Inhaltsverzeichnis
Seite
A. Einleitung 3
B. Die Entwicklung der EU-Strukturpolitik 4
I. Die Anfänge einer regionalen Politik auf europäischer Ebene 4
1. Vorboten einer aufkommenden Regionalpolitik 4
2. Die Gründung des Europäischen Fonds für regionale Entwicklung 5
II. Die Einheitliche Europäische Akte und das Delors-1-Paket 7
1. Die „Integrated Mediterranean Programmes“ 7
2. Die Einheitliche Europäische Akte 7
3. Das Delors-1-Paket 8
III. Der Vertrag von Maastricht und das Delors-2-Paket 10
1. Der Vertrag von Maastricht 10
2. Das Delors-2-Paket 11
3. Das „Gerangel“ um Ziel 1-Förderung 12
IV. Agenda 2000 13
C. Fazit 15
Literaturverzeichnis 16
2
A. Einleitung
Die EU-Strukturpolitik ist einer der ehrgeizigsten, komplexesten und missverständlichsten Bereiche der EU-Politik.
Die Strukturpolitik ist gleich nach der Gemeinsamen Agrarpolitik die finanziell umfangreichste distributive Politik der Europäischen Union (EU). Strukturpolitische Maßnahmen nahmen 2003 mit rund 34 Mrd. € ein Drittel der EU-Gesamtausgaben in Anspruch. 1 Sie ist in Hinsicht auf den Haushalt also ein enormer Kostenfaktor. Die europäische Strukturpolitik hat die vertragliche Intention, regionale
Entwicklungsrückständigkeiten in der EU abzubauen, um somit zum wirtschaftlichen und sozialen Zusammenhalt beizutragen. Nachweislich allerdings schafft es diese Politik nicht, regionale Disparitäten zu reduzieren; im Gegenteil nehmen die regionalen Unterschiede in den Mitgliedstaaten sogar zu. 2 Da die EU-Strukturpolitik also wirtschaftlich nicht logisch erklärt werden kann, und dennoch ein großer Teil des Gemeinschaftshaushalts in diesen Politikbereich fließt, erfordert sie eine politische Erklärung. Die zentrale Fragestellung der Hausarbeit beruht auf dieser Ausgangslage und soll diese politische Erklärung für eine europäische Strukturpolitik liefern: Warum sind die Nettozahlerländer bereit, die EU-Strukturpolitik zu finanzieren?
Bei einer näheren Betrachtung der Strukturpolitik ist ferner auffällig, dass die finanzielle Ausstattung der Strukturfonds bis 1999 kontinuierlich angewachsen ist. Daher liegt dieser Hausarbeit eine chronologische Herangehensweise, mit der Frage nach den konkreten Gründen und den Verhandlungen, die zu Erhöhungen der Strukturfondsförderung bzw. der Ausweitung der vertraglichen Verpflichtungen auf Kohäsion, führten, zu Grunde. Dazu wiederum wird die Rolle der Strukturpolitik bei den großen Entscheidungen für die Entwicklung der EG/EU und in den Verhandlungen um die „historic decisions“ herum in dieser Arbeit näher untersucht. Sinnvollerweise dienen diese entscheidenden Schlaglichter in der Gemeinschaftsgeschichte bzw. der Rolle der Strukturpolitik bei der Entscheidungsfindung auch als zentrale Gliederungselemente dieser Arbeit. Auf andere in der politikwissenschaftlichen Literatur im Zusammenhang mit der Strukturpolitik untersuchte Fragen, wie die nach der Stellung der Kommission im Vergleich zu den Mitgliedstaaten oder die Rolle der subnationalen Ebene bei der Implementierung der
1 Quelle: United Soft Media (2003), Fischer Weltalmanach 2004, „EU-Haushaltsplan 2003“, CD-ROM,
München.
2 Maßstab ist das regionale Bruttoinlandsprodukt pro Kopf; Quelle: EUROSTAT Pressemitteilung Januar 2003.
3
Fonds in diesem Politikbereich, wird aufgrund mangelnden Raumes in dieser Arbeit nicht eingegangen werden.
