Abbildungsverzeichnis 3
Inhaltsverzeichnis
Abbildungsverzeichnis 5
Tabellenverzeichnis. 6
Abk ürzungsverzeichnis 7
1 Hintergrund 8
2 Zur Bedeutung von Schutzimpfungen. 11
2.1 Rechtliche Bestimmungen 11
2.2 Wirkung von Impfstoffen 15
2.2.1 Aktive Immunisierung 15
2.2.2 Passive Immunisierung 16
2.2.3 Simultanimpfung 16
2.3 Impfrisiken und Nebenwirkungen 17
2.4 Ökonomische Relevanz 19
3 Die heutige Rolle der „Kinderkrankheiten“ 21
3.1 Krankheitsbild und Vorkommen in Kürze 21
3.1.1 Masern 22
3.1.2 Mumps (Ziegenpeter) 22
3.1.3 Röteln 23
3.1.4 Diphtherie 23
3.1.5 Tetanus (Wundstarrkrampf) 24
3.1.6 Poliomyelitis (Kinderlähmung) 24
3.1.7 Pertussis (Keuchhusten) 25
3.1.8 Hepatitis B (Leberentzündung) 25
3.1.9 Haemophilus influenzae Typ b 26
Abbildungsverzeichnis 4
4 Die gesundheitliche Lage in Deutschland. 27
4.1 Impf- und Erkrankungsraten in Deutschland 29
4.1.1 MMR-Impfraten 30
4.1.2 Impfraten gegen D, T, aP, IPV, Hib und Hep B 33
4.1.3 Erkrankungsraten der „Kinderkrankheiten“ 34
4.1.4 Saisonale Unterschiede 41
5 Die gesundheitliche Lage in Hamburg 42
5.1 Durchimpfungsraten 43
5.2 Erkrankungsraten der „Kinderkrankheiten“ 45
6 Die gesundheitliche Lage in Europa. 48
6.1 Impf- und Erkrankungsraten in den ausgewählten Nationen 50
6.1.1 MMR-Impfraten 51
6.1.2 Impfraten gegen DTaP, Polio, Hib und Hep B 53
6.1.3 MMR-Erkrankungsraten 56
6.1.4 Erkrankungsraten der übrigen sechs „Kinderkrankheiten“ 58
7 Diskussion und Empfehlungen 61
Literaturverzeichnis. 65
Anlage 1. 71
Anlage 2 72
Abbildungsverzeichnis
Abbildung 1: MMR-Durchimpfungsraten bei Kindern und Jugendlichen in Deutschland, 1999 bzw. 2002 30
Abbildung 2: Durchimpfungsraten gegen D, T, aP, IPV, Hib und Hep B bei Kindern und Jugendlichen in Deutschland, 1999 bzw. 2002 33
Abbildung 3: Übermittelte Masern-Fälle pro 100.000 Einwohner nach Bundesland, Deutschland, 2004 34
Abbildung 4: Meldemonat der Masern- und Hepatitis B-Fälle in den Jahren 2001 bis 2004 41
Abbildung 5: Vollständiger Impfschutz bei 2-, 5-, und 14 bis 16-jährigen Kindern und Jugendlichen in Hamburg, 1997 bzw. 2003 43
Abbildung 6: Altersgruppen der Masern- und Hepatitis B-Fälle in Hamburg in den Jahren 2001 bis 2005 46
Abbildung 7: MMR-Durchimpfungsraten bei zweijährigen Kindern in den ausgewählten europäischen Nationen, 2003 52
Abbildung 8: DTaP-, Polio-, Hib-, Hep B-Durchimpfungsraten bei einjährigen Kindern in den ausgewählten europäischen Nationen, 2003 53
Abbildung 9: Masern-, und Mumps-Inzidenzen in den ausgewählten sechs Nationen in den Jahren 1991 bis 2003 56
Abbildung 10: Pertussis- und Hepatitis B-Inzidenzen in den ausgewählten sechs europäischen Nationen in den Jahren 1991 bis 2003 58
Tabellenverzeichnis
Tabelle 1: Impfkalender für Säuglinge, Kinder und Jugendliche;
Tabelle 2: Vergleich der Komplikationsrisiken bei Infektion bzw.
