Gliederung:
1. Histoire (Signifikat)
2. Discours (Signifikant)
1. Histoire (Signifikat)
“Sarrasine“ ist in eine Rahmen - und Binnenhandlung eingeteilt. Zuerst
werden beide Erzählungen getrennt voneinander betrachtet. Die
Ausgangssituation der Rahmenerzählung ist der Ball der Familie Lanty (“Quelle
f ête“, p.1044), auf dem sich der Erzähler (Subjekt) in seine Begleiterin
Madame de Rochefide (Objekt) verliebt. Das Hauptgesprächsthema des Balls
ist der seltsame alte Mann (“personne étrange“, p. 1047), der bei der Familie
Lanty lebt, und deren Reichtum (“fortune immense“, p.1044) Eine
Situationsver änderung tritt ein, als der Greis auf dem Ball erscheint
(“apparaissait au milieu des salons“, p.1048), Madame de Rochefide ihn
ber ührt (“Elle porta la main“, p.1053) und er zu schreien anfängt (“un cri
crecelle “, p.1053)
Der Erzähler und Madame de Rochefide ergreifen daraufhin die Flucht
(“Elle prit un boudoir“, p.1053) Sie will unbedingt wissen, wer der alte
Mann ist (“je veux l’apprendre“, p.1056) Um sie zu beeindrucken und für sich
zu gewinnen, erzählt ihr der Erzähler, wer der Greis ist (veränderte Situation)
Er und seine Geschichte sind also Adjuvanten. Erstens sollen sie dem Erzähler
helfen und zweitens das Rätsel lösen. Opponenten sind die Familie Lanty, da
sie den Greis und sein Geheimnis (“un secret gardé“, p.1049) verbergen will
und neugierige Fragen anscheinend nicht versteht (“Quelques indiscrets
curieux “, p.1049) Empfänger ist Madame de Rochefide, da sie des Rätsels’
L ösung (“le grand-oncle de Marianina“, p.1075) erfährt, und das Bürgertum
von Paris (“grand monde parisien“, p.1035), das auch wissen will, wer der alte
Mann ist. Der Erzähler sollte genauso Empfänger sein, nämlich Empfänger der
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Zuneigung der Madame de Rochefide, doch scheitert dies, da sie ihn verschmäht (“Laissez-moi seule“, p.1075). Die Ausgangssituation der Binnenhandlung ist zuerst die Beschreibung des Lebens von Sarrasine (Subjekt), (“le jeune Sarrasine“, p.1057) und dessen Reise nach Rom (“il vint à Rome“, p.1059), wo er als Bildhauer (“le prix de sculpture“, p.1059) arbeiten will. Dort verliebt er sich in die Opernsängerin Zambinella (Objekt), (“des cris de plaisir“, p.1060). Der Sender ist wieder die Liebe. Eine Situationsänderung tritt ein, als Sarrasine ihr seine Liebe gesteht (“dites-moi ... m’aimez“, p.1069), er erfährt, dass sie ein Kastrat ist (“affreuse verité“, p.1069) und s eine Liebe nicht erwidert (“vous ne m’aimeriez ... aimée“, p.1069). Also wird er doch nicht zum Empfänger. Der Cardinal Cicognara und die anderen Sänger der Oper sind gegen diese Liebe (“Allez, vous n’avez pas ... amoureux“, p.1066), sie sind die Opponenten. Die veränderte Situation ist, dass Sarrasines’ Gefühle gegenüber Zambinella tot sind (“Plus d’amour“, p.1074), der Cardinal Cicognara Sarrasine töten läßt (“De la part du ...“, p.1074).
