Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Altersdefinitionen
2.1. Biologisches Alter(n)
2.2. Kalendarisches/chronologisches Alter(n)
2.3. Bürokratisches/formales Alter(n)
2.4. Soziales/funktionales Alter(n)
2.5. Psychologisches Alter(n)
3. Alterstheorien
3.1. Defizitmodell
3.2. Disengagementtheorie
3.3. Aktivitätstheorie
3.4. Kontinuitätstheorie
3.5. Etikettierungsansatz (Alter als Stigma)
3.6. Stratifikations- und Kohortenansatz
4. Übergang in den Ruhestand
4.1. Erwerbstätigkeit
4.2. Rentenbestand in Deutschland
4.3. Der Alterungsprozess als Phasenmodell nach
Robert Atchley
4.4. Rollenveränderungen (am Beispiel Mann)
4.5. Negative Auswirkungen des Ruhestandes
4.6. Zeitverwendung / Zeitstrukturierung im Ruhestand
4.7. Offene Altenhilfe
5. Schlussgedanken
6. Literaturverzeichnis
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1. Einleitung
„Der einzige Mensch, der sich vernünftig benimmt, ist mein Schneider. Er nimmt jedes Mal neu Maß, wenn er mich trifft, während alle anderen immer alte Maßstäbe anlegen in der Meinung, sie passten auch heute noch.“ (GEORGE BERNARD SHAW, Hervorhebung durch den Autor)
Jederzeit neu Maß zu nehmen, ist anscheinend das Geheimnis und vielleicht der beste Rat, den man allen Menschen geben könnte, die kurz vor der Verrentung stehen. Neu Maß nehmen deshalb, weil sich das Leben mit dem Eintritt in den Ruhestand gezwungenermaßen ändert. Nichts wird mehr so sein wie vorher. Für uns Menschen ist die Berufsphase eine sehr wichtige Sozialisationsinstanz. Warum die Erwerbstätigkeit für den Menschen so wichtig ist und inwieweit sie Individuen sozialisiert, darauf möchte ich in dieser Arbeit noch näher eingehen.
Auch darauf, dass es einerseits Menschen gibt, die mit ihrer nun total neuen Situation im Ruhestand, ihrer neu gewonnenen Freizeit, gut zurechtkommen. Andererseits gibt es auch jene, welche die Entberuflichung nicht gut verkraften. Die positiven bzw. negativen Auswirkungen der Entberuflichung und die damit verbundenen sozialen Folgen möchte ich in dieser Arbeit näher thematisieren. Ich möchte Alternativen aufzeigen und somit beweisen, dass ein sinnvolles Leben auch als Rentner möglich ist. Neben den verschiedenen Arten von Altersdefinitionen werde ich einige Alterstheorien vorstellen. Theorien sind Denkmodelle, die versuchen Phänomene zu beschreiben und zu erklären. Ich möchte untersuchen, inwieweit diese noch aktuell und zutreffend sind und ihre Erklärungskraft auf den Alterungsprozess hin überprüfen.
Fakt ist, dass es immer mehr alte Menschen geben wird. Deshalb wird es zunehmend wichtiger, sich mit den möglichen individuellen und soziologischen Auswirkungen des Alter(n)s auseinanderzusetzen, diese nicht zu verdrängen oder runter zu spielen, sondern sich Gedanken über sinnvolle Rollenalternativen für ältere Menschen zu machen.
Ich möchte die positiven und negativen Folgen d er Verrentung für den Einzelnen beschreiben. Ein Rentner erfährt zunächst einen Bruch in seiner Lebensbiographie, begleitet durch Statusänderung und Verlust der bisherigen beruflichen Rolle. Der Rentenbeginn konfrontiert einen plötzlich mit einer ganz anderen, neuen und ungewohnten Alltagssituation. Das Wochenende geht auf einmal nicht mehr von Freitagabend bis Sonntagabend, sondern die ganze Woche lang. Diese Umstellung kann in manchen Fällen recht schmerzhaft und schwierig sein, da das Loslassen und Verändern der bisherigen Lebenssituation einem nicht immer ganz leicht fällt.