Tabelle 3: Benötigte Mindestanzahl der erforderlichen Impfdosen bei
Tabelle 4: Gemeldete absolute Erkrankungszahlen einiger
Abkürzungsverzeichnis
°C Grad Celsius DB („Gesundheit für alle“ Daten-ABL Alte Bundesländer, Deutschbank) land Hib Haemophilus influenzae Typ b aP Pertussis HU Ungarn
BAGS Behörde für Arbeit, Gesundheit IfSG Infektionsschutzgesetz und Soziales der Hansestadt IPV Poliomyelitis Hamburg IT Italien BRD Bundesrepublik Deutschland J1 Jugendgesundheitsuntersubzw. beziehungsweise chung ca. circa KIGGS Kinder und Jugendgesund-D Diphtherie heitssurvey DDR Deutsche Demokratische Re-Mio. Million/en publik MMR Masern Mumps Röteln DE Deutschland NBL Neue Bundesländer, Deutsch-DM Deutsche Mark land DTaP Diphtherie, Tetanus, Pertussis NL Niederlande EPI Expanded Programme on Im-Polio Poliomyelitis (Kinderlähmung) munization (erweitertes Impf-RKI Robert-Koch-Institut programm) STIKO Ständige Impfkommission am ESPED Erhebungseinheit für seltene RKI pädiatrische Erkrankungen T Tetanus et al. und andere U1 bis Vorsorgeuntersuchungen im FI Finnland U9 Kindesalter GB Großbritannien WHO World Health Organization GBE Gesundheitsberichterstattung (Weltgesundheitsorganisation) des Bundes z. B. zum Beispiel GUS Gemeinschaft unabhängiger Staaten, der ehemaligen Sowjetrepubliken HBsAg Hepatitis B surface Antigen HBV Hepatitis B Virus
Hep B Hepatitis B
HFA- „Health For All“ - Database
1 Hintergrund
„Kinderkrankheiten“ sind durch Viren
oder Bakterien hervorgerufene, ansteckende Infektionskrankheiten, die meist im Kindesalter auftreten. Infektionskrankheiten stellten in der Vergangenheit die häufigste Todesursache dar. Beispielsweise verstarben um 1900 allein im Deutschen Reich jährlich 65.000 Kinder bei 58 Millionen Einwohnern an Keuchhusten, Diphtherie und Scharlach. Die allgemeine Verbesserung der sozioökonomischen und hygienischen Bedingungen führte zu einem drastischen Rückgang zahlreicher Infektionskrankheiten in den so genannten entwickelten Ländern. Dazu trugen in einem hohen Maße Schutzimpfungen sowie die Verfügbarkeit von Antibiotika bei. Die besten Beispiele für die Effektivität von Impfungen sind die Ausrottung der Pocken im Jahr 1980 und die weitgehende Eliminierung 1 der Poliomyelitis [1, 2].
Bis in die achtziger Jahre glaubte man, dass die Infektionskrankheiten in den Industrienationen weitestgehend besiegt seien. Aus diesem Grund ging viel Wissen über die Gefährlichkeit der Krankheiten und die Bedeutung von Schutzimpfungen in der Bevölkerung verloren. Doch auch heute spielt die Bekämpfung von Infektionskrankheiten eine große Rolle. Die „Verhütung und Bekämpfung von Infektionskrankheiten sind eine globale Herausforderung. Die Erreger übertragbarer Krankheiten kennen keine geographischen Grenzen. Sie werden durch die zunehmende Mobilität und die klimatische Veränderung noch schneller und weiter verbreitet.“ [3]. Das Auftreten der großen Diphtherie-Epidemie in den Nachfolgestaaten der UdSSR mit insgesamt rund 50.000 Erkrankungsfällen im Jahr 1995 verdeutlicht, dass bei fehlendem Impfschutz längst be-
1 Eliminierungvon Krankheiten: durch gezielte Bemühungen die Verringerung der Inzidenz einer
näher bezeichneten Krankheit in einem genau angegebenen geographischen Gebiet bis auf Null
siegt geglaubte Krankheiten wiederkehren können. Außerdem verstärkt die Tatsache, dass ein tödlicher Verlauf einer Masernerkrankung in der Bundesrepublik Deutschland im Februar 2005, der nur durch Zufall diagnostiziert wurde, die Notwendigkeit für regelmäßigen Informationsbedarf auch in medizinischen Fachkreisen [4, 5, 6].