Vergleicht man die beiden Erzählungen miteinander, so lassen sich Analogien bei der Figurenkonstellation feststellen. Das Subjekt ist immer ein Mann, der sich in eine Frau bzw. Kastraten (Objekt) verliebt. Der Sender ist also immer die Liebe. Außerdem ist immer ein Opponent anwesend. In der Rahmenerzählung will man verbergen, dass der alte Mann ein Kastrat ist und der Reichtum der Familie von ihm stammt. In der Binnenerzählung will man die Liebe zwischen Sarrasine und Zambinella verhindern. Die beiden Erzählungen sind durch den alten Mann miteinander verknüpft. Der Adjuvant der Rahmenerzählung ist das Objekt der Binnenerzählung. Zuerst ist er das Rätsel, dann ist er des Rätsels’ Lösung. Die Handlungen sind so miteinander verknüpft, dass die Binnenhandlung die Lösung für die Rahmenerzählung ist, sie ist die Folge der Rahmenhandlung. Hätte der Erzähler Madame de Rochefide nicht kennengelernt und hätte sie nicht darauf bestanden zu erfahren, wer der Greis ist, so hätte der Erzähler die Binnenerzählung nicht erzählt. Andererseits benutzt er die Binnenerzählung dazu, die Frau f ür sich zu
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gewinnen. In beiden Erzählungen geht es um verschmähte Liebe, sowohl der Erzähler als auch Sarrasine sind verliebt, doch bekommen beide ihr Objekt der Begierde nicht. Sarrasine wird ermordet, Madame de Rochefide ist von der Binnenerzählung so schockiert, dass sie den Erzähler wegschickt. Der Endzustand ist dem Anfangszustand ähnlich, es gibt kein Happy End, das Ende ist geschlossen.
Die beiden Geschichten spiegeln sich gegenseitig, da sie sich ziemlich ähnlich sind und ähnlich aufgebaut sind. In beiden Geschichten gibt es die Opposition “Schönheit“ gegen “Häßlichkeit“. So sind in der Rahmenerzählung Madame de Rochefide (“une des plus ravissantes ... Paris“, p.1050), Marianina (“la beauté“, p.1045), ihre Mutter (“la beauté foudroyante“, p.1045) und ihr Bruder Filippo (“la beauté merveilleuse“, p.1046) schön, ihr Vater bzw. Ehemann wird als häßlich beschrieben (“petit, laid, et grêlé“, p.1046). Auch der alte Mann ist häßlich (“ce corps étrange“, p.1051). Der Gegensatz der Welt drinnen im Ballsaal (“un salon splendide“, “la danse des vivants“, p.1043) und draußen in der Natur (“ciel nuageux“, “danse des morts“, p.1043) kann auch mit den Adjektiven “schön“ und “häßlich“ verdeutlicht werden. In der Binnenerzählung ist Sarrasine häßlich (“assez laid“, p.1059), Zambinella verkörpert das Schöne (“la beauté idéale“, p.1060). Eine weitere Opposition ist “Frau“ gegen “Mann“. In der Rahmenerzählung ist der Greis ein Mann, in der Binnenerzählung scheint diese Person eine Frau zu sein. Zambinella trägt den Gegensatz direkt in sich, da sie weder Mann noch Frau ist (“Tu n’es rien“, p.1074). Auf dem Adonis-Bild stellt “sie“ einen Mann dar (“Il est trop ... homme“, p.1054), die Statue (“la statue de Zambinella“, p.1075) im Museum ist nach “ihr“ als Frau angefertigt worden. Zambinella hat zwei Gesichter. Der Greis verkörpert beide Oppositionen. Erst ist er eine schöne “Frau“, dann ein häßlicher, alter Mann. Bis auf Filippo werden die Männer häßlich dargestellt, die Frauen als Schönheiten. Der Ball ist Chronotopos. Der Erzähler verliebt sich auf dem Ball in Madame de Rochefide, auch zwischen Sarrasine und Zambinella kommt es auf
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Arbeit zitieren:
Sylvia Hadjetian, 2001, Eine Kurzanalyse der Erzählung "Sarrasine" von Honore de Balzac, München, GRIN Verlag GmbH
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