INHALT
1. Hinführung zum Thema und Fragestellung 3
Der Herrschaftsantritt Diocletians und die erste Tetrarchie 3
2. Die Tetrarchie in der Theorie 6
Aufbau und Kompetenzen innerhalb der Tetrarchie 6
Ausschluss der leiblichen Nachfolger und Aufhebung der realen
Dynastie 7
Fr ühzeitige Abdankung 7
Stilisierung zu Abkömmlingen der Götter 7
Die Reformen Diocletians 8
3. Die Tetrarchie in der Praxis 9
Die „freiwillige“ Abdankung 9
Das Problem der Nachfolgeregelung 9
Versuch des Machterhalts 10
Das Ende der Mehrkaiserherrschaft 11
4. Fazit 13
5. Literatur 14
2
1. HINFÜHRUNG ZUM THEMA UND FRAGESTELLUNG
DER HERRSCHAFTSANTRITT DIOCLETIANS UND DIE ERSTE TETRARCHIE
C. Valerius Diocletianus wurde am 20. November 284 durch seine Truppen zum Augustus ausgerufen. Dies war zunächst nur eine von vielen Usurpationen, wie sie zu dieser Zeit durchaus üblich waren. 1 Nach seiner Proklamation legte sich Diocletian das Praenomen Marcus Aurelius zu, so dass sein vollständiger Herrschername Marcus Aurelius Gaius Valerius Diocletianus lautete. 2 Hintergrund dieses Titels war die Identifizierung mit dem als Idealherrscher geltenden Marcus Aurelius Antoninus 3 , der zusammen mit seinem Adoptivbruder Lucius Verus von 161-169 geherrscht hatte.
Das Modell der Mehrkaiserherrschaft gab es demnach schon - Diocletian entwickelte mit seiner Tetrarchie also ein bestehendes Modell weiter zu einem bis dahin in dieser Form nicht bekannten Herrschaftssystem. Wichtig ist hierbei zu beachten, dass dieses System, wie es in der Literatur beschrieben wird, erst rückblickend in seiner Gesamtheit erfasst werden kann, d.h. dass Diocletian wohl nicht von Anfang an ein Gesamtkonzept geplant hatte, sondern lediglich auf die Erfordernisse seiner Zeit und besondere Umstände reagierte. Diese Reaktionen waren allerdings genau durchdacht und keine willkürlichen Entscheidungen und formierten sich im Laufe der Jahre zu einem festen System. Als Beispiel sei hierfür die Erhebung des Maximian zum Caesar genannt. Diese erfolgte im Zusammenhang mit der Reichskrise im 3. Jahrhundert: am 13. Dezember 285 wurde Maximian zum Caesar, kurze Zeit später nach einem erfolgreichen Feldzug gegen die gallischen Bagauden 4/5 sogar zum Augustus befördert. Was jedoch bewog Diocletian dazu, einen nicht mit ihm v erwandten Offizier zum Mitregenten zu machen, wo doch die familiäre Mitherrschaft zu dieser Zeit üblich war?
1 BRANDT, Hartwin: Geschichte des spätrömischen Reiches, München 2001, S. 10; HANSLIK,
Rudolf: Diocletianus. In: Der kleine Pauly: Lexikon der Antike in fünf Bänden, Band 2, München
1979, Sp. 36
2 KUHOFF, Wolfgang: Diokletian und die Epoche der Tetrarchie, Frankfurt a.M. 2001, S. 19
3 KUHOFF, Wolfgang: Diokletian und die Epoche der Tetrarchie, Frankfurt a.M. 2001, S. 29
4 Bagauden: Wort keltischen Ursprungs. Vagabunden, Flüchtlinge, ehem. Soldaten und verarmte
Bauern. (aus: LEGLAY, M: Bagaudes. In: Der Kleine Pauly, Band 1., München 1979, Sp. 805)
5 KUHOFF, Wolfgang: Diokletian und die Epoche der Tetrarchie, Frankfurt a.M. 2001, S. 35
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Anscheinend fehlten in Diocletians familiären Umfeld kompetente Kandidaten, da er keinen leiblichen Sohn hatte; unterdessen war in der Krisenlage des Reiches die Sicherung der Grenzen jedoch unbedingt erforderlich. Die einzige Lösung war also die Ernennung eines anderen, nicht mit ihm verwandten Thronanwärters. Allerdings musste nun zur Rechtfertigung eine passende Ideologie um diesen Vorgang gesponnen werden 6 ; auf die Schaffung dieser fiktiven Dynastie werde ich später noch eingehen.
