Inhaltsverzeichnis
Einleitung
1
D e r I n h a l t d e s B u c h e
2
Der Autor Joachim Heinrich Campe
3
Der Philanthropismus
5
Ausf ührung
Der Bezug zu Defoes Werk 7
Campes Abwandlungen zu Defoes Werk 7
Campes eigene Ideen und pädagogische Absichten 10
Utopische Züge des Buches und seiner Theorie 14
Literaturhinweise
16
Einleitung
Der Gegenstand meines Referates ist das Kinder- und Jugendbuch Robinson der Jüngere, zur angenehmen und nützlichen Unterhaltung für Kinder von Joachim Heinrich Campe. Es besteht aus zwei Teilen, die nacheinander 1779 und 1780 erstmals in Hamburg erschienen sind, und ist eines der ersten Werke der Kinder- und Jugendliteratur im westeuropäischen Raum, welche erst im ausgehenden 18. Jahrhundert zu entstehen begann. Ein Buch wie dieses hatte revolutionären Charakter, war es doch vom Geist der Aufklärung sowie einem neuen Selbstbewusstsein des gerade entstandenen Bürgertums geprägt, welches sich deutlich vom dekadenten Adel absetzen wollte. Campes Idee war es, ein Buch zu schaffen, das zum einen nicht nur der reinen Unterhaltung dient sondern auch erzieherischen Charakter hat und zum anderen eine doppelte Leserschaft anspricht, nämlich sowohl den kindlichen als auch den erwachsenen Leser. Als Vertreter des Philanthropismus ließ er deutlich philanthropische Erziehungsprinzipen in das Buch miteinfließen, wobei er sich auch stark an seinem großen Vorbild Jean-Jacques Rousseau (1712-1778) orientierte, dessen Erziehungsroman Émile erstmals 1762 erschienen ist. Campes Buch erzielte in der Tat eine übermäßig breite Wirkung. Hamburg, der Ort von Campes ersten schriftstellerischen Schaffens, wo auch Robinson der Jüngere entstand, stellte im damaligen Deutschland einen Sonderfall dar, da es als Republik und freie Handelsstadt vielen die Möglichkeit eröffnete, neue, aufgeklärte, liberale Vorstellungen zu verwirklichen. Die stabile politische Situation der Stadtrepublik bewirkte bei den Bewohnern ein neues bürgerliches Selbstbewusstsein. Dieses war geprägt von dem aufklärerischen Geiste Kants und den Ideen Hobbes’ im Hinblick auf die Vorstellung vom autonomen Subjekt und das geregelte, friedliche Zusammenleben aller Menschen im Staat mit Hilfe eines allgemein verbindlichen Gesellschaftsvertrages. Die Hamburger Bürger, besonders die vom weltoffenen Handel abhängigen Kaufleute, waren aber nicht nur an dem Gedankengut selbst, sondern auch an seiner Umsetzung und dessen Miteinbezug in die Erziehung interessiert. Robinson der Jüngere hatte also unglaublichen Erfolg, und das im deutschen wie auch im außerdeutschen Bereich. 1923 erreichte seine illustrierte Ausgabe die 122. Auflage; zahlreiche Übersetzungen ins Französische, Italienische, Lateinische, Spanische und Englische folgten. Holländische, dänische, schwedische und polnische Ausgaben fanden ebenfalls Verbreitung. Selbst Lettland wurde versorgt. Schließlich gab es auch verschiedene Nachahmungen, Fortsetzungen, Umwandlungen und Ausgaben mit Illustrationen. Der Erfolg des Kinderromans verwundert allerdings ein wenig, denn Campe ist nicht das, was man gemeinhin unter einem Original-Schriftsteller versteht. Die Figur und die spannenden Abenteuer Robinsons sind nicht seiner eigenen Fantasie entsprungen. Das Motiv und seine weltweite Beliebtheit haben schon zu einer Fülle von Bearbeitungen geführt, die so immens ist, dass das Studium der sogenannten Robinsonaden fast eine Wissenschaft für sich ist. Zweifellos kann Daniel Defoe als Urheber des riesigen Erfolgs angesehen werden, doch gingen selbst ihm mancherlei mittelalterliche und barocke Geschichten mit dem Motiv vom verlorenen Sohn voraus.
Nichtsdestotrotz muss man Campe seine beispiellose Leistung auf kinder- und jugendliterarischer Ebene zugestehen, besonders durch seinen Robinson den Jüngeren. Doch bevor ich näher auf konkrete inhaltliche Punkte eingehe und mich mit deren theoretischen Hintergrunddetails befasse, möchte ich vorab kurz den Inhalt des Buches zusammenfassend darstellen und einige allgemeine Informationen zum Autor und zum Philanthropismus geben.
Vgl. Campe: Robinson d. J., Nachwort, S.377-381.
