Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 3
2. Das Selbstkonzept. 4
2.1 Was versteht man unter einem Selbstkonzept. 4
2.2 Wie entsteht ein berufliches Selbstkonzept 5
3. Aufbau des beruflichen Selbstkonzeptes bei Lehrern. 6
3.1 Berufsbild als Stärkung des Selbstkonzeptes? 6
3.2 Wie entwickelt sich das berufliche Selbstkonzept bei Lehrern? 8
4. Kooperation im Lehrerzimmer 10
5. Psychohygiene für den Lehrer. 13
6. Fazit 15
7. Literaturverzeichnis 17
2
Einleitung
Lehrer 1 garantieren die Qualität unseres Bildungssystems. Ihr professionelles Handeln, ihre Einsatzbereitschaft, ihre Offenheit und Flexibilität, ihre Kreativität und Belastbarkeit machen diese Qualität aus.
Auf der einen Seite werden an das berufliche Handeln der Lehrpersonen höchste Erwartungen und vielfältige Anforderungen im Zusammenhang mit dem heutigen Erziehungs- und Bildungsauftrag von Schule gestellt. Auf der anderen Seite sind es unzureichende Voraussetzungen und problematische Rahmenbedingungen im System Schule und im Bildungssystem, die eine optimale Erfüllung dieser anspruchsvollen beruflichen Aufgaben erschweren oder sogar behindern. In diesem Spannungsfeld kommt es immer wieder zu beruflichen Belastungen, die sich auf unser Selbstkonzept auswirken können 2 .
In diesem Zusammenhang beginne ich meine Arbeit mit einem passenden Zitat aus der Weltwoche (02. Juni 1988):
„Wahrscheinlich gibt es nicht viele Berufe,
an die die Gesellschaft so widersprüchliche Anforderungen stellt: Gerecht soll er sein, der Lehrer, und zugleich menschlich und nachsichtig, straff soll er führen, doch taktvoll auf jedes Kind eingehen, Begabungen wecken, pädagogische Defizite ausgleichen, Suchtprophylaxe und Aids-Aufklärung betreiben, auf jeden Fall den Lehrplan einhalten, wobei hochbegabte Schüler gleichermaßen zu berücksichtigen sind wie begriffsstutzige. Mit einem Wort: Der Lehrer hat die Aufgabe, eine Wandergruppe mit Spitzensportlern und Behinderten bei Nebel d urch unwegsames Gelände in nordsüdlicher Richtung zu führen, und zwar so, dass alle bei bester Laune möglichst gleichzeitig an drei verschiedenen Zielorten ankommen.“
1 Aus Gründen der leichteren Lesbarkeit verzichte ich auf die Nennung der weiblichen Bezeichnungsform von Für- und Hauptwörtern
3
Die vorliegende Arbeit untersucht, welche Bedeutung das berufliche Selbstkonzept von Lehrern und die kollegiale Zusammenarbeit im Lehrerteam für die Bewälti gung der Belastungen im Lehrberuf hat.
Nach einer allgemeinen Einführung in den Begriff Selbstkonzept wird Augenmerk auf die Entwicklung und den Ausbau des beruflichen Selbstkonzeptes und des Berufsbilds von Lehrern gelegt. Anschließend wird der Hauptaspekt, die konstruktive Lehrerteamkooperation näher beleuchtet und abschließend das Thema “Psychohygiene für Lehrer” erläutert.
2. Selbstkonzept
2.1. Was versteht man unter einem Selbstkonzept?
Buff definiert den Begriff „Selbstkonzept“ als „Oberbegriff für eine ganze Reihe thematisch unterschiedlichster, selbstbezogener kognitiver Repräsentationen“ 3 , es kann sich aber auch um „unbewusste kognitive Repräsentationen“ handeln. 4 Das „Selbstkonzept“ (oder auch „Selbstbild“) bezeichnet nach Meyer die „Gesamtheit der wahrgenommenen eigenen Attribute und deren Struktur“. 5 Es gilt als zentrale Komponente persönlicher Identität - die Vorstellung, die eine (heranwachsende) Person von sich insgesamt bzw. von wichtigen Teilbereichen der eigenen Person entwickelt. Dementsprechend umfasst das Selbstkonzept verschiedene Bereiche: das Konzept der eigenen Fähigkeiten (Begabungsselbstkonzept, Leistungsselbstkonzept), das körperliche Selbstkonzept, das soziale Selbstkonzept usw.