Impfpräventable Krankheiten sind eine Gruppe sehr verschiedener Infektionskrankheiten, deren gemeinsames Merkmal es ist, durch Impfungen die Erkrankungsraten zu senken und komplizierte Verläufe bzw. tödliche Ausgänge zu minimieren. Hierzu zählen auch die in dieser Arbeit relevanten neun übertragbaren, „Kinderkrankheiten“ Masern, Mumps, Röteln, Diphtherie, Tetanus, Pertussis, Poliomyelitis, Haemophilus influenzae Typ B (Hib) und Hepatitis B.
Im Rahmen des Programms „Gesundheit für alle bis zum Jahr 2000“ setzte sich die Europäische WHO im Jahr 1984 das Ziel der Eliminierung einheimischer Erkrankungen an Poliomyelitis (Polio), Diphtherie, Masern, konnatalen Röteln 2 und neonatalen Tetanus 3 bis zum Jahr 2000. Lediglich die Eliminierung von Polio und Neugeborenen-Tetanus wurde realisiert [7]. Bei Masern wird jetzt eine Erhöhung der Durchimpfungsraten auf über 95% bis zum Jahr 2007 angestrebt, um diese bis zum Jahr 2010 eliminieren zu können. Außerdem sollen bis zum Jahr 2010 die Diphtherie-, Mumps-, und Pertussis-Inzidenzen 4 , sowie invasive Erkrankungen durch Haemophilus influenzae Typ b auf unter 1 pro 100.000 Einwohner reduziert werden. Die Neuinfektionen der konnatalen Röteln sollten, ebenfalls bis zum Jahr 2010, bei weniger als 0,01 pro 1.000 Lebendgeburten liegen. Bei der Hepatitis B strebt die WHO eine Reduzierung der Neuinfektionen um mindestens 80%, durch die Einführung der Hepatitis B-Standardimpfung im Kindesalter, an [8].
„Die Bundesrepublik Deutschland (BRD) unterstützt die WHO-Ziele, ist jedoch von ihrer Realisierung teilweise noch weit entfernt“ [9]. Im Europäischen Vergleich erreicht die Bundesrepublik nur unbefriedigende Durchimpfungsraten; vor allem bei Kleinkindern und Erwachsenen bestehen große Impflücken [10].
2 konnatale Röteln: während der Schwangerschaft oder der Geburt erworbene Röteln
3 neonataler Tetanus: „Neugeborenen Tetanus“, infolge einer Nabelinfektion
4 Inzidenz: Maßzahl der Neuerkrankungen in einem bestimmten Zeitraum und einer definierten
Population
Übertragbare „Kinderkrankheiten“ können durch die Teilnahme an Schutzimpfungen größtenteils vermieden werden. Der Erfolg und die Akzeptanz von Impfmaßnahmen hängen von einer Reihe sehr unterschiedlicher Faktoren ab, wie z. B. von der Inzidenz der Erkrankung, der Schwere der Erkrankung, der Häufigkeit von Krankheitskomplikationen, der Effektivität und Nebenwirkungen des Impfstoffes, der Akzeptanz in der Bevölkerung, der Erreichbarkeit der Zielpopulation, der Kostenerstattung und der gesundheitspolitischen Unterstützung. Im ersten Abschnitt der Arbeit werden die Bedeutung, rechtliche Bestimmungen, Wirkungsmechanismen und die ökonomische Relevanz von Schutzimpfungen beschrieben. Des Weiteren werden die neun übertragbaren „Kinderkrankheiten“ und deren Vorkommen in Kürze definiert. Im Hauptteil wird die gesundheitliche Lage von Kindern und Jugendlichen in Hamburg, Deutschland und Europa anhand der Durchimpfungs- und Erkrankungsraten in Kapitel vier bis sechs dargestellt. Ausgehend von der gesamten Situation in der Bundesrepublik Deutschland wird das Bundesland Hamburg einen regionalen Ausschnitt darstellen.
