtschaftslehre sind „Forstökonomie“ oder „forstliche Wirtschaftslehre“, wobei der Begriff der Forstökonomie etwas weiter zu fassen ist. 2.3 Wesen der Forstbetriebe
2.2.1 Eigenarten der Forstbetriebe
Die verschiedenen Dimensionen des Wirtschaftens im Forstbetrieb ergeben in ihrem Zusammenwirken und in ihrer Summe eine einmalige Konstellation und grenzen sich von anderen Wirtschaftszweigen ab. 5 Die Holzerzeugung ist dadurch gekennzeichnet, dass die Natur als wichtigster Produktionsfaktor auftritt und die Produktionsmöglichkeiten einschränkt. Die biologische Holzbildung findet ohne den unmittelbaren Einsatz zusätzlicher Inputfaktoren statt, Endprodukt und
Produktionsmittel sind identisch. Daraus wird deutlich, dass eine möglichst genaue Be stimmung des Produktzuwachses sehr schwierig ist, zumal die Ernte im Forstbetrieb nur in Form ganzer Bäume erfolgen kann. 6 Es ergeben sich infolgedessen Probleme bei der Ermittlung des Ertrags, der Waldbewertung und der Planung. Neben der biologischen Produk tion, die die Holzerzeugung umfasst, kommt es im Forstbetrieb zur mechanischen Produktion in Form der Holzernte und dem innerbetrieblichen Transport.
3 Vgl. Speidel (1994a), S. 9 ff.; Speidel (1984), S. 11.
4 Vgl. Duffner (2004), S. 51; Erlbeck, Haseder, Stinglwagner (1998), S. 254.
5 Vgl. Oesten (2002a), S. 37; Oesten, Roeder (2002b), S. 137.
6 Vgl. Oesten, Roeder (2002b), S. 143; Speidel (1984), S. 26 f., 153.
Man unterscheidet zwischen natürlichen und gesellschaftlichen Stand-ortfaktoren, die die wirtschaftlichen Gestaltungsmöglichkeiten beeinflussen. Gesellschaftliche Standortfaktoren betreffen z.B. die allgemeine Trans portlage oder die Absatzsituation. Dem Wirtschaftsstandort, d.h. der Lage des Forstbetriebs, kommt besondere Bedeutung bei der B etriebsgestaltung zu. Zu berücksichtigen ist, dass die natürliche Lage des nicht frei wählbar ist. Der Betrieb muss sich also m öglichst den Ra hmenbedingungen anpassen.
Die natürlichen Gegebenheiten des Bodens, die klimatischen Verhältnisse und die vorhandene Baumartenverteilung haben ebenso unmittelbaren Einfluss. 7 Durch die vorhandenen Beschränkungen werden Auf-wands- und Ertragsgestaltung ihre Grenzen gesetzt. 8 Kostenstruktur und Ertragsspielraum sind sehr eng und weitestgehend vorgegeben. Das betriebliche Handeln im Forstbetrieb und die optimale Allokation der begrenzten Ressourcen werden erheblich durch den langen Reifeprozess des Holzes beeinträchtigt. Die Produktionsdauer im Forst kann zwischen 60 und 300 Jahren liegen. 9 Im Durchschnitt beträgt die Umtriebszeit 10 etwa 130 Jahre. Die aus der Langfristigkeit des Produktionsprozesses und der Planung resultierenden Schwierigkeiten sind für die Forstwirtschaft im Vergleich zu anderen Wirtschaftszweigen einzigartig. 11 Das führt dazu, dass die Teilbereiche im Forstbetrieb vollständig losgelöst voneinander ablaufen und eine Synchronisation erheblich erschwert wird.
Für grundlegende Umstellungen oder Entscheidungen bedarf es zu deren Realisierung eines Zeitraums von mehreren Jahrzehnten bis hin zu Jahr-hunderten, da die Verwertung des Holzes frühestens nach Ablauf dieser Zeitspanne möglich wird. 12
Die Bestimmung einer Produktreife ist zudem nicht präzise feststellbar und zieht eine Reihe von Bewertungsproblemen und
Unsicherheitsfaktoren nach sich. Da Holz grundsätzlich unabhängig vom Erreichen eines bestimmten Alters genutzt werden kann, besteht die Möglichkeit, sowohl das Holz jüngerer wie auch das Holz älterer Bestände zu verwerten. Ein wesentlicher, charakteristischer Vorteil in der Forstwirtschaft ist, dass infolgedessen auf „Lager“ produziert werden
7
Vgl. Villa (1998), S. 278 f.; Mantel (1990), S. 408; Speidel (1984), S. 28, 112 ff.
