Nach Greimas’ Aktantenmodell lassen sich in “Le Mariage de Figaro“ die Figuren in sechs Aktanten einteilen. Subjekt der Handlung ist Figaro, der Kammerdiener des Grafen. Dieser begehrt Suzanne, die Kammerfrau der Gräfin, sie ist also Objekt. Da Figaro Suzanne liebt und sie heiraten möchte, ist der Sender die Liebe. Empfänger sind Suzanne und Figaro, da beide die Liebe des anderen empfangen. Gegen diese Liebe und die daraus folgende Hochzeit ist der Graf. Er ist in Suzanne verliebt und besteht auf das ius primae noctis, er hat also die Rolle des Opponenten. Auch Marceline ist eine Opponentin der Hochzeit. Sie will durch einen Schuldschein erzwingen, dass Figaro sie heiratet. Am Ende des Stücks wird sie aber zur Adjuvantin, nachdem sich herausgestellt hat, dass Figaro ihr Sohn ist. Auch die Gräfin ist Adjuvantin. Sie steht auf der Seite ihrer Diener und will die Liebe des Grafen zurückgewinnen. Auf den ersten Blick scheinen die Relationen des Begehrens nach dem Aktantenmodell einfach und leicht verständlich zu sein, doch sind sie weitaus komplizierter, da noch weitere Figuren eine wichtige Rolle spielen. Marceline, die Wirtschafterin, wird von Bazile, dem Musiklehrer der Gräfin, verehrt. Diese will aber Figaro heiraten, wenn Bartholo, ein Arzt aus Sevilla, sie nicht heiratet, was er zunächst auch nicht will. Die beiden haben ein Kind zusammen, Emmanuel, das entführt worden ist. Letztendlich stellt sich heraus, dass Figaro der verlorene Sohn ist und er somit Marceline gar nicht heiraten kann, da sie seine Mutter ist. Bartholo ist nicht gut auf Figaro zu sprechen, da dieser die Hochzeit zwischen ihm und der Gräfin verhindert hat und die Gräfin den Grafen geheiratet hat. Suzanne ist die Nichte von Antonio, der der Schlossgärtner und Vater von Fanchette ist. Diese wiederum liebt den ersten Pagen des Grafen, Chérubin, der aber die Gräfin liebt. Schließlich liebt aber der Graf die Gräfin wieder, Chérubin hat keine Chancen bei ihr und nimmt mit Fanchette vorlieb. Chérubin liebt eigentlich alle Frauen, er ist ein Spiegel des Grafen, da dieser auch von jeder Frau sehr angetan ist. Die Gräfin ist die Patin von Chérubin. Alle Figuren sind untereinander verwandt oder durch Liebesbeziehungen miteinander verknüpft.
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Aus dieser komplizierten Figurenkonstellation ergeben sich zwei zentrale Konflikte. Der erste Konflikt besteht darin, dass der Graf das Recht auf die erste Nacht bei der Hochzeit von Suzanne und Figaro wieder einführen will, da er sich in Suzanne verliebt hat und die Gräfin für ihn nicht mehr sehr reizvoll ist, obwohl er ihr gegenüber noch immer eine Zuneigung verspürt. Der zweite Konflikt entsteht durch Marceline. Dieser schuldet Figaro Geld, wenn er dieses aber nicht zurückzahlen kann, muss er sie heiraten. Man kann zuerst annehmen, dass die Machtverhältnisse ganz eindeutig sind, Opposition “Adel“ vs. “Bürgertum“. Der Graf steht über allen, seine Frau, seine Angestellten und die Justiz sind ihm untergeordnet. Dies ist aber nicht der Fall. Die Gräfin ist auf der Seite von Suzanne und den anderen Bediensteten, sie ist deren Adjuvantin. Im Vergleich zum Grafen ist sie nicht hochmütig, sondern kümmert sie sich um ihre Angestellten und deren Bedürfnisse. Am Ende siegen die Bediensteten über den Grafen. Auch die Justiz ist nicht auf der Seite des Grafen, sie will gerecht sein und hilft schließlich Figaro gegen den Grafen und Marceline. Nicht der Graf und seine Macht stehen im Mittelpunkt, sondern seine Angestellten und seine Frau Rosine. Um sie herum bestehen mehr Relationen des Begehrens und Familienbeziehungen als um den Grafen.
