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Gliederung
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I Die Interpretationsvielfalt des Romans The Scarlet Letter 1
II Unterschiedliche Betrachtungsweisen Hesters
1. Hester als zukunftsweisende Feministin
1.1. Historischer Hintergrund 2
1.2. Verbindungen Hesters zu Sarah Margaret Fuller 3
1.3. Verbindungen Hesters zu Ann Hutchinson 4
1.4. Hester als unzeitgemäße Heldin 5
2. Hester als schweigende Rächerin 7
3. Hesters Kunst als Ausdruck ihrer Rebellion 8
4. Hester als Sex-Idol 9
5. Hester als Mutter
5.1. Abweichende Tendenzen bei Hesters Mutterschaft 9
5.2. Hester modifiziert den Mutterstatus 10
III Schlussbetrachtungen 12
IV Literaturverzeichnis 14
I Die Interpretationsvielfalt des Scharlachroten Buchstabens
Nathaniel Hawtho rnes The Scarlet Letter gehört unumstritten zu den Klassikern der
amerikanischen Literatur und gilt als Meilenstein in der Entwicklung des psychologischen
Romans 1 Nach der Lektüre des Romans bleiben jedoch einige Fragen offen die für einen
großen Interpretationsspielraum sorgen Charles C Walcutt nennt fünf Lesarten die den
Roman jeweils von einem anderen Standpunkt betrachten: 1 the orthodox Puritan
reading 2 the concept of the Fortunate Fall 3 romantic readings 4 transcendental
1 Köster Thomas: Nathaniel Hawthorne in: Microsoft Encarta Enzyklopädie 2001.
2
reading ... [and 5] relativist readings." 2 Anhand dieser unterschiedlichen Möglichkeiten ist feststellbar, dass die eindeutige Absicht Hawthornes anscheinend nicht zu erforschen ist. Wobei sich hier schon die Frage stellt, ob dieser auf eine solche abzielte.
Abhängig davon gestaltet sich auch die Deutung der Hauptfigur als schwierig: "Hester Prynne has been seen as a pioneer feminist in the line from Anne Hutchinson to Margaret Fuller, a classic nurturer, a sexually autonomous woman, and an American equivalent of
Anna Karenina." 3 Die folgende Arbeit will dazu beitragen, die wichtigsten Interpretationen Hesters zu bündeln und die Autoren den Lesarten zuzuordnen. Es geht dabei hauptsächlich
um die Verdeutlichung der divergierenden Meinungen und deren Ableitung aus dem Romantext.
Ziel soll nicht sein, die einzig wahre Deutung zu finden, die Hawthorne beabsichtigt
haben möge. 4 Außerdem möchte ich bezweifeln, dass dieser sich eindeutig festlegen wollte. Vielmehr scheint er sich selbst unsicher gewesen zu sein. Unsicher bezüglich seiner Meinung
und bezüglich der Wirkung auf die Gesellschaft. So lässt sich an Hand des Romans nicht eindeutig herausarbeiten, ob er ein Befürworter des zu seinen Lebzeiten beginnenden
Feminismus war oder eher ein Anhänger des strengen Puritanismus. Höchstwahrscheinlich war er ein Kritiker der Gesellschaft, der seine Meinung vorsichtig aber geschickt unters Volk brachte. Auf jeden Fall hat er erreicht, dass sich die Gemeinschaft mit seinem Roman und
somit mit seiner Kritik auseinandersetzt.
Die Ergebnisse dieser Auseinandersetzungen sind wie bereits erwähnt sehr reichlich.
Speziell die Ergebnisse um Hester Prynne sollen hier kategorisch und komprimiert dargestellt werden, um dann eventuell eine gefestigtere Meinung von Hester zu erlangen.
