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Der Aufbau und die Anlage einer Burg sind im Zusammenhang mit der politischen Lage der Kreuzfahrerstaaten im 12. und 13. Jahrhundert zu betrachten. Die Niederlage in der Schlacht bei Hattin 1187 spielte dabei eine wesentliche Rolle, da viele der Burgen der Ordensritter nach der verlorenen Schlacht an die Muslime übergeben werden mussten.
Als die Templer ihre Burgen im Königreich Jerusalem errichteten, war die Macht der Kreuzfahrerstaaten zunehmend im Sinken begriffen. Die Bauten des 13. Jahrhunderts zeigen so deutlich die Defensivhaltung, die damals im Heiligen Land vorherrschte. Das Erkennen der eigenen Schwäche führte dazu, dass nun viele Burgen als ausgedehnte Fluchtburgen erbaut wurden, die dazu bestimmt waren, langen Belagerungen standzuhalten. Aus dieser Tatsache resultierte auch der relative Komfort, mit dem die Burgen ausgestattet waren. Es gab große Vorratsräume, Lager, Silos und Wasserbecken und Brunnen. Da sich die Strategie der Kreuzritter von der offenen Begegnung im Feld zu einer Verteidigung gewandelt hatte, bot die Burg nunmehr eine letzte Zuflucht und Schutz vor dem Feind.
Dazu kam, dass die Festungsbaumeister die Waffen der Angreifer kannten. So begannen sie Methoden zu entwickeln, um dieser Bedrohung entgegenzuwirken. Die Kreuzfahrer studierten die militärischen Bauwerke auf ihrem Weg in den Osten und lernten von ihnen. Im Abendland war die Burg bis dahin meist nur ein schwerer massiver viereckiger Turm oder Bergfried, für die Anforderungen des Heiligen Landes galten aber andere Maßstäbe. Die kleineren Burgen wurden entsprachen dem byzantinischen Castrum-Typ. Solche Festungen hatten einen meist rechteckigen Grundriss mit vier Türmen. In der Mitte derartiger Anlagen erhob sich in der Regel ein viereckiger Bergfried. In den größeren Burgen des 12. Jahrhunderts befand sich der Bergfried für gewöhnlich in der entlegensten und am leichtesten zu verteidigenden Ecke der Umwallung. Gegen Ende des 12. Jahrhunderts führten die Kreuzritter Veränderungen in der Anlage der Burgen durch. Die Zitadelle, die der stärkste Teil der Burg war, wurde nun an den schwächsten Abschnitt der Umwallung gestellt, und der Bergfried war jetzt rund statt rechteckig, da die Geschosse an der Außenmauer besser abprallten. Da Holz im Orient selten war, mussten die Baumeister ohne Balken bauen. 1
Belagerungen hatten eine grundlegende Bedeutung in der militärischen Geschichte der Zeit. Denn die Fähigkeit Gebiete zu kontrollieren, wurde Großteils durch den Besitz von Festungen bestimmt.
1 Steven Runciman, Geschichte der Kreuzzüge S.1149-5
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Nur durch militärische Maßnahmen oder aber durch einen Vertrag konnte man sich die Burgen aneignen.
Viele der Burgen im Heiligen Land sind längere Zeit belagert worden. Eine Belagerung dauerte im Durchschnitt nicht länger als einen Monat. Doch nur wenige belagerte Burgen konnten im Sturm erobert werden. Ersannen die Verteidiger Maßnahmen um den Belagerern möglichst lang Widerstand zu leisten, lag es wiederum an den Angreifern ihrerseits möglichst von effizienten Arten der Belagerung Gebrauch zu machen.
Es boten sich vielerlei Möglichkeiten an, um die Belagerung einer Burg durchzuführen. Die einfachste Art war es, eine Leiter an die Mauer heranzuführen und über sie zu klettern. Allerdings verlangte dies einen möglichst flachen Boden um nah genug an die Mauer heranzukommen. Eine andere bestand darin, die Burg durch Aushungern und Blockade zur Aufgabe zu zwingen. Diese Vorgehensweise sollte sich aber für den Belagerer auf längere Zeit als eher unpraktisch erweisen. Über kurz oder lang konnte nämlich die Versorgung der Truppen zu einem nicht zu unterschätzten Problem werden. Das umliegende Land war durch die Belagerung zerstört und verödete. Folglich waren die Truppen gezwungen, ihre Versorgungstrupps zur Nahrungsbeschaffung immer weiter zu entsenden.
Dagegen waren die Burgen gut mit Nahrung ausgestattet. Ihre großen Vorratsräume waren in der Lage, große Mengen an rohem Getreide aufzunehmen. Auf den Burgen gab es Windmühlen und Wassermühlen zur Verarbeitung des Getreides.