Vgl. z. B. Ewers, H.: Joachim Heinrich Campe als Kinderliterat und als Jugendschriftsteller. In: Ausstellungskataloge der Herzog August Bibliothek, Nr. 74, 1996, S. 160 und in: Ausstellungskataloge der Staatsbibliothek zu Berlin - PK, Neue Folge 17, 1996, S. 12 f; Fertig, L.: Campes politische Erziehung, S. 133 f;
1
Der Inhalt des Buches
Robinson, einziger Sohn eines Hamburger Ehepaares, die ihm aus „unvernünftiger Liebe“ alles erlauben und der somit nie Lust hat zu lernen, nur zu spielen, lässt sich eines Tages am Hafen spontan von einem Freund zu einer Schiffsreise überreden. Das Schiff strandet, der Junge rettet sich als einziger Überlebender auf eine einsame tropische Insel. Er besitzt nichts außer seinen eigenen zwei Händen und seinem Verstand. Ihn quälen Hunger, Durst, die Angst vor wilden Tieren und wilden Menschen sowie sein Gewissen, da er seine Eltern so rücksichtslos und heimlich verlassen hat und Selbstvorwürfe, dass er in seiner ganzen Kindheit und Jugend nichts Anständiges oder Nützliches gelernt hat, was ihm in seiner Notlage nun hätte hilfreich sein können.
Obwohl mutterseelenallein, fernab von jeglicher Zivilisation, nur auf sich selbst gestellt, findet Robinson nach und nach immer mehr Möglichkeiten und Wege zu überleben, dieses Überleben zu sichern und sein Leben sogar einigermaßen angenehm zu gestalten. Zunächst sind es nur elementare Dinge wie Nahrung, Unterschlupf und Feuer finden, die ihn erfreuen und sich auf Gott und sittliche Tugenden zurückbesinnen lassen. Später kommen Feinheiten hinzu wie ein differenzierter Speiseplan, das Bauen einer gemütlichen und großen Behausung, die Herstellung von Kleidung und anderen nützlichen Dingen des alltäglichen Lebens sowie die Gesellschaft von Haustieren und Freitag, einem Eingeborenen des tropischen Festlandes, den es ebenfalls auf die Insel verschlägt und der zu Robinsons Freund und Gehilfen wird.
Nach einem unerwünschten Besuch von wilden Eingeborenen gelangen auf die Insel Engländer, mit deren Schiff Robinson mit Freitag schließlich nach Europa gelangt und zu seinem Vater nach Hamburg zurückkehrt, wo beide jungen Männer das Tischlerhandwerk erlernen und bis ins hohe Alter als gute Freunde zusammenleben.
2
Joachim Heinrich Campe (1746 -1818) - zunächst Theologe, später Sprachforscher, Verleger und Jugendschriftsteller ebenso wie Pädagoge, Erzieher und Philanthrop - wird am 29.06.1760 in Deensen bei Holzminden geboren.
1760, als Campe vierzehn Jahre alt ist, stirbt sein Vater. Im selben Jahr besucht die fünfjährigen Klosterschule in Holzminden; im Anschluss daran, von 1765 bis 1768, absolviert er sein Studium der Theologie auf der Universität Helmstedt, während dem er sich als Anhänger der Ideen eines bibelkritischen Professors bekennt. Dies kostet ihn das Stipendium. Nach einem kurzen Jahr an der Universität Halle tritt Campe 1769 die Stelle des Hofmeisters im Hause des Majors von Humboldt in Berlin-Tegel an, wo er zugleich Erzieher von dessen Stiefsohn aus erster Ehe der Frau von Humboldt wird.
Er verlässt das Haus 1773, um für zwei Jahre als Feldprediger beim Regiment des Kronprinzen Friedrich Wilhelm von Preußen zu dienen. Im selben Jahr heiratet er Dorothea Maria Hiller und gibt seine erste Veröffentlichung heraus: Philosophische Gespräche über die unmittelbare Bekanntmachung der Religion und über einige unzulängliche Beweisarten derselben. Berlin 1773.
1775 kehrt er in das Haus des Majors von Humboldt zurück und wird Lehrer seiner beiden Söhne Alexander und Wilhelm. Zur selben Zeit gibt er sein geistliches Amt auf, mit der Begründung eines aufgeklärten Bürgers: „ Wie kann ein Biedermann sich glücklich fühlen, wenn er täglich die Rolle eines Heuchlers spielen muss? Und die muss jeder Geistliche spielen, er sei, wer er wolle - nur allenfalls ein Schafskopf ausgenommen.“ Kurz darauf, 1776, wird er „Educationsrath“ bzw. Erzieher in der Erziehungsanstalt Philanthropin in Dessau, die 1774 von Johann Bernhard Basedow gegründet und Ausgangspunkt des sog. Philanthropismus wurde.
Außerdem erscheint seine zweite Veröffentlichung Die Empfindungs- und Erkenntniskraft der menschlichen Seele. Leipzig 1776; es folgt das Sittenbüchlein für Kinder aus gesitteten Ständen. Dessau 1777.