Maximian übernahm also den Gentilnamen Diocletians und nannte sich fortan Marcus Aurelius Valerius Maximianus. Dies kann man auch im Kontext mit der oben bereits erwähnten Identifizierung Diocletians mit Marcus Aurelius Antoninus sehen, denn diese Übernahme des Gentilnamens soll die Gleichstellung der beiden Herrscher implizierensie traten von nun an als fratres auf 7 und wollten gemäß ihren Vorbildern das Reich in vollendeter concordia führen 8 . Allerdings hatte Diocletian hierbei vermutlich mehr auctoritas, da er Maximian zwei Konsulate voraushatte. Eine weitere Abstufung zugunsten Diocletians kann man in der Identifizierung der Herrscher mit ihren Schutzmächten Iuppiter und Hercules vermuten: Diocletian betrachtete sich als der irdische Stellvertreter Iuppiters, wobei Maximian als der Stellvertreter des Hercules galt. Hercules jedoch ist bekannt als der Sohn und Helfer des Iuppiter. 9
Im Jahre 293 wurde diese Dyarchie Diocletians und Maximians wegen Unruhen an den Grenzen des Reiches zur Tetrarchie erweitert 10 , indem sich beide Herrscher jeweils einen Caesar zuordneten. Für Diocletian im Osten war dies der illyrische Soldat Galerius, auf Seiten Maximians im Westen war dies Constantius I. Auf die genaue Gebiets- bzw. Kompetenzaufteilung werde ich ebenfalls später zurückkommen.
6 KUHOFF, Wolfgang: Diokletian und die Epoche der Tetrarchie, Frankfurt a.M. 2001, S. 40
7 KOLB, Frank: Diocletian und die erste Tetrarchie, Berlin 1987, S. 16
8 KUHOFF, Wolfgang: Diokletian und die Epoche der Tetrarchie, Frankfurt a.M. 2001, S. 42
9 KUHOFF, Wolfgang: Diokletian und die Epoche der Tetrarchie, Frankfurt a.M. 2001, S. 41
10 BRANDT, Hartwin: Geschichte des spätrömischen Reiches, München 2001, S.10; DEMANDT,
Alexander: Geschichte der Spätantike. Das Römische Reich von Diocletian bis Justinian 284-565 n.
Chr., München 1998, S.30
4
Offensichtlich wollte Diocletian mit seinen Maßnahmen dem Kaisertum und dem römischen Staat neue Stabilität im Kampf gegen äußere und auch innere Feinde, z.B. weitere Usurpatoren, verleihen 11 . Die Fragestellung lautet nun, ob ihm dies gelang, oder ob seine Maßnahmen ihr Ziel verfehlten. Um dies herauszufinden, werde ich in dieser Arbeit zunächst darstellen, wie die Tetrarchie idealerweise hätte funktionieren sollen, anschließend werde ich darauf eingehen, wie dies in der Praxis tatsächlich durchgesetzt wurde, bzw. durchgesetzt werden konnte. In einem Schlusswort werde ich versuchen, eine Bilanz aus dem Erarbeiteten zu ziehen.
11 KUHOFF, Wolfgang: Diokletian und die Epoche der Tetrarchie, Frankfurt a.M. 2001, S. 29
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Arbeit zitieren:
Regine Kemna, 2004, Das tetrarchische System unter Diocletian - ein Kurzvortrag, München, GRIN Verlag GmbH
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