B. Die Entwicklung der EU-Strukturpolitik
B.I. Die Anfä nge einer Regionalpolitik auf europäischer Ebene
B.I.1. Vorboten einer aufkommenden Regiona lpolitik
Genau genommen gab es schon vor Inkrafttreten der Römischen Verträge 1957, einen ersten, kleinen Schritt in Richtung Strukturpolitik auf europäischer Ebene zu verzeichnen. Mit der Schließung einer Vielzahl w allonischer Zechen in den frühen Fünfziger Jahren, bzw. der damit in den betroffenen Gebieten erforderlich gewordenen wirtschaftlichen Umstrukturierung, war die damalige Europäische Gemeinschaft für Kohle und Stahl (EGKS) allein überfordert und bezog die eingespannten Parteien in Verhandlungen mit ein. Als Ergebnis dieser Verhandlungen konnte sich die belgische Regierung über Gemeinschafts-Gelder freuen, die dem Ergreifen sozialer Maßnahmen vor Ort dienten. 3 Mit den Römischen Verträgen zur Gründung der Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft (EWG), welche von Frankreich, Italien, BR Deutschland, Belgien, den Niederlanden und Luxemburg unterzeichnet wurden, wurde erstmals vage die Bestrebung der Mitgliedstaaten, regionale Disparitäten zu reduzieren, im Vertragswerk der EG verankert. Dieses Vorhaben sollte durch die Europäische Wirtschaftsgemeinschaft (EWG), also der Errichtung eines Gemeinsamen Marktes und der progressive n Annäherung der nationalen Wirtschaftspolitiken, verwirklicht werden. 4
Der Vertrag sah ferner die Schaffung eines Europäischen Sozialfonds (ESF) vor, der hauptsächlich dazu diente, die Migration von Arbeitskräften aus den Regionen südlich von Rom nach Deutschland und Frankreich anzuregen. 5 Ferner machte die Gemeinsame Agrarpolitik (GAP) die Errichtung eines Ausrichtungs- und Garantiefonds für die Landwirtschaft (EAGFL) erforderlich, wobei die Abteilung Ausrichtung heute zu den Strukturfonds zählt.
3 Tarschys, Daniel, Reinventing Cohesion - The Future of European Structural Policy, Stockholm 2003, S.20.
4 Allen, David, Cohesion and the Structural Funds - Transfers and Trade-Offs, in: Policy-Making in the
European Union, Oxford 2000, S.243-264, S.247.
5 Tarschys, Daniel, 2003, S.20.
4
Ein Fonds mit spezifischer regionalpolitischer Implikation, also die finanzielle Grundlage für eine wirkliche Regionalpolitik, wurde zw ar vehement von der Europäischen Kommission gefordert, vorerst allerdings vergeblich. 6
B.I.2. Die Gründung des Europäischen Fonds für regionale Entwicklung
In den frühen Siebziger Jahren dann wurde der Wunsch der Kommission nach einem Regionalfonds zur B eseitigung der regionalen Unterschiede, und einer damit verbundenen Ausweitung i hrer Kompetenzen, wahr. Für die Gründung jenes Europäische n Fonds für regionale Entwicklung (EFRE) 1975 war aber nach Helen Wallace (1977) weniger das Drängen der Europäischen Kommission verantwortlich, sondern vielmehr die wichtige Rolle, die der Fonds dabei spielte, unter den Regierungen der Mitgliedstaaten einen „broad deal“ zu Stande zu bringen, ausschlaggebend. 7 Dieser „Deal“ hatte seinen Ursprung darin, dass die Regierunge n auf der Gipfelkonferenz in Den Haag i m Dezember 1969 beschlossen, „ die Übergangszeit sei mit der Vollendung der Zollunion und des Aufbaus der gemeinschaftlichen Agrarpolitik sowie ersten Schritten zum gemeinsamen Markt einschließlich gemeinsamer Wettbewerbspolitik erfolgreich abgeschlossen und es gelte nun, die Gemeinschaft zu vertiefen und zu erweitern“(meine Hervorhebung). 8
Um den Zusammenhang zwischen der Gründung des Fonds und der Erweiterung der Gemeinschaft plastisch zu machen, eignen sich die Beitritte 1973 sehr gut. Eine besondere Stellung hatte dabei die britische Regierung inne, für die bereits 1973 klar war, dass die Gemeinsame Agrarpolitik für sie erhebliche finanzielle Einbußen mit sich bringen würde. Um diese Verluste abzufedern, regte die b ritische Regierung das Aufbauen eines neuen Politikbereiches an. Es sollte eine Politik entwickelt werden, die Gemeinschaftsgelder in ärmere bzw. altindustrielle (unverkennbar die britische Handschrift) Re gionen umverteilt. Die Gemeinschafts-Förderung an regionale Kriterien zu koppeln, stieß natürlich insbesondere bei dem EG-Land mit den größten regionalen Unterschieden, Italien, auf Wohlwollen und sicherte den Briten die italienische Unterstützung in diesem Vorhaben. Die anderen Mitgliedstaaten, vor allem die Nettozahlerländer wie Deutschland, hatten andere Gründe, dem britischen Vorschlag zuzustimmen. Sie wollten den Prozess der Vertiefung der EG beschleunigen. Es lag also durchaus im Interesse der Zahlerländer, die Bedenken in ärmeren
6 Allen, David, 2000, S.247.
7 Vgl. Wallace, Helen, 1977, in: Policy-making in the European Communities, London.
8 Hrebek, Rudolf, 2000, Europäische Union, in: Woyke, Wichard (Hrsg.), „Handwörterbuch Internationale
Politik“, Bonn 2000, S.89-109, S.92.