II Unterschiedliche Betrachtungsweisen Hesters
1. Hester als zukunftsweisende Feministin
1.1. Historischer Hintergrund
"The Scarlet Letter" erscheint 1850 und spielt "not less than two centuries ago" 5 in Boston, Massachusetts. 1620 begann die Besiedlung Neu Englands durch die Puritaner. Sie gründeten die Kolonie Plymouth und später die Siedlung Trimountane, die sich dann u.a. unter John
2 Walcutt, Charles C.: The Range of Interpretations, The Scarlet Letter and Its Modern Critics, in: Nineteenth Century Fiction 7, Berkeley 1953, S. 251-264, zit. in: Gerber, John C. (Hrsg.): Twentieth Century Interpretations
of The Scarlet Letter, A Collection of Critical Essays, Englewood Cliffs 1968, S. 71-81: 72-73. 3 http://www.kirjasto.sci.fi/hawthorn.htm, 25.11.2003.
4 Dies wäre ohnehin ein unmögliches Unterfangen, da wir ihn nicht mehr selbst befragen können.
5 Hawthorne, Nathaniel: The Scarlet Letter, in: Cowley, Malcolm (Hrsg.): The Portable Hawthorne, o.O. 1976, S. 337-544: S. 339.
3
Winthrop in Boston umbenannte. 6 Dementsprechend spielt Hawthornes Roman in der Anfangszeit der Besiedlung Nordamerikas. Gemäß einem Aufsatz von Kurt Müller wird Hester Prynne als "eine unzeitgemäße Heldin in der amerikanischen Literatur des 19.
Jahrhunderts" 7 betitelt. Um das "Unzeitgemäße" Hesters zu verstehen, soll hier kurz auf die gesellschaftlichen Hintergründe Nordamerikas zu dieser Zeit eingegangen werden. Der Puritanismus entstand Ende des 16. Jahrhunderts in England als eine Abspaltung des
Protestantismus. Im 17. Jahrhundert siedelten viele Puritaner nach Nordamerika um, da sie dort ihre Religion frei ausüben konnten. Grundlage des Puritanismus war der Kalvinismus mit dem
Dogma der Prädestination. Wichtige Glaubensinhalte waren die unvermeidbare Sündhaftigkeit der Menschen und dessen ungeachtet die Auserwähltheit Einiger durch Gott. Inhalt ihrer Predigten war somit der Beweis dieser Auserwähltheit mit Hilfe dem Erlebnis der Bekehrung.
Sie kämpften gegen die Verdorbenheit der Gesellschaft und verpflichteten sich, Gottes Gebote einzuhalten. Der Puritanismus ist nicht als eine homogene Bewegung anzusehen, sondern es
gab verschiedene Untergruppen, die am Ende jedoch alle in gewisser Form gescheitert sind. 8 Hester Prynne hat gegen die strengen Gebote der puritanischen Gesellschaft verstoßen
und muss als Strafe den Buchstaben A (für "adulterer") tragen. Hierbei zu erwähnen sei Nina Baym, die hervorhebt, dass die Tat von Hester Prynne und Arthur Dimmesdale kein religiöses
Vergehen, sondern ein Verstoß gegen das Gesetz sei. 9
1.2. Verbindungen Hesters zu Sarah Margaret Fuller
Im Jahr der Veröffentlichung des Romans ist die Fraue nbewegung in Nordamerika bereits seit einigen Jahren aktiv und hatte bis dato ihren Höhepunkt mit der ersten "Women´s Rights
Convention" in Seneca Falls, New York im Jahr 1848. Frauen wie Lucretia Coffin Mott (1793- 1880), Elisabeth Cady Stanton (1815-1902) und Sarah Margaret Fuller (1810-1850) kämpften
für:
6 O.V.: Boston (Massachusetts, USA) , in: Microsoft Encarta Enzyklopädie 2001.
7 Müller, Kurt: Nathaniel Hawthornes Hester Prynne. Eine unzeitgemäße Heldin in der amerikanischen Literatur des 19. Jahrhunderts, in: Kaiser, Gerhard R. (Hrsg.): Der unzeitgemäße Held in der Weltliteratur,
Heidelberg 1998, (Jenaer Germanistische Forschungen, Neue Folge, Bd. 1), S. 129-147.