Schließlich übernimmt Campe die Leitung des Philanthropins, das zu der Zeit aus etwa 50 Zöglingen besteht. Zwischen ihm und Basedow ergeben sich jedoch Uneinigkeiten in Bezug auf die Abgrenzung ihrer Kompetenzen und Aufgabenbereiche, was möglicherweise der Grund dafür ist, dass Campe 1777 heimlich und zunächst ohne seine Frau und Tochter, die er später nachholt, Dessau verlässt und nach Hamburg reist. Auf jeden Fall hat ihn in der Anstalt etwas sehr stark belastet und ihm das Leben gemäß seinen Prinzipien dort unmöglich gemacht; er spricht von „herznagenden Kränkungen“, die seine „Leibes- und Seelenkräfte“ bedroht hätten. In Hamburg hingegen, als Republik ein Sonderfall in Deutschland zu dieser Zeit, erhoffte er sich mehr Möglichkeiten, seine neuen, aufgeklärten Vorstellungen zu verwirklichen.
Von 1778 bis 1783 übernimmt Campe in Billwerder bei Hamburg die Erziehung der Kaufmannssöhne Nicolas Schuback, Johannes, Gottlieb und Fritz Böhl sowie Dietrich Leisching und veröffentlicht in dieser Zeit neun neue Werke, unter anderem das Buch Robinson der Jüngere; eine Sammlung von Erziehungsschriften (1778); Neue Methode, Kinder auf eine leichte Weise lesen zu lehren (1778); Kleine Seelenlehre für Kinder (1780); Die Entdeckung Amerikas (1781) und weitere.
Vgl. Campe: Robinson d. J., S. 372-375.
3
Arbeit zitieren:
Katja Krenicky-Albert, 2002, Joachim Heinrich Campe: Robinson der Jüngere, München, GRIN Verlag GmbH
Dieser Text kann über folgende URL aufgerufen und zitiert werden:
Einbetten
DOI
Johann Bernard Basedow und die Versinnlichungsmethode der Philanthrope...
Pädagogik - Geschichte der Päd.
Seminararbeit, 15 Seiten
Die Gründungsorakel in den Historien Herodots in ihrem Kontext - Zent...
Geschichte - Weltgeschichte - Frühgeschichte, Antike
Seminararbeit, 20 Seiten
Formtypen des Schwanks am Beispiel "Ein kurtzweilig lesen" v...
Germanistik - Ältere Deutsche Literatur, Mediävistik
Hausarbeit, 20 Seiten
Soziologie - Familie, Frauen, Männer, Sexualität, Geschlechter
Hausarbeit, 19 Seiten
Schreiben im Deutsch-als-Fremdsprache-Unterricht: Lehrwerkanalyse
Deutsch - Deutsch als Fremdsprache / Zweitsprache
Referat (Ausarbeitung), 14 Seiten
Basedow, Salzmann, Philanthropine - ein kurzer Abriß
Hausarbeit, 10 Seiten
Das Mittelalter als Teil der Geschichtskultur: Implikationen für Gesch...
Hausarbeit (Hauptseminar), 22 Seiten
Popliteratur und Popjournalismus
Germanistik - Neuere Deutsche Literatur
Hausarbeit (Hauptseminar), 24 Seiten
Zu phonologischen Variationen im Deutschen - Standardsprache - Umgangs...
Deutsch - Grammatik, Stil, Arbeitstechnik
Hausarbeit (Hauptseminar), 14 Seiten
Entwicklung von Kindern gleichgeschlechtlicher Eltern
Psychologie - Entwicklungspsychologie
Hausarbeit, 18 Seiten
Überlebensstrategien - Vom Umgang der DDR-Schriftsteller mit der Zensu...
Hausarbeit, 20 Seiten
Zur Rolle der Frauen in Wolframs von Eschenbach "Parzival"
Germanistik - Ältere Deutsche Literatur, Mediävistik
Seminararbeit, 16 Seiten
Pop-Romane als Adoleszenzliteratur: "Relax" als Beispiel für...
Germanistik - Neuere Deutsche Literatur
Seminararbeit, 18 Seiten
Kati Krenický-Albert's Text Joachim Heinrich Campe: Robinson der Jüngere ist nun auf dem Buchmarkt erhältlich
Kati Krenický-Albert hat den Text Joachim Heinrich Campe: Robinson der Jüngere veröffentlicht
Kati Krenický-Albert hat einen neuen Text hochgeladen
The Drawings of Heinrich Kley Drawings of Heinrich Kley
Heinrich Kely, Heinrich Kley, H. Kley
The Malleus Maleficarum of Heinrich Kramer and James Sprenger Malleus ...
Montague Summers, Heinrich Institoris
Aesthetics and the Art of Musical Composition in the German Enlightenm...
Johann Georg Sulzer, Heinrich Christoph Koch, Koch Heinrich Christoph
Fountainhead of Federalism: Heinrich Bullinger and the Covenantal Trad...
Charles S. McCoy, J. Wayne Baker, Heinrich Bullinger
The Sanskrit Grammar and Manuscripts of Father Heinrich Roth S.J. (162...
Heinrich Roth, Arnulf Camps, Jean-Claude Muller
Aesthetics and the Art of Musical Composition in the German Enlightenm...
Heinrich Christoph Koch, Johann Georg Sulzer, Nancy Baker
Law in Greater Europe: Towards a Common Legal Area: Studies in Honor o...
Bruno Haller, Herbert Petzold, Heinrich Klebes
0 Kommentare