Aufgrund ihrer unterschiedlichen historischen, politischen, kulturellen und sozioökonomischen Gegebenheiten wurden für Europa die sechs Länder 5 Deutschland (DE), Finnland (FI), Großbritannien (GB), Italien (IT), Niederlande (NL), und Ungarn (HU) ausgewählt. Bei der Darstellung der Impf- und Erkrankungsraten der ausgewählten sechs Nationen wird auf die Zielvorgaben der WHO und auf die Besonderheiten der jeweiligen Impfsysteme eingegangen.
Zum Abschluss werden die zentralen Aspekte dieser Arbeit im siebten Kapitel noch einmal diskutiert und Empfehlungen ausgesprochen.
5 Länderkürzel nach ISO 3166
2 Zur Bedeutung von
Schutzimpfungen
Schutzimpfungen zählen zu den effektivsten und kostengünstigsten Präventivmaßnahmen der modernen Medizin. Neben dem individuellen Krankheitsschutz ermöglichen viele Impfungen auch einen Kollektivschutz (Herdimmunität) der Bevölkerung, die das Auftreten von Epidemien bei ausreichend hohen Durchimpfungsraten verhindern. So werden insbesondere Personen geschützt, bei denen aus medizinischen Gründen keine Impfungen durchgeführt werden können [11]. Für die Gewähr-
leistung eines sicheren Kollektivschutzes sind die Impfraten für jede Infektionskrankheit unterschiedlich hoch. Für Masern und Pertussis wird eine Herdimmunität bei 92 bis 95%, für Mumps bei ca. 90%, sowie für Diphtherie und Polio bei 80 bis 85% erreicht [12].
Aufgrund des erfolgreichen Zurückdrängens der impfpräventablen Krankheiten sinkt in Ländern mit erfolgreichen Impfprogrammen das Bewusstsein über die Gefährlichkeit dieser Krankheiten. Gleichzeitig steigt die Wahrnehmung und Bedeutung seltener Komplikationen, die durch Impfungen verursacht werden. Als Folge sinkt die Impfakzeptanz in diesen Ländern [13].
2.1 Rechtliche Bestimmungen
Rechtliche Bestimmungen für die Durchführung von Schutzimpfungen in der Bundesrepublik Deutschland (BRD) werden im Wesentlichen durch das am 01.01.2001 in Kraft getretene Infektionsschutzgesetz (IfSG) geregelt. Die nach dem IfSG meldepflichtigen Infektionskrankheiten werden an das Robert-Koch-Institut (RKI), der Bundesbehörde zur Überwachung von Infektionskrankheiten zur zentralen Erfassung und Analyse, übertragen. Durchgeführte Impfungen werden in
Deutschland nicht zentral dokumentiert, und nur ein Teil der impfpräventablen Infektionskrankheiten ist meldepflichtig. Seit der Abschaffung der Pockenimpfpflicht im Jahr 1983 werden Impfungen nur noch auf freiwilliger Basis durchgeführt [14].
Empfehlungen zur routinemäßigen Durchführung von Schutzimpfungen für Kinder und Jugendliche erfolgen durch die Ständige Impfkommission (STIKO), einem Expertengremium am RKI. Die Übernahme der STIKO-Empfehlungen in die öffentlichen Impfempfehlungen obliegt dem Ermessen der obersten Landesbehörden der jeweiligen Bundesländer. Die empfohlenen Impfungen für Kinder und Jugendliche werden in der Regel zu Lasten der gesetzlichen Krankenkassen abgerechnet. Da Impfungen keine Pflichtleistungen der Krankenkassen sind, variieren die Abrechnungsmodalitäten und Vergütungen je nach Krankenkasse und Bundesland. Das heißt, dass „rein theoretisch eine Empfehlung der STIKO zu 16 verschiedenen Länderempfehlungen, 23 unterschiedlichen Regelungen im Bereich der kassenärztlichen Vereinigungen und ca. 370 individuellen Kassenregelungen führen kann.“ [15]
Die zentrale Rolle bei der Durchführung von Schutzimpfungen wird im § 22 des IfSG geregelt und kommt den niedergelassenen Ärzten zu. Vor der Impfung muss der impfende Arzt ein Aufklärungsgespräch führen und die Impfung anschließend im Impfausweis dokumentieren.
