bürgerlich normalen Lebens erreichen wollten. Dabei kann von einem Wertewandlungsschub gesprochen werden, der sich in fast allen Bevölkerungsschichten ausbreitete. In diesem Zusammenhang war ein Begehren nach Bewegung, Aufbruch zur Emanzipation, usw. zu verspüren.
Gründe für den Wandlungsschub sind sehr plausibel. Bis in die zweite Hälfte der 70er Jahre anhaltende Steigerung des Massenwohlstands, das Wirtschaftswunder und die Prosperität waren die Auslöser des Wandlungsschubs. Diese verursachten eine Entlastung von der vorher vorherrschenden Not und Knappheit und erweiterten somit den Spielraum für andere Bedürfnisse.
Neben dem Massenwohlstand spielen auch die Wirkung des Sozialstaatsausbaus (Rentenreform 1957), die Bildungs- und die Medienrevolution eine große Rolle. Die Ausbreitung des Fernsehers erweiterte den geistigen Horizont der Bevölkerung, im Bildungsbereich kam es zu Selbstentfaltungsorientierung. Junge Menschen mit hohem Bildungsniveau waren in einem besonderem Maße vom Wertewandel betroffen, in betträchtigen Teilen der Jugend kam es zum totalem Werteumsturz. Bei den älteren Generationen war die Reaktion eher „weicher“ und es kam eher zum Verharren an alten Werten.
Für die Protestbewegung war die Belesenheit charakteristisch. Es entstanden viele kleine Verlage, die sich der Veröffentlichung experimenteller Literatur und Kunst, literarischer und wissenschaftlichen Raritäten widmeten. Der Gebrauchswert des Buches war über seinen Tauschwert und die Belesenheit war vielmehr als persönliche Erfahrung. Der jugendliche Protest wandte sich gegen bildungsbürgerliche Kulturkonsum, gegen das in der Wirtschaftswunderwelt ritualisierte und vermarktete Kulturleben, für das Erbauung und Muße unverbindlich blieben. „Das Karussell des kulturellen Jahrmarkts werde von Heuchlern betrieben, deren gesellschaftliches Engagement lediglich aufgesetzt sei“. Zugang zu den Kulturgütern war nicht nur ökonomisch durch Verbilligung sondern auch psychologisch erleichtert. An den Schulen begannen Lehrer sich mit Reklamenanzeigen kritisch auseinander zusetzen. Warenästhetik ist zu einem heuristischen Schlüsselbegriff geworden und sie fragte nach dem Gebrauchswert und nicht nach der Personalität. Geweckt wurde die Begeherblichkeit auf das neue Produkt.
Im Filmbereich kam es zu einer radikalen Absage an technische Perfektion, man war gegen die falschen, glatten, geölten Filme, man wollte keine rosa Filme sehen. Der Film wurde begriffen als Lebensform, die direkt und auch mit obszöner Brutalität kulinarischen Filmkonsum verhindern sollte.
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Arbeit zitieren:
Petra Sedlackova, 2001, Mai 68 - eine Kulturevolution?, München, GRIN Verlag GmbH
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