Noch dazu kommt, dass Rentner gesellschaftlich stigmatisiert werden, d. h. mit Vorurteilen und Etikettierungen behaftet werden. Oft werden Rentner, auf Grund altersbedingter Defizite, belächeltwas die zahlreichen Rentnerwitze belegen. Rentner gelten allgemein als antriebslos, verwirrt, vergesslich, vereinsamt, isoliert und hilfsbedürftig. Auch beschreiben Stereotype Rentner als Menschen mit sehr viel Freizeit, mit der sie aber nichts anfangen können (außer auf Parkbänken zu sitzen). Auf-
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grund dieser Stereotype wird von Rentnern nach ihrem Berufsaustritt nichts anderes erwartet, als dass sie sich ausruhen und passiv ihr restliches Leben verbringen wollen. Die Pensionierung muss aber nicht immer in einer Krise ausarten. Es gibt Menschen, die sich über ihre Rentnerrolle freuen und froh mit ihrer neuen Situation sind, weil sie nun nicht mehr diesem Druck des kräftezährenden Berufsleben ausgesetzt sind, oder weil sie nun endlich die Zeit haben, die sie vorher nicht hatten, um sich lang gehegte Wünsche erfüllen zu können. Es gilt die zusätzlich verfügbare Freizeit positiv zu nutzen. Damit man als Rentner nicht in ein Loch stürzt, muss man sich seinen Tag strukturieren, ihn mit Aktivität füllen, nur so erlangt man Lebenszufriedenheit und Lebensqualität. Wie dies geschehen kann, möchte ich am Schluss dieser Arbeit gerne aufzeigen.
2. Altersdefinitionen
„Das Alter ist zwar von seinem Ende, dem Tod, nicht aber von seinen Anfängen her eindeutig bestimmbar“ (BÖHNISCH, 1997, S. 252).
Menschen zwischen 60 und 75 Jahren werden als die jungen Alten, jene zwischen 75 und 90 Jahren als die alten Alten, die zwischen 80 und 100 Jahren als Hochbetagte und die Überhundertjährigen als Langlebige bezeichnet und benannt (vgl. SCHROETER/PRAHL, 1999, S. 45).
In der Umgangssprache hört man oft die Floskel, dass jemand ganz schön alt aussehe. Wann ist man denn überhaupt alt, welche Definitionsmöglichkeiten gibt es für den Begriff Alter? Dazu gibt es folgende Möglichkeiten:
2.1. Biologisches Alter(n)
Von Geburt an vollzieht sich mit dem Menschen ein Alterungsprozess, „der sich kontinuierlich bis zum Tode fortsetzt“ (SCHROETER/PRAHL, 1999, S. 46).
Es gibt einige Veränderungen wie Stimmbruch, Geschlechtsreife bzw. Wechseljahre, die den Eintritt in ein neues Lebensalter einleiten und signalisieren. Da die Geschlechtsreife immer früher einsetzt und die Wechseljahre immer später beginnen, geben Veränderungen des Körpers keine eindeutigen Hinweise mehr auf das Altwerden und Altsein.
Nicht nur Alte, sondern auch Jüngere können Seh- oder Hörschwächen, graues Haar, schwindende Muskulatur und nachlassende sexuelle Aktivität aufzeigen. Deshalb sind solche körperlichen Funktionseinbußen keine sicheren Altersindikatoren (vgl. SCHROETER/PRAHL, 1999, S. 46).
2.2. Kalendarisches/chronologisches Alter(n)
Mit dem Wort „Alter“ ist umgangssprachlich gewöhnlich das kalendarische Lebensalter gemeint. Es ist „die seit der Geburt vergangene Zeit“ (SCHROETER/PRAHL, 1999, S. 48).
Der europäische Kalender, nach welchem wir in Europa unser kalendarisches Alter bestimmen, beinhaltet bekannterweise 365 Tage im Jahr. Außerhalb Europas gibt es aber auch Kulturen, deren Kalen-
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derjahr nur 355 Tage enthält. Andere Jahreszahlen gibt es beim jüdischen, aber auch beim chinesischen Kalender. Deshalb kann man weltweit das kalendarische Alter nicht eindeutig bestimmen (vgl. SCHROETER/PRAHL, 1999, S. 46).
2.3. Bürokratisches/formales Alter(n)
Mit dem bürokratischen/formalen Alter wird z. B. die Religionsmündigkeit, die Wahlmündigkeit oder das Rentenalter festgelegt, ebenso werden die, dem kalendarischen Alter entsprechenden Rechte, Pflichten und Mündigkeiten, manifestiert.
Der Begriff Alter wird in Gesetzen, Verwaltungsvorschriften, Versicherungsverträgen und Gerichtsurteilen festgelegt. Das Alter ist, wie die Kindheit auch, ein soziales Konstrukt (vgl. SCHROETER/PRAHL, 1999, S. 46-48).
2.4. Soziales/funktionales Alter(n)
Das soziale/funktionale Alter ist eine soziale Deutung. Es bestimmt die altersgemäße Funktionalität, aber auch die Leistungsfähigkeit im gesellschaftlichen Arbeitsteilungssystem. Das Alter(n) wird durch gesellschaftliche Einflüsse, durch soziale Werte, Normen und Regeln, geformt. All das hat Auswirkungen auf das soziale Alter bezüglich der Rollenkonformität, der Interaktionsfähigkeit, der Integration/Segregation, der sozialen Wertschätzung, der sozialen Kontrolle, etc. (vgl. SCHROETER/PRAHL, 1999, S. 47-48).
