Abkehr von früheren ökonomischen Standpunkten sowie seine These vom Übergang des kapitalistischen in ein sozialistisches System. Der Schlussteil ist der Versuch einer kritischen Würdigung der Person Joseph Schumpeters sowie eine Einordnung im Rahmen der Nationalökonomie. Neben seinen eigenen Werken beziehe ich mich öfters auch auf die Biografie Joseph A. Schumpeter, herausgegeben von Richard Swedberg ( 1991).
Am Ende der Arbeit findet sich eine Liste der verwendeten Literatur.
2 Hauptteil
2.1 Leben des Joseph Alois Schumpeter
Joseph Alois Schumpeter wurde am 8. Februar 1883 in Triesch ( Mähren ) als einziges Kind von Alois Schumpeter und dessen Frau Johanna geboren. Sein Vater verstarb schon sehr früh. Somit fixierte er sich ganz auf seine Mutter, die er wie eine Heilige vergötterte und in schwierigen Situationen immer wieder um Hilfe und Beistand rief. 1901- 1906 studierte er an der Juristischen Fakultät der Universität Wien, die ihm 1906 den Doktorgrad verlieh. Schon in diesen frühen Lebensjahren hatte er Kontakt zu Personen wie z.B. Friedrich von Wieser, Eugen von Böhm- Bawerk oder Otto Bauer und lernte unterschiedliche volkswirtschaftliche Gedankengänge. Nach den ersten akademischen Anstellungen an den Universitäten Wien und Czernowitz bekam er 1911 eine Professur an die Universität Graz, die er bis 1913 inne hatte. 1913/ 1914 arbeitete er als Austauschprofessor an der Columbia University in den Vereinigten Staaten - eine Zäsur in seinem Werdegang. Bis dato hatte er als junger Nationalökonom für Furore gesorgt und drei seiner Hauptwerke verfasst: 1908 die erste Monographie über das Wesen und den Hauptinhalt der theoretischen Nationalökonomie, 1911 die Abhandlung über die Theorie der wirtschaftlichen Entwicklung sowie 1914 das Werk über die Epoche der Dogmen- und Methodengeschichte. Nun wollte er sein theoretisches Wissen in die Praxis umsetzen und ein erfolgreicher Politiker werden. Nach dem Ende des 1.Weltkrieges wurde Schumpeter 1919 Mitglied der deutschen Sozialisierungskommission und anschließend Finanzminister in Österreich. Da er gegen eine Anschluss Österrreichs an Deutschland war und Vorwürfe aufkamen, er verhalte sich illoyal gegenüber der amtierenden sozialdemokratischen Regierung in puncto Sozialisierungsabkommen, wurde er noch im Oktober 1919 entlassen und seine poli-
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tische Karriere war am Ende, ehe sie richtig begonnen hatte. 1921 übernahm er das Amt des Präsidenten der Biedermann-Bank, die jedoch drei Jahre später liquidiert werden musste. Fortan widmete sich Schumpeter wieder ganz seiner akademischen Tätigkeit und verließ Österreich. Er trat in Bonn 1925 eine Professur für Finanzwissenschaft an, die er bis 1932 inne hatte. Anfang 1932 folgte er dem Ruf der Harvard-University und blieb auf dem amerikanischen Kontinent bis 1950. Trotz großer Schaffenskraft hatten seine verfassten Werke ( 1939 Business Cycles, 1942 Capitalism, Socialism and Democracy ) nie den Stellenwert vergleic hbarer zeitgenössischer Ökonomen, wie z.B. J. M. Keynes, der durch die Publikation seines Buches „ General theory of Employment “ 1936 weltweit anerkannt wurde. Im privaten Bereich heiratete er 1937 seine dritte Frau Elizabeth Boody, vergötterte aber weiterhin seine 1925 verstorbene zweite Frau Annie und seine Mutter, was das Eheleben mit Elizabeth erheblich belastete. „ Sie waren und blieben seine Privatheiligen, und obwohl Schumpeter nicht religiös war, behielt er diesen halb- religiösen Kult bei “ ( Swedberg 1991, S.172). Am 8.Januar 1950 starb Joseph Schumpeter in seinem Haus in Taconic, Connecticut.