Die relativ gute Wasserversorgung der Burgen sollte eine Aufgabe durch Wassermangel eher unmöglich machen. Es gab verschiedene Wege um eine ausreichende Versorgung mit Wasser sicherzustellen. Durch die Grabung von Brunnen konnte man Wasser in die Burg führen. Eine weitere Art bestand darin, dass man abgedeckte Zisternen baute, die oft unter dem Hauptblock des Burg, dem Bergfried, lagen. Weniger als Trinkwasserreservoir geeignet waren außerhalb der Burg im Freien angelegte Zisternen, sog. EHUTXLOODV. Da sie ungeschützt waren, konnte das Wasser in ihnen leicht durch Sand, Algen u.a. verunreinigt und dadurch für den Menschen ungenießbar werden. Für die Versorgung der Tiere innerhalb der Burgmauern waren sie aber trotzdem unentbehrlich.
Die weitaus größte technische Gefahr stellte die Untergrabung durch Stollen dar. Allerdings gab es eine Einschränkung. Diese Methode funktionierte nur bei Burgen, die nicht auf solidem Felsen erbaut waren. 'LH 3LRQLHUH SIOHJWHQ HLQHQ 7XQQHO XQWHU GLH 0DXHU ]X JUDEHQ GHQ VLH VFKULWWZHLVH PLW K|O]HUQHQ 3IlKOHQ XQG %DONHQ DEVWW]WHQ XQG GLHVH ZXUGHQ VRGDQQ PLWWHOV 5HLVLJEQGHOQ LQ %UDQG JHVWHFNW ZRGXUFK GLH XQWHULUGLVFKH 7XQQHONDPPHU XQG PLW LKU GDV GDUEHU VWHKHQGH
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2 Um Breschen in die Mauern zu schlagen, grub man auch kurze Stollen bis 0DXHUZHUN HLQVWU]WH.
an die Basis der Mauern. Diese wurden aber oft von den Verteidigern entdeckt und zerstört.
Eine gut platzierte Zisterne konnte aber jeden Tunnelbau zunichte machen. Sie wurde gerne an die vermeintlich verwundbarste Stelle der Burg platziert. Der Feind, der sich dort die beste Angriffschance ausrechnete, begann mit der Errichtung einer Mine. Allerdings konnte er nicht mit einer Wasser gefüllte Zisterne rechnen. Bohrte man ein solches Wasserreservoir mit einem Tunnel an, wurde dieser überflutet, brach zusammen und riss die darin befindlichen Pioniere mit sich.
Die Entwicklung von Belagerungsmaschinen machte eine Verstärkung der Burgen durch dickere Mauern notwendig. Bei den Belagerungen kamen verschiedene Arten von Wurfmaschinen zum Abschießen von Pfeilen und Steinen, wie z. B. die %DOOLVWH 3 , zum Einsatz. 'LH ULHVLJHQ )HVWXQJHQ PLW LKUHP PDVVLYHQ 0DXHUZHUN >@ VFKLHQHQ DEHU LQ GHQ 7DJHQ YRU GHU (UILQGXQJ GHV 6FKLHSXOYHUV XQHLQQHKPEDU 'LH %RGHQEHVFKDIIHQKHLW ULQJVXP PDFKWH IU JHZ|KQOLFK GLH 9HUZHQGXQJ YRQ /HLWHUQ XQP|JOLFK XQG DXFK %HODJHUXQJVWUPH GLH EHU GLH 0DXHUQ KLQDXVUDJWHQ NRQQWHQ QXU KHUDQJHIKUW ZHUGHQ ZHQQ GDV *HOlQGH GUDXHQ IODFK ZDU XQG VLFK GRUW NHLQ *UDEHQ EHIDQG (V ILHO GHQ %HODJHUHUQ KlXILJ VFKZHU JHQXJ DXFK QXU HLQH DXVUHLFKHQG QDKH 6WHOOH ]X ILQGHQ DQ ZHOFKHU VLH LKUH 6WHLQVFKOHXGHUPDVFKLQHQ RGHU %DOLVWDV DXIVWHOOHQ 4 Im 13. Jahrhundert wurden hauptsächlich PDQJRQHOOXVWUpEXFKHW und SHWDULD 5 verwendet. NRQQWHQ.
Von den drei Belagerungsmaschinen bildete der WUpEXFKHW die am meisten entwickelte und wirkungsvollste Waffe, die an den Burgen ausgedehnte Schäden verursachte. Beide Seiten, Christen als auch Muslime haben diese Belagerungsmaschinen eingesetzt.
2 Steven Runciman, Geschichte der Kreuzzüge S. 115 3 mittelalterliche Schießmaschine auf dem Prinzip des Bogens beruhend, die große Pfeile verschoss oder nach anderer Überlieferung Wurfgeschütz mit Antrieb durch tordierte Seile. (Piper, Burgenkunde S. 665 4 Steven Runciman, Geschichte der Kreuzzüge S. 115 5 Es handelt sich hier um Wurfgeschütze, bei denen ein zweiarmiger Hebel durch ein Gegengewicht in Bewegung gesetzt wird. (Piper, Burgenkunde S. 385
Arbeit zitieren:
Michael Grundner, 2000, Die Burgen der Johanniter und Templer im Heiligen Land zur Zeit der Kreuzzüge, München, GRIN Verlag GmbH
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