In der ehemaligen DDR mussten alle impfpräventablen Erkrankungen gemeldet werden. Schutzimpfungen im Kindes- und Jugendalter wurden zentral dokumentiert und unterlagen einer gesetzlichen Impfpflicht. Bis zur Wiedervereinigung waren die Durchimpfungsraten sehr hoch, sanken aber durch die Umgestaltung des Impfwesens teilweise deutlich ab [16].
Die Stärkung der Prävention durch Aufklärung der Allgemeinheit ist eine wichtige öffentliche Aufgabe (IfSG §3). Hierzu tragen die kostenlosen Vorsorgeuntersuchungen für das Kindes- und Jugendalter durch Früherkennung und Vorbeugung von Erkrankungen oder Gesundheitsschäden bei. Die Untersuchungen für Säuglinge und Kinder finden von der Erstuntersuchung direkt nach der Geburt (U1) in regelmäßigen Abständen, bis zur Vorschuluntersuchung (U9) im Alter von fünfein- halb Jahren statt. Im Alter von 10 bis 15 Jahren folgt die Jugendgesundheitsunter-
suchung (J1). Zur Erhöhung der Durchimpfungsraten orientiert sich der Impfkalender der STIKO an den Vorsorgeuntersuchungen (U1-U9 und J1) für Kinder und Jugendliche. In Tabelle 1 sind den empfohlenen Impfungen die Impftermine zuge-ordnet. Die angegebenen Impftermine berücksichtigen die für den Aufbau eines Impfschutzes notwendigen Zeitabstände zwischen den Impfungen. Die so genannten U-Untersuchungen für Säuglinge und Kinder, die Schuleingangsuntersuchung, sowie die Jugendgesundheitsuntersuchungen sollen nach den Empfehlungen der STIKO für die Impfprophylaxe genutzt werden. Unter der Beachtung der Mindestabstände wird eine möglichst frühzeitige Durchführung der Impfungen empfohlen. Um die Zahl der Injektionen möglichst gering zu halten, sollten vorzugsweise Kombinationsimpfstoffe (Antigenkombinationen) verwendet werden.
Tabelle 1: Impfkalender für Säuglinge, Kinder und Jugendliche; empfohlenes Impfalter und
Mindestabstände zwischen den Impfungen (Stand Juli 2004)
A Auffrischimpfung: Diese sollte möglichst nicht früher als 5 Jahre nach der vorhergehenden letzten
Dosis erfolgen
G Grundimmunisierung aller noch nicht geimpften Jugendlichen bzw. Komplettierung eines unvollstän-
digen Impfschutzes
a Zu diesem Zeitpunkt soll der Impfschutz unbedingt überprüft und ggf. vervollständigt werden
b Ab dem Alter von 5 bzw. 6 Jahren wird zur Auffrischimpfung ein Impfstoff mit reduziertem Diphtherie-
toxid-Gehalt verwendet
c Bei monovalenter Anwendung bzw. bei Kombinationsimpfstoffen ohne Pertussiskomponente kann
diese Dosis entfallen
d Bei positivem HBsAg (Hepatitis B surface Antigen)-Serum nach der 32. Schwangerschaftswoche der
Mutter ist mit der Immunisierung des Neugeborenen gegen Hepatitis B unmittelbar innerhalb von 12
Stunden nach der Geburt zu beginnen.