8 Vgl. Speidel (1994a), S. 10, 14 f.
9 Vgl. Oesten, Roeder (2002b), S. 142: Möglich ist auch bei Flächen mit Kurzumtrieb eine Dauer von nur
5 Jahren.
10 Die Umtriebszeit ist der mittlere Zeitraum von der Begründung bis zur vollständigen Ernte. (Vgl.
Speidel (1984), S. 169; Speidel (1972), S. 113 ff.).
11 Vgl. Oesten (1998), S. 153; Villa (1998), S. 281.
12 Vgl. Oesten (2002a), S. 38, 40.
kann, ohne dass der Holzvorrat zwingend an Wert verliert. 13 Dem steht jedoch der Nachteil ge genüber, dass nicht kurzfristig „auf Bestellung“ produziert werden kann. 14 Die Einflussnahme auf die Dauer des Produktionsprozesses ist relativ gering.
Eine Eigenart der Forstbetriebe ist außerdem das ungleiche Verhältnis zwischen Output und der großen Menge heranwachsender Halbfertigerzeugnisse. 15 Ferner sind der hohe Eigenfinanzierungsanteil und die geringe Rentabilität typisch für Forstbetriebe.
2.2.2 Die Zielsetzung in Forstbetrieben
Der Forstbetrieb ist der organisatorische Rahmen, an dem sich die Zielsetzung orientiert. 16 Es gilt, diesen vernünftig und rational zu gestalten. Grundsätzlich verfolgt der Forstbetrieb primär wie Betriebe anderer Branchen die Minimierung sämtlicher Ausgaben und die Maximierung der Einnahmen. Es wird also im Ergebnis eine langfristige Gewinnerzielung verfolgt. 17
Die Wirtschaftlichkeit steht dem Begriff der Gesamtzweckmäßigkeit wirtschaftlichen Handelns im Forstbetrieb gleich (vgl. 2.1). Bei der Wirtschaftlichkeitsprüfung wird untersucht, ob ein angestrebtes Ziel unter Einhaltung des ökonomischen Prinzips erreicht werden kann. Danach soll entweder mit gegebenen Mitteln ein möglichst hoher Nutzen realisiert werden (Maximumprinzip) oder ein bestimmter Nutzen mit möglichst wenigen Mitteln erzielt werden (Minimumprinzip). 18 Generell gilt es, das günstigste Verhältnis zwischen Einsatz und Ergebnis zu erzielen (Optimalprinzip). Ein wirtschaftliches Problem stellt sich, da das Holz im Vergleich zur wachsenden Bevölkerung knapp ist und die Zielsetzung daher in ihre Schranken gewiesen wird.
Ziele dienen im Betrieb als Richtgröße und stellen ein wichtiges Führungsmittel dar. 19 Sachziele kann man in die Gruppen Produkt-, Sicherheits- und monetäre Ziele untergliedern. Gleichzeitig werden im Betrieb Formalziele festge legt, die bestimmen, wie die Sachziele erreicht werden sollen. 20
13
Vgl. Speidel (1984), S. 26.
14 Vgl. Oesten, Roeder (2002b), S. 142.
15 Vgl. Bergen, Brabänder, Möhring (1998), S. 23.
16 Vgl. Zundel (1990), S. 275; Speidel (1984), S. 12.
17 Vgl. Brabänder (1995b), S. 331; Zundel (1990), S. 193, 274.
18 Vgl. Schierenbeck, (2003), S. 3; Speidel (1984), S. 11 f.
19 Vgl. Oesten, Roeder (2002b), S. 91.
20 Vgl. dazu näher Speidel (1984), S. 32 ff.; Speidel (1972), S. 41 ff.
Arbeit zitieren:
Christine Schwan, 2004, Die Entwicklung der forstlichen Betriebswirtschaftslehre, München, GRIN Verlag GmbH
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