2.5. Psychologisches Alter(n)
Das psychologische Alter ist das Verhältnis des Individuums zu sich selbst, das kalendarische Alter kann anders sein, als das psychologische Alter; man kann sich z. B. viel jünger oder älter fühlen, als man tatsächlich ist. Somit „[stimmt] das individuelle Erleben des Alters nur in Ausnahmefällen mit dem kalendarischen Alter überein“ (VOGES, 1990, S. 17).
Das allgemeine Befinden im Alter kann durch vermehrte Ängste, Depressionen, Trauerzustände und Verlustgefühle belastet sein. Hier verdichten sich oft kritische Ereignisse der Lebensgeschichte, die jeweilige soziale Situation und der körperliche Zustand zu einem Syndrom, welches das subjektive Gefühl vom Altsein beeinflusst (vgl. SCHROETER/PRAHL, 1999, S. 47-48). Deshalb mehren sich mit „dem Alter (...) für jeden spürbar die körperlichen und sozialen Verlusterfahrungen. Im Altern rückt das Ende unabweisbar näher“ (DOEHLEMANN, 2003, S. 115). Man wird sich bewusst, dass man nur noch eine begrenzte Zeit zu leben hat, das kann einen entweder motivieren, d. h. man versucht so angenehm wie möglich zu leben, oder beunruhigen bzw. sogar ängstigen, was sich demotivierend auswirken würde.
„Die Erhaltung eines positiven Selbstbildes im Alter ist damit ein hohes, aber auch zerbrechliches Gut, das geschützt und gepflegt werden muss, besonders dann, wenn Kompetenzeinbußen (...) es stark gefährden“ (DOEHLEMANN, 2003, S. 89).
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3. Alterstheorien
Alterstheorien dienen dazu, bestimmte soziologische Aspekte erklären und bewerten zu können. Es gibt viele verschiedene Alterstheorien, neue und alte.
„Altern ist heute nicht mehr primär als biologischer Prozeß (sic!) zu sehen, als Abnahme gewisser funktioneller und körperlicher Fähigkeiten, sondern Altern ist heutzutage primär ein soziales Schicksal“ (LEHR in VOGES, 1990, S. 23).
Deshalb versucht die Soziologie speziell dieser Altersphase diese Schicksalhaftigkeit zu nehmen, Soziologie klärt und denkt über wichtige gesellschaftliche Zusammenhänge nach (vgl. VOGES, 1990, S. 23).
Die früheren Theorien sind das Defizitmodell, die Kontinuitäts-, Disengagement- und Aktivitätstheorie. Diese haben ihren Focus auf die individuellen Probleme bei der Altersanpassung. Sie betrachten also verstärkt den einzelnen Menschen.
Die neueren Theorien wie Etikettierungs -, Stratifikations- und Kohortenansatz haben ihr Augenmerk vermehrt auf die soziale Organisation altersbezogener Statuspositionen gelegt. Auf diese Theorien möchte ich nun im dritten Kapitel näher eingehen (vgl. SCHROETER/PRAHL, 1999, S. 102).
3.1. Defizitmodell
In dieser Theorie wird das Altern mit Beeinträchtigungen, Verlusten und Defiziten, sowohl physischer als auch psychischer Art gleichgesetzt.
Aufgrund früherer gerontologischer Studien, entstand ein negatives Bild des defizitären Alters, welches sich bis heute noch in den Köpfen der Menschen und in wissenschaftlichen Aussagen verankert hat. Die geistige Entwicklung des Menschen vollzieht sich nach einem so genannten Drei-Phasen-Modell:
• die Entwicklung im Kindes- und Jugendalter gestaltet sich allgemein positiv • mit ca. 30 Jahren erreicht der Mensch seinen Leistungshöhepunkt • danach geht es mit der geistigen Entwicklung langsam aber sicher bergab Mit zunehmendem Alter verliert der Mensch bestimmte Fähigkeiten, wie z. B. die Kombinationsfähigkeit, das logische Denken und seine Merkfähigkeit.
Dieses Modell war in den 50er Jahren sehr beliebt, es ist mitverantwortlich für die heutige abwertende Einstellung dem Alter(n) gegenüber (vgl. SCHROETER/PRAHL, 1999, S. 102).
3.2. Disengagementtheorie
Die Disengagementtheorie kam in den 60er Jahren auf. Diese Theorie unterstellt den alten Menschen, dass sie, was ganz natürlich wäre, den Wunsch verspüren sich aus ihren bisherigen Aufgaben und Rollenverpflichtungen zurückzuziehen.
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Arbeit zitieren:
Daliborka Horvat, 2005, Eintritt in den Ruhestand - Freudiges Ereignis oder Auslöser einer Krise?, München, GRIN Verlag GmbH
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