Aus diesen unterschiedlichen Definitionen wird deutlich, dass es schwer ist, eine eindeutige und allgemein anerkannte Definition des komplexen Gefüges „Selbstkonzept“ zu finden. Das Konzept, das eine Person von sich selbst hat, entsteht einerseits durch Selbstbeobachtung, aber auch durch Rückmeldungen der Umwelt. Das Selbstkonzept und die damit verbundene Wertschätzung der eigenen Person haben fast immer Auswirkungen auf das Verhalten eines Menschen. Das Selbstkonzept unterliegt ständigen Einflüssen, die dem Individuum Möglichkeit und
3 Buff, Alex (1991, S.47)
4 Pekrun, Reinhard (1983, S.74)
5 Meyer, Wulf-U. (1984, S.14)
4
Anlass geben, das Bild von der eigenen Person immer wieder zu überprüfen und gegebenenfalls zu ändern. Diese Veränderungen geschehen allerdings nicht schnell, denn die Repräsentationen des Selbst erweisen sich als zeitlich relativ stabil. Menschen neigen dazu, selbstbezogene Informationen sogar so zu selektieren, dass sie der Aufrechterhaltung des Selbstkonzeptes dienen („kognitiver Konservativismus“). 6
Selbstkonzept und Selbstwertgefühl steuern in einem hohen Maße die Handlungen von Personen und haben großen Einfluss auf die (emotionale) Verarbeitung von Ereignissen. Personen mit einem positiven Leistungs-Selbstkonzept treten schwierigen Aufgaben zuversichtlich gegenüber und können auch Misserfolge gut bewältigen; Personen mit einem negativen Konzept der eigenen Fähigkeiten werden dazu tendieren, Leistungsaufgaben aus dem Wege zu gehen und unter Misserfolgen zu leiden. 7
2.2. Wie entsteht ein berufliches Selbstkonzept?
In seiner Identitätspsychologie nennt Haußer (1995) 8 drei Komponenten von Identität: das Selbstkonzept, das Selbstwertgefühl, die Kontrollüberzeugung.
Haußer definiert das Selbstkonzept als die „generalisierte Selbstwahrnehmung“, das Selbstwertgefühl als die „generalisierte Selbstbewertung“ und die Kontrollüberzeugung als die „generalisierte personale Kontrolle“. Berufliche Identität sieht Haußer in Abhängigkeit von beruflicher Zufriedenheit. Entscheidend sei der Wechselwirkungsprozess zwischen Arbeitserfahrung und Identität: „Alltägliche Arbeits- und Berufserfahrung wirkt auf die Identität einer Person in der Regel als Akkomodation. Die Person kann jedoch bei Arbeitsunzufriedenheit ihre Arbeitserfahrungen mit ihrer vorhandenen Identität assimilieren - bis hin zu offensiven Handlungskonsequenzen wie Firmenwechsel, Umschulung und Aussteigen oder defensiven Handlungskonsequenzen wie Krankmachen und ‘Burnout’.“ 9
6 Greenwald, Anthony G. (1980, S.35)
7 Eder, F. & Lang, B. (2002)
8 zit. Nach Mieg, Harald A., Woschnack, Ute(2002)
9 Haußer (1995), zit. Nach Mieg, Harald A., Woschnack, Ute (2002)
5
Arbeit zitieren:
Joanna Mirgeler, 2005, Bedeutung des Auf- und Ausbaus beruflicher Selbstkonzepte für die Zusammenarbeit im Bildungsgang, München, GRIN Verlag GmbH
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