5
Arbeit zitieren:
Pierre Dombrowski, 2003, Die Strukturpolitik der Europäischen Union, München, GRIN Verlag GmbH
Dieser Text kann über folgende URL aufgerufen und zitiert werden:
Einbetten
DOI
Die Regionalpolitik der Europäischen Union
Die Ursachen ambivalenter Entw...
Politik - Internationale Politik - Thema: Europäische Union
Seminararbeit, 28 Seiten
Die Regionalisierung des Mehrebenensystems der EU
Politik - Internationale Politik - Thema: Europäische Union
Forschungsarbeit, 25 Seiten
Die Entwicklung der Terrorismusbekämpfung in der EU
Politik - Internationale Politik - Thema: Europäische Union
Hausarbeit, 22 Seiten
INTERREG III A in Brandenburg im Kontext der EU-Strukturpolitik
Geowissenschaften / Geographie - Regionalgeographie
Hausarbeit, 26 Seiten
Heilmittel oder Freifahrtschein? Zur Anwendbarkeit der Offenen Methode...
Politik - Internationale Politik - Thema: Europäische Union
Hausarbeit (Hauptseminar), 26 Seiten
Die neue Nachbarschaftspolitik am Beispiel der Ukraine
Politik - Internationale Politik - Region: Osteuropa
Seminararbeit, 19 Seiten
Subventionen zur Förderung der sektoralen Strukturpolitik - Pro und co...
Hausarbeit, 15 Seiten
Die EU-Strukturpolitik – Bestandsaufnahme und Kritik mit besonderem Au...
Hausarbeit, 33 Seiten
Europäische Struktur und Regionalpolitik
Politik - Internationale Politik - Thema: Europäische Union
Hausarbeit (Hauptseminar), 39 Seiten
Euroskepsis! Regionale Disparitäten und die Strukturpolitik der EU
Geowissenschaften / Geographie - Wirtschaftsgeographie
Seminararbeit, 19 Seiten
Die Regionalpolitik der Europäischen Union
Geowissenschaften / Geographie - Wirtschaftsgeographie
Hausarbeit, 22 Seiten
Regionalfonds in der EG und das Prinzip des juste-retour
Jura - Europarecht, Völkerrecht, Internationales Privatrecht
Seminararbeit, 35 Seiten
Wirkungen der europäischen Strukturfonds auf Wachstum und Konvergenz
Europäische Wirtschaftspolitik...
Hausarbeit, 27 Seiten
Die europäische Regional- und Strukturpolitik: Bestandsaufnahme und Au...
Diplomarbeit, 105 Seiten
Einführungsstrategien des Neuen Kommunalen Finanzmanagements am Beispi...
BWL - Unternehmensführung, Management, Organisation
Hausarbeit, 27 Seiten
Der Internationale Währungsfonds - Aktuelle Reformansätze mit Kritik
VWL - Geldtheorie, Geldpolitik
Diplomarbeit, 113 Seiten
Pierre Dombrowski's Text Die Strukturpolitik der Europäischen Union ist nun auf dem Buchmarkt erhältlich
Pierre Dombrowski hat den Text Die Strukturpolitik der Europäischen Union veröffentlicht
Pierre Dombrowski hat einen neuen Text hochgeladen
Politik und Religion in der Europäischen Union
Zwischen nationalen Traditione...
Hartmut Behr, Mathias Hildebrandt
Die demokratische Legitimation der Europäischen Union aus gemeinschaft...
Eine Analyse der These vom Dem...
Winfried Kluth
Die Europäische Union auf dem Weg in die Supranationalität
Untersuchung der Rechtsnatur d...
Michael Lysander Fremuth
Vertrag über die Europäische Union und Vertrag zur Gründung der Europä...
Artikel 98 - 188 EGV
Hans von der Groeben, Jürgen Schwarze
Europäische Verkehrspolitik. Von den Anfängen bis zur Osterweiterung d...
Politisch-ökonomische Rahmenbe...
Johannes Frerich, Gernot Müller
0 Kommentare