* Abstände zwischen den Impfungen mindestens 4 Wochen; Abstand zwischen vorletzter und letzter
Impfung mindestens 6 Monate
** Mindestabstand zwischen den Impfungen 4 Wochen
Quelle: Empfehlungen der STIKO, Stand Juli 2004;S. 236 Epidemiologisches Bulletin Nr. 30/2004;
verkürzt auf die Altergruppen der Kinder und Jugendlichen
Zum Aufbau eines möglichst frühen Immunschutzes sollen die öffentlich empfohlenen Impfungen gegen Diphtherie, Tetanus, Pertussis, Polio, Haemophilus influenzae Typ b und Hepatitis B bereits im dritten Lebensmonat begonnen und spätestens bis zum vollendetem 15. Lebensmonat mit einer Grundimmunisierung 6 abgeschlossen werden. Für einen lang anhaltenden Impfschutz ist es von besonderer Bedeutung, dass bei der Grundimmunisierung der empfohlene Mindestzeitraum zwischen vorletzter und letzter Impfung nicht unterschritten wird.
Die erste Impfung gegen Masern, Mumps und Röteln sollte im Alter von 11 bis 14 Monaten, vorzugsweise mit einem Kombinationsimpfstoff (MMR-Impfstoff), begonnen werden. Für den frühestmöglichen, kompletten Impfschutz sollte die zweite MMR-Impfung bis zum Ende des zweiten Lebensjahres abgeschlossen werden. Durch die Verwendung von Kombinationsimpfstoffen können Kinder im Alter von 24 Monaten mit nur sechs Injektionen (viermal den Sechsfachimpfstoff DTaP-IPV-Hib-HBV und zweimal den Dreifachimpfstoff MMR) effektiv gegen die neun Infektionskrankheiten geschützt werden.
Zur Erfüllung des Impfkalenders sollte der Impfstatus bei Kindern und Jugendlichen gegen bestimmte Erkrankungen regelmäßig kontrolliert und ggf. aufgefrischt werden. Gegen Diphtherie und Tetanus müssen lebenslang Auffrischimpfungen durchgeführt werden. Die erste dieser Auffrischimpfungen sollte fünf Jahre nach der Grundimmunisierung, also in der Regel wenn die Einschulung bevorsteht, durchgeführt werden. Die zweite Auffrischimpfung erfolgt in der Zeit zwischen dem vollendeten 9. und dem vollendeten 17. Lebensjahr. Danach muss das Abwehrsystem alle 10 Jahre durch eine Impfung zum Schutz gegen Diphtherie und Tetanus aufgefrischt werden.
Für den Schutz gegen Pertussis und Poliomyelitis wird in Deutschland nach der Grundimmunisierung nur noch einmal eine Auffrischimpfung empfohlen. Diese sollte ebenfalls zwischen dem vollendeten 9. und dem vollendeten 17. Lebensjahr erfolgen. Bei der Polio-Auffrischimpfung wird seit dem Jahr 1998 der inaktive Polioimpfstoff (IPV= inaktivierte Poliomyelitis Vakzine) in Deutschland empfohlen. Dieser enthält abgetötete Viren, im Gegensatz zu der vorherigen, oralen Schluck-
6 Grundimmunisierung: Serievon kurz aufeinander folgenden Impfungen (zwei oder drei Dosen),
die zur Ausbildung eines Basisimpfschutzes führt.
impfung (OPV= orale Poliomyelitis Vakzine) bei der abgeschwächte, vermehrungsunfähige Erreger verwendet wurden. Auf die verschiedenen Impfstoffe und deren Wirksamkeiten wird im nächsten Kapitel genauer eingegangen. [17]
2.2 Wirkung von Impfstoffen
fektionskrankheiten oftmals eine lebenslange Immunität hinterlassen: Bei einer Impfung setzt man Krankheitserreger oder Teile von ihnen ein, die als Antigen wirksam sind und eine Antikörperbildung bewirken. Die geimpfte Person ist nun vor der eigentlichen Erkrankung geschützt und kann niemanden mehr anstecken. Das bedeutet auch, dass ungeschützte Personen, wie z. B. immungeschwächte Menschen, indirekt vor der entsprechenden Krankheit geschützt sind, da die geimpften Mitmenschen als Ansteckungsquelle ausfallen. Die Impfung bewirkt einen aktiven oder passiven Immunisierungsprozess [18, 19].