8 O.V.: Puritanismus, in: Microsoft Encarta Enzyklodädie 2001.
9 Vgl. Baym, Nina: The Shape of Hawthorne´s Career, Ithaka/London 1976: S. 125. Dies soll hier nur der
Vollständigkeit halber erwähnt sein. Für meine Ausführungen ist der Unterschied irrelevant, da hier auf Hesters
Bedeutung in der Gesellschaft eingegangen werden soll und es nicht zur Debatte steht, auf welchen Gesetzen
ihre Strafe basiert.
4
"Women's right to speak in public, to own property in their own name after
marriage, to receive a college education, to vote, 10 to enter such professions as medicine and the ministry, to participate in public life on an equal footing with
men." 11
Hawthornes Familie ist mit Margaret Fuller befreundet. 12 Francis A. Kearns sieht Margaret Fuller sogar als ein Modell für Hester Prynne. Fuller musste sich ebenfalls einer Prüfung durch die Gesellschaft unterziehen, da sie heimlich in Italien heiratete und mit ihrem Ehemann und dem gemeinsamen Kind nach Amerika kommen wollte. Per Brief hatte sie Freunde und
Familie dort in Kenntnis gesetzt und damit viele Gerüchte ausgelöst. Die Modellrolle Fullers für Hester ist umstritten, wobei jedoch einige Gemeinsamkeiten unumgänglich sind: "Each
faced the problem of survival in a rigidly Puritan society … Hester in a theocratic seventeenth-
century Boston and Margaret in Victorian nineteenth-century Boston." 13 Beide machten sic h Gedanken über die Rolle der Frau in der Gesellschaft. Kearns fasst Hesters Ideen zu vier
Hauptpunkten zusammen: 1. Die Zerstörung und der Wiederaufbau der gesamten Gesellschaft,
2. die Veränderung der Rolle des Mannes, 3. die Entwicklung der Beziehung zwischen den
Geschlechtern auf einer höheren Ebene und 4. die Entfaltung der Frau selbst. 14 Fuller nennt in ihrem Buch " Women in the Nineteenth Century" 15 ähnliche Ziele. Außerdem organisierte sie von 1839 bis 1844 einen Frauenzirkel im Haus der Peabodys, den Schwieger-Eltern Hawthornes, um die Frauen sozial und intellektuell zu bilden. Auch Hester kehrt am Ende wieder nach Boston zurück um Frauen zu unterstützen, die Probleme mit der Gesellschaft
haben. Letztendlich hat sie sich durch ihre beratende Tätigkeit eine Stellung geschaffen, die der
einer "prophetess" 16 nahe kommt, auch wenn sie Ihre Ideen noch nicht umsetzen kann. Eine weitere Gemeinsamkeit ist die Suche beider nach einem möglichen Entkommen aus der puritanischen Gesellschaft. Während Hester Dimmesdale vorschlägt, entweder in die Wildnis oder zurück nach Europa zu gehen, setzt Fuller diese beiden Möglichkeiten um. Hester
geht letztendlich allein nach Europa, um dann aber nach einigen Jahren wieder an den Ort ihrer
10 Das Wahlrecht für Frauen wird in den USA erst am 26. August 1920 eingeführt.
11 Yanak, Ted; Cornelison, Pam: The Great American History Fact-Finder, Boston/New York 1993, S. 157; auch: http://college.hmco.com/history/readerscomp/gahff/html/ff_066300_feministmove.htm (10. Apr. 2003).
12 a.M. Baym, Nina: Hawthorne´s Women: The Tyranny of social myths, in: Centennial Review 15, East Lansing
1971, S. 250-272: 271. "Hawthornes personal animosity toward Margaret Fuller, whom he did not take seriously
as a feminist."
13 Kearns, Francis E.: Margaret Fuller as a Model for Hester Prynne, in: Jahrbuch für Amerikastudien 10,
Heidelberg 1965, S. 191-197: 191.
14 Vgl. ebd., S. 194.
15 Fuller, Margaret: Woman in the nineteenth century: And kindred papers relating to the sphere, condition, and
duties of woman, Boston 1874.
16 Hawthorne, 1976, S. 545.
Quote paper:
Susan Waldow, 2003, Hester Prynne in der Sekundärliteratur - Die Interpretationsbreite einer Hauptfigur, Munich, GRIN Publishing GmbH
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