2.2 Kreislauf der Wirtschaft ( Theorie der wirtschaftlichen Entwicklung )
Joseph Schumpeter beschäftigte sich in seinen frühen Werken, speziell in der „Theorie der wirtschaftlichen Entwicklung “ ( 1911 ) mit den Kreisläufen der Wirtschaft und dem Grundphänomenen wirtschaftlicher Entwicklung. Seine erste Prämisse ist die der Marktwirtschaft, d.h. Privateigentum und freie Konkurrenz werden angenommen. Schumpeter konstatiert, dass Angebot und Nachfrage sich ausbalancieren, d.h. kein Defizit in der einen oder der anderen Richtung existiert. Die Wirtschaft befindet sich in einem stationären, statischen Zustand. Veränderungen kommen vor, jedoch neigt die Ökonomie zu einem Gleichgewichtszu-stand, in dem gleiches wirtschaftliches Handeln zu größtmöglicher Bedürfnisbefriedigung auf der Basis von gegebenen Verhältnissen hinausläuft. Schumpeter geht immer von denselben kapitalistischen Rahmenbedingungen aus. Später versucht er einen weitgefassten interdisziplinären Ökonomieansatz, in dem er mehrere Kenntnisse aus anderen Wissenschaften mit einbezieht.
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Produktion ist seiner Meinung nach die Kombination von Produktionskräften. Dabei bezieht er sich auf drei Produktionsfaktoren: Arbeit, Boden und leitende Arbeit. „ Die leitende Arbeit nämlich hat etwas Schöpferisches, sie setzt sich ihre Ziele, sie erfüllt eine besondere Funktion “ (Schumpeter 1911, I. Kapitel. S.67). Dieser schöpferische Gedanke manifestiert sich in seinen Schriften und er ist es, der eine wirtschaftliche Entwicklung erschafft und der Ökonomie den dynamischen Charakter verleiht. Nun, wie zeigt sich die Dynamik in der Wirtschaft und durch wen wird sie verwirklicht?
Zunächst geht es nur um die Durchsetzung neuer Kombinationen der Produktionskräfte; die Rahmenbedingungen wie z.B. Veränderungen in der Technik, soziale Organisation u.ä. werden ceteris paribus gesetzt. Nach Schumpeter gibt es fünf Fälle zur Verwirklichung dieses Ziels der neuen Kombinationen: 1. Herstellung eines neuen Gutes oder einer neuen Qualität eines Gutes. 2. Einführung einer neuen Produktionsmethode. 3. Erschließung eines neuen Absatzmarktes.
4. Eroberung einer neuen Bezugsquelle von Rohstoffen oder Halbfabrikaten. 5. Durchführung einer Neuorganisation, wie z.B. Schaffung einer Monopolstellung ( Vgl. Schumpeter 1911, S.101 ).
Statische und dynamische Elemente bleiben zunächst gleichberechtigt nebenein-ander, d.h. die Dynamik macht die Statik nicht obsolet. Schumpeter befasst sich ausgiebig mit den dynamischen Prozessen und deren Prämissen. Er stellt fest, dass der Faktor Risiko nicht eliminiert werden kann, da Neuerungen auch fehl schlagen können. Um Veränderungen durchzusetzen, bedarf es auch einer, wie Schumpeter sagt, Führerschaft. „ Führerschaft gibt es nur aus diesen Gründen - Führerschaft nämlich als Funktion eigener Art und im Gegensatz zu bloßer übergeordneter Organstellung, die es in jedem, kleinsten wie größten, sozialen Körper geben würde “ ( Schumpeter 1911, S. 127). Gerade die vorgefundenen Barrieren und Hindernisse versperrten dem Unternehmer den Weg zu Neuerungen. Schumpeter weist ihm eine besondere Bedeutung zu. „ Unternehmer sind die Wirtschaftssubjekte, deren Funktion die Durchsetzung neuer Kombinationen ist und die dabei das aktive Element sind “ (Schumpeter 1911, S.111 ). Der Leser erkennt, dass der Autor politische Überlegungen außen vor lässt, und die Unternehmerdefinition sehr weit ausgelegt ist. Unternehmer können demzufolge auch in sozialistischen oder feudalen Systemen auftreten. Dieser As-
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Arbeit zitieren:
Alexander Heftrich, 2000, Joseph Alois Schumpeter (1883-1950), München, GRIN Verlag GmbH
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