2.2.1 Aktive Immunisierung
Bei der aktiven Impfung erhält der Impfling abgeschwächte lebende oder abgetötete Krankheitserreger bzw. deren Teilstücke oder abgeschwächte Bakteriengifte. Diese Antigene veranlassen das Immunsystem, Antikörper und Abwehrzellen gegen den Erreger herzustellen. Die Immunität bleibt je nach Impfstoff entweder dauerhaft erhalten oder kann durch Auffrischimpfungen wieder aktiviert werden. Dabei unterscheidet man zwei Arten von Impfstoffen:
2.2.1.1 Totimpfstoffe
Totimpfstoffe enthalten abgetötete Krankheitserreger oder Teile davon, die eine ausreichend hohe Antikörperbildung anregen können. Einzelne Teile eines Impfstoffes können aus Bruchstücken eines Erregers (azelluläre Impfstoffe), wie z. B. der azelluläre Pertussis-Impfstoff oder aus Stoffwechselprodukten, wie z. B. der entgifteten Form des Diphtherie- oder Tetanus-Toxins (Giftes), gewonnen werden. Totimpfstoffe sind meist risikoärmer als Lebendimpfstoffe, dafür aber oft auch we-
niger wirksam. Damit über lange Zeit genügend Antikörper im Blut vorhanden sind, muss man die meisten Impfungen mit Totimpfstoffen mehrmals verabreichen und immer wieder auffrischen. Verbindungen mit Zusatzstoffen, wie z. B. Eiweißmoleküle können eine verstärkte Immunantwort auslösen. Ein Vorteil von Totimpfstof- fen ist, dass eine daraus folgende Erkrankung ausgeschlossen ist.
2.2.1.2 Lebendimpfstoffe
Lebendimpfstoffe enthalten vermehrungsfähige abgeschwächte Erreger. Diese Krankheitserreger vermehren sich nach der Impfung im Körper, sind jedoch meist nicht in der Lage, die Krankheit auszulösen. Es kann allerdings in einigen Fällen zu einer abgeschwächten „Impfkrankheit“ (siehe Punkt 2.3, Abs.1) kommen. Dafür bewirken sie eine fast genauso starke Abwehrreaktion wie die natürlichen Erreger der Krankheit, so dass Auffrischimpfungen meist nicht benötigt werden. Verschiedene Lebendimpfstoffe können entweder gleichzeitig oder nacheinander im Ab-stand von mindestens vier Wochen verabreicht werden. Lebendimpfstoffe werden z. B. bei der Impfung gegen Masern, Mumps, und Röteln verwendet.
Bei Kombinationsimpfstoffen werden entweder nur Lebend- oder nur Totimpfstoffe zusammen verabreicht.
2.2.2 Passive Immunisierung
Bei der passiven Immunisierung werden dem Organismus Antikörper gegen bestimmte Erreger oder deren Toxine verabreicht. Der Organismus bleibt passiv und es entsteht ein sofortiger Schutz. Die Antikörper werden aus Blut gewonnen und sollen eine bereits infizierte Person vor dem Ausbruch der Erkrankung schützen bzw. den Krankheitsverlauf mildern. Die Impfung muss so früh wie möglich nach der Ansteckung verabreicht werden. Passive Impfstoffe lösen häufige und meist stärkere Nebenwirkungen aus, als aktive Impfstoffe. Man nutzt diese Möglichkeit bei immungeschwächten Personen in bedrohlichen Krankheitssituationen oder auch zur Vorbeugung von Gifteinwirkungen, wie z. B. bei Tetanus.
2.2.3 Simultanimpfung
Bei einer Simultanimpfung werden nach einer möglichen Ansteckung die aktive und die passive Impfung gleichzeitig verabreicht. Mit der passiven Impfung wird ein vorübergehender, sofortiger Impfschutz erreicht. Mit der aktiven Impfung wird zusätzlich die noch nicht vorhandene Grundimmunisierung in die Wege geleitet.
Arbeit zitieren:
Carola David, 2005, Die gesundheitliche Lage von Kindern und Jugendlichen in Hamburg, Deutschland und Europa - sind übertragbare "Kinderkrankheiten" heute noch eine Gefahr für die Gesellschaft?, München, GRIN Verlag GmbH
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