Die Figuren sind alle Typen, die sich durch soziale Zugehörigkeit auszeichnen, in dem Stück handelt es sich um Adelige und Bürger, und durch Charaktereigenschaften wie z.B. Liebe und Eifersucht. Bis auf den Grafen und Marceline macht keine der Figuren eine Entwicklung durch. Er erkennt am Ende, dass er seine Frau doch noch sehr liebt, Marceline ist erst gegen Figaros’ Hochzeit, dann, als seine Mutter, unterstützt sie ihn. Auf der sytagmatischen Ebene läßt sich die Handlung in das Triadische Schema einteilen. Die Ausgangssituation ist die geplante Hochzeit von Suzanne und Figaro, gegen die der Graf ist und sein plötzlicher Anspruch auf
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die erste Nacht. Figaro beginnt mehrere Intrigen gegen den Grafen. Er will versuchen, die Situation so zu ändern. Der Graf soll wieder seine Gräfin lieben, nicht Figaros’ Geliebt Suzanne. Die veränderte Situation ist, dass der Graf zur Vernunft kommt und sich doch für seine Frau entscheidet. Figaro und Suzanne heiraten.
Paradigmatisch gesehen kommt es zu Wiederholungen und Aneinanderreihungen von Handlungsmustern, was für eine Komödie typisch ist. So werden Lügen, deren Aufdeckung und weitere Lügen aneinandergereiht. Hier kann auch das Triadische Schema angewandt werden. Chérubin springt z.B. in der 14. Szene des 2. Akts aus dem Fenster des Ankleidezimmers, dem Grafen wird erzählt, dass Suzanne alleine im Zimmer gewesen ist, doch erzählt Antonio in der 21. Szene dem Grafen, dass ein Mensch aus dem Fenster gesprungen ist. Daraufhin lügt Figaro, indem er sagt, dass er gesprungen ist. Eine Lüge folgt der nächsten.Am Ende erfährt der Graf doch noch die Wahrheit, Chérubin ist gesprungen. Ein weiteres Wiederholungsmuster ist, dass sich Chérubin ständig vor dem Grafen versteckt und immer wieder von ihm entdeckt wird. Das fängt im 1. Akt an, 9. Szene. Chérubin wird vom Grafen im Sessel entdeckt, vorher ist er auch schon bei Fanchette von ihm entdeckt worden. In der 10. Szene des 2. Akts versteckt er sich aus Angst im Ankleidezimmer und springt letztendlich aus dem Fenster. In der 6. Szene des 4. Akts erfährt der Graf, dass es Chérubin gewesen ist, der gesprungen ist. Am Schluß findet er in der 14. Szene des letzten Akts seinen Pagen im Pavillon anstelle seiner Frau. Das Planen und Scheitern von Intrigen wiederholt sich auch. So holt der Graf Marceline, um durch sie die Hochzeit von Figaro und Suzanne zu verhindern. Er hat aber nicht damit gerechnet, dass Marceline Figaros’ Mutter ist und somit der ganze Plan scheitert. Auch Figaro tappt in seine eigene Falle. Erst spannt er gegen den Grafen eine Intrige, Suzanne soll sich doch mit ihm im Park treffen, um ihn reinzulegen. Dann will er nicht mehr, dass sie sich mit ihm trifft. Sie macht es
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Arbeit zitieren:
Sylvia Hadjetian, 2001, Zu: Beaumarchais - "Le Mariage de Figaro", München, GRIN Verlag GmbH
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